Ich werde vernünftig: Mein Leben mit einem 40-Zoll-Bildschirm
Review

Ich werde vernünftig: Mein Leben mit einem 40-Zoll-Bildschirm

Dominik Bärlocher
Zürich, am 12.09.2017
Die Eskapade mit dem 65-Zoll-Fernseher war kurz. Die Sache war zwar grossartig, aber hat nicht wirklich Langzeitpotential. Aber ich liebe nach wie vor grosse Bildschirme. Hier der Test eines Geräts, das gigantisch und trotzdem für PCs gemacht ist.

«Ich hätte dir sagen können, dass das nichts wird», sagt mir Martin Kunz, Team Leader im Peripherals-Büro. Martin gehört zum Team, das dafür zuständig ist, dass wir Bildschirme anbieten können. Und er hat sich beim Anblick meines Tests mit dem 65-Zoll-Fernseher als Bildschirm an den Kopf gefasst.

Wir erklären, wie du einen *65"-TV** als PC-Bildschirm verwenden kannst und wie grossartig das ist
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Denn er weiss: Gross geht schon, aber es geht besser. Als er dann eines Morgens mir einen grossen Karton präsentiert, auf dem tatsächlich ein Bildschirm abgebildet ist, und mir den Auftrag, gibt, das Gerät zu testen, bin ich natürlich dabei. Mein Testgerät heisst Philips BDM4037UW.

Monitor
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Brilliance BDM4037UW/00 (40", 3840 x 2160 Pixels)
Philips Brilliance BDM4037UW/00 (40", 3840 x 2160 Pixels)

Sehen Sie alle Details auf einem grossen Bildschirm

Das erste, das mir auffällt, ist der Name. Warum können Bildschirme, seien sie Fernseher oder PC-Monitore, keine eingängigen Namen haben? Eine Art System ist zu erkennen, aber abgesehen von ein paar Enthusiasten kann sich doch keiner BDM40irgendwas merken. Bisher standen auf meinem Tisch folgende Modelle.

EliteDisplay E272q (27", 2560 x 1440 Pixels)
HP EliteDisplay E272q (27", 2560 x 1440 Pixels)
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UE65KS8080 (65", 4K, SUHD, LCD, 2016)
Samsung UE65KS8080 (65", 4K, SUHD, LCD, 2016)
Brilliance BDM4037UW/00 (40", 3840 x 2160 Pixels)
Philips Brilliance BDM4037UW/00 (40", 3840 x 2160 Pixels)

Immerhin erkennt man aus den Namen, dass die ersten zwei Zahlen immer die Bildschirmdiagonale in Zoll angeben. Der Rest unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Denn ein Bildschirm hat keinen Modellnamen wie der Hersteller «Samsung» die Serie «Galaxy» hat, in der das Modell «S» geführt wird, das aktuell in der Generation «8» ist. Die grössere Version des Geräts hat noch ein «+» am Ende und fertig ist das Samsung Galaxy S8+. Die Tech Specs sind da noch weit entfernt.

Bei Bildschirmen ist das anders. Bei meinem Philips BDM4037UW kann laut unserem Zulieferer der Name so entschlüsselt werden:

  • BDM: Name der Produktfamilie. Ich vermute, dass die Abkürzung für Brilliance Display Monitor steht, da das Wort «Brilliance» grösser als der gesamte Name auf die Verpackung gedruckt ist.
  • 40: Bildschirmdiagonale in Zoll
  • 37: Generation des Panels
  • U: 4k-Auflösung
  • W: Weiss. Die Ränder sind zwar mehr silberfarben, aber eher weiss als schwarz

Der Verdacht kam mal auf, dass UW für Ultra Wide stehen könnte, aber das geht irgendwie nicht auf. Denn der Bildschirm ist schon ultrabreit, aber ultra wide beschreibt ein Bildseitenverhältnis und nicht einfach eine Zahl in Millimetern.

Leute, nur weil es grösser ist, ist es nicht komplizierter

Was mich oft erstaunt, ist dass Leute so eine komische Vorstellung von Aufbau und Grösse haben. Die Vorstellung geht in etwa so: Es ist ein grosses, extravagantes Gerät, das irgendwie nur Exzentriker zu haben scheinen. Daher muss es extrem kompliziert im Setup sein.

Vielleicht kenne ich die falschen Leute, oder aber irgendwo hat sich das festgesetzt. Dem zu entgegnen ist nicht allzu schwierig, aber am Ende sind dann die Leute immer noch ohne ExzentrikerTech. Das ist generell schade. Spezifisch ist es schade, wenn die Leute dann den BDM4037UW einfach mal so links liegen lassen. Dazu aber später mehr.

