Die SSD Crucial T500 scheint gut, hat aber eine eklatante Schwäche
Produkttest

Die SSD Crucial T500 scheint gut, hat aber eine eklatante Schwäche

Kevin Hofer
2.11.2023

Die T500 von Crucial ist die bislang schnellste PCIe-4.0-SSD, die ich getestet habe. Zumindest, wenn sie leer ist. Leider sinkt die hohe Schreibgeschwindigkeit ab etwa einem Drittel Füllstand stark, weshalb ich sie nicht empfehlen kann.

Erst zwei Jahre nachdem PCIe 4.0 mit der AM4-Plattform von AMD gestartet ist, hat Crucial den Wechsel von PCIe 3.0 auf 4.0 vollzogen. Dies mit der P5 Plus von 2021. Die schickt der Hersteller jetzt bereits wieder in Rente und bringt dafür die T500 heraus. Diese überzeugt mich zu Beginn des Testens vollends, da sie ihre Vorgängerin und auch die Konkurrenz teils deutlich schlägt. Enttäuschenderweise gibt sie diesen Vorsprung bei erschöpftem SLC-Modus wieder preis. Eine Schwäche, die sie meine Kaufempfehlung kostet.

Crucial T500 (2000 GB, M.2 2280)
148.– 74.–/1TB

Crucial T500

2000 GB, M.2 2280

Crucial T500 (2000 GB, M.2 2280)
SSD
148.– 74.–/1TB

Crucial T500

2000 GB, M.2 2280

Hier findest du alle Modelle der T500

Features und Spezifikationen

Crucial setzt bei der T500 auf den neuen Phison PS5025-E25-Controller. Sie ist die bislang einzige SSD mit ihm. Die SSD mit Formfaktor M.2-2280 wird per PCIe 4.0 angebunden. Als Softwareprotokoll kommt NVMe zum Einsatz.

Beim sequentiellen Lesen sollen gemäss Hersteller 7400 Megabyte pro Sekunde (MB/s) drin liegen, beim sequentiellen Schreiben sind es rund 7000 MB/s. Beim NAND-Speicher kommt Micron 232-Layer 3D TLC zum Einsatz. NAND ist eine nichtflüchtige Speichertechnologie, die keinen Strom benötigt, um Daten zu speichern. TLC steht für «Triple Level Cell». Pro Speicherzelle sind somit 3 Bit möglich. Auf meinem zwei Terabyte (TB) grossen Testsample, das mir von Crucial zur Verfügung gestellt wurde, sitzen zwei NAND-Speicherbausteine. Die Garantie der SSD beträgt fünf Jahre oder bis zu einem festgesetzten Schreiblimit, das je nach Speicherkapazität der SSD variiert. In meinem Fall 1200 TB geschriebener Daten.

Pro TB-Speicher ist die T500 mit 1 Gigabyte (GB) DRAM-Cache ausgestattet. Im «Dynamic Random Access Memory» ist gespeichert, wo die Daten auf der SSD liegen. Sie ist mit Kapazitäten von 500 GB, 1 oder 2 TB verfügbar. Die letzten beiden Versionen sind zudem wahlweise mit und ohne Kühlkörper verfügbar. Dieser soll so flach sein, dass er auch in eine Playstation 5 passt.

Die T500 verfügt über zwei NAND-Bausteine mit je 1 TB Speicher (schwarze Rechtecke unten). Der DRAM-Speicher liegt darüber und zuoberst auf dem Bild ist der Controller zu sehen.
Die T500 verfügt über zwei NAND-Bausteine mit je 1 TB Speicher (schwarze Rechtecke unten). Der DRAM-Speicher liegt darüber und zuoberst auf dem Bild ist der Controller zu sehen.
Quelle: Kevin Hofer

Ein Drittel des Speichervolumens, im Fall meines Testsamples bis knapp 700 GB, können im schnellen Single-Level-Cell-Modus (SLC) mit 1 Bit beschrieben werden. Sind diese belegt, muss in den TLC-Modus gewechselt werden. SSDs bedienen sich hier eines Tricks: Ist der SLC-Modus ausgeschöpft und es stehen keine grossen Schreibvorgänge an, schaufeln sie die Daten in den TLC-Speicher.

Testmethode und System

Alle Tests mache ich auf meinem Testsystem mit folgenden Komponenten:

AMD Ryzen 9 7900X (AM5, 4.70 GHz, 12 -Core)
Prozessor
371.–

AMD Ryzen 9 7900X

AM5, 4.70 GHz, 12 -Core

Gigabyte X670 AORUS ELITE AX (AM5, AMD X670, ATX)
Mainboard
263.–

Gigabyte X670 AORUS ELITE AX

AM5, AMD X670, ATX

G.Skill Ripjaws S5 (2 x 16GB, 6000 MHz, DDR5-RAM, DIMM)
RAM
125.–

G.Skill Ripjaws S5

2 x 16GB, 6000 MHz, DDR5-RAM, DIMM

Ich verwende bei allen SSDs die Windows Version 22H2 (Build: 22621.2428). Alle Benchmarks mache ich dreimal und nehme das beste Ergebnis.

