Review

Das Miststück im Test: Was kann der Canon Pixma iP7250?

Dominik Bärlocher
Zürich, am 15.01.2018
User Dintenrolf hat einen Drucker als «Miststück» bezeichnet. Sein Review ist in der neuen Werbekampagne digitecs gelandet, wo eine Frau sein Review vorliest. Aber ist der Canon Pixma iP7250 wirklich so beschissen? Der Test eines erklärten Druckerhassers bringt Antworten. Und Frust.

Ich hasse Drucker.

Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen, und das ist der Hauptgrund, funktionieren die Viecher nie, wenn sie sollten. Du musst ein Flugticket ausdrucken? Garantiert Papierstau, Treiberprobleme oder Tintenpatrone leer. Zum anderen stehe ich mit diesen Problemen nicht alleine da. Denn ich bin noch aus meiner Zeit bei der IT Security traumatisiert. Beinahe jedes mal, wenn ich jemandem gesagt habe, dass ich in der IT Security arbeite, kam «Oh, das trifft sich gut. Mein Drucker… » Es geht nicht um einen Drucker im spezifischen. Gegen Canon habe ich absolut nichts, genau wie ich auch nichts gegen die Konkurrenz Canons habe. Aber das Konzept Drucker, da habe ich etwas dagegen.

Kurz: Ich hasse Drucker.

«Teste doch das Miststück», sagt Chefredaktor Aurel Stevens am Planungsmeeting des Videodepartments, nachdem Produzentin Stephanie Tresch fallengelassen hat, dass sie noch Kapazitäten für Dreharbeiten diese Woche hat.

Ich hasse Drucker. Aber der Chef hat gesprochen. Du kennst das, wenn der Chef spricht, dann hat der Chef gesprochen.

«Hmmm», sage ich, «ich meine, Synergien könnten optimaler im Kontext des Common Workings utilisiert werden.»

Ausser, dass ich das nicht sage, weil wir keine dieser grässlichen Business-Sprech-Kulturen haben.

«Nein», sage ich in Wirklichkeit, «ich hasse Drucker.»

Im Studio

Während Stephanie die Kameras einrichtet, hinterfrage ich meine Existenz. Einfach nicht zu auffällig, weil Aurel steht mit wachsamem Auge im Studio. Es kann nämlich sein, dass ich angedroht habe, den Canon Pixma iP7250 mit dem Baseballschläger zu testen.

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Der konkussive Test soll mir die Arbeit mit dem Drucker ersparen

Weil ich Aurel unter Umständen versprochen habe, dass ich den Drucker nicht zerstören werde, so will ich das Gerät doch etwas plagen. Denn der Canon Pixma iP7250, der von User Dintenrolf als Miststück bezeichnet wird, kommt mit vielen Versprechungen vom Hersteller.

“ Dauert unendlich lange, bis das Ding endlich anfängt zu drucken. Rappelt und dreht und klackert minutenlang jedesmal von neuem und reinigt sich dabei fast zu Tode und spritzt dabei möglichst viel Tinte in den Resttintenschwamm. Ein Tintenfresser sondergleichen! Nützt nur Canon etwas. Null Punkte für das Miststück. ”
Dintenrolf
Drucker
PIXMA iP7250 (WLAN, Tintenpatrone, Farbe, Duplexdruck)
278.48
Canon PIXMA iP7250 (WLAN, Tintenpatrone, Farbe, Duplexdruck)

Leistungsstarker Fotodrucker mit 5 separaten Tintentanks, WLAN und Drucken von Smartphones. Flaches Design mit zwei integrierten Papierkassetten, Auto Duplex Druck und Direct Disc Print

Für einen Tintenstrahldrucker sind zehn Seiten pro Minute farbig einigermassen okay. Das macht sechs Sekunden pro Seite. In etwa genug Zeit, um mir eine anständige Hasstirade auszudenken, die nicht nur aus dem Wort «Fuck» besteht. Dazu automatischer Duplexdruck, was ich an einem Drucker schätze. Denn ich drucke meist nur so Dinge, die zum Verschleiss gedacht sind. Also Flugtickets oder Texte, die ich mit Stift korrigieren will. Bestand hat da nichts und wenn ich Papier sinnlos verschwende, dann ist mir auch nicht wohl. Daher sind in meinen Druckern folgende Einstellungen standardmässig hinterlegt:

