Game Boy Color Teardown: Endlich auch im Dunkeln zocken

Martin Jud
Zürich, am 24.01.2020
Obschon Nintendos Konkurrenz scheinbar bessere Hardware bietet, verkauften sich Game Boy und Game Boy Color in den 1990ern über 118 Millionen Mal – kein anderer verkaufte mehr mobile Konsolen. Doch den Geräten fehlt ein beleuchtetes Display. Zum Glück kannst du das nachrüsten.

Als Nintendo 1989 den ersten Game Boy veröffentlicht, kann nichts mehr den Siegeszug von Tetris, Mario und Zelda stoppen. Zwar bringt Sega 1991 den Game Gear, der technisch dank beleuchtetem Farbdisplay überlegen ist. Doch der Mangel an guten Games sowie unlautere Werbemassnahmen in den USA führen dazu, dass die farbige mobile Konsole nie jene Popularität erreicht, die Nintendo mit ihren mobilen Konsolen bis heute geniesst.

Sieben Jahre später bringt Nintendo mit dem Game Boy Color die erste eigene mobile Konsole mit Farbdisplay auf den Markt, allerdings ohne ein beleuchtetes Display wie beim Game Gear. Das mit gutem Grund; denn in den 1990ern werden Displays noch nicht mit LEDs beleuchtet, sondern mit Kaltkathoden-Fluoreszenzlampen. Und diese verbrauchen mächtig viel Strom, weshalb sich Nintendo für eine längere Batterielaufzeit und gegen ein beleuchtetes Display entscheidet.

Zeit, die Dinge selber in die Hand zu nehmen.

Es werde Licht: Frontlight, Backlight oder neues LCD?

Willst du das Display eines Game Boy Color mit einer Beleuchtung nachrüsten, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Du kannst das bestehende Display durch eines von einem Game Boy Advance SP ersetzen. Allerdings benötigt es dazu auch ein zusätzliches Adapterkabel und rund 80 Franken. Etwas günstiger kommt es, das Display durch ein neues farbiges sowie beleuchtetes LCD-Display aus China zu ersetzen. Diese sollen mittlerweile sehr gute Qualität bieten. Die Kosten betragen dafür rund 40 Franken.

Noch günstiger geht es nur, wenn du das bestehende Display modifizierst. Doch im Gegensatz zum Game Boy und Game Boy Pocket kann das Display des Game Boy Color aus technischen Gründen nicht mit einer Hintergrundbeleuchtung nachgerüstet werden. Bei Game Boy Color geht das nur mit einer Vordergrundbeleuchtung. Und genau das werde ich bei diesem Teardown tun. Dazu habe ich mir folgendes besorgt:

  • LED Frontlight-Kit mit Vordergrundbeleuchtung und Resistor für 8 Franken
  • 10 ml LOCA-UV-Leim für 9 Franken (auch ein halber Milliliter würde genügen)
  • LED-UV-Lampe für 9 Franken

Schneller Teardown mit lediglich neun Schrauben

Um den Game Boy Color auseinander zu nehmen, löse ich sechs Schrauben an der Rückseite des Gehäuses. Davon sind zwei im Batteriefach versteckt.

Zum Auseinandernehmen müssen sechs Schrauben am Gehäuse und drei am Motherboard gelöst werden.
Zum Auseinandernehmen müssen sechs Schrauben am Gehäuse und drei am Motherboard gelöst werden.

Nun kann die Gehäuse-Rückseite entfernt werden. Das Motherboard, welches darunter zum Vorschein kommt, ist mit weiteren drei Schrauben angebracht. Ausserdem steckt das Flachbandkabel des Displays ganz oben in einer Schnittstelle. Dieses entferne ich, indem ich zwei kleine Plastikschieber betätige, einen Schraubenzieher unters Kabel schiebe und dieses behutsam herausziehe.

Sind Kabel und Motherboard entfernt, finden sich darunter leitfähige Silikonpads, das Steuerkreuz und Buttons sowie das Display, welches fest im Gehäuse sitzt. Um es rauszunehmen, biege ich die Gehäusefront vorsichtig.

Das Display des Game Boy Color hat eine Auflösung von 160 x 144 Pixel und kann bis 32 000 verschiedene Farben darstellen.
Das Display des Game Boy Color hat eine Auflösung von 160 x 144 Pixel und kann bis 32 000 verschiedene Farben darstellen.

