Der erste «Harry Potter»-Film wird 20! Ranken wir die Filme

Der erste «Harry Potter»-Film wird 20! Ranken wir die Filme

Luca Fontana
Zürich, am 16.11.2021

Harry Potter wird 20 Jahre alt – die Filme zumindest. Zeit für ein Ranking, in das wir eines der beliebtesten und besten Franchises der Filmgeschichte Revue passieren lassen.

Heute vor genau 20 Jahren – am 16. November 2001 – hat «Harry Potter and the Philosophers Stone» das Licht der Kinoleinwand erblickt. Sieben weitere Teile und zwei Spin-offs zementierten in den darauffolgenden Jahren das magischste Franchise der Filmgeschichte, das einen kleinen Jungen mit rabenschwarzen, zerzausten Haaren, Brille und Blitznarbe auf der Stirn zur Legende machten.

Um das zu feiern, habe ich ein persönliches Ranking erstellt, angefangen mit dem meiner Meinung nach schlechtesten Film bis zum besten Film der Reihe, ohne Spin-offs.

Platz 8: «Harry Potter and the Half-Blood Prince» (2009)

Ich mag alle «Harry Potter»-Filme. Mit einer Ausnahme: «Half-Blood Prince», den sechsten Teil. Dabei ist seine Buchvorlage unglaublich gut. Sie setzt den Schwerpunkt auf Voldemorts Werdegang, die in Form gesammelter, magischer Erinnerungen erzählt werden, die Harry zusammen mit Dumbledore im Denkarium erforscht. Denn irgendwo in diesen Erinnerungen, so Dumbledore, stecke das fehlende Puzzleteil, das verrät, wie der unbesiegbar wirkende Dunkle Lord letztendlich doch noch besiegt werden könnte.

Und der Film? Ein, zwei kurze Szenen über Voldemorts Vergangenheit. That’s it. Viel mehr Zeit wird dafür dem Liebes-Techtelmechtel von Harry und seinen Freunden gewidmet. Manchmal sogar zum Fremdschämen. Wer die Bücher nicht kennt, könnte den sechsten Teil glatt mit «Twilight» verwechseln – und wäre damit näher an der Wahrheit, als ihr oder ihm bewusst ist.

Die ersten beiden «Twilight»-Filme kamen nämlich 2008 und 2009 ins Kino und lösten einen regelrechten Schwall neuer Jugendroman-Verfilmungen mit schmachtenden Jugendlichen aus. Auf jenen Zug wollten die Harry-Potter-Produzent:innen wohl aufspringen. Dadurch vermasselten sie den ganzen Film. Schlimmer: Sie verfälschten die Story und liessen unheimlich viele Details weg, die für die letzten beiden Teile unheimlich wichtig gewesen wären. Einzig Malfoys innere Zerrissenheit finde ich, haben die Macher gut getroffen.

Platz 7: «Harry Potter and the Deathly Hallows – Part 2» (2011)

«Wie jetzt, du setzt den epischen Abschluss der Reihe nur auf den zweitletzten Platz!?», magst du mich womöglich fragen. Ja, aber nicht, weil ich den Film nicht gut finde. Im Gegenteil.

Nur: Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich im Kino da sass. Von der ersten Minute an mit diesem flauen, melancholischen Gefühl im Bauch: Heute ist das letzte Mal, dass ich einen neuen Harry-Potter-Film «zum ersten Mal» sehen werde. Das erschütterte mich. Bis heute kann ich diesen Film nicht sehen, ohne dieses traurige Gefühl im Bauch irgendwo noch zu spüren, auch wenn nur ganz weit weg. Keine Ahnung, wieso.

Der Film selbst? Er wird seiner Vorlage gerecht, auch wenn er etwas lange braucht, um in die Gänge zu kommen. Aber spätestens, wenn die Truppe wieder zurück nach Hogwarts kehrt, ist es beinahe unmöglich, auch nur einmal zu blinzeln aus lauter Angst davor, irgendwas zu verpassen, so viel passiert da. Und dann die ikonische «Always»-Szene. Fans wissen, wovon ich spreche. Ach… da ist es wieder, das melancholische Gefühl.

Platz 6: «Harry Potter and the Deathly Hallows – Part 1» (2010)

Das Spannende an «Deathly Hallows 1» ist, dass er sich komplett anders anfühlt als alle anderen sieben Harry-Potter-Filme. Geschuldet ist das dem Umstand, dass die Handlung keine einzige Sekunde im Schloss Hogwarts spielt. «Deathly Hallows 1» ist darum eher ein Roadmovie. Fast schon im dokumentarischen Stile gedreht. Im Vergleich zu «Deathly Hallows 2» ist es vor allem dieser erfrischende Aspekt, der den Ausschlag in der Rangliste gegeben hat.

