Samsung Galaxy Tab S6 im Test: Schöne Technik, aber wofür?
Review

Samsung Galaxy Tab S6 im Test: Schöne Technik, aber wofür?

Jan Johannsen
Jan Johannsen
Hamburg, am 07.11.2019
Samsung beweist mit dem Galaxy Tab S6 erneut, dass sie gute Technikprodukte bauen können. Am Ende bleibt allerdings die Frage: Wofür brauche ich heute noch ein Tablet?

Das Galaxy Tab S6 ist flacher als so manches Smartphone und wirkt mit seinem Aluminiumgehäuse elegant und robust. Mit seiner geringen Dicke lässt es sich gut einpacken – zum S Pen als Problem dabei, komme ich später – und gut festhalten. Auch mit einer Hand. Dafür ist es hilfreich, dass das Display nicht randlos ist. Der schmale Rahmen sorgt dafür, dass du das Tablet halten kannst, ohne den Touchscreen zu berühren.

Schönes Display und flotte Hardware

Das Super-AMOLED-Display misst in der Diagonalen 10,5 Zoll, hat eine Auflösung von 2560 × 1600 Pixeln und ist eine Augenweide. Das Bild ist gestochen scharf und die Farben leuchten kräftig, wirken dabei aber nicht unnatürlich. Die Helligkeit lässt sich bei Bedarf sehr hoch schrauben und das Schwarz ist wirklich Tiefschwarz. Das audiovisuelle Erlebnis des Galaxy Tab S6 runden vier Lautsprecher von AKG ab. Jeweils zwei befinden sich rechts und links an den kurzen Seitenrändern. Dadurch ist immer ein Stereosound zu hören – egal wie du das Tablet hältst. Der Klang hat ordentlich Volumen, kann sehr laut sein und ist sehr klar. Einzig der Bass könnte stärker sein, aber wie soll das bei einem so flachen Gerät gehen.

In Puncto Rechenleistung ist das Tab S6 ebenfalls sehr gut aufgestellt. Er hat den Snapdragon 855 von Qualcomm und je nach Modellvariante sechs oder acht Gigabyte Arbeitsspeicher an Bord. Mein Testgerät hatte mit seinen acht Gigabyte kein Problem mit grafisch anspruchsvollen Spielen und ließ mich auch beim Start von Apps nicht lange warten. Oder anders gesagt: Das Galaxy Tab S6 kann in Sachen Leistung problemlos mit günstigen Notebooks mithalten. Der Prozessor erreicht zum Beispiel bei Geekbench 5 mit 746 Punkten im Single-Core- und vor allem mit 2498 Punkten im Multi-Core-Modus ähnlich Werte wie der Intel Core i5 im neuen Acer Aspire 5. Dessen Grafikchip hängt die GPU des Snapdragon allerdings immer noch ab.

Android nähert sich Windows an

Zweiter wichtiger Punkt bei der Frage, ob das Tablet das Notebook ersetzen kann: Was kann die Software? Hier hält das Galaxy Tab S6 Android 9 Pie für dich bereit. Das Betriebssystem von Google ist versehen mit der Benutzeroberfläche One UI von Samsung und das Angebot an Apps und Funktionen ist inzwischen kein Nachteil mehr gegenüber Windows. Von wenigen Ausnahmen abgesehen gibt es jedes wichtige Office-Programme, die du zum Arbeiten brauchst auch für Android: Word, Excel, PowerPoint, dazu dann noch die Google-Dienste und selbst Bildbearbeitung ist mit Photoshop oder Snapseed möglich. Der Funktionsumfang ist eventuell etwas eingeschränkt, sollte dir aber die Arbeit nur in wenigen Fällen verunmöglichen.

Mit Samsung Dex und der Multi-Window-Ansicht hält das Galaxy Tab S6 zwei Funktionen bereit, die ebenfalls dabei hilfreich sind, den klassischen Laptop nicht mehr zu benötigen. Dex ist ein Desktop-Modus für Android. Er kommt zum Einsatz, wenn du das Tablet per USB-C-Kabel mit einem Monitor verbindest. Achtung: Die USB-C-Kabel sehen zwar alle gleich aus, aber nicht jedes kann Bilddaten übertragen. USB 3.1 Gen 1 ist hier als Standard mindestens nötig, mit USB 3.1 Gen 2 solltest du auf der sicheren Seite sein. Samsung Dex ist für die Bedienung mit Maus und Tastatur an einem Monitor ausgelegt und verlangt weniger als die herkömmliche Ansicht nach Toucheingaben. Zudem können bis zu fünf Programme parallel in verschiedenen Fenstern laufen.

Mit der Multi-Windows-Ansicht bekommst du in der klassischen Android-Ansicht auf dem Tab S6 immerhin zwei Apps gleichzeitig geöffnet. Die sind dann natürlich nicht riesig groß, aber es kann schon sehr praktisch sein, nicht immer zwischen zwei Apps hin und her wechseln zu müssen.

Kameras als Scanner und Webcam

Samsung preist das Galaxy Tab S6 als sein erstes Tablet mit Dualkamera an. Du sollst aber gar nicht erst auf die Idee kommen mit dem Tablet bei Familienfeiern, Konzerten oder im Urlaub Fotos oder Videos aufzunehmen. Deswegen teste ich die Kamera nicht im klassischen Sinn, sondern sage dir, dass die Auflösung von 13 Megapixeln für das Scannen von Dokumenten völlig ausreichend ist und der Weißabgleich gut funktioniert. Die Frontkamera mit einer Auflösung von acht Megapixeln, nutzt du bitte auch nicht für Selfies. Nicht, weil sie so schlecht aussehen würden, sondern weil es einfach albern aussieht, wenn du dich mit dem großen Tablet selbst fotografiert. In Videokonferenzen stichst du mit ihr aber die meisten Laptops aus, deren Webcam deutlich schlechter sind.

