
Hintergrund
«Stranger Things» Staffel 5: Diese Fragen sind offen
von Cassie Mammone

Das Finale von «Stranger Things» ist für viele Fans eine Enttäuschung. So sehr, dass sie mit «Conformity Gate» eine Theorie aufgestellt haben, der zufolge die letzte Episode nur eine weitere Täuschung Vecnas sein sollte.
Das neue Jahr hat mit dem Ende von «Stranger Things» angefangen – in doppelter Hinsicht. Einerseits, weil die Serie nach neun Jahren und fünf Staffeln nun offiziell beendet wurde. Andererseits, weil viele Fans in den sozialen Medien ihre Enttäuschung kundtun.
Achtung, es folgen Spoiler rund um die fünfte Staffel von «Stranger Things»!

Die fünfte und letzte Staffel hat einen vielversprechenden Auftakt hingelegt (inklusive einem Höhepunkt, der aus Wills jahrelangem Leiden endlich eine Superkraft machte). Die zweite Hälfte hat danach ordentlich an Auftrieb verloren. Das Finale war schliesslich Enttäuschung pur. Nicht weil es schlecht war. Sondern, weil es von der Qualität der ersten vier Staffeln weit, weit entfernt war.
«Stranger Things» ist für die Abenteuer der unterschiedlichen Heldinnen und Helden bekannt, die sich dem übernatürlichen Grauen im Städtchen Hawkins stellen. Das Mysterium lauert seit der ersten Folge im Hintergrund. Es ist jedes Mal ein Vergnügen, die Gruppe beim Aufdecken der Geheimnisse zu beobachten. Am Ende einer Staffel mündet dies meist in einem epischen Kampf gegen das Böse.

Die fünfte Staffel bedient sich derselben Formel, gibt ergreifende Charaktermomente und klug ausgedachte Twists aber zugunsten bombastischer Inszenierung auf. Der letzte Kampf gegen Vecna knallt ordentlich rein, aber das macht nicht den Charme von «Stranger Things» aus.
Dieser Meinung sind auch zahlreiche «Stranger Things»-Fans. Einige von ihnen sind so unzufrieden, dass sie aufwändige Analysen liefern, weshalb die achte Folge «Zurück auf der richtigen Seite» nicht die letzte Folge der Serie sein sollte. Die hätte stattdessen eine Woche nach dem «falschen» Finale erscheinen müssen, am 7. Januar 2026.
Die Realität ist jedoch eine andere. Nach dem Stichtag bleibt die fünfte Staffel von «Stranger Things» bei acht Folgen. Das heisst nicht, dass die Theorie keine Daseinsberechtigung hat. Sie macht auf die zahlreichen Filmfehler gegen Ende der Serie aufmerksam und ist ein Ausdruck der Unzufriedenheit der Fans.

Die Theorie mit dem Namen «Conformity Gate» sticht besonders hervor. Laut der «Conformity Gate»-Theorie sei der rund 30-minütige Epilog des Finales eine Illusion von Vecna. Er solle in der Realität nicht verloren haben oder gestorben sein, sondern unsere Helden und Heldinnen in eine Massen-Trance versetzt haben. Damit halte er sie beschäftigt.
Die zusätzliche Folge hätte das Potenzial gehabt, sämtliche Plotholes zu schliessen.
Das Verschwinden des US-Militärs: Nach einer intensiven, opferreichen Suche nach Elf ziehen sich die böse Forscherin Dr. Kay und das US-Militär aus Hawkins zurück. Für die Beteiligten gibt es keine Konsequenzen. Auch nicht für Hopper, der mehrere Dutzend Menschenleben auf dem Gewissen hat.
Das sorgt für viele Fragezeichen. Die Erklärung der Duffer-Brüder gegenüber Collider hilft da auch nicht weiter:
«[…] es gibt nicht viel mehr zu tun. [Sie] können nicht mehr die andere Dimension erkunden. Es gibt keine Elf zum Verfolgen mehr, weil sie gegangen ist. Deswegen ist meine Vermutung, dass sie langsam ihre Operation eingestellt und die Stadt verlassen haben.»

