Smarte Lichtsysteme im Vergleich
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Smarte Lichtsysteme im Vergleich

Michael Restin
Zürich, am 03.12.2019
Wenn du deine Beleuchtung fernsteuern und automatisieren willst, musst du dich für ein System entscheiden. Neben Philips Hue gibt es noch andere Hersteller, die über den Funkstandard ZigBee, Bluetooth oder WLAN smarte Lichtlösungen liefern.

Bei all den Funktionen, Farben und Effekten, Bridges, Sensoren, Standards und Werbeversprechen ist es schwer, den Durchblick zu behalten. Was können die smarten Leuchtmittel der verschiedenen Hersteller? Und was davon brauchst du wirklich? Ich hatte immer wieder die Gelegenheit, entsprechende Produkte über einen längeren Zeitraum auszuprobieren. Deshalb möchte ich dir hier eine kleine Zusammenfassung der Vor- und Nachteile unterschiedlicher Systeme liefern, die du bei uns im Sortiment findest.

Philips Hue: der Marktführer

Das bekannteste System stammt von Philips und die smarten Produkte tragen den Namenszusatz Hue. Wie gross und wichtig der Geschäftsbereich geworden ist, zeigt sich auch daran, dass Philips Lightning keine untergeordnete Unternehmenssparte mehr ist. Sondern seit 2016 ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen, das inzwischen auf den Namen Signify hört und ungefähr 30 000 Mitarbeiter hat. Ein echter Gigant also, der weiterhin für die Hue-Produkte verantwortlich ist und das grösste Ökosystem anbietet. Leuchtmittel, Bewegungssensoren, elegante Fernbedienungen, diverse Apps und natürlich auch die Sprachsteuerung über Apple HomeKit, Amazon Alexa, Google Home & Co. sorgen für fast grenzenlose Möglichkeiten.

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Der Einstieg in die Hue-Welt war lange nur über die Hue Bridge möglich. Dieses kleine Zusatzgerät schliesst du an deinen Router an und es spannt ein zusätzliches Netzwerk auf. Dafür nutzt es den ZigBee-Funkstandard. Auf diesen haben sich weltweit über 230 Unternehmen geeinigt und entwickeln ihn weiter, damit all die smarten Geräte im Haushalt eine Sprache sprechen und miteinander kommunizieren können. Das Funknetz ist energieeffizient, stabil, einfach zu verwalten und eröffnet zahlreiche Optionen. Du kannst zum Beispiel viele Leuchtmittel und Geräte anderer Hersteller integrieren, die denselben Standard nutzen.

Der Bewegungsmelder gehört zu meinen liebsten Hue-Gadgets.
Der Bewegungsmelder gehört zu meinen liebsten Hue-Gadgets.

Ich habe die Bridge seit einigen Jahren installiert und hatte noch nie Probleme damit. Neue Produkte bindest du ganz einfach ein, ansonsten musst du dich nicht weiter mit ihr befassen. Da das zusätzliche Gerät doch eine Hemmschwelle für Einsteiger darstellt und andere Hersteller schon länger bridgelose Systeme anbieten, hat Philips inzwischen nachgezogen und Leuchtmittel auf den Markt gebracht, die sich auch über Bluetooth steuern lassen. Du erkennst sie am Zusatz BT in der Produktbezeichnung. Bis zu zehn davon kannst du ohne Bridge bedienen, die du für den vollen Funktionsumfang und den ernsthaften Einstieg in die Heimautomatisierung aber nach wie vor brauchst. Über Bluetooth stehen dir diese Basisfunktionen zur Verfügung:

  • ein- und ausschalten
  • dimmen oder heller stellen
  • Farben und Weisstöne wählen (je nach gewähltem Leuchtmittel)
  • mittels voreingestellten Szenen passende Stimmung erzeugen
  • Lampen mit mehreren Benutzern gleichzeitig steuern

Mehr dazu liest du hier:

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Das ist auf jeden Fall ein interessantes Angebot für Einsteiger, die sich so mit der Hue-Welt vertraut machen und ihr System später bei Bedarf aufrüsten können. Ich würde auf die Bridge trotzdem nicht verzichten wollen. Alleine am Bewegungsmelder, den ich in der Küche installiert habe, freue ich mich täglich mehrfach. Komme ich durch die Tür, geht das Licht an. Bin ich raus, ist es kurze Zeit später wieder aus und nachts sorgt er im Zusammenspiel mit der App für gedimmtes Licht, falls ich mich mal in die Küche verirre. Da ZigBee sehr wenig Energie verbraucht, habe ich bislang weder bei diesem Sensor noch bei meinen Dimmer-Switches die Batterien wechseln müssen.

