Florian Bodoky
Hintergrund

Hands-on: Mit dem Sony MDR-3R kommen die 80er zurück

Sony bringt den Kultkopfhörer MDR-3 von 1979 zurück – mit USB-C statt Klinke. Erster Eindruck: federleicht, nostalgisch und ein Ass beim Telefonieren. Einige Kompromisse gibt es aber.

Sony legt den MDR-3 neu auf. Der Ur-Grossvater aller Bügelkopfhörer kam 1979 auf den Markt. Zusammen mit dem Walkman läutete er eine neue Ära des Musikhörens ein. Die neue Version heisst MDR-3R (das zweite R für Retro). Sony nutzt den momentanen Hype um die animierte Neuauflage der Serie «Stranger Things»,wo der Kopfhörer vorkommt. Das Unternehmen will das Lebensgefühl und die Einfachheit von damals mit den technischen Möglichkeiten von heute verknüpfen. Ich konnte schon erste Erfahrungen sammeln.

Bunter Schaumstoff, dünne Bügel

Als der MDR-3 auf den Markt kam, war ich noch nicht geboren. Benutzen durfte ich ihn aber sehr wohl. Als kleiner, vielleicht vierjähriger Steppke wurde ich gelegentlich von Simone gebabysittet – sie ist mit Jeansjacke und Walkman aufgekreuzt und hat mich gelegentlich ihre Bon-Jovi-Hymnen mithören lassen. Das schiesst mir durch den Kopf, als ich den Kopfhörer in die Hand nehme. Das Design, die Bauweise und die Form sind komplett aus den ausgehenden 70er-Jahren übernommen – neu sind der USB-C-Anschluss und eine kleine verbaute Fernbedienung.

Die Verpackung ist genauso Retro wie der Kopfhörer
Die Verpackung ist genauso Retro wie der Kopfhörer

In der Schachtel liegen auch zwei Paar Schaumstoff-Ohrpolster. Eins in Orange, eins in Blau. In der Hand fühlt sich der Rahmen aus Alu und Kunststoff unglaublich dünn und fragil an – aber keineswegs billig. Die Hörer hängen an einem schmalen Metallbügel, darunter kommen beidseitig Kabel raus, die sich weiter unten zu einem vereinen. Noch weiter unten befindet sich eine kleine Kontrolleinheit. Und leicht ist das Teil. 38 Gramm bringt es auf die Waage und damit weniger als viele In-Ear-Kopfhörer, wenn sie in ihrer Ladeschale liegen. Das Retrofieber packt mich.

Einstecken und los

Ich packe die blauen Polster drauf, dauert nur zwei Sekunden. Danach stecke ich den USB-C-Stecker in mein Smartphone, eine 3,5-Millimeter-Klinke gibt es nicht. Ich starte die Streaming-App und die Musik erklingt. Kein Einschalten, keine Batterien, kein Pairing, kein gar nix. Das simple Leben von damals. Dein Gerät muss lediglich USB-Audio unterstützen – was bei zeitgemässen Tablets, Smartphones oder Laptops kein Problem ist. Der Ton kommt digital am Kopfhörer an. Den Schritt vom digitalen zum analogen Signal übernimmt der DAC im Kopfhörer selbst. Genauere Angaben lässt Sony sich nicht entlocken.

In meinen ersten Testsessions stört das Kabel überhaupt nicht, entgegen meiner Befürchtungen. Es ist ein 1,2 Meter langes Y-Kabel, kommt also aus beiden Hörern und wird zu einem. Praktisch: Das Kabel ist geriffelt und ziemlich steif. Es hat sich auch in meinem Rucksack bis anhin nicht verknotet (ältere Leser erinnern sich). Die kleine Fernbedienung im Kabel lässt mich Lautstärke und Pause steuern – und auch einen Titel überspringen kann ich damit. Zudem ist ein Mikrofon eingebaut, damit kann ich in recht guter Qualität telefonieren. Selbst den Sprachassistenten deines Phones könntest du mit einem Knopfdruck aktivieren.

Unten am Kabel hängt eine kleine Steuerungseinheit
Unten am Kabel hängt eine kleine Steuerungseinheit

Im Inneren werkelt ein dynamischer 23 Millimeter breiter Treiber. Sony kombiniert diesen mit einem Neodym-Magneten. So soll der «ausgewogene Grundcharakter des Originalsounds» beibehalten werden. Dennoch sollen die Bässe – bei einem offenen Kopfhörer immer eine Schwachstelle – trotzdem gut zu hören sein, ebenso die Stimmen. Eine Hi-Res-Zertifizierung gibt es aber keine und auch zu Frequenzspektrum, Impedanz und Weiterem macht Sony bisher keine Angaben.

Erste Gedanken: Spassig und erstaunlich gut, mein neuer To-Go-Kopfhörer wird er aber wohl nicht

Zeit für einen ausführlichen Soundtest blieb mir nicht. Mein erster Eindruck ist: Der Kopfhörer macht Spass, bringt viele schöne Erinnerungen zurück. Der Sound ist sehr klar und neutral. Und qualitativ hochstehend – wenn du aber grosse ANC-Over-Ears gewöhnt bist, oder nur Stöpsel trägst, wirst du dich trotzdem umgewöhnen. Hämmernden Bass oder Spatial Sound wirst du hier nicht erleben.

Ausserdem ist es normal, dass der Kopfhörer ein wenig Noiseleak hat. Hörst du besonders laut Musik, wird es dein Sitznachbar im Bus mitbekommen. Sony hat daran gearbeitet, das nach Möglichkeit einzudämmen, aber durch die offene Architektur lässt sich das nicht komplett verhindern. Ein grosses Plus ist das Telefonieren. Da können Bluetooth-Kopfhörer einen noch so breiten Datendurchsatz haben – an Kabelqualität kommt beim Telefonieren keiner ran.

Titelbild: Florian Bodoky

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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