
Blick in eine stellare Kinderstube mit Beinahe-Sternen
Mit der Nahinfrarotkamera NIRCam an Bord des James-Webb-Weltraumteleskops gelang eine neue Aufnahme einer Sternentstehungsregion im Sternbild Perseus. Sie zeigt den offenen Sternhaufen IC 348 und den Reflexionsnebel NGC 1333, die etwa 1000 Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Neben jungen Sternen wurden auch winzige Braune Zwerge entdeckt.
Im Mittelalter machte sich das Licht von diesem Objekt auf den Weg und erreicht erst heute die Erde: Die Sternentstehungsregion ist nämlich rund 1000 Lichtjahre entfernt und befindet sich im Sternbild Perseus. Mit der Nahinfrarotkamera NIRCam an Bord des James-Webb-Teleskops der Weltraumbehörden NASA (USA), ESA (Europa) und CSA (Kanada) wurde eine beeindruckende Ansicht des Himmelsareals im Infraroten veröffentlicht. Sie zeigt zum einen viele junge, funkelnde Sterne, die zum offenen Sternhaufen IC 348 gehören. Sie sind heiss, leuchtkräftig und eingebettet in interstellare Materie. Zum anderen gibt es dynamische junge Objekte mit länglichen Strukturen, die Materiestrahlen herausschleudern, sogenannte Jets.
Wir blicken hierbei auf den Teil einer gigantischen Wolke aus interstellarem Material, die Perseus-Molekülwolke. IC 348 bezeichnet den offenen Sternhaufen, der zu dieser Riesenwolke gehört. NGC 1333 ist wiederum ein Reflexionsnebel, der sich durch seine bläuliche Farbe verrät. An seinem relativ kühlen Material wird die Strahlung heisser Nachbarsterne reflektiert. In diesem Bereich sind junge stellare Objekte erkennbar, die Jets in die Umgebung schleudern. Sie heissen Herbig-Haro-Objekte und enthalten Akkretionsscheiben, in denen Materie auf den jungen, zentralen Protostern stürzt. In der Nähe des Zentralobjekts kann die Materie mithilfe von Magnetfeldern nach aussen getrieben werden. Sie bündelt sich dort zu länglichen Jets.
Im Bild befinden sich nicht nur junge, hell strahlende Sterne, sondern auch viel kleinere Objekte: die Braunen Zwerge. Das sind stellare Übergangsobjekte zwischen Planeten und Sternen. Solche Zwergsterne sind nicht massereich genug, um die Verschmelzung von Wasserstoffatomkernen in ihrem Inneren in Gang zu bringen. Ihre Masse ist eher vergleichbar mit derjenigen des grössten Planeten in unserem Sonnensystem, Jupiter. Mit dem James-Webb-Teleskop wurden in der Sternentstehungsregion IC 348 Braune Zwerge nachgewiesen, die nur die doppelte Masse von Jupiter aufweisen. Sie gehören zu den kleinsten Vertretern ihrer Art und sind damit wichtig für unser Verständnis, wie Sterne überhaupt entstehen können. Ohne Kernfusion sind Braune Zwerge dazu verdammt, Wärmestrahlung aus der Kompression ihres Gases abzugeben. Sie sind daher viel unscheinbarer als Sterne und schwieriger zu entdecken.
Die Aufnahme des JamesWebb Space Telescope (JWST) ist ein Falschfarbenbild. Den im Infraroten mit Filtern gemessenen Intensitäten werden dabei Farben zugeordnet, die wir sehen können. Bei IC 348 entspricht Blau einer Zentralwellenlänge von 1,6 und 1,8 Mikrometern (millionstel Metern), bei Grün sind es 3,6 Mikrometer, und Rot ist assoziiert mit der grössten hier verwendeten Infrarotwellenlänge von 4,4 Mikrometern.
Das JWST-Bild deckt einen relativ grossen Himmelsbereich ab, denn die Höhe beträgt ungefähr 19 Bogenminuten. Das entspricht etwa zwei Dritteln der Breite des Vollmonds.
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