Der S Pen und eine Tastatur

Samsung legt dem Galaxy Tab S6 einen Eingabestift bei. Mit einem Magneten hält er sich auf der Rückseite des Tablets fest und lädt sich dort automatisch drahtlos auf. Allerdings ist die Verbindung nicht sonderlich fest. Spätestens, wenn du das Tablet in eine Tasche einpackst, geht der Stift ab. Aber auch wenn du das Tablet in der Hand hältst, kann sich der Stift leicht lösen. Während des Tests sorgte ich mich immer, dass er abfällt. Ein Schutz dagegen könnte das Book Cover von Samsung sein. Das hat eine Mulde, die den Stift umschließt, so dass er nicht verloren geht.

Der S Pen unterscheidet sich optisch von dem des Galaxy Note 10, bietet aber die gleichen Funktionen. Du kannst mit ihm Zeichnen, Schreiben – die Schrifterkennung ist sehr gut – und das Tablet fernsteuern.

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Um das Notebook ersetzen zu können, ist eine Tastatur allerdings wichtiger als ein Eingabestift. Die bietet Samsung mit dem Book Cover Keyboard an. Zu ihr gehört ebenfalls ein Standfuß mit dem du das Tablet aufstellen kannst. Ich konnte leider nicht ausprobieren, wie gut es sich auf der Tastatur schreibt und ob sich das Tablet so auf dem Schoß nutzen lässt. Aber wenn du überlegst das Tablet als Notebookersatz zu verwenden, kommst du um dieses Zubehör nicht herum. Theoretisch könntest du jede Bluetooth-Tastatur mit dem Tab S6 verbinden, aber das dürfte in der Praxis nicht so komfortabel sein wie die Tastaturhülle.

Akku, Fingerabdrucksensor und mehr

Der Akku des Galaxy Tab S6 fällt mit 7040 mAh doppelt so groß aus, wie bei einem durchschnittlichen Smartphone. Das Display ist zwar größer, aber die Hard- und Software identisch. Am Ende führt das zu einer deutlich längeren Akkulaufzeit als bei einem Smartphone. Ein ganzer Tag war mit dem Tablet kein Problem. Da kann kaum ein Notebook mithalten. Aufgeladen wird die Batterie über einen USB-C-Anschluss und das geht dank Schnellladefunktion recht flott.

Wie beim Galaxy S10 befindet sich der Fingerabdrucksensor des Galaxy Tab S6 unter dem Display. Beim Entsperren leuchtet ein Symbol an der Stelle auf, auf der du deinen Finger ablegen musst. Die Entsperrung funktionierte immer schnell und zuverlässig. Zusätzlich steht dir auch eine Gesichtserkennung mit der Frontkamera zur Verfügung.

Den internen Speicher des Galaxy Tab S6 kannst du mit einer microSD-Karte erweitern, aber auch bereits beim Kauf zwischen 128 und 256 Gigabyte wählen. Je nach Kapazität ist der Arbeitsspeicher sechs oder acht Gigabyte groß. Zudem ist wichtig zu wissen, dass es das 256-GB-Modell nur als LTE-Variante gibt. Bei 128 Gigabyte kannst du auch zur WLAN-Version greifen und etwas Geld sparen, wenn du nicht unterwegs mit dem Tablet online gehen willst.

Fazit: Wozu ein Tablet

Samsung hat mit dem Galaxy Tab S6 ein wirklich schönes und gutes Tablet zusammengestellt, bei dem du fast bedenkenlos zugreifen kannst. Das Display ist schick, die Verarbeitung hervorragend, der Akku hält lange durch und die Hardware hat für alle Aufgaben genug Power. Mit dem S Pen wird es zum Zeichen- und Notizblock, lässt sich aber auch problemlos ohne den Stift benutzen.

Mit dem richtigen Zubehör hat das Tab S6 sogar das Potential, ein Notebook ersetzen zu können. Die Leistung ist kein Problem und auch die Software ist grundsätzlich kein Problem. Natürlich ist es eine Umgewöhnung von Windows oder macOS zu Android. Der größte Nachteil könnte allerdings das kleine Display sein – in Kombination damit, dass die Verbindung von Tastatur und Bildschirm nicht so stabil ist wie bei einem klassischen Notebook, dass du geöffnet herumtragen kannst.

Willst du auf deinem Tablet allerdings nur Filme und Serien streamen, gibt es günstigere Alternativen. Hier ist weniger Leistung nötig und bei etwa zehn Zoll Displaygröße reicht eine Full-HD-Auflösung aus. Das Samsung Galaxy Tab A (2019) fällt zum Beispiel in diese Kategorie.

Tablet
Galaxy Tab S6 (10.50", 128GB, Mountain Grey)
Showroom
689.–
Samsung Galaxy Tab S6 (10.50", 128GB, Mountain Grey)

Das ultimative Performance-Tablet.

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Jan Johannsen
Jan Johannsen
Content Development Editor, Hamburg
Als Grundschüler saß ich noch mit vielen Mitschülern bei einem Freund im Wohnzimmer, um auf der Super NES zu spielen. Inzwischen bekomme ich die neueste Technik direkt in die Hände und teste sie für euch. In den letzten Jahren bei Curved, Computer Bild und Netzwelt, nun bei Galaxus.de.

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