Auch wenn das grosse Geld und die steigenden Kurse locken: Der Umgang mit Bitcoins ist nicht so einfach, wie er klingt.
Auch wenn das grosse Geld und die steigenden Kurse locken: Der Umgang mit Bitcoins ist nicht so einfach, wie er klingt.

9 Tipps, wie du ein besserer Bitcoiner wirst

Raphael Knecht
Zürich, am 01.09.2020
Bitcoins und Co. sind noch immer im Trend, die Kurse steigen weiter. Selbst ehemalige Skeptiker versuchen inzwischen, die Kryptozitrone auszupressen. Damit das klappt, gibt's ein paar Dos und Don'ts zu beachten.

Digitale Währungen sind eine feste Grösse der Finanzbranche und zu einer spannenden Alternative fürs Portfolio geworden. Die Währung des Branchenprimus Bitcoin dominiert die Szene mit über 180 Milliarden Euro im Umlauf. So verlockend das alles klingt: Einsteiger dürften es schwierig haben, sich jetzt noch eine goldene Nase zu verdienen. Zu gross ist der Wettkampf, zu kostspielig die notwendigen Ressourcen und zu viele Coins wurden bereits geschürft. Aber auch Profis verschwinden innert Sekunden von der Kryptobühne, wenn sie auf die falschen Coins setzen, vorschnell handeln oder übers Ziel hinausschiessen. Folgende Tipps sollen dir dabei helfen, dein Bitcoin-Knowhow aufs nächste Level zu heben.

Deine Bitcoins gehören dir

Gib deine Private Keys nicht her. Nur, wenn du sie sicher aufbewahrst, sind auch deine Bitcoins geschützt. Zu viele User haben ihre Coins noch immer bei einem Trader, an irgendeiner Börse oder bei einer Drittpartei – ein Anfängerfehler. Nicht nur ist es in deinen Händen sicherer, du alleine hast so die volle Kontrolle über dein Vermögen. Was mit einer Kryptobörse passieren kann, hat der Fall von Gerald Cotten eindrücklich gezeigt. Speichere den Private Key zudem immer offline auf einem Cold Wallet. Auch ein Paper Wallet ist okay, allerdings fehleranfälliger als das Cold Wallet. Die sogenannten kalten Geldbörsen sind nicht mit dem Internet verbunden. Nur wer im Besitz des physischen Wallets ist, hat auch Zugriff darauf.

Cold Wallets sind der «place to be» für deine Kryptos.
Cold Wallets sind der «place to be» für deine Kryptos.

Nutze eine eigene Full Node

Full Nodes sind Programme, die Bitcoin-Transaktionen und -Blöcke vollständig validieren – frei nach dem Bitcoin-Ethos «don't trust, verify». Sie sorgen dafür, dass das Netzwerk funktioniert und gesichert ist. Sie akzeptieren Transaktionen sowie Blöcke von anderen Full Nodes und lehnen ungültige Blöcke ab. Dank dieser Programme kannst du deine Bitcoin-Transaktionen direkt ans Netzwerk übermitteln und erhältst eine Meldung, sollte eine andere Transaktion dein Wallet betreffen. Nur mit einer Full Node kannst du Unsicherheiten ausschliessen und deiner Bitcoins sicher sein. Gäbe es nicht genügend Full Nodes, müsste ein zentralisierter Service genutzt werden – was dieselben Nachteile hat wie Drittparteien, die deine Bitcoins verwalten wollen. Erstellst und nutzt du hingegen deine eigene Full Node, bist du Herr über all deine Transaktionen und Kryptos. Zudem unterstützt du die Bitcoin-Community und machst deren Netzwerk sicherer.

