Lenovo Yoga 9i im Test: Mobiles Arbeitsbiest und Kino in einem

Lenovo Yoga 9i im Test: Mobiles Arbeitsbiest und Kino in einem

Martin Jud
Zürich, am 08.06.2022

Das Lenovo Yoga 9i ist ein flexibles Arbeitsbiest mit 14 Zoll grossem OLED-Touch-Display. Das lässt sich um 360 Grad umklappen und du schreibst oder zeichnest darauf mit einem Pen. Nach getaner Arbeit schaust du Filme dank Dolby Vision in bester HDR-Qualität. Im Test überzeugt das 9i beinahe durchgehend.

Lenovos Yoga-Linie hat mich in der Vergangenheit nicht besonders angesprochen. Ganz im Gegensatz zu den Thinkpads, die ich schon alleine aufgrund des Designs seit den 90ern – damals noch unter IBM – liebe. Mit dem neuen Yoga 9i ändert sich dies, denn es hat mich die vergangenen Wochen mehrfach zum Staunen gebracht. Einerseits wegen seines exzellenten OLED-Displays, das dank farbtreuer Darstellung sogar für Grafiker und Co. geeignet sein dürfte – und für Filmfans den HDR-Standard Dolby Vision bietet. Anderseits wegen der rohen Power, die der verbaute 12th Gen Intel Core i7-1260P an den Tag legt.

Yoga 9i (14 ", Intel Core i7-1260P, 16 GB, 1000 GB, CH)
Lenovo Yoga 9i (14 ", Intel Core i7-1260P, 16 GB, 1000 GB, CH)
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Die Specs des Testgeräts:

Prozessor (SoC):Intel Core i7-1260P – 12 Cores (4 Performance-Cores @ 2,1-4,7 GHz + 8 Efficient-Cores @ 1,5-3,4 GHz), 16 Threads, 18 MB Smart Cache
Integrierte
Grafikeinheit:
Intel Iris Xe Graphics – bis 1,4 GHz, 96 Execution Units
Arbeitsspeicher:16 GB LPDDR5-5200 (verlötet)
Datenspeicher:1 TB SSD – M.2 2280 PCIe 4.0 x4 NVMe
Display:14" OLED Multi-Touch Display, 2880 × 1800 Pixel, glänzend, 90 Hz, 400 Nits, Dolby Vision, HDR 500, 100 % DCI-P3, unterstützt Stifteingabe (Pen in Lieferumfang), 360° umklappbar (Tablet-Modus)
Anschlüsse:2 × Thunderbolt 4 (USB-C), 1 × USB-C 3.2 Gen 2, 1 × USB-A 3.2 Gen 2, 3,5-mm-Klinkenanschluss (Kopfhörer-Mikrofon-Combo-Jack)
Audio:Dolby Atmos optimierte Stereolautsprecher mit zwei 3 Watt Woofers und zwei 2 Watt Tweeters, zwei Array-Mikrofone
Kameras:2-Megapixel-Frontkamera (1080p-Video) und Infrarot-Kamera (Windows-Hello-Gesichtserkennung), Kameraschieber zur Linsenabdeckung
WLAN, Bluetooth:Wi-Fi 6E, Bluetooth 5.2
Betriebssystem:Windows 11 Pro
Akkukapazität:75 Wh
Netzteil:100 Watt (USB-C)
Dimensionen:31,8 × 23 × 1,53 cm, 1,4 kg

Das Testgerät hat die Farbe Storm Grey und verfügt über ein CNC-gefrästes Aluminium-Gehäuse. Als weitere Variante gibt es das Notebook auch in Oatmeal, was eigentlich Haferbrei bedeutet, aber hier für Silber steht. Ich habe extra nochmal im Datenblatt von Lenovo nachgeschaut – die nennen das wirklich so.

Design und Anschlüsse

Kaufst du dir ein Yoga 9i, bekommst du dazu auch eine Mappe, in die nicht nur das Gerät passt, sondern auch der mitgelieferte Stift.

Stift und Mappe sind inbegriffen.
Stift und Mappe sind inbegriffen.

Der Stift ist ein praktisches Accessoire, das an einer Sitzung schon mal interessierte Blicke erntet. Wie auch das Gerät an sich, das dank Aluminium, seiner geringen Dicke von 1,5 Zentimetern und abgerundeten Kanten edel aussieht. Genau so fühlt es sich auch an. Dabei fällt auch auf, dass seine Oberfläche relativ rutschfest ist.