Und verglichen zum kindlichen ersten Teil kann hier auch kaum noch von einer Jugendroman-Verfilmung die Rede sein. Die Farbe ist praktisch völlig raus. Der Krieg in der Hexen- und Zaubererwelt, von der bisher nur gemunkelt wurde, ist zum ersten Mal sicht- und spürbar. Die Tonalität hat sich komplett geändert. Witz und Klamauk verschwinden zugunsten von Trauer und Terror, und das von der ersten Szene an.

Wir erinnern uns: Der Orden des Phönix kommt zu Harry am Ligusterweg, um ihn in die Sicherheit des Fuchsbaus der Weasleys zu eskortieren – und wird dabei von Voldemort und seinen Todessern angegriffen. Gleich zum Start sterben zwei liebgewonnene Charaktere, und uns Zuschauern wird bewusst, dass sich die Geschichte langsam, aber sicher ihrem Ende nähert, das womöglich kein Happy End sein wird.

Platz 5: «Harry Potter and the Goblet of Fire» (2005)

Beinahe hätte ich den vierten Film dafür gehasst, wie sträflich schändlich er die Quidditch-Weltmeisterschaft aus den Büchern einfach so auf ein kurzes Einlaufen der beiden Teams runtergekürzt hat. Ich meine: Was zum…!? Die eine Sache, worauf sich Buchfans am meisten gefreut haben – und es ist so gut wie gar nicht im Film!

Dann aber macht «Goblet of Fire» seine Sache so unfassbar gut, dass ich ihm gar den Start-Fauxpas verzeihe. Die Aufgaben des Trimagischen Turniers sind packend inszeniert. Die aufkommenden romantischen Gefühle genau richtig dosiert, ohne dass sie der eigentlichen Handlung unnötig im Wege stünden – ja, «Half-Blood Prince», ich meine dich. Und Brendan Gleesons Mad-Eye Moody ist genauso gefährlich-verschroben durchgeknallt wie väterlich und witzig. Genau wie in den Büchern. Sieg auf ganzer Linie.

Den Vogel schiesst aber das Ende ab. Zuerst Ralph Fiennes Voldemort. Die Friedhofsszene. Wahnsinnig gut gespielt. Dann der Tod Cedrics: Wie sein lebloser Körper da liegt, inmitten von Pomp und feierlicher Musik, weil die anwesenden Zuschauer:innen nicht sofort merken, dass da gerade ein Junge gestorben ist. Dann aber schreit der Vater schluchzend seine Trauer in den Nachthimmel – das geht unter die Haut. Und das in einer Jugendroman-Verfilmung. Respekt.

Platz 4: «Harry Potter and the Chamber of Secrets» (2002)

Wo der zweite Teil in vielen Rankings oft einen der unteren Rängen belegt, schafft er’s bei mir fast aufs Podest. Das hat fast einen einzigen Grund: Gilderoy Lockhart, göttlich narzisstisch und herrlich in sich selbst vernarrt gespielt vom grossartigen Kenneth Branagh.

Nein, im ernst: Jede Szene mit ihm ist ein Genuss. Der Typ ist so sehr mit sich selber beschäftigt, dass es zum Schreien komisch ist. Etwa, wenn er vor einem Bild von sich selber steht, wie er gerade ein Selbstportrait malt. Wow. Oder die Prüfungen, die die Schüler:innen schreiben – sie enthalten immer nur Fragen über Lockhart selbst. «Was ist Lockharts Lieblingsfarbe?» und so Zeugs. Oder wie er rumschwurbelt, Reden über Ruhm und Ansehen schwingt. Haha. Ich liebe die Absurditäten des Gilderoy Lockharts einfach.

Aber auch sonst mag ich «Chamber of Secrets». Die Hexen- und Zaubererwelt bekommt mehr Tiefe. Dinge wie Rassismus werden thematisiert. Quidditch bekommt ein bombastisches Upgrade. Und Dobby. Ach, Dobby. Ich vermisse Dobby.

Platz 3: «Harry Potter and the Order of the Phoenix» (2007)

Schon witzig: Aus dem meiner Meinung nach schwächsten Buch der Reihe ist beinahe mein Lieblings-«Harry Potter»-Film geworden. Vielleicht, weil Drehbuchautor Michael Goldenberg erkannt hat, dass das fünfte Buch zu viele Handlungsstränge hat, die langatmig sind und nirgendwo hinführen. Und: Harry benimmt sich im Film auch nicht wie ein Arsch. Meistens. Danke!

