Was passiert nach dem dritten Halving, dem dritten vertikalen Strich auf dem Bild? Bildquelle: Medium
Was passiert nach dem dritten Halving, dem dritten vertikalen Strich auf dem Bild? Bildquelle: Medium
HintergrundComputing

Führt auch das dritte Bitcoin-Halving zu einer Kursexplosion?

Raphael Knecht
Zürich, am 11.05.2020
Das nächste Bitcoin-Halving findet voraussichtlich am 11. Mai 2020 statt. Wenn sich die Block Reward erneut halbiert, schauen nicht nur Miner gespannt zu. Auch Experten aus der Finanzwelt sind sich uneinig, was mit dem Bitcoin-Kurs passieren wird.

Im Code der Bitcoin Blockchain ist festgehalten, dass alle 210 000 Blöcke ein Bitcoin Halving stattfindet. Die ersten beiden fanden 2012 und 2016 statt, nachdem der Bitcoin 2008 ins Leben gerufen wurde. Das nächste Halving steht kurz bevor: Präzise Berechnungen zeigen, dass es am 11. Mai dieses Jahres so weit sein wird. Die letzten beiden Male war ein enormer Kursanstieg die Folge. Diesmal sind sich die Experten allerdings uneinig, ob es zu einer Kursexplosion kommen wird, oder ob der erwartete Anstieg bereits im derzeitig hohen Kurs eingepreist worden ist. So oder so, die gesamte Finanzwelt blickt gespannt auf die Charts des Bitcoins.

Was ist ein Bitcoin Halving überhaupt?

Als Satoshi Nakamoto vor zwölf Jahren die Bitcoin Blockchain ins Leben gerufen hat, legte er die maximal verfügbare Anzahl Bitcoins auf 21 Millionen fest. Diese Bitcoins kamen damals aber nicht alle gleichzeitig auf den Markt: Die Nutzer des Bitcoin-Netzwerkes müssen aktives Mining betreiben, um an die Kryptowährung zu gelangen – sofern sie die Coins nicht einfach kaufen möchten. Das Mining betreiben sie mit ordentlich Rechenaufwand. Als Belohnung für die Leistung, die Miner für den Abschluss eines neuen Blocks erbringen müssen, erhalten sie eine Block Reward. Das sind im Prinzip die Bitcoins, die sie durch das Mining gefunden haben.

Ist das Dorian alias Satoshi Nakamoto, der Erschaffer von Bitcoins? Bildquelle: CoinDesk
Ist das Dorian alias Satoshi Nakamoto, der Erschaffer von Bitcoins? Bildquelle: CoinDesk

Für viele Miner ist das Schürfen nach neuen Bitcoins eine sehr lukrative Einkommensquelle, auch wenn sie und ihre PCs dafür einiges tun müssen. Aus diesem Grund erhöht sich der Schwierigkeitsgrad, neue Coins zu finden, kontinuierlich. Nakamoto hat das mit einer Zusatzfunktion bei der Erschaffung der Bitcoins so implementiert, sonst wären nach kürzester Zeit alle Bitcoins verfügbar und «aufgebraucht». Das Bitcoin Halving sorgt dafür, dass sich die Block Reward nach jeweils 210 000 geschürften Bitcoin Blocks halbiert. Zu Beginn bestand die Belohnung in 50 BTC – das Kürzel für Bitcoins –, 2016 waren es noch 12.5 BTC. Dieses Jahr wird die Reward auf 6.25 halbiert.

Je mehr Grafikkarten ein Miner hat, umso schneller kommt er an Kryptos. Bildquelle: Bitcoinist
Je mehr Grafikkarten ein Miner hat, umso schneller kommt er an Kryptos. Bildquelle: Bitcoinist

Weshalb kann das Halving so exakt auf ein Datum vorausgesagt werden, obwohl es von der geschürften Menge Bitcoins abhängt? Das hat damit zu tun, dass jeweils nach 210 000 Bitcoins die Reward halbiert wird. Beim Abschluss eines Blocks alle zehn Minuten ­– somit werden täglich ungefähr 144 Blöcke geschürft – entspricht dies einem Zeitraum von etwas weniger als vier Jahren. Dies kann sich natürlich etwas ändern, je nachdem, wie intensiv nach Bitcoins geschürft wird. Je näher jedoch die 210 000-Bitcoins-Grenze rückt, desto präzisere Vorhersagen sind möglich. Das nächste Halving wird zwischen April und Juni 2024 erwartet. Sobald dieser Zeitraum näherrückt, wird auch hier eine exaktere Vorhersage möglich.

Wieso ist ein Bitcoin Halving notwendig?

