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Red Hydrogen One: Der erste Blick auf das wacklige Bild

Endlich ist es da: Das Phone, das im vergangenen Jahr als grösste Revolution aller Zeiten angekündigt wurde. Nach dem Auspacken ein erster Blick auf das Red Hydrogen One, das verwirrt, beeindruckt und irgendwie lustig ist.

Das Red Hydrogen One hat anno dazumal, in der fernen Vergangenheit des Jahres 2017, viel Vorschusslorbeeren erhalten. Diese kommen vor allem vom Hersteller selbst, der im Gerät die Wiederkunft des Smartphone-Jesus sieht. Und mindestens die Revolution, die Apple-Chef Steve Jobs anno 2007 mit dem Satz «One More Thing» eingeläutet hat. Mindestens.

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    Das RED Hydrogen One hat das lustigste Press Release aller Zeiten

Jetzt liegt der schwarze Klotz in all seiner Grossartigkeit vor mir. Zeit, einen ersten Blick auf die angekündigte Revolution für revolutionäre Revoluzzer zu werfen.

Unter der Haube mau

Der erste Dämpfer im Enthusiasmus für das Phone kommt gleich nach dem Einschalten. Das Red Hydrogen One kriecht langsam durch den Boot-Prozess, ein Jingle bimmelt mit etwas 8bit-Charme aus den Speakern und auf dem Bildschirm ist düster ein Logo zu sehen. Das Logo des wohl besten Kameraherstellers der Welt.

Das Red Hydrogen One hat ein mutiges Design
Das Red Hydrogen One hat ein mutiges Design

Kinofilme werden mit Red- oder Arri-Kameras gedreht. Red stellt unter anderem 8k-Kameras her und nennt die Modelle «Epic» oder «Weapon» oder «Raven». Gegründet wurde Red von Jim Jannard, der einst die Brillenmarke Oakley gegründet und sich nachher in einem Anfall von scheinbarem Wahnsinn der Kamerawelt zugewandt hat. Er hatte keine Ahnung von Brillen, als er Oakley auf die Beine stellte. Von Kameras hatte er noch weniger Ahnung. Der Kamerafan besass zwar laut eigenen Angaben «über 1000 Kameras», aber Besitz allein macht noch keinen Experten. Mit viel Entwicklungsarbeit und cleveren Kollaborationen hat es Jannard dann geschafft, die Red One auf den Markt zu bringen. Die Kamera nimmt in 4k auf, ist mit so ziemlich jeder Software kompatibel und im Jahre 2007 hat Peter Jackson als Experiment und Hauptprobe der Red One einen Kurzfilm aufgenommen.

Der Rest ist Geschichte. Filmemacher haben Jacksons Arbeit gesehen und wollten mit der Red One filmen. Heisst das jetzt, dass ich als Besitzer eines Hydrogen Ones zu den Experimenten eines Unternehmers gehöre, dessen Intelligenz ich zwar nicht anzweifle, dafür aber seinen Realitätsbezug? Habe ich einen Schrotthaufen vor mir?

Denn das Hydrogen One macht technologisch nicht mehr viel her. Es läuft auf einem Snapdragon 835 System-on-a-Chip (SoC), dem besten, was das Jahr 2017 zu bieten hat. Mit 6 GB RAM kann es noch mithalten, aber irgendwie scheint das Phone schon mit dem Einrichten zu kämpfen. Das geht sonst, bei aktuellen Flaggschiffen schneller. Zu meiner Beruhigung ist aber jeder Boot Run nach dem ersten Mal einschalten wesentlich schneller und in etwa so schnell, wie ich es mir von letztjährigen Flaggschiffen – vor allem denen aus dem vierten Quartal – gewöhnt bin. Das Phone startet in etwa 15 Sekunden auf und hat vielleicht weitere zehn, bis alle Apps und Widgets auf Android 8.1 geladen sind.

Jim Jannards Wahnsinnsprojekt hat sich wieder Sympathien zurückgewonnen. Android 9 wäre nett, aber 8.1 ist noch nicht grässlich veraltet.

Das Phone ist wunderschön griffig
Das Phone ist wunderschön griffig

Spannend wird es mit dem Display. In der Pressemitteilung vom vergangenen Jahr hat Jim Jannard von einem revolutionären Display gesprochen. Holografisch sei es. Bisher ist mir nur aufgefallen, dass ich Fotos machen kann, die wie eines dieser «Hologramme» funktionieren, die wir aus Kindertagen kennen. Revolutionär? Für mich als User und als Hobbyfilmer mit der Sony a7s ii nicht. Klar, lustig ist das mal für so etwa vier Sekunden, aber mir sagt das noch nichts. Experimente werden folgen.

Das grossartige Design

Beim ersten Griff nach dem Red Hydrogen One dann: Wow. Das Teil fühlt sich so richtig gut in der Hand an. Klar, das Teil ist ein Ziegel. Das Display misst 5.7 Zoll, also 14.47 cm, in der Diagonale, und die Ränder sind aber breit. Denn die Seiten des Phones haben gerillte Einbuchtungen für deine Finger und einen sicheren Grip.

Die Rückenplatte ist ebenfalls nicht flach und fein. Da ist eine Platte mit einem auffälligen Logo und Rillen. Auffällige Schrauben und eine Carbon-Maserung um den Camera Bump oben. Das mag ich. Sehr, sogar. Denn Red will gar nicht elegant sein. Red hat ein Gerät geschaffen, das stark aussieht, visuelle Akzente setzt und allgemein funktional wirkt. Nett auch, selbst wenn es mich nicht betrifft: Die Fingereinbuchtungen sind auf beiden Seiten des Phones, also kompatibel mit dem Gehirn von Linkshändern.

Unter der gerillten Rückenplatte ist ein Konnektor für die Kameras des Kameraherstellers. Wenn du dir eine Red-Kamera ansiehst, dann fällt schnell auf: da fehlt der Bildschirm und so ziemlich jedes Bedienelement.

Die Red Monstro 8k ist tatsächlich eine Kamera
Die Red Monstro 8k ist tatsächlich eine Kamera
red.com
Die Bedienelemente sind grösstenteils extern
Die Bedienelemente sind grösstenteils extern

Die Einstellungen nimmt der Kameramann am Set an einem externen Bildschirm und Schaltpult vor. Da will das Hydrogen One einhängen. Mit dem Connector kannst du das Phone mit den Kameras verbinden und so Funktionen der Kamera steuern. Werden wir mal sehen.

Diese Pins verbinden das Phone mit einer Red-Kamera
Diese Pins verbinden das Phone mit einer Red-Kamera

An dieser Stelle ein Aufruf: Hast du eine Red-Kamera? Und Bock, mit uns ein Video zu machen? Wir bringen Phone, du bringst Kamera? HInterlass mir einen Kommentar oder ein Mail und dann schauen wir mal.

Kurz: Das Red Hydrogen One ist eines der interessantesten Phones der vergangenen Jahre. Ist es Werkzeug? Ist es Phone? Wir werden sehen. Und vor allem: Was hat es mit dem «holografischen Display» aus der Werbung auf sich?

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Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.


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