Hintergrund

«Resident Evil Requiem» Vorschau: Alles andere als ein Meisterwerk wäre überraschend

Ich habe das meist erwartete Horror-Game 2026 schon gespielt. Nach drei Stunden mit «Resident Evil Requiem» bin ich sicher: Capcom hat ein Meisterwerk am Start.

An einem Preview-Event bei Capcom habe ich das neue «Resident Evil» ausführlich gezockt. Im neunten Teil der ikonischen Survival-Horror-Serie spiele ich abwechselnd zwei Charaktere: die FBI-Analytikerin Grace Ashcroft sowie den legendären Draufgänger Leon S. Kennedy, bekannt unter anderem aus «Resident Evil 4».

Redaktionskollegin und Horror-Expertin Cassie hat mich nach meinem Besuch mit Fragen ausgequetscht. So viel vorweg: Ich bin mir schon jetzt sicher, dass Capcom mit «Resident Evil Requiem» ein weiteres Horror-Meisterwerk gelungen ist.

«Resident Evil Requiem» wird ein Hit, da bin ich mir sicher.
«Resident Evil Requiem» wird ein Hit, da bin ich mir sicher.
Quelle: Capcom

Cassie: First Things First: Wie hat dir die Preview gefallen?

Domagoj: Sehr, sehr gut. Die drei Stunden Preview-Zeit mit der Demo vergingen wie im Flug. Und das, obwohl ich auf einem so unbequemen Stuhl sitzen musste, dass mir regelmässig meine linke Gesässhälfte eingeschlafen ist. Wenn ich selbst unter solch widrigen Umständen alles um mich herum vergesse und voll im Flow bin, ist das ein sehr gutes Zeichen.

Was hast du in der Demo alles gesehen und gespielt?

Die neue Demo setzt dort an, wo die letztjährige Gamescom-Demo aufgehört hat. Die FBI-Analytikerin Grace Ashcroft wurde entführt und muss aus einem gruseligen Sanatorium fliehen. Aber auch Leon S. Kennedy befindet sich in dem riesigen Anwesen, mit einer hässlichen schwarzen Bisswunde am Hals. Was genau passiert ist, weiss ich aufgrund der kurzen Story-Ausschnitte nicht. Es scheint aber so, als wären beide vom neuen Bösewicht Doktor Gideon entführt beziehungsweise hergelockt worden.

Der neue Bösewicht, Doktor Gideon, hat Verbindungen zur Umbrella Corporation und Raccoon City.
Der neue Bösewicht, Doktor Gideon, hat Verbindungen zur Umbrella Corporation und Raccoon City.
Quelle: Capcom

In der Demo spiele ich zunächst als Leon, dann Grace und zum Abschluss wieder Leon. Dieses Hin und Her soll im fertigen Spiel eine wichtige Rolle spielen. Die Entwickler beschreiben das Spielgefühl als eine «rasante Achterbahnfahrt», die mich durch extrem unterschiedliche Spielsituationen führen soll.

Nach der Demo verstehe ich, was sie damit meinen. Grace und Leon spielen sich komplett unterschiedlich.

Lassen sich die beiden Spielstile mit den vorherigen «Resident Evil»-Teilen vergleichen?

Absolut. Der Grace-Abschnitt bietet klassisches «Resident Evil»-Feeling. Die Steuerung ist bewusst langsam, Grace rennt im Schneckentempo. Viel Survival-Horror, knackige Rätsel, wenig Action und wenig Munition. Wenn ich einen Zombie im Korridor sehe, überlege ich mir dreimal, ob ich wertvolle Munition verschwenden soll, oder ob ich lieber um ihn herum schleiche, um an mein Ziel zu kommen.

Leon hingegen ist ein fucking Actionheld mit Eiern aus Stahl. Er hat in seinem Leben schon so viele Zombies und sonstige Monster gekillt, dass er für die Untoten im Sanatorium nur ein müdes Lächeln übrig hat. Hier ist die Steuerung im Vergleich zu Grace verdammt schnell – Leon ist athletisch und kräftig. Bewaffnet ist er mit einer Schrotflinte, Granaten, einer Axt und Roundhouse-Kicks, die selbst Chuck Norris vor Neid erstarren lassen. Leons Teil der Demo fühlt sich an wie «Resident Evil 4» auf Steroiden.