  • Druck in Schwarzweiss
  • Automatischer Duplexdruck

Manchmal setze ich auch noch die Tintenmenge, die der Drucker braucht, runter. Das ist aber, je nach Drucker, etwas riskant. Ich mache das nur nach einigen Tests, aber in der Regel kann ich zwischen 20 und 30 Prozent der Tintenmenge sparen. Braucht kurz nach dem Kauf etwas Experimentieren, aber lohnt sich mittel- bis langfristig. Denn selbst wenn der Drucker günstig ist – und der Pixma iP7250 in der Miststück-Version ist günstig –, die Patronen können ins Geld gehen.

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Dieses Multipack mit vier Tinten ist besonders praktisch und spart zudem Kosten.

Für den Test aber orientiere ich mich an Dintenrolfs Review. Ein Tintenfresser sei das Ding. Daher lasse ich die Einstellungen so, wie sie von Werk aus kommen. Das Dokument besteht aus Bildern aus dem Büro und einer Seitenzahl. Insgesamt ist das Dokument 259 Seiten lang. Eigentlich wollte ich 256 Seiten aus 4 Seiten Inhalt generieren, aber irgendwo hat es dann noch drei Seiten eingefügt.

Der Druck beginnt

Die Installation des Canon iP7250 geht eigentlich ganz fix. Einzig das Papierfach ist etwas schwierig zu finden. Denn aus irgendwelchen Gründen suche ich ein Papierfach, das 500 Blatt Papier fasst. Der Grösse des Druckers nach zu urteilen sollte das eigentlich möglich sein. Stattdessen findet Stephanie zwei winzig wirkende Papierkassetten vorne. Die eine Kassette, die A4-Papier fasst, dürfte so etwa 150 Blatt Papier fassen. Im Alltag ziemlich sicher total okay. Für ein 260-Seiten-Dokument etwas ungünstig.

Ich öffne das Testdokument, das zur Hälfte aus ganzseitigen Bildern und zur Hälfte aus Text besteht und drücke CTRL+P, dann Enter. Es geht los.

Oder auch nicht.

Die erste Seite ist recht fix fertig gedruckt. Dann eine längere Pause. Minutenlange rattert der Canon iP7250 in der Miststück-Ausführung vor sich hin. Ich mache mir schon Sorgen, dass wir einen Papierstau oder sonst irgendeinen Drucker-Unsinn haben, der die Menschheit schon seit Jahrzehnten plagt.

Dann aber ändert der Tonfall des Ratterns und der Druck beginnt tatsächlich. Seite um Seite speuzt das Miststück bedrucktes Papier aus.

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Bis jetzt ging alles gut

Liege ich etwa falsch? Könnte es sein, dass der Drucker doch ganz okay ist?

Die Dreharbeiten sind so weit in meinem Kopf abgeschlossen, bis der Druck vorbei ist. Ich schweige in die Kamera, weiss nicht so genau, was ich sagen soll. Soll ich etwas sagen? Stephanie macht auf jeden Fall mal so Handbewegungen von wegen «Sag was». Na gut, ich erzähle halt. Irgendwas.

Nach so zehn Minuten der Handbewegung und meiner inneren Frage, ob jetzt endlich Schnitt ist oder so, langt's mir.

«Die zwei hinter der Kamera haben so voll das Fest und ich hock hier und langweile mich, weil ich schon seit etwa 20 Minuten hier sitze und der Drucker einfach druckt», entfährt es mir.

Doch der Dreh geht weiter. Offensichtlich haben sich die zwei überlegt, dass ich jetzt den ganzen Druck hindurch da sitze und über Drucker, Gott und die Welt erzähle. Ja, ne, is klar. Ich zücke meine Kamera. Die Sony a7s ii soll beweisen, dass ich hier der einzige bin, der arbeitet. Oder zumindest der einzige, der die Arschkarte gezogen hat. Aurel steht mit Kaffeetasse da und erzählt einen Kinderwitz. Stephanie lacht und würde jeden Take, den ich hart Arbeitender anfangen würde, umgehend versauen.

