
Kritik
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von Cassie Mammone
«Goosebumps: Terror in Little Creek» ist weder besonders gruselig noch erfindet es das Survival-Horror-Rad neu. Als «Gänsehaut»-Nostalgikerin habe ich trotzdem eine gute Zeit.
Für «Goosebumps: Terror in Little Creek» bin ich wohl ein wenig zu alt. Das Spiel richtet sich primär an Jugendliche, die Gefallen am «Gänsehaut»-Franchise finden oder einfach Lust auf eine gruselige Geschichte haben. Deswegen fehlt es dem Survival-Horror-Spiel an grausamen Momenten oder hochkomplexem Gameplay.
Wenn du in diese Zielgruppe fällst, die Reihe aus Kindheitstagen kennst oder vielleicht Lust auf ein lockeres Survival-Horror-Spiel hast, kannst du auch als erwachsene Person in Little Creek eine gute Zeit verbringen.
«Goosebumps: Terror in Little Creek» redet nicht lange um den heissen Brei herum und wirft mich zu Spielbeginn direkt ins Abenteuer. In der Rolle der Teenagerin Sloane Spencer bin ich nachts mit meinen drei Freunden und Freundinnen – die allesamt auf Englisch vertont sprechen – unterwegs. Das ist eigentlich verboten, denn in der Kleinstadt Little Creek herrscht Ausgangssperre.
Die Gründe für die Sperre sind jedoch unbekannt, was die vier Jugendlichen nicht auf sich sitzen lassen können. Deswegen machen sie sich auf den Weg in die hiesige Bibliothek, um Licht ins Dunkel zu bringen. Was ihre Eltern in der Zwischenzeit machen und ob sie davon Wind bekommen, ist unklar – und in so einer Kindergeschichte irgendwie auch egal.
Kurz nach dem anfänglichen Besuch in der Bibliothek wimmelt es auf den Strassen von Little Creek nur so von Monstern. Es wird also höchste Zeit, ihrem Ursprung nachzugehen und sie von der geliebten Heimatstadt zu vertreiben.
Das Vorgehen, um die Geheimnisse von Little Creek und seinen Bewohnern zu lüften, ist simpel und Spielen wie «Resident Evil» und «Silent Hill» nachempfunden.
Ich bewege mich durch die Kleinstadt und erschliesse durch das Finden von Gegenständen und dem Lösen von Rätseln nach und nach neue Orte und Gebäude wie das Theater oder das Museum. Die Vorgehensweise ist meistens offensichtlich, weil immer nur ein Weg frei wird. Mit einem Bolzenschneider trenne ich Ketten durch, die Türen verschlossen halten. Mit einer Schaufel betreibe ich Grabschändung und grabe Münzen aus, die ich wiederum in einer bestimmten Anordnung an einem Wasserspeier befestigen muss. Es ist das Einmaleins des Survival-Horror-Genres. Selbst die Schreibmaschine zum Speichern wurde der «Resident Evil»-Vorlage entnommen.
Zusätzlich kann Sloane durch den Fund eines magischen Buches zaubern. Im Verlauf meiner Nachforschungen finde ich Symbole, die einem bestimmten Raster entsprechen. Wenn ich vor einem Symbol stehe, hole ich mein Zauberbuch hervor und zeichne das Raster nach. Auch das funktioniert wieder sehr simpel und ist nur eine weitere Rätsel-Mechanik.
Anders als bei den Genre-Vorlagen wird mein Denkapparat kaum gefordert. Mit der entsprechenden Erwartungshaltung habe ich während der Spieldauer von rund fünf Stunden dennoch ein gemütliches Erlebnis. Auch die Steuerung und die Grafik sind stimmig. Das Spiel wird keinen Preis für das schönste und aufwändigste Design erhalten, dafür läuft es in der Steam-Version auf dem PC ohne Ruckler oder anderweitige Störungen.
Bei einem Survival-Horror-Spiel dürfen die Gefechte mit Monstern nicht fehlen. Auch die sind abermals anspruchslos gehalten. Während meiner Zeit in Little Creek begegne ich nur zwei oder drei Monstertypen – exklusive der drei Titelmonster, die prominent auf dem Cover und in Trailern gezeigt werden.
Wenn ich auf Monster treffe, kann ich sie umgehen, mich davonschleichen oder sie bekämpfen. Dafür steht mir Sloanes verlässliche Schleuder mitsamt fünf Munitionsarten zur Verfügung. Mit den gewöhnlichen Kugeln löse ich Schalter aus, während ich mit starken Kugeln Monster besiege. Die Kracherkugeln eignen sich sogar für ganze Gruppen von kleineren Monstern. Mit den Lärmmacher- und Rauchkugeln lenke ich hingegen von mir ab und verstecke mich.