Der dezente Dimmer Switch von Hue (rechts) neben der Fernbedienung von Eglo Connect.
Der dezente Dimmer Switch von Hue (rechts) neben der Fernbedienung von Eglo Connect.

Weil ich auf physische Schalter nicht verzichten will, sind die dezenten und wertigen Hue-Switches für mich ein weiteres Plus. Auch die Leuchtmittel selbst lassen kaum Wünsche offen, die Auswahl ist gross und wird regelmässig erweitert. Mein Favorit sind die Hue White Ambiance, die einzig ein wenig heller sein dürften. Und Hue Play macht als Ambi-Licht eine gute Figur.

Vorteile:

  • grösstes Ökosystem
  • sehr zuverlässig
  • hochwertige Produkte
  • Bewegungsmelder und Schalter erhältlich
  • Leuchtmittel anderer Hersteller integrierbar

Wer damit glücklich wird: Die Möglichkeiten sind so vielfältig und ausgereift, dass eigentlich für jede und jeden das Passende dabei ist. Die App ist gut, der Funktionsumfang wird regelmässig über Updates erweitert und über die vielen Third-Party Apps bekommst du so ziemlich alles hin, was du mit Licht anstellen kannst. Die Produktpalette wächst beständig und viele Produkte, die ebenfalls den Zigbee-Standard nutzen, sind kompatibel. Zum Beispiel Ledvance Smart+, Trådfri oder Innr. Grummeln werden nur Sparfüchse, denn andere Hersteller sind günstiger.

Eglo Connect: günstig und offline nutzbar

Seit etwa einem Jahr habe ich zwei Leuchten von Eglo Connect im Einsatz. Das System setzt auf Bluetooth und baut via Mesh-Technologie ein Netz auf, in dem die Leuchtmittel die Befehle untereinander weiterreichen. Du musst also nur in Bluetooth-Reichweite einer Lampe sein, um auch die anderen Steuern zu können, wenn der Abstand zwischen ihnen nicht mehr als 15 Meter beträgt. Bis zu 50 Eglo-Connect-Leuchten kannst du so verbinden. Das System funktioniert ebenfalls gut, alle Leuchtmittel können farbig strahlen und es sind sehr helle Modelle mit bis zu 1300 Lumen erhältlich. Dazu gibt es eine Fernbedienung und einen Bewegungsmelder.

Insgesamt ist die Anmutung nicht so hochwertig wie bei Hue und die Möglichkeiten sind begrenzter. Du kannst sie aber erweitern. Sprachsteuerung lässt sich zum Beispiel nur über den Connect Plug Plus realisieren. Wenn du es mit dem Smart Home ernst meinst, würde ich dir trotzdem Philips Hue empfehlen. Die Basisfunktionen beherrscht Eglo ebenfalls fast einwandfrei. Nur die kurze Wartezeit, bis in der App die Verbindung steht und du die Lampen ansteuern kannst, empfinde ich als störend. Inzwischen nutze ich nur noch die Fernbedienung, das funktioniert problemlos. Als Lösung für eine Ferienwohnung ist das System interessant. Du brauchst kein Netz und kannst es timen, um Anwesenheit zu simulieren. Die Befehle werden auf den Leuchtmitteln gespeichert und laufen automatisch ab. Bei mir macht Eglo Connect die Kinderzimmer bunt. Im Detail habe ich das System vor einem Jahr mit Philips Hue verglichen. Damals gab es von Philips allerdings noch keine Bluetooth-Variante, die Eglo inzwischen Marktanteile streitig machen könnte.

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Vorteile:

  • funktioniert offline mit bis zu 50 Leuchtmitteln
  • keine Bridge erforderlich
  • geschlossenes System, kein Zugriff von aussen möglich
  • alle Leuchtmittel können Farben, bei Hue sind die Color-Varianten teurer

Wer damit glücklich wird: Wenn du nicht endlose Möglichkeiten suchst, sondern nur ein paar Lampen offline und ohne Bridge steuern willst, bist du bei Eglo Connect richtig. Mit der Fernbedienung, über die du deine favorisierten Lichtstimmungen aufrufen und auch sonst alles Nötige einstellen kannst, klappt das gut. Nicht falsch verstehen: Auch bei diesem System gibt es zahllose Erweiterungen, Effekte und Automatisierungen. Aber mir hat an Eglo Connect vor allem gefallen, dass ich nicht ständig einen Bildschirm vor der Nase habe und Einstellungen optimiere.

LifX: der Farbchampion

LifX bringt Farbe in dein Leben.
LifX bringt Farbe in dein Leben.

