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Auge um Auge: Wie ich ein gutes Foto noch besser machen wollte

Es gibt Bildideen, die es wert sind, weiterverfolgt zu werden. Wo es sich total lohnt, Zeit und Energie zu investieren. Diese hier gehört nicht dazu.

Es passiert beim Test der Sony A7 III. Ich spiele mit dem Makro-Objektiv herum, das mir Stephanie Tresch ausgeliehen hat. Weil mir gerade nichts Besseres in den Sinn kommt, versuche ich, mit dem Tele-Makro mein eigenes Auge zu fotografieren. Eigentlich eine beknackte Idee – aber es gelingt.

Mehr noch: in meinem Auge bin ich selbst zu sehen. Und was das Foto meiner Meinung nach richtig gut macht: Das Makro-Objektiv liegt als runder schwarze Kreis genau dort, wo sowieso ein runder schwarzer Kreis sein sollte, nämlich die Pupille.

Wenn ich schon rein zufällig ein so tolles Bild schiesse, wie gut müsste das erst werden, wenn ich das noch «richtig» mache? Mein Ehrgeiz war geweckt. Ich weiss ja: Ein gutes Foto entsteht, wenn man Zeit und Arbeit reinsteckt.

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Die Rekonstruktion des Super-Bilds

Also nehme ich Kamera und Objektiv mit nach Hause, um mich dem in aller Ruhe zu widmen. Ich packe die Sache systematisch an. Zuerst einmal wähle ich einen besseren Ausschnitt. Ich gehe näher heran, damit das Auge auf dem Bild grösser ist und ich richte das Auge genau auf die Mitte aus. Denn das, was du oben gesehen hast, ist ein Ausschnitt. Das Auge deckt im Original nur etwa einen Viertel der Bildfläche ab.

Das sieht schon mal gut aus. Leider ist nun der Fokuspunkt etwas zu nah. Und irgendwie sind keine Spiegelungen zu sehen. Ich drehe mich etwas zur Seite, damit das Auge mehr reflektiert.

Der Schärfepunkt passt. Das erkenne ich an den reflektierten Wimpern. Ich sehe auch das Objektiv im Auge. Aber es liegt jetzt nicht auf der Pupille. Und von meinen Händen sieht man gar nichts. Ich muss weiter experimentieren.

Nun liegt das Objektiv wieder auf der Pupille, und ich sehe auch ein bisschen was von meinen Händen. Aber das ist immer noch weniger gut als mein erster Schnappschuss. Der weisse Balken stört. Das ist die Lampe meines Badezimmers. Ich mache das im Bad, weil mir der Spiegel hilft, das Auge richtig auszurichten. Jetzt merke ich: ich muss hier raus. Aber es ist schon spät. Für heute habe ich genug experimentiert.

Neuer Tag, neues Glück: Ich befinde mich jetzt im Wohnzimmer, wo es keine störende Neonlampe hat. Dafür ziemlich viele Fenster. Zu allem Übel hat es in der Nacht geschneit. Also noch mehr weisse Flächen. Ich zirkle die Kamera so, dass die Pupille von den zahlreichen hellen Stellen verschont bleibt. Trotzdem stört das viele Weiss. Ich ziehe also erneut um, dieses Mal in die Küche.

In der Küche hat es weniger Fenster. Und ich bin auf gutem Weg: Die Iris spiegelt die Umgebung sehr schön. Leider schaffe ich es trotz aller Gymnastik nicht mehr, das Objektiv auf die Pupille auszurichten. Ohne Spiegel geht das sowieso nicht. Ich halte darum einen Handspiegel, was aber dazu führt, dass ich seltsame Verrenkungen ausführen muss. Und die sieht man dann auch.

Sitzend und mit Stativ kann ich meine eigene Position besser ausrichten. Die Reflexionen sind noch besser als vorhin. Du erkennst mein wunderschönes Abtropfgestell und das total stylische Küchentuch. Also Dinge, die du schon immer mal sehen wolltest. Ich bin jetzt ganz nahe dran an der perfekten Aufnahme! Nur das Objektiv liegt wieder mal nicht genau auf der Pupille.

