
«Silver Palace» sieht toll aus – aber die Gacha-Mechaniken halten mich wohl trotzdem fern
Viktorianische Grossstadt trifft auf Anime-Action und rasante Echtzeitkämpfe: «Silver Palace» macht mich neugierig. An der Gamescom durfte ich 30 Minuten selbst ran – und kam begeistert und beunruhigt wieder raus.
Der erste Trailer zu «Silver Palace» macht mich sofort neugierig. Eine riesige, vom viktorianischen Zeitalter inspirierte Stadt, gepaart mit Anime-Look, Fantasy, Detektivarbeit und schnellen Kämpfen. So ziemlich alles, was mir gefällt, bunt zusammengewürfelt. Silver Studio entwickelt den Titel mit der Unreal Engine 5, Elementa ist als Publisher mit an Bord.
Das Genre, in dem sich «Silver Palace» bewegt, ist inzwischen ziemlich übersättigt. «Genshin Impact», «Zenless Zone Zero» und «Wuthering Waves» sind längst etabliert, und mit «Ananta» steht ein weiterer Konkurrent in den Startlöchern. Elementa vermeldet bereits über zehn Millionen Vorregistrierungen für «Silver Palace», ein Release-Termin fehlt aber noch. Der Titel dürfte im nächsten Jahr launchen. Geplant sind Mobilgeräte, PC und PS5.
An der Gamescom bekomme ich rund 30 Minuten Zeit mit dem Spiel. Und ich muss sagen: Optik und Inszenierung von «Silver Palace» halten locker mit der Konkurrenz mit.
Action satt
Schon das Intro zaubert mir ein Grinsen ins Gesicht. Alles funkelt und spiegelt sich. Maximaler Kitsch, aber hier funktioniert es. Die Königin verleiht mir eine Auszeichnung. Kurz darauf bricht die Hölle los. Eine, nein, zwei Statuen erwachen zum Leben und greifen die Königin an. Selbstverständlich zücke ich meine Waffen und helfe.

Quelle: Elementa
Wer «Zenless Zone Zero» kennt, wird sich beim Kämpfen sofort zurechtfinden. Ich stelle ein Team zusammen und wechsle im Kampf zwischen den Figuren – immer im richtigen Moment, um auszuweichen oder zu kontern. Klappt das Timing, fühlt sich das schon in der kurzen Demo richtig gut an. Diese Kämpfe inszeniert «Silver Palace» grandios: Animationen, Ultimates, Finisher – hier merkt man, dass Setpieces eine tragende Rolle spielen.
Vier Charaktere darf ich ausprobieren, alle mit eigenem Waffentyp und Spielstil. Und genau hier wird die Gacha-DNA des Spiels offensichtlich: Die Charaktere sind klar als zentrales Sammel- und Fortschrittselement angelegt. Wie die Monetarisierung am Ende aussehen wird, weiss ich noch nicht – aber die Richtung lässt sich erahnen.
Silvernia: eine Stadt zum Verlieben
Nach dem Bosskampf geht es rein nach Silvernia – Gaslaternen, Kutschen, Uhrentürme, verwinkelte Gassen, dazu die magische Technologie namens «Silverium», die sich wie ein roter Faden durch die Welt zieht. Als Bonus darf ich auf einem Pegasus durch die Stadt fliegen, was das Erkunden spürbar angenehmer macht. Pferderennen sollen später ebenfalls möglich sein. Derzeit wirkt die Welt noch etwas leer. Hoffentlich werden die Strassen Silvernias noch belebter.

Quelle: Elementa
Was mich am meisten überzeugt: Die Ästhetik wirkt nicht aufgesetzt, sondern durchdacht. Dynamisches Wetter und ein Tag-Nacht-Zyklus runden das Bild ab, und auch technisch wird die Unreal Engine 5 gut genutzt. Selbst die Musik, ein Mix aus klassischen und elektronischen Klängen, passt erstaunlich gut zu dieser Zeitreise mit Fantasy-Twist.
Nach einer kurzen Erkundungspassage geht es in einen zweiten Bosskampf. Diesmal wohl früher im Spiel, denn mir steht nur der Hauptcharakter, die Detektivin, zur Verfügung. Ich kämpfe gegen eine der Figuren, die ich beim Statuen-Kampf noch selbst gespielt habe. Diese attackiert mich von einer Kutsche aus – für Abwechslung bei den Bossen dürfte also gesorgt sein.
Neben den Kämpfen gibt's auch eine Detektiv-Rolle zu spielen. Ermittlungen und die Geheimnisse Silvernias sollen künftig einen grösseren Teil des Spiels ausmachen. In meiner Demo habe ich davon nur im Intro was gesehen.

Quelle: Elementa
Meine grosse Sorge: noch ein Gacha-Spiel unter vielen
Rein spielerisch und optisch bin ich nach meiner Anspielsession positiv überrascht. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr macht sich bei mir ein ungutes Gefühl breit: Wird «Silver Palace» am Ende ein weiterer austauschbarer Vertreter eines längst übersättigten Genres?
Die Zutaten dafür sind alle da. Vier spielbare Figuren in einer 30-minütigen Demo und ein Banner-verdächtiges Sammelsystem – das kenne ich aus etlichen anderen Titeln, und meistens läuft es am Ende auf dasselbe hinaus: Wer die interessantesten Figuren und damit die volle Kampftiefe erleben will, muss entweder Geld in die Hand nehmen oder ewig grinden. Die Weltgestaltung und die Inszenierung, die mich in Silvernia so begeistert haben, geraten schnell zur Nebensache. Hinzu kommt, dass der Zwang zu Käufen durch den Multiplayer mit dem Namen «House of Greed» wohl noch verstärkt wird.

Quelle: Elementa
Gerne hätte ich ein Spiel wie «Silver Palace» ohne In-App-Käufe. Ein Vollpreistitel, bei dem ich alle Charaktere von Anfang an bekomme oder zumindest über normalen Spielfortschritt freischalte, ohne Zufallsziehungen. Bei einer Welt und einer Inszenierung, die schon jetzt Konsolenformat-Niveau erreichen, würde mich das enorm reizen. Silvernia hat das Potenzial, eine Stadt zu sein, die ich einfach erkunden will, ohne ständig zu überlegen, ob sich ein Banner lohnt oder nicht.
«Silver Palace» befindet sich aktuell in der Entwicklung, ein Release-Termin steht noch nicht fest. Das Spiel soll für Mobilgeräte, PC und PlayStation 5 erscheinen.
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.
Interessantes aus der Welt der Produkte, Blicke hinter die Kulissen von Herstellern und Portraits von interessanten Menschen.
Alle anzeigen