Mit Reinigungsalkohol bewaffnet, säubere ich erstmal sämtliche Einzelteile. Die leitfähigen Silikonpads, welche zwischen Steuerkreuz/Buttons und Motherboard für Kontakt sorgen, sind alle noch intakt. Irgendwie Schade, denn ich hätte für alles Ersatz dabei. Dafür ist der Display-Schutz arg zerkratzt. Zumindest diesen kann ich austauschen. Selbstverständlich verpasse ich dem Game Boy Color einen neuen aus Glas, der widerstandsfähiger ist als die originale Folie aus Plastik.

Anbringen der Vordergrundbeleuchtung

Um das Display leuchten zu lassen, muss die LED-Vordergrundbeleuchtung davor angebracht werden. Laut Hersteller der Beleuchtung kann diese ohne Leim über das Display gelegt werden. Allerdings habe ich das bei einem früheren Versuch bereits ausprobiert. Das Resultat hat mich nicht überzeugt. Denn das beleuchtete Bild wirkte danach milchig und etwas unscharf.

Daher habe ich mir LOCA (Liquid Optically Clear Adhesive) besorgt. Dabei handelt es sich um einen flüssigen, optisch klaren Klebstoff für Displays, der unter UV-Licht aushärtet.

Das Frontlight...
Das Frontlight...
...soll mit UV-Leim geklebt werden.
...soll mit UV-Leim geklebt werden.

Dummerweise habe ich noch keine Erfahrung mit LOCA. In einem Youtube-Video habe ich zwar gesehen, dass ich ein dünnes Leim-Kreuz auf das Display geben sollte, ehe ich die LED-Folie drauflege und dann warte, damit die Schwerkraft den Rest tut. Doch in der Praxis ist das weniger einfach getan als gesagt.

Auch Leimauftragen will gelernt sein.
Auch Leimauftragen will gelernt sein.

Ich passe nicht auf und so kleckert mir viel zu viel Leim aufs Display. Dennoch setze ich dummerweise erstmal die Vordergrundbeleuchtung obendrauf, merke aber dann schnell, dass das keine gute Idee ist – weshalb ich einen Teil des LOCAs entferne und dazu die LED-Folie abhebe und wieder neu aufsetze. Dadurch bilden sich leider kleine Luftbläschen, die ich nur mühselig wieder wegbringe, indem ich immer wieder über die Folie streife.

Nun muss der Leim zum aushärten unters UV-Licht. Das Resultat sieht auf den ersten Blick gut aus.

Es werde Licht: Zusammenbau und Anlöten der Beleuchtung

Jetzt dürfen sämtliche Einzelteile wieder ins Gehäuse. Allerdings passt das Display wegen den Kabeln der Vordergrundbeleuchtung nicht mehr in die Fassung. Ein kleines Stück Plastik muss entfernt werden. Das geht mit Schleifpapier oder einem elektronischen Grinder. Zum Glück hat Kollege Kevin gerade seinen Dremel zur Hand und Hilft mir, eine Rille zu fräsen.

Wenige Momente später sind Display, die Buttons, Silikonpads und das Motherboard wieder im Gehäuse. Die Kabel der Beleuchtung habe ich zwischen den Buttons durch verlegt und neben dem Lautsprecher auf die Rückseite des Boards gezogen.

Ich greife zu Lötkolben und Zinn und bringe erst den Resistor an den Pluspol. Dann löte ich die beiden Kabel an Resistor und Minuspol des Boards und schliesse das Gehäuse.

Das Resultat ist besser, als bei meinem ersten erwähnten Versuch, bei dem ich die Vordergrundbeleuchtung wie vom Hersteller angegeben ohne LOCA angebracht hatte. Das verleimte Display sieht viel schärfer aus. Es ist im Vergleich zu einem unmodifizierten Display nur minimal unschärfer. Doch ganz glücklich macht mich meine Modifikation nicht; beim Verkleben der Vordergrundbeleuchtung habe ich scheinbar aufgrund meines Malheurs nicht gut aufgepasst und doch nicht alle Luftbläschen weggebracht. Einige sind geblieben, was mich nicht zufrieden stellt. Doch motiviert es mich, beim nächsten Mal alles besser zu machen.

Leider habe ich gepfuscht – die Luftbläschen gehen auf mein Konto.
Leider habe ich gepfuscht – die Luftbläschen gehen auf mein Konto.

Was die Beleuchtung betrifft, ist diese relativ schwach. So schwach, dass du sie erst bei Nacht siehst. Doch sie tut ihre Arbeit – zocken im Dunkeln liegt nun definitiv drin. Wenn das nicht mal ein Lichtblick ist.

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Martin Jud
Martin Jud
Editor, Zürich
Der tägliche Kuss der Muse lässt meine Kreativität spriessen. Werde ich mal nicht geküsst, so versuche ich mich mittels Träumen neu zu inspirieren. Denn wer träumt, verschläft nie sein Leben.

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