Smart TV vs. Privatsphäre: Wie Apple und Samsung Daten austauschen
Hintergrund

Smart TV vs. Privatsphäre: Wie Apple und Samsung Daten austauschen

Dominik Bärlocher
Zürich, am 07.01.2019
Der Deal zwischen Apple und Samsung steht: Auf Samsung-Fernsehern wird ab Frühjahr 2019 Apple TV und iTunes unterstützt. Das wirft vor allem eine Frage auf: Droht Apple-Nutzern der Verlust ihrer Privatsphäre?

Samsung hat an einer halböffentlichen Pressekonferenz an der CES 2019 in Las Vegas bekannt gegeben, dass ab Frühjahr 2019 auf all ihren jüngeren Smart TVs iTunes und Apple TV laufen wird. Das überrascht, denn sowohl Samsung wie auch Apple sind notorische Eigenbrötler, wenn es um Software geht.

Jetzt aber machen die zwei Giganten gemeinsame Sache. Via Bixby – dem proprietären Sprachassistenten Samsungs – wirst du direkt auf Apple TV, Airplay und iTunes zugreifen können.

Die grosse Frage: Wer hört was wo mit?

Ein Blick in die Landschaft der Konzerne

Samsung setzt seit Jahren auf Tizen, einem auf dem Linux-Kernel basierenden Betriebssystem, das Android nicht unähnlich ist. Obwohl eine Reihe von Herstellern und Anbietern zur Tizen Association gehören – darunter Fujitsu, Huawei, NEC Casio, Orange, Sprint und Vodafone – läuft die Software bis dato nur auf rund 20 Geräten aus dem Hause Samsung. Die Fernseher des südkoreanischen Konzerns werden ab Baujahr 2018 mit Apple-Integration versorgt.

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QE65Q6FN (65", 4K, LCD, 2018)
Samsung QE65Q6FN (65", 4K, LCD, 2018)
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UE55NU7400 (55", 4K, LCD, 2018)
Samsung UE55NU7400 (55", 4K, LCD, 2018)

Apple setzt derweil auf proprietäre Betriebssysteme. Etwa macOS für Computer, watchOS für Smartwatches, tvOS für Apple TV und iOS für iPhones und iPads. Obwohl diese untereinander so uneingeschränkt kompatibel sind wie kein anderes Ökosystem, so ist dieses in der Regel nur für Apple-Nutzer mit Apple-Geräten vollumfänglich und barrierefrei nutzbar.

Neu sitzt bei Samsung offensichtlich irgendwo ein Team, das sich mit der Integration der Apple-Produkte beschäftigt. Oder aber Apple macht das und hat ein Tizen-Team irgendwo in Cupertino. Wie genau das funktioniert und wer was entwickelt, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch unklar. Es ist aber nicht wahrscheinlich, dass Apple Code aus dem eigenen Haus herausgibt.

Die Frage nach der Datenspionage

Anbieter von Software- und Hardwarelösungen zeichnen in der Regel Nutzerdaten auf. Dabei handelt es sich meist um Metadaten, die nur in Kombination mit anderen Daten eine zweifelsfreie Identifikation des Nutzers möglich macht oder zulässt, dass Informationen an Dritte abfliessen. Etwa wie ein Fernsehzuschauer auf seinem Samsung-TV das 8K Upscaling empfindet, oder ob er sich mehr Cartoons ansieht als Actionfilme. Diese Fragen werden dann dazu genutzt, um einem Grossteil der Nutzer ein noch besseres Technologieerlebnis zu bieten. Und manchmal auch dazu, um durch Verkauf der Daten etwas Geld zu machen. Steht alles in den AGB.

Apple hingegen hat hier noch nie mitgemacht. Da findet zwar Datenanalyse statt, die Daten werden aber nach aktuellem Wissensstand nicht weiterverkauft oder weitergegeben, selbst wenn das ein Milliardengeschäft wäre. In der Schweiz macht Apple nur wenig Werbung damit, aber auf dem Weg ins Stadtzentrum der Amerikanischen Stadt Las Vegas passieren Videoproduzentin Stephanie Tresch und ich jeden Tag ein Plakat, auf dem «What happens on your iPhone stays on your iPhone» steht. Apple nimmt die Privatsphäre seiner Nutzer sehr ernst und geht da selten bis nie Kompromisse ein. Selbst, wenn die Regierung einer Nation daherkommt.

Daher ist die Frage, ob nun der Smart TV, der gerne Daten zu Analysezwecken sammelt, auf die Daten eines privatsphärenbegeisterten Konzerns zugreifen kann, eine berechtigte.

Antwort auf die Frage hat der Journalist Nilay Patels in einem Artikel für das Online Tech Mag The Verge erhalten. Dies, obwohl Apple nur selten Fragen von Journalisten beantwortet.

“ Apple tells me that Samsung will not be able to track usage inside the iTunes Movies & TV Shows app. But the press release says iTunes will work with Samsung’s Bixby assistant, search, and guide features, so we’ll have to see how what data powers those things when it ships in the spring. ”
Nilay Patel, The Verge, 6. Januar 2019

Wo Samsung mithören kann

Die Methode, die Apple und Samsung anwenden, ist schlau. Denn auch wenn Samsung nicht auf die Daten der Apple Software zugreifen kann, so werden Befehle und anderes doch durch Samsung-Produkte hindurchgeschleust.

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Sprich, wenn du Bixby den Auftrag gibst, die Folge «Trouble with Tribbles» der ersten Serie aus dem «Star Trek»-Universum – hierzulande als «Raumschiff Enterprise» bekannt – via Apple TV abzuspielen, dann sagst du «Bixby, lass "Trouble with Tribbles" laufen». Bixby hört zu, analysiert das Kommando, sucht die API – salopp gesagt die Schnittstelle – zu Apple TV und übergibt das interpretierte Kommando an Apple TV, das dann wiederum die Folge abspielt.

Dieser Zwischenschritt des API Calls ist theoretisch ein Ort, an dem Samsung mithören und Metadaten sammeln könnte, ohne auf die App-Daten Apple TVs Zugriff zu haben. Ob der Konzern das nun tut oder nicht, ist bis dato noch unbekannt.

Eine andere theoretische Möglichkeit zur Datensammlung besteht darin, dass der Samsung-Fernseher von Apple TV mit Metadaten zu «Trouble with Tribbles» versorgt wird, denn irgendwo auf dem Bildschirm wird wohl eine Einblendung mit dem Seriennamen und dem Folgentitel sowie anderen Daten zu sehen sein.

Wie du dem entkommen kannst

Wenn du einen Samsung-Fernseher hast, aber nicht willst, dass Samsung mithört, dann gibt es nur einen Weg, abgesehen von dem, den Fernseher zu verkaufen. Du brauchst Peripherie Apples. Sprich eine Apple TV Box.

Apple TV unterstützt Siri und Siri ist im Ökosystem Apples eingebettet. Daher zeichnet sie nichts auf, das Apple TV nicht auch zu Analysezwecken aufzeichnen würde mit Ausnahme deines Stimmbildes.

Wie genau aber die Datensammlung aussieht und ob und wie Samsung Daten abgreift, wird sich erst im Frühjahr zeigen. Klar ist aber, dass Samsung höchstwahrscheinlich auch einen gewissen Profit aus dem Deal schlägt. Das ist keine Frage. Die Frage aber ist die: Wo und wie profitieren die Konzerne und worauf müssen wir User achtgeben?

Alle Artikel zur CES 2019 findest du hier.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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