Am Ende der Demo habe ich das Gefühl, als hätte ich zwei unterschiedliche Games gespielt. Quasi ein «Best-of» der bisherigen «Resident Evil»-Spielstile. Horror und Action vereint.

Mit Leon erlebe ich Splatter-Action vom Feinsten.
Mit Leon erlebe ich Splatter-Action vom Feinsten.
Quelle: Capcom

Ich sehe sowohl Screenshots aus der Ego-Perspektive als auch Bilder aus einer Third-Person-Perspektive. Was hat es damit auf sich?

Ich kann mit beiden Charakteren jederzeit zwischen den Perspektiven hin- und herwechseln. Capcom hat mir jedoch empfohlen, mit Grace aus der Ego- und mit Leon aus der Third-Person-Perspektive zu spielen. Ich finde, das macht Sinn.

Betrachte ich das Geschehen mit Grace aus der Ego-Perspektive, spüre ich den Horror noch viel besser. Ich fühle und leide mit ihr, wenn ich mich hinter einer Kommode verstecke und hoffe, dass mich das zähnefletschende Monstrum nicht entdeckt. Die Ego-Perspektive, die engen Korridore und die übermächtigen Gegner erinnern mich an den gruseligsten Teil der Serie, «Resident Evil 7: Biohazard».

Aus Graces Perspektive fühlt sich das Game noch gruseliger an.
Aus Graces Perspektive fühlt sich das Game noch gruseliger an.
Quelle: Capcom

Mit Leon hingegen kann ich in der Third-Person-Perspektive so richtig die Sau rauslassen. Ihm ist sowieso alles egal, also muss ich mich auch nicht «in ihn hineinversetzen». Zudem erinnert mich diese Perspektive an meinen Lieblingsteil «Resident Evil 4». Mit dem Unterschied, dass sich die Action noch viel schneller und explosiver anfühlt.

Kommen wir auch beim Leon-Teil ins Zittern?

Der Leon-Abschnitt ist überhaupt nicht gruselig. Ich kämpfe zwar gegen die gleichen Monster, die auch Grace getroffen hat, aber das Machtverhältnis ist anders. Zuvor übermächtige Feinde mähe ich mit Leons Schrotgewehr locker weg. Das ist Action pur. Katharsis. Dampf ablassen. Aber wer weiss – vielleicht ändert sich das im späteren Spielverlauf noch.

Welches Gameplay hat dir besser gefallen und wieso?

Der Reiz des Games besteht primär im Wechselspiel zwischen den beiden Spielstilen. Spannung aufbauen mit Grace. Dampf ablassen mit Leon. Beide Stile sind nötig, um diese Achterbahnfahrt zu ermöglichen. Deshalb kann ich auch nicht sagen, dass mir ein Abschnitt besser gefällt als der andere.

Der Wechsel zwischen Action und Horror macht das Game einzigartig.
Der Wechsel zwischen Action und Horror macht das Game einzigartig.
Quelle: Capcom

Hast du erfahren, in welchem Verhältnis die beiden Spielstile zueinander stehen? Gibt es mehr Survival-Horror- oder Action-Gameplay?

In der Demo ist Graces Teil länger. Leons Abschnitte sind vergleichsweise kurze, lineare Actionsequenzen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das im fertigen Spiel auch so sein wird. Das ist gut, denn allzu viel Action würde dem Spiel nicht gut tun – Stichwort: «Resident Evil 6».

Weisst du schon, wie lange das neueste Abenteuer in etwa dauern wird?

Capcom vergleicht die Länge mit der vom «Resident Evil 4»-Remake. Also ungefähr 15 bis 20 Stunden.

Was sagst du zur visuellen Präsentation der Demo – bist du zufrieden?

Mehr als zufrieden. Die Demo lief auf einer PS5 Pro. Besonders beeindruckt haben mich die unglaublich detaillierten Charaktermodelle – sowohl der Protagonisten als auch der Zombies und Monster. Ebenfalls verdammt cool ist die Beleuchtung, die von Raytracing-Lichteffekten profitiert. Das dunkle Sanatorium sieht wundervoll stimmig aus. «Requiem» ist das bisher schönste «Resident Evil».