Sequentielle Schreib- und Lesegeschwindigkeit im ATTO Disk Benchmark

Sequentiell abgelegte Daten sind in zusammenhängenden Blöcken abgelegt. Dank dem sequentiellen Lesen und Schreiben lässt sich abschätzen, wie schnell die SSD beim Zugriff auf grosse Multimedia-Dateien, beim Transkodieren von Videos oder beim Anschauen von Filmen ist. Hersteller geben gerne die sequentiellen Geschwindigkeiten an, da sie die höchsten Werte ergeben.

In folgender Grafik siehst du die Resultate im Vergleich mit der Vorgängerin P5 Plus, der MP600 Pro von Corsair und der SN850 von Western Digital – alle per PCIe 4.0 angebunden. Zum Vergleich mit einer PCIe 5.0 SSD liste ich dir noch die T700 Pro von Crucial auf. Ich habe der Übersicht halber nur die maximal gemessenen Resultate in die Grafik integriert.

Der ATTO Disk Benchmark verwendet unkomprimierte Daten. Dabei testet er die Lese- und Schreibleistung verschiedener Übertragungsgrössen von 512 Byte bis 64 Megabyte beim sequentiellen Lesen und Schreiben.

Mit 6950 MB/s erreicht die T500 die angegebene maximale Lesegeschwindigkeit von 7400 MB/s nicht. Die meisten SSDs erreichen in dem Benchmark nicht die offiziellen Angaben. Gemessen an den anderen SSDs ist die Differenz von versprochener und tatsächlicher Leistung etwa gleich. Auch die angegebene Schreibgeschwindigkeit von 7000 MB/s erreicht sie mit 6560 MB/s nicht. Ihre volle Lese- und Schreibgeschwindigkeit entfaltet die SSD erst ab ungefähr 128 Kilobyte (KB) Dateigrösse.

Die Konkurrenz kann die T500 um bis zu 15 Prozent beim Lesen und 34 Prozent beim Schreiben distanzieren. Gegen die PCIe-5.0-SSD aus dem eigenen Hause hat die T500 jedoch keine Chance.

Zufälliger Zugriff und noch mehr zur sequenziellen Geschwindigkeit

Während der MB/s- respektive GB/s-Wert beim sequentiellen Lesen und Schreiben zentral ist, sind beim zufälligen Schreiben die Eingabe- bzw. Ausgabebefehle pro Sekunde (IOPS) elementar. Je höher die IOPS-Werte, desto schneller die SSD. Je kürzer die Antwortzeiten, desto schneller reagiert die SSD. Unter zufälligem Lesen und Schreiben sind Daten zu verstehen, die nicht in zusammenhängenden Speicherzellen abgelegt sind. Sie sind zufällig auf der SSD verteilt.

Der Benchmark von Anvil’s Storage Utilities gibt nicht nur die Lese- und Schreibgeschwindigkeiten an, sondern auch Informationen zu IOPS und den Antwortzeiten. Der Benchmark testet die Geschwindigkeit bei zufälligen Zugriffen in verschiedenen Grössen. Mit diesem Benchmark lässt sich abschätzen, wie schnell SSDs beim Booten, beim Laden von Anwendungen oder beim Suchen nach gespeicherten Dateien sind. Aus den Tests erstellt der Benchmark einen Score fürs Lesen und einen fürs Schreiben.

Beim zufälligen Lesen und Schreiben sind die Unterschiede ähnlich gross wie beim sequentiellen. Die Vorgängerin wird um 22 Prozent und die Konkurrenz um bis zu 20 Prozent geschlagen. Der Rückstand auf die PCIe-5.0-SSD beträgt elf Prozent.

PCMark 10 und Temperaturen

Die beiden ersten Benchmarks testen die Geschwindigkeit der SSD in künstlich geschaffenen Szenarien. Realitätsnäher ist der Storage Benchmark von PCMark 10.

Mit PCMark 10 und dem darin enthaltenen Full System Drive Benchmark lässt sich eine SSD in realitätsnahen Szenarien testen. Er simuliert Arbeitsschritte diverser Anwendungen, zeichnet währenddessen die Speicheraktivität auf und generiert daraus einen Benchmark-Score.

Auch beim PCMark 10 ist der Unterschied zur Konkurrenz gross. Bis zu 33 Prozent distanziert die T500 sie. Das klingt erstmal nach einem grossen Unterschied. Aber ob sich dein Browser nun innert anderthalb statt zwei Sekunden öffnet, macht im Alltag keinen grossen Unterschied. Diesen spürst du erst bei grossen Datenmengen.