Das Setup geht genau gleich wie bei jedem anderen Bildschirm auch: Kabel in PC, Kabel in Bildschirm, Strom anschliessen, fertig. Klar, ExzentrikerTech ist manchmal etwas exzentrisch in der Bauweise, aber neue Technologien und neue Stecker oder Steckermethoden zu erfinden ist sowieso ein stolzes Unterfangen. Nicht mal Hardwaregiganten wie Apple kommen damit gut weg, wie soll es dann einem Nischenproduktehersteller gelingen? Daher funktionieren der gigantische 40-Zoll-Bildschirm wie auch der 65-Zoll-Fernseher auch nur mit HDMI. Genau wie auch die 24-Zöller, die du überall siehst und die irgendwie jeder hat.

Was du aber unter Umständen brauchst, ist eine bessere Grafikkarte. Denn der BDM0437UW ist für 4k-Auflösung ausgelegt, also eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixel. Das braucht auch im normalen Bürogebrauch recht viel Power. Daher habe ich nach wie vor einen Bürocomputer mit einer Gamer-Grafikkarte.

Grafikkarte
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GeForce GTX 1080 STRIX A8G-GAMING (8GB, High End)
ASUS GeForce GTX 1080 STRIX A8G-GAMING (8GB, High End)

Einer der absoluten Grafikkarten-Bestseller aus dem Hause Asus – bietet nicht nur unbändige Grafik-Power, sondern auch stylishe RGB-Beleuchtung!

«Aber das brennt doch deine Augen aus dem Kopf!»

Nach dem Test meines 65-Zoll-TV-Büro-Setups haben digitec-Leser und User auf 9Gag – wer hat das auf 9Gag gestellt? Melde dich in den Kommentaren! – gefragt, ob mir das nicht die Augen aus dem Schädel brennt. Beim Fernseher ist das eine Frage, die durchaus legitim ist. Ein Fernseher ist dazu ausgelegt, einen Raum mit Bild und Stimmung zu füllen. Also nicht grade das ideale Gerät für den Bürobedarf.

Der BDM4037UW ist laut Verpackung für Büros gemacht. Denn grundsätzlich gilt «Bildschirm ≠ Bildschirm». Bevor ich hier aber die Unterschiede zwischen Büro- und Gamerhardware erkläre, eine Bemerkung: Für den Durchschnitts-User macht das kaum einen Unterschied. Gamer-Hardware wird dann relevant, wenn du entweder aus Leidenschaft oder professionell Video-Games spielst. Büro-Hardware, wenn du viel arbeitest oder heikle Augen hast.

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Kollege Linus Konetschnig will auch mal in einen 40-Zöller schauen

Beim Gamen kommt es darauf an, wie schnell die Hardware auf deinen Input reagiert. Wenn deine Gamer-Grafikkarte Signale schneller an den Bildschirm sendet, als dieser sie verarbeiten kann, dann verschmiert das Bild. Verheerend, wenn du pixelgenau zielen musst. Zwar haben Hersteller von Grafikkarten und Bildschirmen Software-Lösungen für dieses Problem gefunden, aber wenn du nicht auf diese zurückgreifen musst, dann umso besser. Dazu kommen Gamer-Bildschirme mit einer höheren Hertz-Zahl, die weit über 100 liegt. Auch das dient der Geschwindigkeit und der Genauigkeit beim Spielen.

Der BDM4037UW hat von all dem nichts. Die Reaktionszeit liegt bei vier Millisekunden, was in Gamerwelten als langsam gilt. Denn Monitore dort haben eine Reaktionszeit von einer Millisekunde. Im Alltag, also so im normalen Gebrauch, ist das von blossem Auge nicht feststellbar. Darum reichen dem 40-Zöller die vier Millisekunden vollkommen aus.

Zurück zum Brennen in den Augen. Meine Augen sind da recht heikel. Und am BDM4037UW musste ich keinerlei Einstellungen ändern. Das Ding macht schlicht keine Sorgen. Im Vergleich zu meinem HP-Bildschirm, der als Zweitmonitor als Mail-Bildschirm fungiert, ist er sehr viel angenehmer. Beim HP habe ich dann und wann wieder – stark abhängig vom Licht, das durchs Fenster ins Büro dringt – ein Brennen in den Augen. Beim gigantischen Philips… nichts. Er leuchtet sanft und auch nach 12-Stunden-Tagen im Büro tut mir nichts im Gesicht weh. Gute Arbeit, Philips.

Daher ist dieses Review eigentlich kein Review, denn viel zu sagen gibt es nicht. Philips hat mit dem BDM4037UW einen Bildschirm abgeliefert, den du dir ohne viel Trara auf den Tisch stellen kannst und er funktioniert. Ich will das Teil nicht mehr hergeben und ich bin mir sicher, dass es jedem so gehen wird.

Also, wenn du auf grosse Bildschirme stehst oder dir einfach einen Gefallen für die kommenden paar Jahre tun willst, das dürfte dein Bildschirm sein.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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