Michelle Brändle
Produkttest

Schon einmal von Gaomon-Tablets gehört? Ich war neugierig und habe eines ausprobiert

Kein stundenlanges Treiber-Gefummel. Einfach einstecken und loszeichnen: Das Gaomon Pro 19 verspricht ein 4K-Zeichenerlebnis ohne die typischen Frustmomente.

Wenn du mit Display-Tablets arbeitest, kennst du das Prozedere: Treiber installieren, neustarten, Kabelwirrwarr sortieren und hoffen, dass das Notebook die Bildschirmauflösung beim ersten Versuch erkennt. Umso erfrischender ist mein Testgerät von Gaomon. Die Marke war mir bislang unbekannt. Nun erfreue ich mich an ihren unkomplizierten Produkten. Doch das allein reicht nicht, um als gutes Tablet bei mir zu punkten.

Hinweis: Gaomon-Produkte sind nicht im Shop erhältlich.

Mattes Display und angenehme Ergonomie

Als ich das Gaomon Pro 19 aus der Verpackung nehme, fällt mir sofort auf, wie leicht es sich anfühlt. Bei einer Displaygrösse von 18,4 Zoll und mit dem zusätzlich angebrachten Standfuss wiegt es nur 2,3 Kilogramm. Das Konkurrenzmodell von XPPen wiegt ohne Standfuss schon so viel.

Inklusive Standfuss ist das Gaomon Pro 19 ziemlich leicht.
Inklusive Standfuss ist das Gaomon Pro 19 ziemlich leicht.

Der Hersteller verbaut ein LCD im 16:9-Format mit einer Auflösung von 3840 × 2160 Pixeln. Gaomon beschichtet es mit einem matten Antireflexionsglas. Das verschluckt Spiegelungen sehr gut, so dass ich klare Sicht habe. Durch die sehr feine Struktur auf dem Glas habe ich gleichzeitig genug Grip beim Zeichnen und trotzdem gleitet der Stift angenehm über die Oberfläche.

Die Helligkeit beträgt 220 Nits. Das ist nicht besonders hell. Für Innenräume reicht das aber und für draussen ist das Gerät ohnehin nicht gedacht. Gaomon gibt zusätzlich das Farbvolumen des Tablets an. Das ist die Gesamtmenge an Farben, die das Pro 19 (in Prozent) darstellen kann. Die folgenden Werte zeigen, dass du sowohl im Foto- als auch im Videobereich sehr gut aufgehoben bist, wenn du farbkritisch arbeiten musst:

  • 99% sRGB (Internetstandard)
  • 96% Adobe RGB (Fotodruck)
  • 98% DCI-P3 (Filme und Videos)
Die Farbraumabdeckung lässt keine Wünsche offen.
Die Farbraumabdeckung lässt keine Wünsche offen.

Hardware, Stylus und sehr viel Zubehör

Dass bereits ein Standfuss am Tablet befestigt ist, macht das Aufstellen des Gaomon Pro 19 besonders einfach. Ich kann damit im Winkel von 20 bis 80 Grad arbeiten. Daneben liefert der Hersteller folgendes Zubehör mit:

  • G-Pro Stylus
  • Stifthalter mit integrierten Ersatznibs (Stiftspitzen)
  • 10 Standardnibs
  • 10 Fliznibs
  • Stifthalterung fürs Tablet
  • Netzteil (EU-Stecker)
  • HDMI-Kabel
  • USB-C-zu-USB-A-Kabel
  • Mickofaser-Putztuch
  • Handschuh
Gaomon legt dem Tablet so einiges bei.
Gaomon legt dem Tablet so einiges bei.
In der Stifthalterung finde ich weitere Nibs.
In der Stifthalterung finde ich weitere Nibs.

Auf der Rückseite verbinde ich das Tablet mit dem Strom. Hier muss ich auf meinen Notvorrat an Schweizer Adaptern zurückgreifen, weil Gaomon nur einen EU-Stecker beilegt. Als Verbindung mit einem zweiten Gerät stehen entweder HDMI oder USB-C zur Verfügung. Für zweiteres legt Gaomon zwar ein USB-C-zu-A-Kabel bei, ein USB-C-zu-C-Kabel fehlt. Das brauche ich aber, wenn ich nur ein einziges Kabel zwischen Laptop und Tablet haben will. Mit C-zu-A klappt das bei modernen Laptops ohne HDMI/USB-A nicht ohne Adapter.

Nutze ich USB-C-zu-C, ist das Anschliessen ein Kinderspiel.
Nutze ich USB-C-zu-C, ist das Anschliessen ein Kinderspiel.

Mit meinem eigenen USB-C-Kabel habe ich das Problem schnell gelöst und bin happy: Noch nie hat sich ein Grafiktablet so einfach mit meiner Hardware verbunden und direkt funktioniert. Damit der Stylus richtig erkannt wird, brauche ich aber dennoch die passende Software.

Software und Installation funktionieren super einfach

Nutzen kann ich das Grafiktablet mit Windows, Mac, Linux und Android. Installiere ich den Treiber, habe ich zwar nur wenige Einstellungsmöglichkeiten. Das führt aber auch zu weniger Problemen und ich kann schnell starten. Ich definiere lediglich den Arbeitsbereich, der auf dem Grafiktablet gespiegelt werden soll.

In der Software kann ich das Nötigste einstellen.
In der Software kann ich das Nötigste einstellen.