Das glorreiche Leben eines Redaktors.

Der Drucker aber rattert weiter. Kein Fehler, kein Papierstau, die Tintenpatrone ist nicht explodiert und ich mache mich daran, die Unordnung, die der Aufbau des Druckers verursacht hat, aufzuräumen. Irgendwie muss ich mir die Zeit vertreiben.

Papier. Papier überall

Mir fällt auf, dass der Papierausgang kleiner ist als der Papierschacht. Das fällt mir dadurch auf, dass auf einmal Seiten auf den Boden vor dem Studiotisch fallen. Wenn du jetzt also ein wichtiges Dokument für die Arbeit, die Schule oder das Studium ausdrucken willst, dann bleib unbedingt nahe beim Drucker. Der Canon iP7250 ist nicht in der Lage, Papier anständig zu stapeln. Selbst wenn dir kein Papier auf den Boden fällt und dort den ganzen Raum verwüstet, weil Papier halt weit fliegt, so liegt doch keine Seite schön auf der anderen.

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Der Papereingangsschacht ist grösser als der Papierausgangsschacht. Darum verteilt sich das Papier schön im Raum

Irgendwann, nachdem mir ein Plüscheinhorn an den Kopf geworfen wurde, gefolgt von hämischem Gelächter einer nicht näher genannt werden wollender Videoproduzentin, ändert sich der Tonfall des Druckers. Aus dem zufriedenen Rattern wird ein höheres Rattern mit Klack-Geräuschen. Mein Laptop informiert mich darüber, dass der Drucker meine Aufmerksamkeit sucht. Das Teil kriegt wohl nicht genug Liebe.

Ich geb dem Ding gleich Liebe. Mit meinem Baseballschläger!

Aber es ist nur der Papierschacht. Der ist leer. Also, auffüllen und die Langeweile geht weiter. Papier fliegt auf den Boden, ich hinterfrage mittlerweile die Existenz des Universums und die Zeit vergeht langsam. Sehr langsam. Dann und wann sage ich wieder etwas in die Kamera, in der Hoffnung, dass Stephanie den grössten Unsinn rausschneidet und irgendwas Anständiges und Unterhaltsames produziert, aber so irgendwie habe ich mir den Dreh anders vorgestellt.

Die Katastrophe nach 180 Seiten

Seit etwa 100 Seiten Druck ist Stephanie auch langweilig. Sie tanzt hinter der Kamera, lässt Musik laufen und warnt mich, dass ich im Falle eines Geistesblitzes nicht einfach drauflosreden soll, sondern sie vorwarnen soll. Dann kann sie die lizenzgeschützte Musik ausschalten.

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Professionell, Stephanie, sehr professionell

«Wie lange geht der Quatsch hier noch», fragt Stephanie.

Sie hat zu tun, fügt sie an. Nicht nur Videos muss sie schneiden, sondern sie schreibt auch grade einen Text, den sie irgendwann diese Woche auch noch fertig haben will.

«So wie es aktuell scheint, werden wir diese Woche mit dem Druck nicht fertig», motzt sie.

Ich seufze, weil auch mir ist nach über einer Stunde dem Drucker zuschauen todlangweilig. Der Canon Pixma iP7250 beginnt mit der letzten Seite zu drucken. Bei unserem 259seitigen Dokument fängt die Maschine bei Seite 259 an und ackert sich bis Seite 1 durch. Das ergibt durchaus Sinn, denn dann kannst du deinen Stapel Papier – angenommen Teile des Stapels liegen nicht auf dem Boden – einfach so mitnehmen. Das kann jeder Drucker. Okay, vielleicht schmeisst ein anderer Drucker nicht ganz so viel Papier auf den Boden, aber der Wille ist da. Ich merk das dem Miststück an. Es will schon performen.

Nach fast 90 Minuten reicht es mir. Ich gehe. Ich muss mal und ich habe mehr als genug Arbeit. Der Drucker hat noch so etwa 80 Seiten vor sich und der Papierschacht ist gut gefüllt. Auf dem Boden hat es noch Platz und darum braucht es mich nicht mehr.

