Du bist nicht mit dem Internet verbunden.
Corporate logo
FotografieKnowhow 313

Foto-Kurztipp: Wie lange kannst du belichten ohne Verwackler?

Ohne Stativ werden Fotos ab einer bestimmten Belichtungszeit unscharf. Doch wo genau ist die Grenze? Es gibt eine Faustregel, die einfache, aber meist falsche Antworten gibt. Die Realität ist komplizierter.

Wenn der Verschluss länger offen bleibt, kommt mehr Licht in die Kamera. Das ermöglicht Aufnahmen bei Nacht oder bei wenig Licht. Es lässt ein Bild aber auch verwackelt wirken, wenn du die Kamera nicht ganz still hältst.

Die Faustregel besagt: Die längst mögliche Verschlusszeit, mit der das Foto noch scharf wird, hat den gleichen Sekundenbruchteil wie die Brennweite. Wenn du also mit 100 mm fotografierst, liegt die Verwacklungsgrenze bei 1/100 Sekunde.

Daraus lernt ein Anfänger, dass er im Telebereich kürzer belichten muss als im Normal- oder Weitwinkelbereich. Mehr lernt er aber nicht. Denn die Regel ignoriert eine ganze Reihe von entscheidenden Faktoren.

Sensorgrösse

Die Faustregel gilt nur für Vollformatkameras. Denn eigentlich geht es nicht um die Brennweite, sondern um den Bildausschnitt. Andere Sensorgrössen haben bei gleicher Brennweite einen anderen Ausschnitt, daher müsste die tatsächliche Brennweite mit dem Crop-Faktor multipliziert werden.

Bildstabilisator

Bildstabilisatoren gleichen Handbewegungen aus und können die mögliche Belichtungszeit um bis zu fünf Stufen verlängern. Eine Stufe ist jeweils eine Verdopplung der Verschlusszeit. Das heisst bei fünf Stufen, dass ich von 1/100 Sekunde auf 1/3 Sekunde verlängern kann.

Hier habe ich 1/3 Sekunde ohne Bildstabilisator belichtet (Brennweite: 70 mm mit APS-C-Sensor).

Und hier dasselbe mit Bildstabilisator

Wie du dich anstellst

Einhändig, zweihändig, abgestützt oder auf einem Bein hüpfend – das macht einen riesigen Unterschied. Darum habe ich ernsthaft mal einen Tipp geschrieben, wie du die Kamera halten solltest.

Foto-Kurztipp: Halt die Kamera richtig!
FotografieKnowhow

Foto-Kurztipp: Halt die Kamera richtig!

Gewicht

So ein Monster-Tele hältst du weniger ruhig als ein superleichtes Standardobjektiv. Im eh schon kritischen Telebereich ist darum die Faustregel besonders heikel.

Bildauflösung und -grösse

Eine Kamera mit einer hohen Auflösung zeigt schon kleinste Verwackler, die mit tiefer Auflösung noch gar nicht sichtbar sind. Umgekehrt verschwinden kleine Unschärfen, wenn du dein Foto auf Web- oder Instagramgrösse herunterrechnest.

Was tun?

Mit einem guten Bildstabilisator wirst du unter Anwendung der Faustregel den kritischen Bereich kaum je verlassen, daher richtet sie wenig Schaden an. Ist jedoch kein Stabi drin, dann pass auf! In wechselnden, neuen Situationen rate ich sowieso, die Automatikprogramme (Auto, P oder A) zu verwenden. Deine Kamera kennt die meisten Einflüsse und bezieht sie in die Berechnung der Verschlusszeit mit ein. In statischen Situationen hilft Ausprobieren und Erfahrung.

User

David Lee, Zürich

  • Teamleader Thor
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

3 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User curschellas

fotografiert man im kritischen lowlight-bereich kann es sinn machen , die aufnahmen vergrössert auf dem bildschirm zu kontrollieren ... und also das aufnahme-menu so einzustellen , dass nach der aufnahme während 1-3 sekunde automatische die vergrösserte ansicht angezeigt wird ... sehr gäbig

03.12.2018
User urswuergler

Flotter Artikel, der die wichtigsten Punkte erwähnt. Habe mich insbesondere über die Bemerkung zu hohen Auflösungen gefreut, die nichts bringen, wennn man nicht sicherstellen kann, dass die Kamera stabil ist.
Weil etwa Dual I.S. 2 bei Panasonic mittlerweile bis zu 6.5 (in der Praxis eher 6.0) Blenden Reserve beim Belichten bietet, sind solche Fotos wie oben gezeigt, auch ohne Stativ möglich. Zusätzlich bieten aktuelle Kameras (z.B. die G9) noch einen Modus, der mehrfach belichtet und die Aufnahmen geschickt miteinander verknüpft, so dass man sowohl bei Belichtung als auch Rauschverhalten gewinnt (bewegte Objekte wie etwa die oben gezeigten Autos sollte man dann aber nicht im Bild haben).
Google sorgte zuletzt mit 'Night Sight' für Furore, wobei ebenfalls mehrere Bilder verknüpft werden und die Handy-Kamera sich offenbar ein bisschen bewegen darf. Zu beachten ist natürlich, dass man von winzigen Bildwandlern in einem Handy keine Wunder erwarten darf.

03.12.2018
User mova

In den Ferien habe ich oft mangels Tripod natürliche Ersatzlösungen gesucht. Tische, Brüstungen, Kandelaber, Baumstumpf usw. fehlt auch das, Kniend, liegend.

03.12.2018