Beim Stylus definiere ich, was für eine Aktion beim Drücken der beiden Knöpfe passiert. Die Aktionen kann ich auch auf einzelne Anwendungen beschränken. So stelle ich etwa ein, dass bei Clip Studio Paint der eine Knopf direkt auf den Radiergummi stellt und der andere zurück auf einen Pinsel.

Die Möglichkeit zur Bildschirmkalibrierung hat allerdings Verbesserungspotenzial. Die Anweisung, was ich bei der Kalibrierung zu tun habe, wird mir in weisser Schrift angezeigt – auf weissem Hintergrund. Ich brauchte einen mühsam langen Moment, das zu kapieren und zu entziffern.

Finde den Text (und entziffere ihn).
Finde den Text (und entziffere ihn).

Malen macht Spass, dürfte aber noch etwas schneller sein

In meinem Test nutze ich zum Zeichnen das Programm Clip Studio Paint. Gaomon unterstützt die Software. Deshalb kann ich die programmierbaren Shortcuts für den Stylus auch direkt an Clip Studio Paint anpassen.

Was ich aber vermisse, sind weitere Möglichkeiten für Shortcuts. Da das Grafiktablet keine Touchfunktion unterstützt und keine weiteren Knöpfe zur Verfügung stellt, muss ich alles mit dem Pen oder über die Tastatur meines Laptops eingeben. Zoomen, Dinge verschieben und Arbeitsschritte rückgängig machen dauert damit etwas länger als nötig. Konkurrenten wie XPPen und Huion bieten im Lieferumfang von Pro-Modellen eine praktische Shortcut-Tastatur an. Bei Gaomon bekomme ich nicht einmal separat eine.

Meine einzigen Shortcut-Tasten finde ich auf dem Stylus.
Meine einzigen Shortcut-Tasten finde ich auf dem Stylus.

Das Zeichnen selbst läuft flüssig. Der Stylus erkennt über 16 000 Druckstufen – und das merke ich. Meine Linienführung erkennt das Tablet präzise, sodass ich mit wenig Aufwand ganz dünne oder ganz dicke Striche male. Beim Skizzieren liebe ich es, den Stift auch mal etwas zu neigen und so das Bild zu schraffieren. Dass ich ausserdem zwei Sorten an Nibs zur Verfügung habe, finde ich ebenfalls angenehm. Die filzigere Variante mag ich besonders beim Ausmalen. Die härtere Stiftspitze passt gut für Details und Outlines.

Das Skizzieren läuft flüssig.
Das Skizzieren läuft flüssig.

Erst beim Ausmalen von grösseren Flächen bemerke ich eine Latenz des Stiftes. Allerdings habe ich das Problem auch mit anderen Profi-Tablets bemerkt, und auch da nicht herausgefunden, wo das Problem liegt. Insgesamt stört mich das aber kaum.

Bei grossflächigen Ausmalen des Wolfes brauche ich mehr Geduld, weil der Cursor etwas hinterherhinkt.
Bei grossflächigen Ausmalen des Wolfes brauche ich mehr Geduld, weil der Cursor etwas hinterherhinkt.

Fazit

Gaomon ist unkompliziert, mir fehlt aber einiges

Das Gaomon Pro 19 hat mich positiv überrascht. Wer ein gestochen scharfes 4K-Display-Tablet sucht, das ohne stundenlanges Treiber-Gefummel einfach funktioniert, ist hier richtig. Das matte Glas fühlt sich beim Zeichnen toll an und die Farbwiedergabe spielt in der Liga der etablierten Platzhirsche mit.

Aber du musst auch Abstriche machen: Als Schweizer und Schweizerin brauchst du einen Adapter für EU-Stecker. Ohne Touch-Gesten, physische Tasten am Gehäuse oder eine mitgelieferte Remote dauern Zoom- und Navigationsschritte spürbar länger. Gaomon packt im Vergleich zur Konkurrenz XPPen und Huion zudem weit weniger Zubehör ein. In denen Pro-Modell-Ausführungen finde ich beispielsweise direkt mitgelieferte Shortcut-Tastaturen, jeweils einen zweiten Stylus und auch die USB-C-zu-C-Kabel liegen bei.

Gaomon sortiert sich preislich zwischen meinen Favoriten ein: Während der Hersteller für dieses Modell auf der Webseite 640 Euro verlangt, liegt das Huion Kamvas Pro 19 mit 760 Franken (800 Euro) leicht darüber. XPPen verlangt für sein Artist Pro 19 sogar nur 570 Franken (600 Euro). Einzig Wacom schiesst mit den Preisen völlig ins Jenseits: Das Cintiq Pro 17 kostet ganze 2500 Franken – und ich kann es nicht einmal empfehlen.

Pro

  • scharfes 4K-LCD mit hervorragender Farbabdeckung
  • angenehm mattes Antireflexglas
  • kinderleichte Plug-and-Play-Einrichtung
  • Standfuss (20 bis 80 Grad) mit dabei und bereits montiert
  • präziser Stylus inklusive zwei Sorten Ersatznibs

Contra

  • kein USB-C-zu-C-Kabel mitgeliefert
  • keine Touchfunktion
  • keine Shortcut-Tastatur oder -Knöpfe
  • nur EU-Stecker dabei (kein CH)
Titelbild: Michelle Brändle

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Seit ich einen Stift halten kann, kritzel ich die Welt bunt. Dank iPad kommt auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Daher teste ich am liebsten Tablets – für die Grafik und normale. Will ich meine Kreativität mit leichtem Gepäck ausleben, schnappe ich mir die neuesten Smartphones und knippse drauf los. 


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