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LGs Gallery TV ist logisch – aber spät dran

Luca Fontana
6.1.2026

LG bringt 2026 einen eigenen Gallery TV. Doch während der Hersteller neu ins Segment einsteigt, hat Samsung mit dem Frame Pro bereits vergangenes Jahr nachgelegt. Der Zeitpunkt macht LGs Premiere schwierig.

Ein Gallery-TV ist kein High-End-Gerät für Heimkino-Puristen. Und auch kein digitaler Bilderrahmen, der einfach ein paar JPEGs anzeigt, sobald Netflix aus ist. Er richtet sich an Menschen, die kein schwarzes Loch an der Wand wollen, allerdings auch keinen leuchtenden Bildschirm, der trotz Kunstmotiv immer noch klar als Display erkennbar ist. Solche «Nischen-TVs» sind auf dem Markt gefragter, als man denkt.

Dass LG nun an der CES 2026 mit einem eigenen Gallery TV in dieses Segment einsteigt, ist deshalb logisch. Überfällig sogar. Samsung dominiert diesen Markt seit Jahren fast konkurrenzlos. Und doch bleibt nach der Ankündigung ein schaler Beigeschmack. Nicht, weil LG das Konzept missverstanden hätte. Aber Samsung ist einen Schritt weiter – schon lange.

Worum es bei Gallery-TVs wirklich geht

Der eigentliche Trick, um den Spagat zwischen Fernseher und authentischen Bilderrahmen zu schaffen, liegt nicht im Inhalt, sondern im Zusammenspiel aus Oberfläche, Licht und Helligkeit des Displays. Die matte Beschichtung verhindert Spiegelungen, und die automatische Helligkeitsanpassung sorgt dafür, dass das Bild nicht strahlt und sich stattdessen dem Umgebungslicht unterordnet.

Erst dadurch entsteht dieser verblüffend echte Galerie-Effekt – der Moment, in dem man kurz vergisst, dass man gerade auf einen Fernseher schaut. Genau das hat Samsung mit dem Frame perfektioniert. Und genau dieses Grundkonzept übernimmt LG nun konsequent.

  • Produkttest

    Hands-On: The Frame 3.0 – das Kunstwerk mit verbessertem Bild

    von Luca Fontana

Warum OLED hier bewusst keine Rolle spielt

Auf den ersten Blick mag es paradox wirken, dass ausgerechnet LG – seit Jahren der grösste OLED-Verfechter der Branche – für seinen Gallery TV auf Mini-LED setzt. Doch diese Entscheidung ist nicht defensiv, sondern rational.

Statische Inhalte über Stunden oder gar Tage hinweg sind das denkbar ungünstigste Szenario für OLED. Auch 2026 ist Burn-in kein Mythos, aber ein reales, wenn auch mittlerweile gut handlebares Risiko. Zumindest bei Bewegtbildern. Bei statischen Bildern im Kunstmodus sieht’s anders aus. Dort ändern selbst ausgefeilte Schutzmechanismen nichts daran, dass OLED hier schlicht die falsche Technologie ist.

Schon Samsungs erste Generation des Frames erzeugte eine verblüffend echte Illusion eines Bildes im Fotorahmen.
Schon Samsungs erste Generation des Frames erzeugte eine verblüffend echte Illusion eines Bildes im Fotorahmen.
Quelle: Manuel Wenk

Mini-LED und klassische LED-LCDs sind in diesem Kontext nicht die schlechtere Wahl. Sie sind die passendere. Sie sind robuster, unempfindlicher und besser geeignet für einen Fernseher, der einen Grossteil seiner Zeit damit verbringt, stillzuhalten. LG kann man diesen Punkt also nicht vorwerfen. Im Gegenteil: Das Konzept ist sauber gedacht.

Das eigentliche Problem: der Zeitpunkt

Das Problem liegt nicht im «Was», sondern im «Wann». Samsung hat das Frame-Konzept bereits vergangenes Jahr weiterentwickelt: mit dem Frame Pro. Damals hat der Marktführer stillschweigend eingeräumt, dass Edge-LED auf Dauer nicht reicht. Direct-LED mit echtem Local Dimming bringt deutlich mehr Kontrast, bessere HDR-Fähigkeiten und macht den Fernseher auch abends zu einem ernstzunehmenden Display.

Samsung hat das Segment damit aufgesplittet:

  • Der klassische Frame bleibt das Design-Statement. Für Menschen, denen Ästhetik wichtiger ist als Bildqualität.
  • Der Frame Pro hingegen richtet sich an all jene, die beides wollen: Kunst an der Wand – und einen Fernseher, der am Abend nicht nach Kompromiss aussieht.

Genau hier wirkt der neue LG Gallery TV erstaunlich vorsichtig. Zwar spricht LG von Mini-LED, bleibt hingegen auffällig vage bei der Frage, wie genau das Backlight aufgebaut ist. Branchenmedien wie The Verge bezweifeln deshalb, dass es sich um ein Direct-LED-Modell mit Local Dimming handelt. Sollte LG tatsächlich auf eine einfachere Lösung setzen, läge der Gallery TV technisch näher am ursprünglichen Frame als am deutlich ambitionierteren Frame Pro.

Kein Drama – aber auch kein Angriff.

Pflichttermin statt Statement

Man hat bei der LG-Ankündigung das Gefühl, einem sehr gut vorbereiteten Pflichttermin beizuwohnen. Alles ist richtig. Alles ist logisch. Nur: nichts überrascht.

Ja, LG versteht das Gallery-Konzept. LG setzt auf die richtige Display-Technologie. LG liefert austauschbare TV-Rahmen, eine matte, entspiegelte Display-Oberfläche und ein eigenes Kunst-Abo mit über 4500 kuratierten Kunstwerken (LG Gallery+, noch ein Abo… seufz). Doch während Samsung das Segment bereits weiterdenkt, wirkt LGs Einstieg wie ein sauberer Nachvollzug, nicht wie eine Weiterentwicklung.

Entscheidend sind am Ende nicht kuratierte Kunstwerke. Vielmehr werden Preis und Hintergrundlicht entscheidend sein. Ist der Gallery TV günstiger als Samsungs Frame, hat LG eine Chance. Ist er gleich teuer – und technisch weniger ambitioniert –, wird es schwierig, mehr zu sein als eine stilvolle Kopie. Genau deshalb bleibt für mich diese eine Frage: Warum erst jetzt, LG – und warum nicht mutiger?

Titelbild: LG Newsroom

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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