Kritik

«Denshattack!» im Test: «Tony Hawk» mit Zügen – und komplett irre

«Denshattack!» ist so verrückt, dass es nur in Japan spielen kann: Das Zug-Trickshot-Rennspiel ist kunterbunt, völlig durchgedreht und steckt voller Überraschungen.

«Denshattack!» ist eine Mischung aus Plattformer, Action-Game und Rennspiel mit Zügen, das im quietschbunten Japan spielt. Es überzeugt mit schrägem Humor, speziellen Charaktere und einem der besten Soundtracks des Jahres.

Ein Zug mit Skateboard-Tricks

Meine Reise beginnt in Kyushu, wo ich als rebellischer Teenager mit meinem Zug Ramen ausliefere, die meine Familie gekocht hat. Dabei halte ich weder lange an, noch betrete ich das Haus meiner Kunden: «Denshattack!» spielt sich komplett auf meinem Lokführerinnensitz ab.

Über die Tasten des Playstation-5-Controllers gebe ich Gas, bremse und springe mit meinem Fahrzeug auf und ab. Die alten Schienen in meiner Heimatstadt lassen wenig Freiheiten zu, was zum Erlernen der ersten Tricks ein Segen ist. Wie in jedem Rennspiel sind Kurven meine besten Freunde, sobald ich das Driften raus habe. Hindernisse sowie Explosionen überspringe ich elegant und wenn ich einmal in der Luft bin, mache ich direkt eine Drehung.

Dieser Zug trotzt der Schwerkraft!
Dieser Zug trotzt der Schwerkraft!
Quelle: Fireshine Games

Mit einem Kickflip hüpfe ich schnell auf die benachbarte Schiene, um eine Abzweigung zu nehmen und über einen riesigen Abgrund zu fliegen. Kaum gelandet, lerne ich den nächsten Trick und springe an eine Wand, um dort weiterzufahren. Schwerkraft ist ein physikalisches Konstrukt, das in «Denshattack!» keine große Rolle spielt.

Verkette ich coole Tricks, schießt meine Kombo-Anzeige in die Höhe und beschert mir viele Punkte, mit denen ich das Level abschließe. Nur ans Ziel zu gelangen, reicht nach wenigen Spielstunden nicht mehr aus. Manchmal muss ich eine festgelegte Punktzahl erreichen, bestimmte Tricks zeigen oder andere Herausforderungen meistern. Am Anfang fahre ich noch allein, später treffe ich gegnerische Loks auf meinen Gleisen, die es zu besiegen gilt.

Ein rosa Mech zwischen Kirschblüten und Hochhäusern – japanischer könnte es kaum sein.
Ein rosa Mech zwischen Kirschblüten und Hochhäusern – japanischer könnte es kaum sein.
Quelle: Fireshine Games

Actiongeladene Bossfights

Die Bosskämpfe laufen meist nach einem festen Schema ab. Zunächst muss ich durch Zugrennen im Distrikt beweisen, dass ich dem Boss würdig bin. Die erste Phase des Endkampfes bestreite ich gegen schwache Crewmitglieder, während ihr Boss zunächst außer Reichweite bleibt. Das Kanonenfutter lasse ich durch gezielte Sprünge und beherzte Stöße entgleisen, um zum Kopf der Bande vorzudringen.

Während die ersten Levels noch aus einfachen Wettrennen bestehen, werden die Bosskämpfe im Laufe des Spiels umfangreicher. Manchmal verwandeln sich die gegnerischen Züge in riesige Mechs und das Trick-Gameplay verändert sich in einen kniffligen Plattformer. Jetzt heißt es: Ausweichen und darauf warten, dass die XXL-Angriffskette endet, damit ich Gas geben kann.

Wenn ich nah genug bin, kann ich mit Sprüngen und Tricks Punkte machen. Manchmal reite ich mit meinem Zug auf einem Riesenrad, das sich aus seiner Verankerung reißt und mit mir durchs Wasser fährt, an anderer Stelle spiele ich Busfahrerin für Passanten.

«Denshattack!» ist so vielseitig, wie es sich anhört. Für noch mehr Abwechslung kann ich meinen Zug individualisieren. Die Auswahl an Gestaltungsmöglichkeiten ist allerdings sehr starr. Es gibt verschiedene Zugtypen und vorgefertigte Sticker sowie Muster und Farbkombinationen. Die einzelnen Elemente kann ich allerdings nicht frei auf dem Zug platzieren.

Zugtyp wählen, Grundfarben, Muster und Sticker bestimmen, das war’s. Schade, da geht doch mehr!
Zugtyp wählen, Grundfarben, Muster und Sticker bestimmen, das war’s. Schade, da geht doch mehr!
Quelle: Fireshine Games

Kein Game ohne Sammelgegenstände

In jedem Rennen kann ich Videomaterial, Fotos und andere Gegenstände einsammeln. Finde ich alle versteckten Items, tauchen sie als Erinnerungen in meinem Fotoalbum auf, das wie eine Zeitschrift aufgebaut ist. Hier sehe ich sofort, welches Material mir noch fehlt und in welchem Abschnitt ich es finden kann, um das Album zu komplettieren.

