
Dieses Hörimplantat verschwindet komplett unter der Haut
Beim «Tici Unico» sitzt erstmals bei einem kommerziell verfügbaren Cochlea-Implantat auch das Mikrofon vollständig unter der Haut. Dadurch können Nutzerinnen und Nutzer das System selbst beim Schlafen, Duschen oder Schwimmen eingeschaltet lassen.
Bei klassischen Cochlea-Implantaten tragen Nutzerinnen und Nutzer einen Audioprozessor außen am Kopf. Er nimmt den Schall auf und versorgt das System mit Energie. Das österreichische Unternehmen Med-El hat das System nach mehreren Jahren klinischer Erprobung jetzt in Europa auf den Markt gebracht.
Das Mikrofon macht den Unterschied
Das Mikrofon nimmt den Schall durch die Haut hindurch auf. Der integrierte Audioprozessor verarbeitet das Signal und leitet es an die Elektrode in der Hörschnecke weiter. Diese stimuliert den Hörnerv mit elektrischen Impulsen.
Das System besteht aus dem eigentlichen Implantat und einem separaten Mikrofon. Beide Komponenten sitzen unter der Haut am Schädel. Zusammen wiegen sie laut Med-El rund 20 Gramm. Das Mikrofon sitzt in einem vorbereiteten Bereich am Schädelknochen und wird dort mit Schrauben befestigt.

Quelle: Med-El
Für die Stromversorgung nutzt das «Tici Unico» einen fest eingebauten Akku. Laut Hersteller hält eine Ladung bis zu 40 Stunden. Geladen wird er drahtlos mit einem externen Ladegerät namens «GoPod». Dieses wird auf der Haut über dem Implantat positioniert und besitzt einen eigenen Akku. Der soll laut Med-El mindestens genug Energie für eine Tagesladung liefern. Das GoPod selbst lässt sich per Kabel oder drahtlos aufladen. Eine vollständige Ladung des Implantats dauert etwa eine Stunde. Währenddessen bleibt es aktiv.
Erste Studie mit sechs Personen
Die bisher veröffentlichte klinische Datenbasis ist noch klein. Eine 2025 im Fachjournal «Communications Medicine» veröffentlichte Machbarkeitsstudie umfasste sechs Erwachsene mit schwerem bis hochgradigem Hörverlust.
Bei Tests zum Sprachverständnis erzielten sie mit dem implantierten Mikrofon ähnliche Ergebnisse wie mit einem externen Audioprozessor von Med-El. Die Forschenden weisen allerdings selbst auf die geringe Teilnehmerzahl hin. Belastbare Aussagen über seltene Nebenwirkungen oder die langfristige Zuverlässigkeit lassen sich daraus noch nicht ableiten.
Während der einjährigen Beobachtung registrierten die Forschenden 15 unerwünschte Ereignisse. Eines davon stuften sie als schwerwiegend und gerätebezogen ein. Dabei kam es an der Implantationsstelle zu einer Schwellung mit Anzeichen einer Infektion. Laut Studie heilte sie nach der Behandlung ohne Folgeschäden aus.
Langzeiterfahrungen fehlen noch
Auch beim Akku gibt es bisher vor allem Herstellerangaben. Med-El gibt an, dass er auch nach mindestens 15 Jahren noch genug Kapazität für einen ganzen Tag bieten soll. Langjährige Praxiserfahrungen mit dem «Tici Unico» gibt es naturgemäß noch nicht.

Quelle: Med-El
Das Implantat ist laut Hersteller zudem für MRT-Untersuchungen mit 1,5 und 3 Tesla geeignet, sofern die vorgegebenen Bedingungen eingehalten werden. Falls nötig, lässt es sich auch mit externen Audioprozessoren wie dem «Sonnet 2», «Sonnet 3» oder «Rondo 3» nutzen.
Erste Einsätze außerhalb von Studien
Die ersten regulären Implantationen außerhalb von Studien fanden Ende September in Österreich statt. Einen öffentlichen Preis nennt das Unternehmen bislang nicht. Auch zur Kostenübernahme in Deutschland gibt es derzeit keine konkreten Angaben.
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