Abgesehen davon gefällt mir, wie «lebendig» sich die Zombies anfühlen. Hört sich merkwürdig an, aber was ich damit meine: Viele Gegner sind nicht einfach nur gesichtsloses Kanonenfutter. Ich sehe anhand ihrer Bekleidung und ihres Verhaltens, welche Rolle sie vor ihrer Verwandlung im Sanatorium gespielt haben. So sehe ich auf der Toilette den Hausmeister. Er schlägt sich seinen Kopf an einem Spiegel blutig und schreit, dass alles hier viel zu dreckig sei. In diesem Monstrum ist also noch was vom Menschen vorhanden. Das macht das Ganze noch viel beängstigender.

Wunderschön.
Wunderschön.
Quelle: Capcom

Was war dein Highlight aus der Demo?

Ich gebe dir je einen Höhepunkt aus dem Grace- und einen aus dem Leon-Abschnitt.

Zunächst Grace. Im Spielverlauf lerne ich, mit Zombie-Blut Gegenstände herzustellen. Frag nicht, wie das funktionieren soll. Schwarze Magie oder so. Auf jeden Fall erhalte ich so eine Spritze, mit der ich Zombies mit nur einem Angriff killen kann. Die teste ich sofort an einem nichtsahnenden Untoten. Ich schleiche mich von hinten an und ramme ihm das Teil in den Hals. Der Gegner schwillt wie ein Wasserballon an, explodiert und hinterlässt das Zimmer in einem blutigen Chaos. Ich hätte mit allem gerechnet, nur nicht mit dem. Es ist einer dieser «was zum Teufel habe ich gerade gesehen»-Momente. Ich kann nicht anders, als laut loszulachen.

Das unangefochtene Highlight mit Leon ist die Kettensäge. In «Resident Evil 4» wurde der Spezialagent noch von Gegnern mit dem tödlichen Werkzeug durch das spanische Hinterland gejagt. Im Sanatorium dreht er den Spiess um und schnappt sich die Kettensäge, sobald er einen damit ausgestatteten Gegner besiegt hat. Das blutige Massaker endlich mal aus der anderen Perspektive zu erleben, ist unglaublich lustig. Es passt so gut zu Leons «I don't give a fuck»-Attitüde.

Mit der Kettensäge Zombies killen. Ein Traum geht in Erfüllung
Mit der Kettensäge Zombies killen. Ein Traum geht in Erfüllung
Quelle: Capcom

Hat etwas Fragezeichen bei dir hinterlassen oder sogar Sorgen?

So sehr ich Leons Action-Abschnitte feiere, frage ich mich, ob es über das ganze Spiel hindurch nicht etwas zu viel des Guten sein könnte. Habe ich irgendwann genug von Schrotflinten und Explosionen?

Zudem ist Leon sehr gesprächig. Er kommentiert das Geschehen und hat immer einen lockeren One-Liner auf Lager. Wird mir seine Actionhelden-Rolle mit der Zeit auf den Wecker gehen oder funktioniert diese Achterbahnfahrt auch über lange Strecken noch?

Wie ordnet sich «Reqiuem» in die bisherige «Resident Evil»-Chronologie ein? Muss man die Reihe kennen, um bei «Requiem» problemlos einzusteigen?

Das Game spielt etwa 30 Jahre nach den Ereignissen von Racoon City. Dass in der «Resident Evil»-Timeline mittlerweile viel Zeit vergangen ist, sieht man an Leon, der deutlich älter als zuvor aussieht.

Zur Story hat Capcom noch nicht viel verraten. Klar ist, dass das Game die zwei Protagonisten zurück nach Raccoon City führen wird – dem Ort, an dem alles begann. Daher ist es sicher von Vorteil, wenn man sich ein bisschen mit der Vorgeschichte auskennt.

Das hört sich alles sehr positiv an. Was denkst du, hat «Resident Evil Requiem» das Potenzial, ein Game-of-the-Year-Kandidat zu werden?

Auf jeden Fall. Alles andere als ein Meisterwerk wäre überraschend. Horror-Fans sollten sich den 27. Februar fett im Kalender markieren.

«Resident Evil Requiem» erscheint am 27. Februar für PS5, Xbox Series X/S, Switch 2 und PC. Capcom hat mich zum Preview-Termin in Hamburg eingeladen.

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Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.


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