Das Scharnier geht so leicht – aber auch nicht zu leicht –, dass ich den Notebook-Deckel öffnen kann, ohne die Basis dabei festhalten zu müssen. Einmal geöffnet, startet das Yoga sofort. Selbst dann, wenn du es davor heruntergefahren hast. Somit erübrigt sich der Druck auf die Power-Taste, welche sich an der rechten Seite befindet.

Rechts sind nebst dem Startknopf auch ein 3,5-mm-Klinkenanschluss und einmal USB-C (3.2 Gen 2) zu finden. Dazu gesellen sich auf der linken Seite zweimal Thunderbolt 4 (zu USB-C kompatibel) und ein USB-A-Port (3.2 Gen 2).

Auf beiden Seiten sind ganz vorne zwei Lautsprecher für tiefe Töne angebracht, die von zwei weiteren – im umklappbaren Display-Scharnier integriert – ergänzt werden. Damit du nicht nur hören, sondern auch gehört werden kannst, sind zwei Array-Mikrofone mit an Bord.

Ein Kameraschieber zur Linsenabdeckung ist auch dabei.
Ein Kameraschieber zur Linsenabdeckung ist auch dabei.

Dazu kommen eine 2-Megapixel-Webcam mit Full-HD-Videoauflösung, eine Infrarotkamera zur Gesichtsentsperrung plus ein Fingerabdrucksensor. Damit du dich ungestört fühlst, ist ein Schieber bei der Webcam integriert, der bei Bedarf die Linse abdeckt.

Geschraubt, nicht geklebt.
Geschraubt, nicht geklebt.

Zwischen Basis und Scharnier versteckt, befinden sich die Ein- und Auslässe der Lüftung. Die Laptop-Unterseite bietet Antirutsch-Pads und sechs Schrauben – was in Zeiten von oft geklebter Hardware begrüssenswert ist. Den Notebook-Deckel zieren ein eingefrästes «YOGA» und «Lenovo» im Hochformat. Damit erinnert der Laptop zugeklappt an ein Buch.

Betörend schönes OLED-Display mit Touch- und Stiftunterstützung

Mit nur sieben Millimetern bis zu den seitlichen Rändern – oben ist es ein Zentimeter – sieht das Display schick aus. Noch besser macht es der Umstand, dass es über OLED verfügt. Damit ist nicht nur eine farbtreue Wiedergabe, sondern dank Dolby Vision und HDR 500 auch eine geniale Bildtiefe durch bessere Lichtabstufungen möglich.

Es ist 14 Zoll gross, hat Multi-Touch- und Stiftunterstützung, 2880 × 1800 Pixel (243 ppi, 16:10-Format) und ist glänzend. Die Bildwiederholrate beträgt 90 Hertz. Weiter soll es bis 400 Nits hell sein und den Farbraum DCI-P3 zu 100 Prozent abdecken. Beides messe ich weiter unten nach.

Mit dabei ist auch ein metallener Pen, der dank sechs Kanten wie ein Bleistift gut in der Hand liegt. Du kannst das Display bis zu 360 Grad umklappen, bevor du darauf loskritzelst. Beim Zeichnen und Schreiben fühlt sich das Display damit ähnlich wie Papier an. Im Vergleich zu Microsofts Surface Pen fühlt sich das mit dem Lenovo-Stift etwas rauer an – was mir besser gefällt.

OLED-Filmgenuss

Ich habe in meinen Tessin-Ferien mit dem Yoga 9i im abgedunkelten Raum Filme mit Dolby Vision gesehen, was ein purer Genuss war. Ich bin begeistert, obschon es keine UHD-Auflösung hat. Anstelle von 3840 × 2160 Pixeln gibt’s 2880 × 1800 – also WQHD+ beziehungsweise 2,8K statt 4K. Das wirkt bei 14 Zoll dennoch gestochen scharf. Top am OLED-Panel ist, wie es Lichtabstufungen darstellt. Es bietet ein dunkles Schwarz und damit Kontraste, wie es sonst keine Technologie hinbekommt. Die Farben wirken satt und natürlich.

Im Vergleich zu meinem LG-Mini-LED-TV punktet das OLED-Panel jedoch nur bei geringem Umgebungslicht. Mein TV zeigt Schwarz beinahe so schön wie das OLED – die Farben und Lichtabstufungen werden meiner Meinung nach etwa gleichwertig gut dargestellt. Bei Tageslicht verhindert die niedrigere Spitzenhelligkeit des Notebook-Displays – ca. 400 Nits bei SDR und kurzzeitig ca. 500 Nits bei HDR – jedoch, dass der Filmgenuss ähnliche Formen annimmt. Der Fernseher bietet mehr als die doppelte Helligkeit. Sitze ich mit dem Notebook draussen, nervt ausserdem der Umstand, dass das glänzende Display stark reflektiert.