Schon wieder daneben. Das kann doch nicht so schwer sein, verdammt noch mal. Aber es ist immer so, egal, was ich versuche. Dann habe ich eine Idee: Ich wechsle das Auge. Das ermöglicht mir einen anderen Winkel zum Fenster. Und vielleicht habe ich dort nicht so viele hässliche rote Adern.

Doch, habe ich. Egal. Die weissen Flächen sind nun vollständig weg. Es ist so gesehen das perfekte Foto. Nur etwas ganz kleines stört: Das Objektiv liegt nicht auf der Pupille.

Und nun mache ich zum ersten Mal etwas richtig: Ich gebe auf.

Knapp vorbei ist auch daneben

Das ging ins Auge. Aber nicht so wie geplant. Und jetzt weiss ich auch nicht so recht. War ich doch der festen Überzeugung, dass aussergewöhnliche Fotos durch aussergewöhnlichen Einsatz entstehen. Hier geschah genau das Gegenteil. Einmal kurz geknipst: gut. Stundenlang rumprobiert: alles Mist.

Bestimmt liegt es an meiner epischen Inkompetenz. Bestimmt werdet ihr, liebe Leser, mir das nun gleich in aller Ausführlichkeit erklären. Danke schon mal!

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David Lee, Zürich

  • Teamleader Thor
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

19 Kommentare

3000 / 3000 Zeichen
Es gelten die Community-Bedingungen.

User quickie

Da Du gefragt hast, hier meine Tipps:
1. drahtloses Blitzen, statt Umgebungslicht von oben und unten. Möglichst so, dass keine Reflektionen im Auge zu sehen sind. Da es ein 1:1 Makro ist, braucht es keine Lichtformer. Wenn Du noch Umgebungslicht-Reflektionen haben möchtest, dann einfach den Blitz entsprechend reduzieren. Du könntest sogar noch mit einem dritten blitz die Kamera anblitzen.
2. Die Pupillengrösse passt sich am Umgebungslicht an. Da braucht es vielleicht einige Versuche, aber damit wäre dann das Objektiv genau gleich gross wie die Pupille selbst.

23.04.2018
User quickie

3. Wegen 1:1 und gebogenem Augapfel braucht es eine langsame Blende. Zu hoch sollte sie aber auch nicht sein, sonst kommt die Diffraktion zum tragen. Wenns das 90/2.8 G Makro ist, wäre f8 nicht schlecht.
4. Makro in MF auf Stativ fotografieren. Auslösen mit einem Fernauslöser, Kamera aufs Stativ und dann mehrere Fotos machen, während man ganz langsam den Kopf näher zum Objektiv bewegt. Hier sind Blitze mit einer schnellen Abbrennzeit nützlich.
5. Es einfacher gestalten und das ganze Projekt mit einem fremden Auge machen. Denn ich wüsste nicht, wie du es schaffen kannst, das Objektiv per Selbstauslösung schön Zentral hinzubekommen. :)

23.04.2018
User David Lee

Danke, das probier ich vielleicht mal noch aus. Das Ergebnis erspar ich euch aber, ihr habt jetzt genug Augen von mir gesehen ;-)

30.04.2018
User quickie

Kannst es ja auf Flickr stellen! :)

30.04.2018
Antworten
User monsterzwerg

Auf Flickr haben 4,499,489 andere "Fotografen", inkl. mir dieses super kreative Sujet auch entdeckt. Was sind wir doch für gesegnete Künstler mit einzigartigen Ideen. Da kommt sonst niemand drauf.

26.04.2018
User David Lee

Auf Flickr gibts so ziemlich alles; von daher könnte man einfach aufhören zu fotografieren. Aber wo bliebe dann der Spass?

30.04.2018
Antworten
User stimpy13

Wir hatten eine Lernende in der Abteilung mit einfach absolut atemberaubenden Augen. Ich spielte schon länger mit dem Gedanken, mir ein Makro-Objektiv zu leisten und als sie in der zweitletzten Woche bei uns war, nutzte ich die Gelegenheit. stimpixx.ch/2016/07/27/pain...