Ohne Bitcoin Halving wären die gesamten 21 Millionen Bitcoins in kürzester Zeit aufgebraucht. Doch das ist nicht der einzige Grund für die Halbierung. Denn Nakamoto hat die Bitcoins auch deshalb kreiert, um eine dezentrale und digitale Währung zu schaffen, die von Regierungen und Institutionen unabhängig ist. Er wollte aber gleichzeitig auch ein Konstrukt, das sicherer und stabiler ist als klassische Währungen. Unser heutiges Geldsystem besteht aus Währungen, die keinen wahren Gegenwert haben – sogenannte Fiatwährungen. Sie sind komplett vom eigentlichen Sachwert entkoppelt. In der klassischen Geldpolitik kann die Wirtschaft entweder durch die Steuerung der Geldmenge oder der Nachfrage beeinflusst werden. Durch die Erhöhung der Geldmenge soll in Krisenzeiten der Konsum und somit die Wirtschaftsleistung des Landes steigen. Das Negative daran? Die Geldmenge ist extrem inflationsanfällig.

Fiatwährungen sind instabiler und unsicherer als Kryptowährungen. Bildquelle: DeAcademic
Fiatwährungen sind instabiler und unsicherer als Kryptowährungen. Bildquelle: DeAcademic

Ganz anders sieht es beispielsweise beim Gold aus. Gold ist – wie die Bitcoins – beschränkt, denn aus Goldminen kann nicht unendlich viel Edelmetall pro Jahr geschürft werden. Daher ist die Inflation bei Gold im Vergleich zu Fiatwährungen konstant. Denn dort steigt bei der Erhöhung der Geldmenge das Preisniveau überdurchschnittlich an. Die Digitalwährung Bitcoin hat aus finanzieller Sicht gesehen Ähnlichkeiten mit Gold. Der Coin ist ein rares Gut, das Angebot beschränkt. Zudem muss die Währung aktiv geschürft werden – wie beim Gold. Da beim Bitcoin Halving weniger Coins in Umlauf geraten, sinkt erfahrungsgemäss auch die Inflationsrate – dies war bereits bei den letzten beiden Halvings der Fall. Deshalb ist das Bitcoin Halving so wichtig für den Bitcoin als stabile, sichere und zukunftsorientierte Währung mit konstanter Inflationsrate.

Was könnte das Bitcoin Halving für Auswirkungen haben?

Weil Miner beim erfolgreichen Abschluss nicht nur die Block Reward erhalten, sondern bei jedem Bitcoin Block auch von einer zusätzlichen Transaktionsgebühr profitieren, ist Mining so attraktiv. Professionelle Mining Farms und Pools dominieren seit ein paar Jahren den Wettbewerb, was viele private Miner in den Ruin getrieben hat. Denn auch die Difficulty, der Indikator für den Schwierigkeitsgrad beim Bitcoin Mining, passt sich alle 2016 Blöcke, also etwa alle vierzehn Tage, an die Hashrate, die verfügbare Rechenpower des Bitcoin Netzwerkes, an. So wird Mining immer teurer, insbesondere die Energiekosten wachsen unaufhörlich. Damit das Geschäft mit der virtuellen Währung lukrativ bleibt, muss der Preis zwangsweise angepasst werden, wenn die Block Reward alle vier Jahre halbiert wird.

Eine Mining-Farm in Japan: Hier wird mit der grossen Kelle angerührt. Bildquelle: BTCNN.com
Eine Mining-Farm in Japan: Hier wird mit der grossen Kelle angerührt. Bildquelle: BTCNN.com

Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Bitcoin kostet 8 000 Franken. Die Kosten, um an einen Bitcoin Block zu kommen, betragen 80 000 Franken. Die derzeitige Block Reward von 12.5 BTC spült dem Miner also 100 000 Franken in die Kasse, was einem Nettogewinn von 20 000 Franken entspricht. Halbiert sich die Reward und findet keine Preisanpassung statt, bliebe dem Miner plötzlich ein Verlust von 30 000 Franken. Um so profitabel wie vor dem Bitcoin Halving arbeiten zu können, wäre ein Preisverdoppelung auf 16 000 Franken notwendig.

Sind Bitcoins das digitale Gold der Zukunft? Bildquelle: Sachwerte Kanzlei
Sind Bitcoins das digitale Gold der Zukunft? Bildquelle: Sachwerte Kanzlei

Erfahrung der bisherigen Halvings zeigen, dass die Kurse steigen werden. Doch Experten teilen diese Meinung nicht, jedenfalls nicht alle. Einige sehen eine Gefahr darin, dass der Bitcoin mittlerweile Mainstream geworden ist und sich daher die Rahmenbedingungen geändert haben. Andere erachten die Bitcoin-Derivate, welche den Kurs beeinflussen, als negativen Einfluss. Auch die aktuelle Lage an der Börse wegen des Coronaviruses kann einen negativen Einfluss auf die diesjährige Halbierung haben. Was eine der grössten Unsicherheiten darstellt, ist die Ungewissheit, ob die Auswirkungen des bevorstehenden Halvings bereits in den Bitcoin-Kurs eingepreist worden ist. Viele Anleger haben in weiser Voraussicht auf das Halving Event begonnen, in die führende Kryptowährung zu investieren, was den Kurs bereits beeinflusst haben könnte.