Helligkeit, Gleichförmigkeit und Farbwiedergabe: Ist der Bildschirm wirklich so gut, wie er aussieht?

Ich will genau wissen, wie gut das Display ist. Daher vermesse ich es mit einem x-rite i1Display Pro Plus. Ich messe, wie hell seine Spitzenleuchtkraft ist, wie gleichmässig es ausgeleuchtet wird und wie exakt es Farben darstellt.

389 Nits liegen im Schnitt auf höchster Helligkeitsstufe drin.
389 Nits liegen im Schnitt auf höchster Helligkeitsstufe drin.

Die durchschnittliche Leuchtdichte auf hellster Stufe beträgt 389 Nits. Das ist nah an den vom Hersteller angegebenen 400 Nits und reicht bestens, um bei Tageslicht zu arbeiten. Alles über 300 Nits betrachte ich als gut dafür. Wobei das Display dennoch gerne heller sein dürfte – besonders zum Filmeschauen.

Die Gleichmässigkeit der Ausleuchtung ist hervorragend. Die grösste Differenz bei den gemessenen neun Bereichen beträgt lediglich sechs Nits, was mit blossem Auge nicht sichtbar ist.

Messe ich die getreue Wiedergabe der wichtigsten Farbräume, bringt mich das Display erneut zum Staunen. Es erreicht so gute Werte, wie ich sie noch nie bei einem Notebook-Display gemessen habe: Der für die digitale Filmproduktion wichtige Farbraum DCI-P3 wird zu 100 Prozent korrekt dargestellt. Beim fürs Arbeiten und Surfen gebräuchlichen Farbraum sRGB sind es ebenfalls 100 Prozent. Und der fürs Erstellen von Druckvorlagen wichtige Farbraum Adobe RGB kommt auf 97 Prozent. Grafiker dürften damit nebst Videoproduzenten also auch ihren Spass haben.

Tastatur und Trackpad

Das Aluminium der Basis ist im Bereich der Tastatur etwas eingefräst. Dadurch liegen die Tasten auf gleicher Höhe wie das Touchpad – bei umgedrehtem Gebrauch, also im Tabletmodus, verhindert dies, dass sie durch die Tischkante gedrückt werden. Der Platz der Basis wird von der Tastatur gut ausgenutzt, sie reicht bis 1,2 Zentimeter an den Rand. Das führt gemeinsam mit dem Umstand, dass ein Nummernblock fehlt, dazu, dass die Tasten angenehm positioniert sind: Die regulären Tasten sind 1,1 Zentimeter breit und haben zueinander einen Abstand von drei Millimetern.

Eine Besonderheit beim Tastenlayout des Yoga 9i ist die zusätzliche Reihe an Funktionstasten ganz rechts. Die bietet zuunterst einen Fingerabdrucksensor, der wie die Infrarotkamera das Notebook zuverlässig entsperrt. Weiter sind da eine Dark-Modus-Taste, eine Taste zum Umschalten dreier Lautsprecher-Klang-Modi (Video, Musik und Spiel), eine Taste zum Unscharfmachen deines Video-Chat-Hintergrunds und eine zum Umschalten des aktuellen Leistungs-Modus (beste Energieeinsparung, ausbalanciert, beste Leistung).

Die Sterntaste und die Zweitbelegung von F9 nutze ich nie.
Die Sterntaste und die Zweitbelegung von F9 nutze ich nie.

Und dann ist da noch diese zusätzliche Sterntaste zwischen F12 und Insert. Sie öffnet eine «Smart Key»-Leiste und bietet die Möglichkeit, die Lenovo-Vantage-Software zu öffnen, Online-Support anzufordern oder Einstellungen zu tätigen. Alles Dinge, die ich nicht auf einer dedizierten Taste benötige. Und kaum zu glauben: Auf F9 liegt als Zweitfunktion nochmal eine Support-Taste, die ebenso Lenovo Vantage öffnet. Darin kannst du Updates tätigen und so.

Warum sind diese Tasten da? Wie viele der Nutzer benötigen diese Tasten und wie oft? Es ist ja nicht so, dass ich die Software nicht auch im Startmenü finden würde.