In der deutschen Ausgabe hat das Buch tatsächlich 1022 Seiten. Ausgerechnet daraus entstand mit 138 Minuten der kürzeste Film der Reihe – das sagt mehr als 1000 Seiten… äh, Worte. Goldenberg strafft die Handlung aufs Nötigste, streicht etwa Dinge wie Harry, der aus Wut Dumbledores Büro zerstört, oder Harry, der aus Frust seine Freunde anschreit, oder Harry, der von Umbridge Quidditch-Verbot bekommt, weil er Malfoy verhaut – okay, das wäre vielleicht noch ganz witzig zu sehen gewesen.

Dafür aber hat der Film meiner Meinung nach ein paar der bestgespielten Szenen Daniel Radcliffes der gesamten Reihe. Etwa, als er und seine Freunde zu später Stunde Dumbledores Büro aufsuchen, nachdem Harry geträumt hat, wie er als Schlange Nagini Arthus Weasley im Ministerium attackiert. Und: Dumbledore gegen Voldemort. Was. Für. Ein. Kampf.

Platz 2: «Harry Potter and the Philosopher's Stone» (2001)

Aller Anfang ist schwer. Und auf Chris Columbus, dem Regisseur, lastete nichts Geringeres als das Gewicht der Harry-Potter-Welt; die Bürde, das womöglich beliebteste Buch aller Zeiten würdig zu verfilmen. «Mir war ständig bewusst: Wenn ich es vermassel, dann werde ich wahrscheinlich nie mehr irgendwo einen Job bekommen, ganz geschweige von den Millionen von Fans, die ziemlich wütend auf mich wären», sagte der Amerikaner erst kürzlich in einem Interview mit Variety.

Aber Columbus hatte schon früh einen guten Riecher: «Nur britische Schauspielerinnen und Schauspieler», sagte er, und die Crème de la Crème der britischen Schauspiel-Garde folgte seinem Ruf. Über die Jahre hinweg versammelte er – zuerst als Regisseur, ab Teil 3 als Produzent – Grössen wie Emma Thompson, Alan Rickman, Maggie Smith, Gary Oldman, John Cleese, Ralph Fiennes, Richard Harris und natürlich die perfekt gecasteten Kinder.

Columbus hatte aber noch öfters das richtige Gespür fürs Franchise. Zuerst, als er Art Director Stuart Craig ins Boot holte. Craig war es, der die Welt, wie sie Rowling in den Büchern beschrieb, zuerst zeichnete und dann in die ikonischen Sets verwandelte. Das vielleicht wichtigste Tüpfelchen auf dem «i» setzte Columbus aber mit dem Engagement von Komponist John Williams. Williams, mit dem Columbus bereits die ersten beiden «Home Alone»-Filme machte. Nicht zufällig klingen manche Harry-Potter-Themes wie jene aus «Home Alone» – und umgekehrt.

Kurz: Columbus schuf nicht nur einen schlichtweg fantastischen Film; er baute das Fundament, auf das sämtliche danach kommende Harry-Potter-Filme bauen würden. Das verdient nichts als Respekt.

Platz 1: «Harry Potter and the Prisoner of Azkaban» (2004)

Dieser Film. Ich liebe ihn. Alles daran. Angefangen mit der Regiewahl: Alfonso Cuaron. Bekannt wurde er durch «Y Tu Mamá También», einem Film über Jugendliche, die ihre Sexualität erforschen. Eine spannende Wahl für den dritten Harry-Potter-Film, gerade nach Chris Columbus’ ersten beiden eher kindlichen und familienfreundlichen Filmen.

Die Wahl aber passte wie die Faust aufs Auge. Passend zu den Büchern, die ebenfalls immer erwachsener wurden, strich Cuaron so gut wie alle Farben aus dem Film. Die Sets wurden düsterer. Die Themen auch. Erwachsener. Persönlicher, vor allem. Gerade die Dynamik zwischen Harry und dem scheinbaren Verräter seiner ermordeten Eltern, Sirius Black.

Was «Azkaban» aber von allen anderen Harry-Potter-Filmen unterscheidet, ist Cuarons Handwerk. Bereits von der ersten Szene an merkt man: «Oh, das ist was anderes. Besonderes». Jede Einstellung ist ein Kunstwerk. Jede Kamerafahrt ein Genuss. Etwa jene durch den Spiegel, in dem ein Irrwicht steckt. Dazu noch John Williams’ göttliche Filmmusik, die beste der gesamten Filmreihe. Vom jazzigen «The Knight Bus» übers mittelalterliche «Double Trouble» und dem triumphalen «Buckbeak's Flight» bis zum herzzerreissenden «A Window to the Past».

Kurzum: Mein Lieblings-Harry-Potter-Film.


Bist du mit meinem Ranking einverstanden? Oder findest du, ich Muggel hätte rein gar nichts verstanden? Schreib’s in die Kommentare. Ich bin gespannt.

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Luca Fontana
Luca Fontana

Editor, Zürich

Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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