Die Kursanstiege nach den beiden bisherigen Halvings sind unverkennbar. Bildquelle: buycrypto.info
Die Kursanstiege nach den beiden bisherigen Halvings sind unverkennbar. Bildquelle: buycrypto.info

Der CEO von Binance, Changpeng Zhao, ist der Ansicht, dass das Potenzial des Halvings noch nicht eingepreist worden ist. Er vertrat bei einem Interview mit «BlockTV» die Meinung, dass die Nachfrage weiterhin wachse, das Angebot jedoch abnehme. Dies wird laut Zhao zu einem massiv steigenden Kurs führen. Unterstützt wird diese Aussage durch Tom Lee, einem Analysten bei Fundstrat Global Advisors. Er ist ebenfalls der Meinung, dass Bitcoins nach wie vor enormes Kurspotenzial hätten. Er glaubt, dass der Kurs nach dem Halving um 200 Prozent oder mehr steigen wird.

Was passiert nach dem 11. Mai 2020?

Fact ist, dass der Bitcoin noch immer die wichtigste Kryptowährung ist. Auch unter den heutigen Umständen ist es unwahrscheinlich, dass sich das ändern wird. Die letzten beiden Halvings waren mit massiven Kursanstiegen verbunden. Auch wenn alles «gut gehen» sollte, ist das Halving alles andere als ein Peanuts-Event für den Branchenprimus aller Kryptowährungen. Denn selbst dann wird der Kursanstieg grossen Einfluss auf andere Kryptos und den gesamten Finanzmarkt haben. Schliesslich sind aller guten Dinge drei. Wer weiss, ob es auch beim dritten Mal positiv enden und der Kurs steigen wird? Egal, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt – der Bitcoin wird in den nächsten Wochen zu reden geben.

Die Zukunft ist ungewiss – Experten prophezeien dem Bitcoin jedoch rosige Zeiten. Bildquelle: Faz.net
Die Zukunft ist ungewiss – Experten prophezeien dem Bitcoin jedoch rosige Zeiten. Bildquelle: Faz.net

Was garantiert passieren muss, ist ein Anstieg des Preises. Sonst werden sowohl Privatpersonen als auch Mining-Farmen ihre Arbeit niederlegen. Einen positiven Einfluss auf den Kurs hat mit Bestimmtheit auch das derzeit vorherrschende schwindende Vertrauen in die Zentralbanken. Investoren schauen sich nach alternativen Assets um, wobei der Bitcoin hoch im Kurs steht. Auch wenn sich die Profis der Branche nicht einig sind, herrscht ein positiver Grundtenor vor. Der Bitcoin-Kurs wird in den nächsten Wochen und Monaten Rekorde brechen und in ungeahnte Höhen schnellen, wenn es nach dem Gros der Finanzwelt geht. Wer in den Bitcoin-Markt einsteigen will, sollte das baldmöglichst tun. Denn mit grosser Wahrscheinlichkeit wird das Ganze ab Mitte Mai zu einem sehr teuren Spass. Die Chancen, dass diesmal alles anders wird, stehen schlecht – aber es ist dennoch alles möglich.

Wenn du weitere Kryptowährungsartikel und Bitcoin-News lesen möchtest, dann folge mir mit einem Klick auf den «Autor folgen»-Button. Und wenn du dir noch vor dem Halving Bitcoins zulegen willst, dann empfehle ich dir das Ledger Nano S als Wallet. Kollege Raphael Rotondari hat bereits die X-Version getestet und war begeistert. Solltest du den Stichtag für den Bitcoin-Kauf verpassen, halbieren wir nach dem offiziellen Halving am 11. Mai immerhin den Preis des Ledger Nano S bis und mit 18. Mai 2020.

Teaserbild: Thomas Kunz

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Raphael Knecht
Raphael Knecht
Senior Editor, Zürich
Wenn ich nicht gerade haufenweise Süsses futtere, triffst du mich in irgendeiner Turnhalle an: Ich spiele und coache leidenschaftlich gerne Unihockey. An Regentagen schraube ich an meinen selbst zusammengestellten PCs, Robotern oder sonstigem Elektro-Spielzeug, wobei die Musik mein stetiger Begleiter ist. Ohne bergige Rennrad-Touren und intensive Langlauf-Sessions könnte ich nur schwer leben.

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