Immerhin kann ich der Sterntaste eine Zweitfunktion zuweisen. So öffnet sich bei meinem Testgerät nun bei einem doppelten Druck darauf Adobe Photoshop.

Will ich im düsteren Kämmerchen schreiben, lässt mich Lenovo nicht im Stich. Die Tasten verfügen über eine Hintergrundbeleuchtung. Eine, die sogar automatisch erkennt, wenn es dunkel wird und sich selbst aktiviert. Manuell wechsle ich zwischen ausgeschaltet und zwei Helligkeitsstufen. Beim Schreiben leistet die Tastatur einen guten Dienst. Gleich am Anfang des Tastenweges fühle ich ein haptisches Feedback. Die Tasten sind also taktil, aber nicht clicky – sie bleiben relativ leise und stören somit auch nicht Kollegen. Ich schätze, der Tastenhub beträgt 1,3 Millimeter. Ich tippe darauf nach kurzer Eingewöhnung sehr zügig und mag, dass es dabei auch etwas federt.

Nur Gutes gibt es über das Touchpad zu sagen. Es ist schön gross – 13,5 × 8 Zentimeter – und lässt mich den Cursor präzise und schnell steuern. Das Klicken per Antippen funktioniert gut und verzögerungsfrei, wie auch das Scrollen mit zwei Fingern. Die Klicks der im unteren Bereich integrierten Tasten klingen relativ dezent.

Lautsprecher: Auch sie taugen fürs mobile Kino

Die Lautsprecher bieten einen für mobile Verhältnisse guten Klang. Die Mitten und Höhen sind relativ ausgewogen und klar. Und überraschenderweise klingen auch Bässe ganz gut, was eher selten ist bei Notebooks. Der Dolby Atmos optimierte Sound kommt aus dem Hause Bowers & Wilkins und sorgt dafür, dass nicht nur Filme davon profitieren, sondern auch Videocalls mit tiefen Männerstimmen. Weiter klingt der Sound vom Stereoeffekt her klar breiter, als ich es aufgrund der Distanz der Lautsprecher erwartet hätte. Natürlich solltest du dazu frontal vor dem Gerät sitzen, sonst verfliegt der Zauber schnell.

Ein Wort zu Prozessor und Grafikeinheit

Im Notebook steckt ein Core i7-1260P, der im Januar 2022 von Intel vorgestellt wurde. Ein mobiler High-End 12th Gen Prozessor basierend auf der Alder-Lake-Architektur, der in einem 10-nm-Fertigungsverfahren entsteht. Er bietet vier Performance- und acht Effizienzkerne. Die P-Kerne takten mit 2,1 bis 4,7 GHz, die E-Kerne mit 1,5 bis 3,4 GHz. Hyperthreading wird nur von den P-Kernen unterstützt, weshalb total 16 Threads zur Verfügung stehen. Weiter hat er 1,1 MB L1-, 21 MB L2- und 18 MB L3-Cache. Die Leistungsaufnahme (TDP) beträgt 28 Watt.

Auf dem Chip steckt auch Intels Iris Xe Graphics G7 mit 96 Execution Units, welche eine maximale dynamische Frequenz von 1,4 GHz aufweist.

Akkuleistung und Verhalten der CPU beim Stresstest

Das Yoga 9i verfügt über einen 75 Wh fassenden Akku. Beim folgenden Video-Dauer-Streaming-Test kommt dem Gerät entgegen, dass der Prozessor auch über weniger leistungshungrige Effizienzkerne verfügt. Davon profitiert auch das Arbeiten im Office, wenn ich nicht gerade zig Bilder in Photoshop bearbeite oder ein Video rendere. Beim folgenden Stresstest bringt ihm das dann aber nichts, da ich messe, wie lange es bei voller Leistung durchhält.

Video-Dauer-Streaming

Bisher habe ich den Video-Dauer-Streaming-Test in Reviews der Vergleichbarkeit zuliebe mit einer Helligkeit von ca. 150 Nits und mit SDR-Material gemacht. Doch da nun auch in Laptops immer mehr HDR-fähige Displays Einzug halten, stelle ich neu auf rund 400 Nits und Dolby-Vision-Material um. Das bedeutet beim Yoga höchste Helligkeitsstufe, was bei HDR-Material sogar für kurzzeitige Spitzen bis 500 Nits sorgen sollte. Ich streame auf Netflix «Stranger Things» und sehe dann, wie lange es geht, bis der Akku auf zwei Prozent ist und sich das Notebook selber herunterfährt.

