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KI-Boom sorgt für Engpässe bei Leiterplatten – Elektronik könnte teurer werden

Kim Muntinga
29.10.2026

Der Ausbau von KI-Rechenzentren belastet die nächste wichtige Lieferkette. Hersteller melden steigende Kosten und längere Wartezeiten bei Leiterplatten. Das könnte auch PCs, Notebooks und andere Elektronikgeräte verteuern.

Leiterplatten stecken in nahezu jedem elektronischen Gerät. Sie tragen Prozessoren, Speicherchips und weitere Bauteile und verbinden diese über feine Kupferbahnen miteinander. Ohne die Platinen können Hersteller ihre Geräte nicht fertigstellen.

KI-Rechenzentren beanspruchen Produktionskapazitäten

Hauptgrund für die zunehmenden Lieferengpässe bei Leiterplatten ist der weltweite Ausbau von KI-Rechenzentren. Mal wieder. Die dafür benötigten Hochleistungsserver verwenden besonders komplexe Leiterplatten. Laut dem deutschen Hersteller Würth Elektronik besitzen solche Platinen drei- bis fünfmal so viele Lagen wie herkömmliche Platinen. Entsprechend steigt der Bedarf an hochwertigen Materialien.

Hersteller von Basismaterialien richten ihre Produktion zunehmend auf die lukrativeren Anwendungen für KI-Server aus. Dadurch können sie weniger Ausgangsmaterialien für herkömmliche Leiterplatten liefern. Andere Elektronikhersteller müssen länger auf Lieferungen warten oder höhere Preise zahlen. Besonders betroffen sind kupferkaschierte Laminate, Glasgewebe, Kupferfolien und spezielle Harze.

Der Fachverband Elektronikdesign und -fertigung (FED) warnt bereits seit Juli vor sinkenden Lagerbeständen und längeren Lieferzeiten. Einige Materialhersteller teilen ihre verfügbaren Mengen inzwischen den Bestellungen des Vorjahres zu. Unternehmen, die kurzfristig mehr benötigen, können zusätzliche Mengen deshalb nur eingeschränkt beschaffen.

Wie stark sich die Lage zuspitzen kann, zeigt der südkoreanische Leiterplattenhersteller Daeduck Electronics. Gegenüber Reuters berichtete das Unternehmen im April, dass sich die Lieferzeiten für chemische Materialien wie Epoxidharz von drei auf 15 Wochen verlängert hätten. Auch der Iran-Krieg belastet die Lieferketten. Steigende Energiepreise und Engpässe bei chemischen Vorprodukten verteuern die Herstellung.

Die Auswirkungen zeigen sich bereits bei den Kosten. Nach Angaben des Leiterplattenanbieters Leiton haben sich die Spotpreise für Standard-FR-4-Laminate aus China binnen eines Jahres etwa verdreifacht. FR-4 besteht aus Glasfasergewebe und Epoxidharz und dient als Basismaterial vieler Leiterplatten.

Der Anbieter betont, dass Standard-FR-4 weiterhin erhältlich sei. Die Hersteller verteilen ihre Materialien jedoch zunehmend nach Priorität. Leiterplattenwerke, die ihre Bestellungen im Voraus bezahlen, werden dabei bevorzugt beliefert. Besonders schwer zu beschaffen sind bestimmte Materialstärken und spezielle Schichten für mehrlagige Platinen.

Leiterplatten bestehen aus mehreren Materialschichten. Der steigende Bedarf durch KI-Rechenzentren belastet die Versorgung mit wichtigen Ausgangsmaterialien.
Leiterplatten bestehen aus mehreren Materialschichten. Der steigende Bedarf durch KI-Rechenzentren belastet die Versorgung mit wichtigen Ausgangsmaterialien.
Quelle: Vishnu Mohanan / Unsplash

Europas Abhängigkeit verschärft die Probleme

Auf europäische Elektronikhersteller kommt eine weitere Schwierigkeit zu: Europa ist bei Leiterplatten stark von asiatischen Herstellern abhängig. Laut dem Branchenverband ZVEI entstehen nur noch zwei Prozent der weltweit produzierten Leiterplatten in Europa. Um die Jahrtausendwende lag der Anteil noch bei rund 20 Prozent. Der Großteil der Produktion findet inzwischen in Asien statt, vor allem in China.

Diese Abhängigkeit betrifft potenziell zahlreiche Branchen. Neben PC- und Notebookherstellern benötigen auch die Automobilindustrie sowie Maschinenbauer und Hersteller von Haushaltsgeräten große Mengen an Leiterplatten.

Für Verbraucher könnten die Engpässe höhere Preise und spätere Produkteinführungen bedeuten. Schon im August gab es Berichte, dass Asus, MSI und Gigabyte wegen steigender Leiterplattenkosten ihre Mainboardpreise erhöhen wollen. Ein weiterer Branchenbericht vom September nennt meist Preissteigerungen von rund drei Prozent bei gewissen Modellen. Die Angaben beruhen auf Informationen aus chinesischen Vertriebskanälen. Offizielle Bestätigungen der Hersteller fehlen bislang.

Eine schnelle Entspannung zeichnet sich nicht ab. Würth Elektronik verweist auf Einschätzungen von Branchenexperten, die bei Glasgewebe erst ab 2028 mit einer spürbaren Verbesserung rechnen. Damit könnte der Ausbau der KI-Infrastruktur die Elektronikproduktion noch für längere Zeit belasten.

Titelbild: Denis---S / Shutterstock

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