Wie eine grosse Familie

Kryptowährungen sind keine One-Man-Show. Es geht um und es braucht die Community, denn es zählt der Teamgedanke. Das Netzwerk funktioniert nur, wenn möglichst viele seriöse Bitcoiner mitmachen. Beispielsweise ist die Sicherheit höher, je mehr Leute eine eigene Full Node nutzen. Egal, ob Anfänger oder Profi: Nimm an Bitcoin-Seminaren und -Meetups teil. Es geht nicht um bezahlte Veranstaltungen von Tradern, sondern um unabhängige Events, an denen sich die Community trifft und austauscht. Es gibt viele clevere Köpfchen da draussen, die ihr Bitcoin-Wissen mit dir teilen. Wenn irgendwie möglich und unter Einhaltung der geltenden BAG-Richtlinien, triff dich face-to-face mit anderen Bitcoinern. Es ist einfach nicht dasselbe, wenn du deinem Gesprächspartner nicht gegenüber stehst.

An Bitcoin-Events tauschst du dich mit Gleichgesinnten aus.
An Bitcoin-Events tauschst du dich mit Gleichgesinnten aus.

Privates soll privat bleiben

Behalte deine Bitcoins und anderes Kryptovermögen für dich – du prahlst auch nicht mit dem Geld, das auf deinen Bankkonten liegt. Wenn du jemandem von einem Kryptoerfolg, einer cleveren Investition oder einem Geheimtipp erzählen willst, dann nur Personen, denen du vertraust. Es ist wie im echten Leben: Neider und Abzocker lauern überall. Wenn du schon so vorsichtig bist und auf Bitcoins setzt, dann riskiere all die Sicherheiten, die dir Kryptowährungen bieten, nicht mit aufgeblasenen Stories zu deinem finanziellen Erfolg.

Finger weg von Shitcoins

Shitcoins sind, wie es der Name bereits vermuten lässt, wertlos. Die Rede ist von Imitaten, die von der Berühmtheit des Bitcoins profitieren wollen. Oft stecken dahinter betrügerische Absichten. Oder es sind Kryptos, die inzwischen wertlos geworden sind oder ihr Potenzial gar nie richtig entfalten konnten und es wohl auch nie werden. Der Reiz ist da, das grosse Geschäft mit einem dieser vermeintlichen Rohdiamanten zu machen. Langfristig bieten Shitcoins keinen Mehrwert, auch kurzfristig sind sie nur selten von minimalem Erfolg geprägt. Sobald eine Kopie eines Bitcoins – auch Altcoin genannt – entsteht und weder für technologischen Fortschritt, noch Innovation oder finanziellen Mehrwert sorgt, wird sie zum Shitcoin und sollte ignoriert werden.

Auch Pages, die Kryptos reviewen, sind oft dubios und fake.
Auch Pages, die Kryptos reviewen, sind oft dubios und fake.

Kryptomixer sind ein Muss

Krypto-was? Ja, genau, Mixer. Einerseits bieten Kryptowährungen Sicherheit, weil die Transaktionen fast komplett anonymisiert sind. Fast, denn andererseits kann jede dieser Transaktionen von anderen Bitcoinern im Netzwerk nachverfolgt werden, wenn es denn sein muss. Der Geldfluss innerhalb der Blockchain kann bei Bedarf nachvollzogen und offengelegt werden. Was persönliche Sicherheit und Anonymität bietet, ist auch ein Schutzmechanismus vor Betrügern, die von der Verschleierung profitieren wollen. Wenn du deine Bitcoins beispielsweise via Trader verschiebst, sind immer eine Identifikation und weitere persönliche Details notwendig. Wegen des wachsenden Erfolgs und der steigenden Anzahl Minern ist eine vollkommene Anonymität nicht mehr möglich. Aus diesem Grund existieren Kryptomixer. Diese Programme mischen jede deiner Transaktionen mit einer Vielzahl von anderen Transaktionen – eigene oder fremde –, um deine Privatsphäre zu gewährleisten.

Keine Trader und keine Börse

Versuche erst gar nicht, mit deinen Kryptos zu traden. Wenn du nicht unheimliches Glück hast oder wie durch ein Wunder richtig liegst, kann's nur schief gehen. Vom Tellerwäscher zum Bitcoin-Millionär? Ja, das passiert, aber nicht dir. Es lohnt sich schlichtweg nicht, deine hart verdienten Bitcoins dem Zufall oder selbsternannten Experten zu überlassen. Aus diesem Grund rate ich dir, einen weiten Bogen um Bitcoin-Exchanges und Co. zu machen. Wäre es nicht schade, wenn die ganze Rechenleistung, die du fürs Mining aufgewendet hast, umsonst gewesen wäre? Nur schon deiner Energiebilanz schadet das extrem. Du willst Geld aus dem Fenster werfen? Dann mach das woanders.