Nach zehn Stunden und einer Minute – sowie unzähligen gruseligen Morden – geht dem Yoga der Saft aus. Da mir eine Vergleichsbasis fehlt, kann ich dazu nur eine subjektive Aussage tätigen. Ich bin zufrieden und empfinde das als viel.

Stresstest: CPU Performance, Akkulaufzeit, Wärme und Lautstärke unter Höchstleistung

Beim Stresstest nutze ich AIDA64, um die Hardware auszulasten. Allerdings fällt mir bei einem ersten Kurztest auf, dass die Grafik des Prozessors bei hundertprozentiger Auslastung fast ein Viertel der Kühlleistung beansprucht. Wenige Sekunden nach Teststart drosselt die CPU jeweils auf 77 Prozent. Bedeutet, dass diejenige, welche die Kühlung konzipiert haben, diese vermutlich nur auf die CPU auslegten.

Da ich wissen möchte, wie lange die CPU ihre volle Leistung bringen kann, verzichte ich beim Stresstest darauf, die Grafik ebenso auszulasten. Wie lange der Akku durchhält, ist dabei zweitrangig. Ich stresse: CPU, FPU, Cache und RAM.

Während des Tests verhält sich der Prozessor wie folgt: Erst ermöglicht er 17 Minuten volle Power. Danach beginnt die CPU nach und nach mehr zu drosseln. Allerdings geschieht das immer so, dass die Taktrate alle paar Sekunden auf hundert Prozent hochschnellt, um dann wieder herunter gedrosselt zu werden. So schwankt die Auslastung ab Minute 18 zwischen 98 und 100 Prozent – ab 20 zwischen 81 und 100, ab 23 zwischen 74 und 100 und ab Minute 39 zwischen 73 und 100 Prozent. Danach bleibt das so, bis sich das Notebook nach 87 Minuten selber herunterfährt.

Im Folgenden veranschauliche ich das Verhalten während des Stresstests. Allerdings ist zu beachten, dass die beschriebenen Schwankungen nicht zu sehen sind. Du siehst anstelle jeweils den Mittelwert der schwankenden Auslastung – der anliegenden Leistung.

CPU-Auslastung und Akkustand während dem Stresstest

Temperaturen bei voller Auslastung

Bei den Temperaturen steigen die einzelnen Kerne des Prozessors während dem Test auf bis 100 °C. So heiss darf die CPU auch laut Intel werden. Die Temperatur der Kerne schwankt dabei analog zum Takt zwischen 83 und 100 °C.

Das Gehäuse des Lenovo Yoga 9i wird bei dauerhafter Auslastung der CPU an der wärmsten Stelle neben der 8-Taste 60 °C warm.
Das Gehäuse des Lenovo Yoga 9i wird bei dauerhafter Auslastung der CPU an der wärmsten Stelle neben der 8-Taste 60 °C warm.

Mache ich eine Wärmebildaufnahme, soll das Gehäuse laut FLIR-Cam meines Cat S62 Pro beim Testen bis zu 60 °C betragen. Genau neben der 8-Taste ist das Teil am heissesten.

Lautstärke bei voller Auslastung

Der Lüfter des Yoga ist meistens nicht zu hören. Und auch bei voller Auslastung rauscht er leise. Ich messe mit einem Schallpegelmessgerät von Testo 36,3 Dezibel aus Sitzposition und 39,1 Dezibel bei 30 Zentimeter Abstand.

Akkulaufzeit bei Office-Arbeiten

Nutze ich das Notebook als mobiles Büro ohne ausufernde Videocalls, lade ich es nach rund eineinhalb Arbeitstagen wieder neu auf. Also um die zwölf Stunden liegen je nach Arbeit und Lichtverhältnissen drin, was ich als gut empfinde.

Performance: Das leisten CPU und GPU

Endlich geht es für das System-on-a-Chip ans Eingemachte. Nun müssen CPU und GPU zeigen, was sie leisten können. Zum Testen des Prozessors verwende ich die Benchmarks Cinebench R23 und Geekbench 5. Die integrierte Grafik zeigt beim Spiele-Benchmark 3DMark Night Raid ihr Können. Wie gut typische Office-Arbeiten erledigt werden, eruiere ich mit PCMark 10.

Prozessorleistung: Cinebench R23 und Geekbench 5

Der CPU-Benchmark Cinebench von Maxon testet, wie gut sich der Prozessor beim Rendern von 3D-Modellen schlägt. In der neuesten Version R23 wird das Resultat standardmässig nicht mehr anhand eines einzelnen Durchganges ermittelt, sondern anhand der getätigten Arbeit innert zehn Minuten. Das ist gut, weil dadurch schlechte Kühlkonzepte etwas realistischer abschneiden.