27.04.2018
User vavrecka

Erstens ist es oft so, dass der erste "Schnappschuss" das beste Bild ist, weil einem ja das Sujet aufgefallen ist, weil einfach (fast) alles stimmt und man es als einigermassen geübter Fotograf auch so in die Kiste kriegt, wie man sich das vorstellt. Zweitens ist die ganze Spielerei danach nie für die Katz, weil der konzentrierte Akt des Fotografierens (Stichwort "Achtsamkeit") alleine schon 99% des Spasses ausmacht.

07.05.2018
User mp8.8tv

Sony hat WI FI dann brauchst du kein spiegel. Ich bin neugierig ob du mit der Sony III und Fernbedienung (App) mit Handy auch im RAW fotografieren kannst?

27.06.2018
User Lotse

mit sonem glubschauge ist es egal wie sehr man sich mühe gibt, auch die beste technik wird kein hinkucker daraus machen :-P

20.04.2018
User David Lee

Ich hätte noch mehr Fotos davon zeigen sollen, dann wäre auch dir die Schönheit meines Auges ins Auge gesprungen. Geplant ist jetzt ein Download als Dekstop-Wallpaper und eine Vernissage in der Photobastei.

20.04.2018
User Larantuka

😂😂😂DIE Vernissage lass ich mur nicht enrgehen!!!

13.06.2018
Antworten
User Boris200

Kann irgendjemand vom Digitecteam dem Typen auf nette Art und Weise klarmachen, dass auch das erste Bild schon Sch... aussah? Am besten jemand mit Erfahrung mit Kindern, die stolz ihre erste Zeichnung zeigen;-)

20.04.2018
User David Lee

Vielen Dank für deinen Kommentar, das geht schon schwer in die richtige Richtung! Aber wieso "auf nette Art und Weise", und wieso machst du es nicht selbst?

20.04.2018
User Misch_86

Der Raum im ersten Bild war gleichmässig ausgeleuchtet, darum sieht man dort so viel.
Die Helligkeit fällt vom Fenster weg sehr rasch ab, weshalb der Effekt der Spiegelung da nicht so zum Tragen kommt.

Ich finde aber Augenmakros dann am schönsten, wenn sich nichts spiegelt in der Iris.

20.04.2018
User RealMajor

das erste Foto ist klar das beste der ganzen Reihe... die anderen sehen IMHO wirklich nicht so vorteilhaft aus vA die Adern im weiss... doch zeigt es doch auch wunderbar dass die fotografie etwas spontanes intutiv seind darft wenn man einen moment><Augenblick einfängt... klar wäre es möglich es auch zu inszinieren aber dann darf insbesondere bei Macro gutes studiolicht nicht fehlen indoors... zudem ists auch geschmacks sache...

21.04.2018
User RealMajor

klar könnten man noch ein eye model engagieren und visagisten doch... wenn man schon 1000 mal die milchstrasse polarlichter katzenbabys gesehen hat.. gefallen mir am meisten immer noch authentische spontane aufnahmen am meisten... wenn man schon solchen aufwand betreibt... sollte man schon auch die fotos auch auf allen verfügbaren kanälen veröffentlichen und man wird dann schnell merken wie viele fotos und menschen um aufmerksamkeit bühlen und foto trends und moden kommen und gehen ;-)

21.04.2018
User RealMajor

ich find es immer wieder interessant wie fotos mit billiger effekhascherei... künstliche vingette... künstlichem bokeh.. instagramm-filter usw viel mehr aufmerksamkeit erhalten und oft der wettbewerb auf den fotoplattformen wirklich sehr skurlie formen angenommen hat wie follower trading und likes kaufen ;-) wenn man dann mal ein wirklich sehr tolles fotos sieht welche 6 monate nach veröffentlichung... evlt knapp 1 like hat wie weit sich der aufwand lohnt, denke solange man selbst daran spass hat '^ ^

21.04.2018
Antworten