Der PCMark-10-Test dauert ungefähr eine Stunde. Währenddessen ist die SSD immer aktiv. Deshalb lässt sich bei diesem Benchmark am ehesten eine Aussage zur Temperatur machen. Um die Temperatur der SSDs zu überwachen, verwende ich CrystalDisk Info. Das Tool gibt mir darüber hinaus Informationen zum Übertragungsmodus sowie zur Gesundheit der Laufwerke und der Schnittstelle. Falls du dich für den Einfluss der Temperatur auf die Geschwindigkeit einer SSD interessierst, gibt’s Infos dazu in diesem Artikel:

  • Ratgeber

    Wie sich die Temperatur auf die Lebenszeit einer SSD auswirkt

    von Kevin Hofer

Die T500 ist im Leerlauf 46 Grad Celsius warm. Während des Benchmarks erhöht sich die Temperatur auf maximal 56 Grad Celsius. Das ist sehr kühl.

Ladezeiten in Games mit 3DMark Storage Benchmark

Zockst du viel, stören dich bestimmt lange Ladezeiten. Folgende Grafiken geben dir Aufschluss darüber, wie schnell die SSD in bestimmten Game-Szenarien ist.

Der 3DMark Storage Benchmark testet die praktische, reale Leistung für Aktivitäten wie das Laden von Spielen, das Speichern von Fortschritten, das Installieren von Spieldateien und das Aufzeichnen von Gameplay-Videostreams.

Dieser Benchmark scheint den Crucial SSDs zu liegen. Hier liegt auch die Vorgängerin vor der Konkurrenz. Die T500 erreicht beinahe einen doppelt so grossen Score wie die MP600 Pro von Corsair. Aber wie bereits beim PCMark 10 erwähnt, wirst du den Unterschied wohl nur in Games mit langen Ladezeiten bemerken. Ob das Spiel nun in fünf oder drei Sekunden geladen ist, macht keinen grossen Unterschied. Sind es hingegen 15 statt 28 Sekunden, ist der Unterschied spürbarer.

Ab einem Drittel Füllmenge ist die SSD kaum mehr brauchbar

Zu guter Letzt kopiere ich zwei unkomprimierte Filme mit einer Gesamtgrösse von 69 GB von der T500 auf die T500 selbst. Ich messe dabei die benötigte Zeit für die Datenübertragung. Dieser Test erlaubt es mir zu eruieren, ob die SSD ab einer gewissen Datenmenge die Übertragungsgeschwindigkeit drosselt.

Ist die SSD beinahe leer, beträgt die Übertragungsgeschwindigkeit durchschnittlich 2,5 GB/s. Sie drosselt während der gesamten Übertragung nicht. Das ist ein sehr guter Wert. Im Vergleich zur WD SN850 oder der Corsair MP600 Pro ist sie 14 respektive 19 Sekunden schneller. Bei meinen weiteren Tests vermag die T500 aber nicht zu überzeugen.

Ich lösche alle Daten auf der SSD und versuche es mit der doppelten Datenmenge, also 138 GB. Diesen Schritt wiederhole ich, bis die T500 runterdrosselt. Erst ab rund 700 GB zu kopierenden Daten ist dies der Fall. Der SLC-Modus ist erschöpft. Die Datenübertragung fällt dann in den Keller und beträgt durchschnittlich nur noch 250 MB/s. Zwischendurch geht es gar nicht mehr weiter.

Ab einem Füllstand von gut einem Drittel fällt die Geschwindigkeit bereits nach weniger als zehn GB geschriebener Daten auf durchschnittlich 250 MB/s. Ist der SLC-Modus erschöpft, enttäuscht die T500. Ab dann liefert sie beim Schreiben nicht mehr das, was Hersteller Crucial verspricht.

Fazit: Leider nein

Die T500 sieht auf den ersten Blick wie eine klare Empfehlung aus. In meinen Benchmarks distanziert sie die Konkurrenz teils deutlich. Dabei bleibt sie auch schön kühl. Ich muss hier aber erwähnen, dass es von den Vergleichs-SSDs mittlerweile auch neuere Versionen gibt. Schaue ich mir deren Leistung in anderen Reviews an, dürfte die T500 in den Benchmarks dennoch besser abschneiden als die Konkurrenz. Aber eben nur in den Benchmarks.

Die T500 hat eine erhebliche Schreibschwäche, wenn der SLC-Modus erschöpft ist. Dies ist ab etwa einem Drittel Füllstand der Fall. Ab diesem Zeitpunkt bricht die Schreibgeschwindigkeit bei Übertragungen von mehr als 10 GB enorm ein. Es bleibt zu hoffen, dass das Problem mit einem Firmware-Update behoben werden kann. Im jetzigen Zustand kann ich die T500 nicht empfehlen.

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