Die Monster in «Goosebumps: Terror in Little Creek» sind sehr klassisch gehalten. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit merke ich schnell, dass ihre KI nicht die hellste ist. Ich kann oftmals hinter oder sogar neben ihnen vorbeilaufen, ohne dass sie mich bemerken. Und falls sie doch auf mich aufmerksam werden, ist das auch nicht so schlimm: Sie kommen mir kaum hinterher und sind schnell abgehängt.
Nur die drei grösseren Monster – das Phantom, die Mumie und eine Überraschung – sind etwas geschickter. Die erspähen mich gerne mal von der Ferne und bleiben mir dicht auf den Fersen. Im letzten grösseren Spielabschnitt fühle ich mich dadurch sogar ein wenig gehetzt.
Eines ist also vollkommen klar: Als erwachsene Horror-Enthusiastin gehöre ich nicht zum Zielpublikum von «Goosebumps: Terror in Little Creek». Mit seiner leicht verdaulichen Mystery-Geschichte und den simplen Rätseln sowie Monstergefechten ist es primär an Kinder gerichtet. Doch wieso eigentlich, bei einem Horror-Werk?
Das Videospiel basiert auf der «Gänsehaut»-Buchreihe des US-amerikanischen Autors R.L. Stine. In den 1990er-Jahren sind über 60 Kurzgeschichten aus seiner Feder entstanden, die unter Kindern und Jugendlichen der letzte Schrei waren.
Mittlerweile bleibt die Marke durch Serien, Filme und eben Videospiele weiterhin präsent, hat jedoch die Blütezeit eindeutig hinter sich. Dennoch wurden die «Gänsehaut»-Bücher bis heute über 400 Millionen Mal verkauft und gehören damit zur zweiterfolgreichsten Buchreihe der Welt.
Das Opening der alten «Gänsehaut»-Serie gibt die 1990er-Nostalgie perfekt wieder (inklusive Hund mit leuchtenden Monsteraugen):
Auch ich wurde in meiner Kindheit ordentlich angefixt, damals noch mit meinem ersten «Gänsehaut»-Buch «Zimmel frei – Grusel inklusive» (Jahre später habe ich dann die eindeutige Vorlage «Shining» von Stephen King nachgeholt) aus der Schulbibliothek.
Das ist auch der Grund dafür, dass ich mit dem Spiel ein wenig Nostalgie erleben wollte. Und das ist gelungen, auch wenn nicht in Form von bekannten Charakteren, Schauplätzen oder Geschichten. «Goosebumps: Terror in Little Creek» trifft einen ähnlichen Nerv wie die Bücher vor vielen Jahren – inklusive des düsteren Twists am Ende des Spiels.
«Goosebumps: Terror in Little Creek» erscheint am 29. August 2025 für Switch, PS5, Xbox Series X/S und PC über Steam. Die PC-Version wurde mir von GameMill Entertainment zu Testzwecken zur Verfügung gestellt.
Titelbild: GameMill Entertainment
Als eingefleischter Horror-Fan wirst du mit «Goosebumps: Terror in Little Creek» wohl nicht warm. Die Rätsel und Monstergefechte sind rudimentär. Selbst die Geschichte folgt bis kurz vor Schluss einem linearen Faden, bei dem die Wendungen nicht gerade überraschend kommen.
Das ist jedoch völlig in Ordnung, weil eingefleischte Horror-Fans nicht zum Zielpublikum von «Goosebumps: Terror in Little Creek» gehören. Stattdessen dürfte das Spiel vor allem Kinder und «Gänsehaut»-Nostalgikerinnen und -Nostalgiker ansprechen.
In rund fünf Spielstunden erwartet dich das gesamte Survival-Horror-Repertoire. Und wenn du deine Vorliebe für das Genre in leicht verdaulicher Form mit deinen Kleinen teilen willst, ist das womöglich der perfekte Einstiegspunkt. Doch Achtung: Einmal angefixt, kommt man nur schwer davon los.
Pro
Contra
Meinen ersten Text über Videospiele habe ich mit acht Jahren geschrieben. Seitdem konnte ich nicht mehr damit aufhören. Die Zeit dazwischen verbringe ich mit meiner Liebe für 2D-Husbandos, Monster, meinen Krawallkatzen und Sport.