Diesen Herbst hatte ich erstmals mit den Produkten von LifX zu tun. Die LED-Leuchtmittel der Marke sind besonders für diejenigen interessant, die sich Farbvielfalt wünschen. Mit ihrer hochwertigen Optik und Haptik, der Helligkeit und den intensiven Farben haben sie mich durchaus beeindruckt. Das sage ich, obwohl ich nicht auf allzu buntes Licht stehe. Für mich bietet die LIFX Mini Day & Dusk nahezu das perfekte Spektrum dessen, was ich mir wünsche. Vom glutroten Sonnenaufgang über Tageslicht bis zur schummrigen Abendstimmung.

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LifX wird über WLAN gesteuert, du brauchst also keine Bridge. Meine Erfahrungen damit sind gemischt: So sehr ich das Design und die Lichtleistung mag – mit dem System hatte ich so meine Probleme. Das Einbinden neuer Leuchtmittel wird schon dadurch kompliziert, dass du dich zwingend in einem 2,4 GHz WLAN befinden musst. Viele Router spannen ein zweites Netz mit 5 GHz auf, aus dem du dich mit deinem Handy oder Tablet verabschieden musst, um LifX einrichten und steuern zu können. Teilweise habe ich trotzdem mehrere Versuche gebraucht, bis ich die Leuchtmittel in der App registrieren konnte. Ausserdem habe ich die Verbindung zu den Lampen verloren, als ein Babyphone dazwischengefunkt hat. Eine Fernbedienung gibt es bei LifX nicht, aber du hast eine ansprechende App und kannst deinen Lampen auch über Amazon Alexa, Google Assistant, Apple HomeKit, Nest, IFTTT, SmartThings oder Logitech Harmony Befehle erteilen.

Sympathisch ist mir die Marke. Dafür, dass LifX nur ein paar Dutzend Mitarbeiter hat, können sich die Produkte wirklich sehen lassen. Ist die Verbindung stabil (und das ist sie meistens), sind die Leuchtmittel heller und farbenfroher als Hue. Wobei es mir irgendwann dann doch zu bunt wird.

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Vorteile:

  • schöne Farben
  • mit bis zu 1100 Lumen sehr hell
  • interessantes Design, hebt sich von der Konkurrenz ab
  • Alexa, Assistant, Apple – viele Integrationsmöglichkeiten

Wer damit glücklich wird: Farbfreunde und Individualisten kommen auf ihre Kosten. Apropos Kosten: Der Preis ist eher High End, das Lichterlebnis allerdings auch. Schöne Stimmungen und mehr Helligkeit als bei Hue sind möglich. Wenn das System reibungslos funktioniert, ist alles top. Bei WLAN-Problemen wirst du es verfluchen. Dazu lässt sich keine allgemein gültige Aussage machen, es finden sich Fans und Verzweifelte. Ich würde einen physischen Schalter vermissen und LifX deshalb mit Logitech Harmony kombinieren.

Yeelight: der Preistipp

Eines habe ich noch. Meine Licht-Erfahrung mit Xiaomi beschränkt sich bislang auf die Desk Lamp. Diese Erfahrung war positiv. Was das chinesische Unternehmen produziert, kommt meist hochwertig und günstig daher. Das smarte Yeelight habe ich noch nicht ausprobiert, aber ich will es dir trotzdem nicht vorenthalten. Es funktioniert wie LifX über WLAN und ist mit Android, iOS, Amazon Alexa, Google Assistant und IFTTT kompatibel. Der Preis ist klein und die Zufriedenheit der Nutzer ziemlich gross. User mattsrules bringt es in seiner Fünf-Sterne-Bewertung so auf den Punkt: «Ausser dass man bei Yeelight einen Account erstellen muss und die Chinesen nun wissen welche Lampen ich bei mir installiert habe sehe ich keinen Grund, weshalb ich mir eine viel teurere Philips Hue zulegen soll.»

Wer damit glücklich wird: Die Sparfüchse, die bei den Hue-Produkten gegrummelt haben und eine einfache WLAN-Lösung suchen.

Wofür auch immer du dich entscheidest – ich hoffe, dir mit meinen Erfahrungen ein wenig geholfen zu haben und freue mich über Kommentare zum Thema. Mehr Licht und Schatten von mir findest du hier.

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Michael Restin
Michael Restin
Editor, Zürich
Das Glück ist flüchtig, also bleibe ich in Bewegung. Auf dem Bike, am Ball (Grösse und Farbe egal) und bei allem, was der Fantasie zweier Kinder entspringt. Ich liebe es, meinen Spieltrieb auszuleben und Zufällen eine Chance zu geben. Denn wenn der Weg das Ziel ist, dann soll es ein schöner sein.

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