«Hey, du kannst jetzt nicht ohne Fazit davonlaufen», ruft mir Stephanie hinterher.

Ich vermute, dass sie die Unordnung nicht alleine aufräumen will. Gut, hock ich mich halt nochmal hin und rede etwas über den Drucker.

Mein Fazit soll nur etwa 30 Sekunden lang werden. Footage haben wir genug. Wir könnten einen abendfüllenden Spielfilm produzieren mit mir, der einen Drucker anstarrt und stellenweise kurz durch Stephanie vertreten wird.

Auf einmal aber spuckt der Drucker eine weisse Seite aus, die eigentlich Seite 78 sein soll. Kurz zuvor hat er eine Seite Text produziert auf der M-farbige Spritzer sind. M ist eine der CMYK-Farben, mit der ein Drucker jede Farbe produziert, die am Ende auf einem Papier landet.

  • C: Cyan – blau
  • M: Magenta – rot
  • Y: Yellow – gelb
  • K: Key – schwarz

Viel Technologie, die wir auch in modernen Druckern wie dem Miststück finden, stammt noch aus grauer Vorzeit. CMYK ist anno 1906 eingeführt worden und wird «Zmick» ausgesprochen. Drucker sind in ihrer Mechanik einem Kopierer – auf dem Markt seit 1959 – nicht unähnlich. Inkjet Printer wie das Miststück haben ein anderes Düsensystem als ein Laserdrucker, der mit Toner arbeitet und im Wesentlichen ein Kopierer ist, aber die Mechanik mit Papier und Schacht und all dem hat sich seither nur geringfügig geändert.

Nach der M-Schweineordnung auf der Textseite hat der Drucker sich dann gereinigt. Ging nicht ganz so lange wie am Anfang, aber genug lange um mir Sorgen zu machen. Die weisse Seite macht das dann nicht besser.

Nach 93 Minuten die Katastrophe: Seite 259 kommt aus dem Drucker.

Was soll das?

Echt jetzt? Nein, nein, nein! Wir hocken seit anderthalb Stunden hier rum und warten darauf, dass der Canon Pixma iP7250 259 Seiten ausspuckt. Und kurz vor dem Ende denkt sich das Teil «Hah, leckt mich! Ich fang nochmal an!»

Miststück!

Fuck this Shit!

Wir brechen den Dreh ab. Der Timer wird bei 1 Stunde, 33 Minuten und 59 Sekunden ausgeschaltet. Wir haben es defintiv gesehen. Schluss. Aus.

Genau das, was du für das Geld erwarten kannst

In den fast 94 Minuten, in denen ich dem Canon Pixma iP7250 zugeschaut habe, habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Ist das Vieh ein Miststück? Ja, nein, doch, aber eben auch nicht.

Was du beim Kauf eines Canon Pixma iP7250 wissen musst, ist, dass du kein Premium-Gerät mit Goldstandard und Auszeichnung – oder was auch immer die Marketingabteilung des Herstellers sich grade aus den Fingern saugt – kaufst. Du kaufst ein Teil, das Tinte auf ein Papier kotzt und du dann irgendwas Ausgedrucktes hast. Die Fotos werden nicht schön, ein ökonomischer Gedanke beim Tintenverbrauch hätte im Development zu viel gekostet und irgendwelche Macken sind in der Software drin. Warum auch nicht? Wenn du einen 100-Franken-Drucker kaufst, dann bekommst du genau das für dein Geld. Um nochmal meine IT-Security-Zeit aufleben zu lassen. Einer meiner Mitarbeiter hat immer gesagt «Wer billig kauft, kauft doppelt», wenn irgendwelche Diskussionen über Qualitätsansprüche aufkamen.

Aber: Ich muss meinem Hass doch etwas Einhalt gebieten. Die Installation ging super einfach dank USB, kein Papierstau und ich hatte nur wenig Tinte auf meinen Fingern. Hätte ich nicht die Idee gehabt, 259 Seiten ausdrucken zu wollen, hätte ich den Drucker easy alleine rattern lassen können.

Passables Gerät, das Miststück.

Update 16.01.2018

In der Kommentarspalte hat User Imageprocessor das folgende Video verlinkt, das ich euch nicht vorenthalten will.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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