J. Allen Brack. Bild: Blizzard
J. Allen Brack. Bild: Blizzard
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Blizzard-Missbrauchsskandal: CEO und HR-Chef sind raus

Philipp Rüegg
Zürich, am 04.08.2021

Nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Activision Blizzard verlassen CEO J. Allen Brack sowie der Chef des HR-Departements das Unternehmen. Beiden wird im laufenden Gerichtsverfahren eine Mitschuld an den Vorfällen zugeschrieben.

Die Klage gegen Activision Blizzard wegen massiven sexuellen Belästigungen hat erste Konsequenzen. Am Dienstag gab Blizzard-CEO J. Allen Brack bekannt, das Unternehmen per sofort zu verlassen. An seine Stelle rücken Jen Oneal und Mike Ybarra. Damit ist erstmals in der Geschichte von Blizzard eine Frau an der Spitze des Unternehmens. Brack wird in der Anklageschrift, die einer zweijährigen Untersuchung des US-Bundesstaates Kalifornien entspringt, eine Mitschuld an den Missbrauchsvorwürfen unterstellt.

Mit Jesse Meschuk hat offenbar der Skandal einem weiteren hochrangigen Mitglied den Kopf gekostet. Meschuk war bis vor Kurzem Chef des weltweiten HR-Departements. Mehr als «Jesse Meschuk ist nicht mehr für das Unternehmen tätig», gab Blizzard dazu nicht bekannt. Im Gerichtsfall wird Meschuk eine aktive Rolle zugeschrieben. Mitarbeiter*innen sollen entmutigt worden sein, sich zu beschweren, weil das HR-Departement den Beschuldigten angeblich nahestand.

Am Dienstag hat Activision-Blizzard-CEO Bobby Kotick in einem Earnings Call erklärt, dass die Schuldigen zur Rechenschaft gezogen werden und Manager, welche die Untersuchung behindern, entlassen werden. Weiter sagte Kotick: «In unserem Unternehmen ist kein Platz für Diskriminierungen und Belästigungen. Wir werden das Unternehmen sein, das in unserer Branche mit gutem Beispiel vorangeht.» Die Kehrtwendung zu den ersten Statements von Activision Blizzard kommt wohl nicht zufällig. Im Vergleich zum Vormonat hat die Aktie rund 15 Prozent an Wert eingebüsst.

Kritik an Folter-Verteidigerin

Mitarbeiter*innen bei Blizzard zeigen sich von bisherigen Massnahmen dennoch wenig beeindruckt. Bereits vor dem Streik vergangener Woche, genauer gesagt walkout, forderten sie das Ende der Zwangsschlichtungs-Klausel, bessere Bewerbungs- und Beförderungs-Prozesse, transparente Löhne und eine Taskforce für Diversität, Gleichstellung und Inklusion.

Fran Townsend, CCO bei Activision Blizzard. Bild: Flickr/Ralph Alswang, CC BY-NC-ND 2.0

Als Hohn wird zudem Koticks Versprechen angesehen, das Unternehmen durch die Anwalts-Firma WilmerHale überprüfen zu lassen. Activision Blizzard hat schon früher mit WilmerHale zusammengearbeitet, als es darum ging, die Schaffung neuer Richtlinien für eine diversifizierte Rekrutierung anzufechten.

WilmerHale führe ausserdem enge Beziehungen zu Frances Townsend, einer weiteren umstrittenen Führungsperson bei Activision Blizzard. Townsend bezeichnete in einem internen E-Mail an die Belegschaft die Anschuldigungen als haltlos. Über 2600 Mitarbeiter haben seither ein Schreiben unterzeichnet, welches Townsends Reaktion verurteilt. Sie wurde bekannt als Mitarbeiterin der Staatssicherheit und Terrorbekämpfung unter George Bush Jr., wo sie die Folter-Massnahmen des CIAs verteidigte. Die angespannte Lage hinderte sie nicht daran, einen Tweet abzusetzen, der Whistleblower als Problem hinstellt. Nun blockiert sie alle systematisch, die sie dafür kritisierten. Dazu gehören nicht nur Journalisten, sondern auch aktuelle sowie ehemalige Mitarbeiter von Activision Blizzard.

In den Strudel der jüngsten Missbrauchswelle hat es auch Ubisoft gezogen. Mehr als tausend Mitarbeiter*innen unterschrieben jüngst einen offenen Brief an die Führung des Unternehmens. Darin fordern sie neue Massnahmen in Bezug auf die Missbrauchsvorwürfe an ihrem Arbeitsplatz. Entgegen öffentlicher Statements seitens Ubisoft habe sich hinter den Kulissen kaum etwas verändert, so die Initianten. Immer noch würden die Beschuldigten geschützt und gar befördert. Der offene Brief wurde auch in Solidarität mit der Situation bei Activision Blizzard veröffentlicht, um zu verdeutlichen, wie verbreitet das Problem ist und wie schnell ein Deckel drauf gemacht werden will.

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Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur. 


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