Als zweiten Prozessor-Benchmark fahre ich Geekbench 5. Anhand simulierter, realer Szenarien wird die CPU im Single-Core- und Multi-Core-Betrieb getestet. Das Testen dauert nur kurz und kann daher auch bei schlecht gekühlten Geräten zu relativ guten Resultaten führen. Dafür läuft der Benchmark auf Windows, MacOS, Linux, Android sowie iOS. Dadurch werden auch mit Vorsicht zu geniessende Quervergleiche unter verschiedenen Prozessor-Architekturen möglich. Bei x86-basierten Prozessoren wird im Single-Core-Modus nur ein Thread und damit nicht der gesamte (Performance-) Kern ausgelastet. ARM-Systeme hingegen nutzen einen ganzen Kern und sind dadurch im Vorteil. Das ist ein weiterer Punkt, der beim Resultate-Vergleichen im Geekbench Browser beachtet werden sollte.

BenchmarkErreichte Punktzahl
Cinebench R23 – CPU Multi Core10 094 Punkte
Cinebench R23 – CPU Single Core1651 Punkte
Geekbench 5 – CPU Multi Core10 326 Punkte
Geekbench 5 – CPU Single Core1742 Punkte

Noch nie hat ein «Office-Notebook», das ich getestet habe, einen Score von über 10 000 Punkten bei beiden Multi-Core-Tests erreicht. Zum Vergleich: Bisher empfand ich die Leistung eines Surface Laptop 4 mit AMD Ryzen 7 4980U bereits als stark für mobile Verhältnisse. Doch der kommt im Test mit seinen ebenfalls 16 Threads (jedoch nur 8 anstelle 12 Cores) nur auf 8028 Punkte bei Cinebench R23 und auf 7241 Punkte bei Geekbench 5.

Die Single-Core-Leistung des Yoga ist ebenso beeindruckend und bisher einmalig in meinen Tests. Die zwölfte Generation von Intel kann sich gemeinsam mit der Kühlung des Laptops sehen lassen.

Grafik-Benchmark: 3DMark Night Raid

3DMark Night Raid ist dafür gedacht, die Grafikleistung von Geräten mit integrierter GPU zu testen. Er ist quasi ein Leistungsmesser für PC-Gaming auf unterstem Niveau.

Mein Testgerät erreicht einen Night Raid Score von 18 457. Der Grafik-Score beträgt dabei 22 089, die CPU erreicht 9555 Punkte. Vergleiche ich dies erneut mit dem AMD-Prozessor des Surface Laptop 4, so erreicht dieser mit seiner integrierten AMD Radeon RX Vega 8 einen Night Raid Score von 14 248, also rund 23 Prozent weniger als mit Yoga 9i.

Office-Benchmark 3DMark PCMark 10

Dank PCMark 10 von 3DMark lassen sich PCs und Notebooks auf die vielfältigen Aufgaben an einem Arbeitsplatz testen. Also wie schnell Programme geöffnet werden, wie gut Videotelefonieren funktioniert und vieles mehr.

Das Yoga holt in dieser Disziplin 5640 Punkte. Das sind ca. 13 Prozent mehr als beim AMD-Notebook von Microsoft.

Fazit: Praktisch perfektes Arbeitstier

Am Lenovo Yoga 9i kann ich fast nichts bemängeln. Praktisch alles passt und ist grossartig: das edle Aluminium-Design, das umklappbare Touch-Display mit farbtreuer Darstellung sowie Dolby Vision, der extrem starke und aktuelle Prozessor, viel RAM und Speicher, die neusten Funktechnologien wie auch Ports, der grosse Akku, der beigelegte Stift, und und und ...

Es ist eine wahre Freude, mit diesem Gerät zu arbeiten und Filme zu sehen. Einziger Wermutstropfen für mich sind einige dedizierte Tasten, die Lenovo meinetwegen hätte weglassen können. Ausserdem wünsche ich mir eine Variante, die entspiegelt ist. Doch mit diesen Punkten jammere ich auf hohem Niveau.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis passt meines Erachtens gut. Zwar greifst du tiefer als bei anderen potenziellen Arbeitsgeräten in den Geldbeutel, doch bekommst du damit auch extrem viel geboten. Falls du neben dem Arbeiten auch verflixt gerne Netflix magst, wirst du mit dem Yoga 9i definitiv glücklich.

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Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.


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