Review

Büro-Monitor vs. Edel-Gamer-Display: Geldverschwendung oder Pflichtkauf?

Philipp Rüegg
Zürich, am 20.07.2017
Lohnt es sich einen teuren Gamer-Monitor zu kaufen oder tut es auch ein normaler Büro-Monitor? Wir haben fünf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zum Testzocken gebeten und ihnen zwei Extreme vor die Nase gesetzt. Ist der Unterschied wirklich so gewaltig?

Ein anständiges Gamer-Setup hört nicht bei den PC-Innereien auf. Die Tastatur ist vorzugsweise mechanisch und leuchtet in bunten Farben, die Maus hat 15 programmierbare Tasten und Laser statt Kabel und der Monitor – ja der Monitor darf auch nicht vernachlässigt werden. Möglichst gross, möglichst hohe Bilderwiederholfrequenz, möglichst hohe Auflösung, gekrümmt und am liebsten noch G- oder Freesync dazu.

Die Ansprüche an Gamer-Monitore wachsen ständig. Für die ganzen Extra-Features musst du aber auch tief in die Tasche greifen. Wirfst du einen Blick auf Steams Hardware-Auswertung, zeigt sich jedoch schnell, dass die meisten Spieler immer noch mit einer bescheidenen Ausrüstung zocken. Fast 50 Prozent spielen mit der bewährten 1920x1080p-Auflösung. Über 20 Prozent gar mit 1366x768p! Höhere Auflösungen wie QHD oder 4K bringen es zusammen gerade mal auf ein paar zerquetschte Prozent.

Es ist natürlich immer eine Preisfrage und nicht jeder kann sich einen teuren Monitor leisten. Um herauszufinden, ob sich der Aufpreis lohnt, haben wir ein paar Kollegen eingeladen. Ihnen wollten wir mal den Unterschied vor Augen halten, zwischen einem gewöhnlichen kleinen Full-HD-Monitor und einem riesigen gekrümmten mit allen Schikanen.

«Wie, ich muss zuerst auf dem kleinen Ding zocken?»

Für unser kleines Experiment stand uns der folgende Büro-Monitor zur Verfügung:

Monitor
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EliteDisplay E242 (24", 1920 x 1200 Pixels)
HP EliteDisplay E242 (24", 1920 x 1200 Pixels)

24 Zoll, Full-HD-Auflösung. Kein zusätzlicher Schnickschnack. Standard eben.

Ihm gegenüber tronte dieses Schmuckstück:

Monitor
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AGON AG352UCG (35", 3440 x 1440 Pixels)
AOC AGON AG352UCG (35", 3440 x 1440 Pixels)

35" MVA Panel mit QHD Auflösung (3440x1440) im 21:9 Format / 100 Hz / NVidia G-Sync / 4ms GtG / 2000:1 Kontrast / HDMI, DisplayPort, USB Hub / Dreh, Höhen-, Neigbar

35 Zoll, 21:9 Ultrawide, 3440x1440 Pixel, G-Sync und 100Hz.

Für den Direktvergleich «zwangen» wir unsere Teilnehmer erst eine Runde «Battlefield 1» am HP zu zocken. Erst danach durften sie sich am AOC austoben. Die Reaktion des ersten Testers war entsprechend verhalten. «Wie, ich muss zuerst auf dem kleinen Ding zocken?», fragt uns Digital Marketing Manager Sandro Hostettler entrüstet. Umso angetaner war er, als wir ihn an die grosse Spielkiste liessen. «Darf ich den fürs Büro haben?», fragte er nur halb im Scherz. Die Antwort lautet natürlich nein. Falls das möglich wäre, hätte ich ihn mir längst selbst reserviert.

Auf Sandro folgte Warranty Manager Eric Insel. Er hat Zuhause auch kein schlechtes Möbel. Nämlich einen BenQ mit WQHD-Auflösung und 144Hz. «Das Teil ist einfach riesig», ist sein erstes Feedback zum AOC. Und dass es bei so einer Grösse noch 100Hz gibt, findet er ebenfalls beeindruckend. Bräuchte er einen neuen, würde er es sich definitiv überlegen.

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Erst mussten die Kollegen an einem unserer Büro-Monitoren zocken.

Auch die dritte Versuchsperson Product Expert Jennifer Berisha hat ein stolzes Gerät Zuhause und lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Ihr Primärmonitor besitzt satte 165Hz und ist damit besonders für kompetitive Online-Shooter prädestiniert. Nach der kurzen Spielsession ist sie durchaus versucht, den riesigen AOC zu kaufen. Allerdings würde sie dann ihren Zweitmonitor vermissen. «Dann müsste ich einfach zwei von denen haben», meint sie lachend. Wenn du den Platz und das Geld hast, nur zu 😀.

Als nächstes richtet sich Junior Product Manager Tim Gerber ein. Er hat einen 4K-Monitor Zuhause stehen. Allerdings reicht seine Grafikkarte nicht, um auch in der Auflösung zu spielen. An unserem Ultrawide fällt ihm als erstes das breite Sichtfeld auf: «Ich zocke viel ‹Counter-Strike›. Da würde ich mit diesem Monitor sicher einiges mehr vom Spiel sehen.» Sein abschliessender Kommentar: «Macht Laune das Teil.»

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Die meisten hätten den Monitor am liebsten gleich mitgenommen.

Zuletzt darf sich noch Assistant Editor Ramon Schneider in die Schlacht stürzen. Er zockt am ehesten auf Konsole und damit auf einem Fernseher. Im Vergleich zum kleinen Monitor gefällt auch ihm am besten, dass man deutlich mehr vom Spielbereich sieht. «Vorher kamen Flugzeuge viel plötzlicher herangeflogen. Bei diesem Monitor siehst du viel früher, wenn du angegriffen wirst.» Sein Fazit: «Echt ein geiler Monitor. Würd ich sofort nehmen fürs Büro.» Er könne ihn sich sogar leisten. «Aber für das Geld gehe ich lieber in die Ferien», sagt er lachend.

Fazit

Unsere Tester fanden – wenig überraschend – den Ultrawide-Monitor deutlich besser als den kleinen Full HD. Die Vielgamer unter ihnen besitzen alle selber ordentliche Monitore. Besonders ein hohe Hertzzahl ist den meisten dabei wichtig. Da sie sich derartige Preissegmente gewohnt sind, könnten sie sich den AOC definitiv vorstellen. Die beiden Casual-Gamer reagierten einiges aufgeregter auf den Highend-Monitor. Ihnen fiel der Unterschied am deutlichsten auf. Dafür sitzt ihnen das Geld weniger locker. Vergleichbare Monitore kosteten jedoch vor einem Jahr noch rund das Eineinhalbfache. Sie bleiben definitiv ein Luxus-Objekt. Aber eines, das seinen Preis wert ist.

Video: Stephanie Tresch

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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