Lass die Finger von Kryptobörsen und -händlern.
Lass die Finger von Kryptobörsen und -händlern.

Nicht über die Verhältnisse leben

Um nicht in Versuchung zu geraten, deine Bitcoins vorschnell zu verkaufen oder zu vermehren, musst du die Ansprüche an dein Kryptovermögen herunterschrauben. Am Beispiel des Zeitwerts des Geldes ist der Sachverhalt relativ simpel zu erklären. Extrem vereinfacht, besagt der Zeitwert des Geldes, dass eine Geldeinheit heute mehr wert ist als eine Geldeinheit morgen. Beim Halten von Bitcoins ist es genau umgekehrt. Auch wenn dieselben Unsicherheiten wie Rendite, Verzinsung, Bankrott oder Inflation eine Rolle spielen, ist der Bitcoin-Kurs seit der Einführung der digitalen Währung kontinuierlich gestiegen. Die Vergangenheit zeigt also, dass Hodling – und nicht Selling oder Trading – der «way to go» ist.

Podcasts for the win

Wenn du keine Lust, aufgrund der Corona-Pandemie Respekt oder keine Möglichkeit hast, andere Bitcoiner physisch zu treffen, dann sind Hopfen und Malz noch nicht verloren. Es gibt einige empfehlenswerte Podcasts zu Kryptowährungen und Bitcoins im Speziellen. Auch hier spreche ich nicht von gesponserten Werbesendungen irgendwelcher Trader, sondern von Experten aus der Bitcoin-Community. Ich höre Stephan Livera sehr gerne zu. Er ist Australier – keine Angst, der Akzent hält sich in Grenzen –, Mitgründer des Ministry of Nodes, einem Blog für Bitcoin-Einsteiger und -Profis, und Partner von Bitcoin Ventures, einem Unternehmen, dass sich auf Funding von vielversprechenden Bitcoin-Firmen und -Projekten spezialisiert hat. Kompliziertes erklärt er leicht verständlich und gibt wertvolle Bitcoin-Tipps. Auch Tales from the Crypt ist spannend. Host Marty Bent, der sich selbst Chief Editor des «besten Newsletters zum Thema Bitcoin» nennt, geht mit seinen Gästen «deep down the rabbit hole». Es werden Themen, Leute oder Kryptos diskutiert, von denen vielleicht drei Menschen weltweit je gehört haben. Nichtsdestotrotz bietet dieser Podcast eine völlig neue Bitcoin-Perspektive. Und: Marty ist unglaublich witzig.

Podcasts sind eine spannende Alternative zu Bitcoin-Meetups.
Podcasts sind eine spannende Alternative zu Bitcoin-Meetups.

Kennst du weitere Tipps, hilfreiche Gadgets oder clevere Hacks, die dich im Umgang mit Bitcoins und anderen Kryptos noch versierter machen? Dann lass die Community teilhaben und schreibe es in die Kommentarspalte. Wenn du zudem künftig keine Kryptowährungs- und Bitcoin-News mehr verpassen möchtest, dann folge mir mit einem Klick auf den «Autor folgen»-Button.

Teaserbilder: Thomas Kunz

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Raphael Knecht
Raphael Knecht
Senior Editor, Zürich
Wenn ich nicht gerade haufenweise Süsses futtere, triffst du mich in irgendeiner Turnhalle an: Ich spiele und coache leidenschaftlich gerne Unihockey. An Regentagen schraube ich an meinen selbst zusammengestellten PCs, Robotern oder sonstigem Elektro-Spielzeug, wobei die Musik mein stetiger Begleiter ist. Ohne hüglige Cyclocross-Touren und intensive Langlauf-Sessions könnte ich nur schwer leben.

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