Hintergrund

Du denkst, Pokémon sei Kinderkram? Dann kennst du den Manga nicht

Kevin Hofer
6.4.2026
Bilder: Kevin Hofer

Meine Pokémon-Zeit endete mit der «Roten Edition» vor über 25 Jahren. Jetzt entdecke ich das Franchise durch meinen Sohn neu – und auch den Manga. Den hätte ich ihm wohl besser (noch) nicht gezeigt.

«Papa, Papa, schau: Das Onix zerfällt in Einzelteile! », ruft mein Sohn. Ob er begeistert ist oder verstört, kann ich nicht sagen. Zuerst halte ich das für übertrieben. Schliesslich wird in Pokémon mit Wasser und Blümchen gekämpft. Doch dann sehe ich es: Der riesige Steinwurm liegt in Stücken.

Onix ist futsch.
Onix ist futsch.

Mein Sohn liest den ersten Band von «Pokémon – Die ersten Abenteuer». Ich habe ihm den Manga geschenkt, nachdem er den Anime verschlungen, «Pokémon Let’s Go» durchgespielt und sich in «Pokopia» durch zig Blöcke geprügelt hat. Die Altersfreigabe ab acht Jahren passt perfekt zu ihm – dachte ich zumindest.

Dass Pokémon im Manga zerstückelt werden, ist keine Ausnahme. Immer wieder zeigt mir mein Sohn Szenen, die ich in diesem Franchise nie erwartet hätte. Warum der Manga so brutal ist, bleibt unklar. Vielleicht liegt es am Medium selbst.

Ich habe die ersten Bände selbst gelesen und die heftigsten Momente für dich zusammengetragen.

Zombie-Enton

Schon im ersten Band passiert etwas, das überrascht. Rot reist durch Kanto, sammelt Orden – alles wie gewohnt für Pokémon-Fans. Doch in Lavandia wird es düster. Mister Fuji erzählt von seltsamen Ereignissen im Pokémon-Turm. Blau sei bereits hineingegangen, um nachzusehen. Also folgt Rot ihm.

Kaum im Turm, begegnet er Geistern verstorbener Pokémon. Doch die sehen aus wie Untote. Als Rot die verwesenden Überreste eines Enton zerstört, wird klar: Es sind Kadaver, die von Geister-Pokémon gesteuert werden. Der Manga hakt das schnell ab, doch das Bild des Zombie-Enton bleibt. Seine hohlen Augenhöhlen und das hervorquillende Auge wirken grotesk – besonders bei einem sonst so niedlichen Pokémon.

Enton ist doch eigentlich ziemlich süss.
Enton ist doch eigentlich ziemlich süss.

Glutexo köpft Arbok

Im Turm geht es direkt weiter. Rot trifft auf Blau, der von einem Geist besessen ist – ebenso wie sein Glutexo. Als Rot das Nebulak, das dahintersteckt, mit Solarstrahl vertreibt, kehrt Blau zu sich zurück. Doch die Gefahr ist nicht gebannt: Nebulak gehört Koga, einem Mitglied von Team Rocket.

Koga hetzt Arbok auf die beiden. Er glaubt, Blaus Glutexo mit Arboks Säure besiegt zu haben. Doch dann schlägt Glutexo zurück: Mit seinem Schwanz trennt es Arbok in zwei Hälften. Zwar regeneriert sich Arbok später, doch in diesem Moment wird klar: «Pokémon – Die ersten Abenteuer» spielt in einer anderen Liga.

Zack, und der Kopf ist ab.
Zack, und der Kopf ist ab.

Die Top Vier wollen die Menschheit ausrotten

Die Top Vier der Kanto-Region waren mir in den Spielen immer suspekt. Im Manga entpuppen sie sich als Psychopathen. Agathe manipuliert Bruno, der nur nach Stärke strebt, und überzeugt ihn, dass Menschen und Pokémon nicht zusammengehören. Lorelei hasst die Menschheit für das Leid, das sie Pokémon zugefügt hat, und nutzt mysteriöse Eiskräfte.

Siegfried, der angeblich mit Pokémon sprechen und sie heilen kann, hegt einen tiefen Hass auf Menschen. Gemeinsam planen die vier, die Menschheit auszulöschen und ein Paradies für Pokémon zu schaffen. Dass sie mir unheimlich waren, wusste ich. Aber Völkermörder? Damit hatte ich nicht gerechnet.

Die Zerstörung von Orania City

Wie ernst es die Top Vier meinen, zeigt die Gelb-Saga. Die Protagonistin Gelb sucht Rot, der nach den Ereignissen der Rot-und-Blau-Saga verschwunden ist. Um ihn zu finden, muss sie das Meer überqueren – ohne Wasser-Pokémon oder Boot.

Der Hyperstrahl löscht einen Teil von Orania City aus.
Der Hyperstrahl löscht einen Teil von Orania City aus.

Sie nimmt an einem Surf-Turnier teil, um ein Dragonir zu gewinnen, das sie über das Meer tragen könnte. Doch mitten im Turnier taucht Siegfried auf. Sein Dragonir feuert einen Hyperstrahl auf Orania City ab. Ein grosser Teil der Stadt wird ausgelöscht. Wie viele Menschen sterben, bleibt unklar. Doch der Krater, den der Angriff hinterlässt, spricht Bände.

Giovanni tötet Magmar

Giovanni, der skrupellose Anführer von Team Rocket, zeigt im Manga sein wahres Gesicht. Rot kämpft gegen zwei wilde Magmar, die das Museum von Marmoria City in Brand gesetzt haben. Mit Sandan löst er einen Sandsturm aus, der das Feuer löscht und die Magmar kampfunfähig macht. Doch Rot greift die wehrlosen Pokémon nicht an – er will sie nicht verletzen. Giovanni beobachtet das und zieht seinen Schluss: starker Trainer, schwaches Herz.

Als die Magmar wieder auftauchen und ihn angreifen, friert Giovanni sie ein – und zerstört sie. Es ist einer der wenigen Momente im Manga, in denen Pokémon sterben. Und sie kommen nicht zurück.

Magmar wird eingefroren und zerbrochen.
Magmar wird eingefroren und zerbrochen.

Die Arenaleiter als Mörder

«Pokémon – Die ersten Abenteuer» hält die Spannung hoch – oft auf Kosten der jugendlichen Helden. Erwachsene versuchen immer wieder, sie zu töten. Grausam, einfallsreich und oft mit einem Lächeln.

Koga will Rot ersticken.
Koga will Rot ersticken.

Koga, Arenaleiter von Fuchsania City, will Blau und Rot mit Sleimok ersticken und mit Arboks Säure auflösen. Major Bob, Arenaleiter von Orania City, setzt Elektek und Voltobal ein, um Rot zu elektrisieren und in die Luft zu jagen. Kreative Pokémon-Einsätze sind ein Markenzeichen der Reihe. Doch wenn diese Kreativität dazu dient, Menschen zu töten, wird es düster.

Trotz der expliziten Gewalt, lasse ich meinen Sohn den Manga übrigens weiterlesen – wenn er will. Er kommt immer auf mich zu, wenn er Fragen hat oder ihm etwas unangenehm ist. So können wir darüber sprechen und das Gesehene einordnen.

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