Jedes Level lässt sich auf der Jagd nach Items und dem Highscore beliebig oft wiederholen. Da die meisten Strecken im Laufe der Zeit verschiedene Routen mit unterschiedlichen Herausforderungen bieten, ist der Wiederspielwert enorm hoch. Und wenn mir ein Level nicht gefällt, gehe ich nach Abschluss direkt in der Story weiter.

Säurefontänen, Blitze und ein Riesenrad als fahrbarer Untersatz sind nur die Spitze des Eisbergs.
Säurefontänen, Blitze und ein Riesenrad als fahrbarer Untersatz sind nur die Spitze des Eisbergs.
Quelle: Fireshine Games

Tiefgründige Story, verpackt in bunten Zügen

Die Story von «Denshattack!» ist humorvoll geschrieben und bettet das rasante Gameplay gut ein. Privilegierte Menschen verbringen ihr Leben nach einer Katastrophe unter abgeschlossenen Frischluftkuppeln und merken kaum etwas von der Außenwelt. Dort ist die Welt in Ordnung, ganz im Gegensatz zu den Bereichen außerhalb dieser Mauern. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in einer zerstörten Umwelt und kämpfen auf abgefahrenen Gleisen um ihr Überleben. All das hat der böse Miraido-Konzern zu verantworten, dem ich das Handwerk legen will.

«Denshattack!» ist kein Shakespeare, aber eine interessant geschriebene Story um Außenseiter und eine Zweiklassengesellschaft, die zum Nachdenken anregt. Die Geschichte wirkt nie schwer oder tragisch. Dafür sorgt der knallbunte Manga-Look mit satten Farben und detailreichen Darstellungen.

Passend dazu gibt es einen fantastischen Soundtrack, der von elektronischen Tracks mit eingängigen Beats bis hin zu J-Pop-Songs für eine mitreißende Soundkulisse sorgt. Die ersten Levels sind musikalisch noch relativ ruhig gestaltet, später erlebe ich poppige Songs mit Ohrwurm-Garantie. Der Soundtrack ist abwechslungsreich und passt perfekt zu den verschiedenen Gebieten sowie den feindlichen Zugführern im Spiel.

So wächst meine eigene Zug-Crew

In den Kämpfen geht es nicht darum, meine Feinde mit dem Zug zu verletzen. Der Fokus liegt darauf, sie am Vollführen von Tricks zu hindern und selbst so viele Punkte wie möglich zu machen. Habe ich den Boss einer Gang besiegt, erweitert sich meine schrullige Gruppe um neue Charaktere. Sie werden ab diesem Moment Teil der witzig geschriebenen, aber leider nicht vertonten Zwischensequenzen. Alternative Fahrer oder Lokführerinnen bekomme ich dadurch nicht.

Jede Bande, gegen die ich in «Denshattack!» kämpfe, hat ihren eigenen Stil. Vom düsteren Underground-Look bis hin zum kunterbunten Gyaru-Style sind viele Substyles vertreten. Es wirkt so, als hätte sich das Entwicklerstudio «Undercoders» vom Streetstyle-Hotspot Takeshita Dori in Harajuku inspirieren lassen.

Starkes Make-Up, voluminöse Haare und freche Sprüche: Diese Crewchefin ist eine Ikone.
Starkes Make-Up, voluminöse Haare und freche Sprüche: Diese Crewchefin ist eine Ikone.
Quelle: Fireshine Games

«Denshattack!» erscheint am 15. Juli 2026 für Playstation 5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch 2 und PC. Das Spiel wurde mir zu Testzwecken von Fireshine Games für die PS5 zur Verfügung gestellt.

Fazit

Der Hypetrain fährt durch Japan

Ich weiß nicht, was ich von «Denshattack!» erwartet habe. Diesen verrückten Trip aber sicher nicht!

«Denshattack!» bietet eine unglaubliche Mischung an Schauplätzen und Ideen. Ich kämpfe gegen Mechs, trotze der Schwerkraft und fahre durch Kabuki-Theaterstücke, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Das Game ist vollgestopft mit japanischer Popkultur, bunten Farben und durchgeknallter Action. «Mehr ist mehr», scheint das Motto zu sein und das geht vollends auf.

Der Schwierigkeitsgrad steigert sich auf eine angenehme Weise, größere Spielpausen sind allerdings nicht empfehlenswert. Ich hätte mir mehr Anpassungsmöglichkeiten für den Zug und eine (deutsche) Synchronisation gewünscht, das war’s aber schon mit der negativen Kritik. «Denshattack!» spricht mit seinem Gameplay sicher nicht die breite Masse an, aber wer Lust auf schräge Plattformer-Racing-Action in Japan hat, sollte hier unbedingt reinschauen.

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Ich hatte als Kind weder einen Gameboy noch einen Super Nintendo. Darum stieg ich erst mit fünfzehn Jahren in die Welt des Gamings ein. Seither versuche ich, den Rückstand mit allen Mitteln gutzumachen. Schaue ich mir die jährlich steigende Zahl der Game-Releases an, scheint sich aber die gesamte Branche gegen mich verschworen zu haben. 


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