Vecna allein zu Haus: Nachdem Vecna die gesamte Hawkins-Truppe vergangene Staffel auf Trab hielt, verliert er im finalen Kampf plötzlich sein Köpfchen. Beim Ausführen seines Masterplans befindet er sich mutterseelenallein (abgesehen von seinen zwölf Geiseln, deren Anzahl übrigens auch nie geklärt wird) im Mind Flayer.
Die zahlreichen Demobats, Demodogs und Demogorgons sind verschwunden. Wohin? Ich habe keine Ahnung und die Duffer-Brüder laut eigener Aussage wohl auch nicht:
«Hauptsächlich liegt es daran, dass Vecna diese Schleichattacke in seinem eigenen Revier nicht erwartet. Niemals in einer Million Jahren hätte er sich das vorstellen können. [Die Demos] sind irgendwo dort [auf dem Planeten]. [...] Er braucht seine kleine Ameisen-Armee nicht zum Angreifen, das macht er selbst.»
Sollte ich mich eines Tages kurz vor der Weltherrschaft befinden, werde ich hoffentlich nicht so nachlässig. Aber Grossmut und so.

Bildsprache: Allem voran stehen die zahlreichen Beobachtungen, die Hinweise auf die scheinbare Illusion Vecnas liefern wollen:

Die Beobachtungen und Analysen driften teilweise in absurde Richtungen ab. Aber eines haben sie gemeinsam: Der Stichtag der wahren letzten Folge sollte am 7. Januar sein. Auch das basiere auf Beweisen. Einerseits hätten die Duffer-Brüder ein düsteres Weihnachten versprochen. Das haben wir nicht erlebt. Das wäre am 7. Januar möglich gewesen, weil dann ebenfalls Weihnachten ist – das Orthodoxe.
Darüber hinaus kommt die Zahl sieben auf dem Würfel in der letzten Szene des Abspanns vor. Es ist auch die Zahl, die Will im Dungeons-&-Dragons-Spiel in der ersten Folge kurz vor seinem Verschwinden würfelt. Kurz gesagt: Die Duffer-Brüder scheinen von der Zahl sieben besessen zu sein. Eine neue Folge bedeutet das aber lange nicht. Auch wenn sogar Netflix auf den Zug aufspringt und an Weihnachten ein kryptisches Video über eine unspezifizierte Veröffentlichung am 7. Januar teilt. Die war am Ende natürlich nur noch mehr Marketing.
Inmitten einer beunruhigenden Weltlage beobachte ich das Massenphänomen rund um die Enttäuschung über den Abschluss von «Stranger Things» mit Freude. Es ist schön zu sehen, dass so viele Menschen in dieselbe Geschichte wie ich emotional investiert waren.
So sehr ich mich über das Wahrwerden von «Conformity Gate» gefreut hätte, war es für mich von Anfang an ein Bewältigungsmechanismus der Masse. Ich kann es weniger nachvollziehen, dass Netflix und andere offizielle Stellen wie Ladenketten mit den Hoffnungen der Fans spielen. Die Theorie mag Humbug sein und die Serie fiktiv, doch die Gefühle der Menschen sind real.

Auch ich bin von der finalen Staffel enttäuscht. Es gibt aber immer noch Momente, die mich mitgenommen haben. Allen voran die Flucht von Holly und Max aus Camazotz oder jegliche Auseinandersetzungen zwischen Steve und Dustin im Upside Down. Auch der Twist rund um das Wurmloch war einfach nur wild. Man merkt, dass dieser Punkt von Anfang an geplant war, denn damit ergeben viele Handlungen von Vecna und dem Mind Flayer Sinn.
Das enttäuschende Finale kann mir den Rest der Serie nicht wegnehmen. Das Mysterium hinter den verschwundenen Personen der ersten Staffel, die Spionagespielchen zwischen Will und dem Mind Flayer, das Aufstellen einer menschlichen Dünger-fressenden Armee und die Vorstellung von Vecna als Antagonist sind fesselnde Handlungsstränge, die auch für sich allein funktionieren. Und an einem Punkt geht mir die geäusserte Enttäuschung definitiv zu weit: Von dem Fiebertraum, der die letzten Staffeln von «Game of Thrones» ist, ist «Stranger Things» weit entfernt.

Für mich bleibt «Stranger Things» etwas ganz Besonderes. Darüber hinaus freue ich mich bereits über Nachschub – wie dem angekündigten «Tales From ‘85»-Spin-off – nur mit Bedacht statt blindem Vertrauen. Ein weiteres, wenig spezifiziertes Spin-off soll sich mit dem ausserirdischen Stein beschäftigen, den der junge Henry Creel in der Wüste findet. Eine coole Idee, die jedoch in der fünften Staffel hätte behandelt werden sollen.
Um es mit den Worten eines weisen Zauberers zu sagen: «Enden? Nein, hier endet die Reise nicht.»
Titelbild: Netflix
Meinen ersten Text über Videospiele habe ich mit acht Jahren geschrieben. Seitdem konnte ich nicht mehr damit aufhören. Die Zeit dazwischen verbringe ich mit meiner Liebe für 2D-Husbandos, Monster, meinen Krawallkatzen und Sport.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
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