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Devialet Phantom II – der Kleine kann nicht zaubern

David Lee
Zürich, am 22.04.2022

Der kleine Phantom II liefert nicht den zauberhaften Klang des grösseren Phantom I. Schade, denn eigentlich wäre er viel praktischer.

Ich teste den Devialet Phantom II, eine Art Mini-Version des Phantom I. Er ist weniger schwer, weniger laut, weniger teuer, weniger exklusiv. Aber vielleicht gerade deswegen im Alltag eines mehr oder weniger gewöhnlichen Menschen die bessere Alternative. Auch diesen Multiroom-System-Lautsprecher gibt es in zwei Varianten: 95 dB und 98 dB. Bei mir ist die lautere Version in Betrieb – in der schwarzen Ausführung.

Devialet Phantom II 98 dB (Airplay 2, WLAN, Bluetooth, SBC, AAC, AVRCP, A2DP)
Multiroom System
1500.–

Devialet Phantom II 98 dB

Airplay 2, WLAN, Bluetooth, SBC, AAC, AVRCP, A2DP

5

Langweilig, aber praktisch?

Es war schon vor dem Test klar, dass der Phantom II nicht so viel hermacht wie der Phantom I. Denn der ist ein Wireless Speaker der Superlative. Da ist der Preis, bei dem sich die Nackenhaare sträuben. Aber auch der Sound löst Hühnerhaut aus. Zudem ist das Teil abartig laut und hat erst noch ein höchst merkwürdiges Design.

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    Devialet Phantom I: Der Live-Gig im Wohnzimmer

Ein Leichtgewicht ist auch der Phantom II mit seinen 4,3 Kilogramm nicht – aber kein Vergleich zum Phantom I mit 11 Kilogramm. Dass der Phantom II praktischer ist, zeigt sich schon beim Einladen ins Auto: Die zwei Kisten passen problemlos in den Kofferraum meines Kleinstwagens Citroën C1. Beim Auspacken braucht es nicht den Fingergriff eines Profikletterers und die 17 Zentimeter hohen Speaker wirken in der schwarzen Ausführung vergleichsweise unauffällig.

Doch nicht ganz dasselbe

Die Einrichtung und Bedienung des Phantom II ist zum grössten Teil gleich wie beim Phantom I. Die Devialet-App führt dich durch den Prozess, die Verbindung zu Spotify läuft auf dem iPhone via AirPlay 2, zwei Speaker lassen sich mono als Multiroom-System oder als Stereo-Paar koppeln. Android habe ich nicht getestet, die Phantom-Speaker bieten aber diverse andere Verbindungsmöglichkeiten wie Bluetooth, UPnP oder optisches Kabel.

Ein paar Unterschiede gibt es dennoch. So fehlt beim Phantom II eine separate Fernbedienung, dafür befinden sich auf der Oberseite unauffällig angebrachte Bedienelemente. Der kleinere Speaker schaltet sich nur über den Einschaltknopf ein, und nicht, wenn ich die Oberfläche berühre – ich sehe das eher als Pluspunkt, da dies bei mir beim Phantom I zu grosser Verwirrung geführt hat. Ein weiterer Unterschied: Der Phantom II lässt sich auch über die App ausschalten.

Bis hierher sagt mir der relativ gewöhnliche Phantom II besser zu als der sehr ungewöhnliche Phantom I.

Der Sound

Das ändert sich aber, wenn ich ihn einschalte. Denn auch der Sound ist – leider – ziemlich gewöhnlich. Der Phantom II klingt keineswegs schlecht, aber die Magie des Phantom I ist verschwunden. Es klingt nicht mehr so, als ob die Sängerin mit ihrer Band direkt im Zimmer steht und live spielt.

Trotz der geringen Abmessungen liefert der Phantom II einen sehr kräftigen, satten Bass und kommt auch mit den tiefsten Frequenzen gut zurecht. Es sind eher die höheren Töne, die den Unterschied ausmachen. Wie so oft lässt sich das nicht mit dem Equalizer korrigieren: Wenn ich dort die Höhen hochschraube, klingt es nicht so echt wie beim Phantom I.

Nochmal, damit keine Missverständnisse entstehen: Gerade im Stereobetrieb klingen die beiden Phantom II wirklich gut. Besser als meine Magnat-Regallautsprecher, viel besser als irgendwelche UE-Boom-Stereokombinationen. Aber weniger gut als die Phantom I.

Die nervige Kleinigkeit

Im Betrieb geben beide Lautsprecher ein leises Fiepen ab. Ich höre es nur, wenn ich nicht weiter als eineinhalb Meter entfernt bin, wenn es im Raum ganz still ist und wenn die Musik gerade sehr leise ist. Typischerweise in den Pausen zwischen zwei Stücken. Sobald ich die Wiedergabe pausiere, verschwindet auch das Fiepen. Es lässt sich also ignorieren, aber bei dem Preis muss das doch bemängelt werden.

Dafür surren die Phantom II nicht im Standby – anders als die grossen Phantom I.

Fazit

Die Phantom II sind weniger speziell als die Phantom I. Auf das Meiste, was am Phantom I ungewöhnlich ist, kann ich gut verzichten: Hohes Gewicht, hoher Preis, ausgefallenes Design, originelle Bedienung: Danke, aber nein danke. Da passen mir die Phantom II besser. Leider hat nur der Phantom I den ungewöhnlich guten Sound. Dieses Gefühl von Live-Konzert. Diese Direktheit. Ah, ich komme gleich wieder ins Schwärmen. Beim Phantom II gibt es das nicht. Wenn du das willst, musst du tatsächlich zu den voll ausgewachsenen Monstern greifen.

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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere. 


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