Apple AirPods – Suche Kopfhörer, biete Gehörgang

Apple AirPods – Suche Kopfhörer, biete Gehörgang

Dominik Bärlocher
Zürich, am 24.03.2017
Endlich sind sie da, die Apple AirPods. Apple Fans haben nicht nur mit Ungeduld, sondern auch mit etwas Sorge auf den Launch der kabellosen Ohrhörer aus Cupertino gewartet. Die Hauptfrage ist die, ob die Pods im Ohr stecken bleiben, oder ob sie ständig rausfallen. Hier die Antworten auf eure Fragen.

Apple weiss schon, wie hübsche Verpackung funktioniert. Die Schachtel der AirPods, und wir reden noch nicht mal vom Charging Case, ist klein, bewusst langweilig und unauffällig minimalistisch gehalten und – was mich besonders erfreut – verwendet keine überflüssige Materialien.

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Nett und kompakt: Die Apple AirPods

Gut, die Verpackung ist jetzt nicht eines der Hauptargumente für einen Kauf, daher lassen wir das mal. Ich finde es einfach etwas seltsam, dass einige Hersteller eine gigantische Schachtel herstellen und andere praktisch keine Verpackung mitliefern.

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Die geöffnete Schachtel. Das Ladekabel ist unter dem Charging Case verpackt

Auch hier, das Design ist bewusst langweilig weiss gehalten. Langweilig ist in diesem Kontext nicht als negativer Aspekt anzusehen, denn die Entscheidung des Computergiganten, seine Geräte unauffällig und fad zu gestalten, braucht nicht nur Mut, sondern verdient auch Respekt. Denn kein anderes Unternehmen hat es mit seinen gewagten Designentscheidungen geschafft, so viel Aufsehen zu erregen, selbst wenn die Geräte bewusste Understatements sind.

Kopfhörer
AirPods (White)
Gebraucht
100.–
Apple AirPods (White)

Einfach. Kabellos. Magisch.

Als Paradebeispiel hier können wir Mobiltelefone anführen. Als Apple im Jahr 2007 das iPhone auf den Markt gebracht hat, hat der Konzern die Form und das Design der Mobiltelefone wohl nachhaltig bestimmt. Auch wenn der Formfaktor des Rechtecks mit abgerundeten Ecken und wenigen Hard Buttons sich anbietet, war Apple doch der erste Hersteller, der wirklich grossen Anklang mit dem Design gefunden hat.

Das Design der AirPods weist dennoch einige Schwächen auf. Einige sind offensichtlich, andere weniger. Oft ist es aber nicht ein Design-Entscheid alleine, der dazu führt, dass der Mangel offensichtlich wird, sondern eine Kombination aus mehreren Faktoren, darunter auch der Faktor Mensch.

  • Die eigentlichen Kopfhörer werden von Magneten im Charging Case gehalten. Das ist schlau, weil sonst würden sie rausfallen, wenn ich das Case kopfüber halte
  • Die Kopfhörer sind aus dem selben aalglatten Material gemacht, wie das Charging Case
  • Die Kopfhörer sind nahe beieinander

Wenn ich jetzt die Kopfhörer aus dem Case nehmen möchte, dann bietet sich der Griff entlang der Längsseite der Öffnung an. Also ein Finger an der Vorderseite und einer greift hinter den Hörer, dort, wo der Deckel am Case befestigt ist. Aber weil das Material der Hörer so glatt ist, suche ich mir instinktiv lieber einen Ort, an dem ich mehr Griff habe. Also ein Finger zwischen die Hörer, einer an der linken oder rechten Aussenseite des Cases. Denn dort ist der Lautsprecher der Kopfhörer und damit eine Öffnung. Der Abstand zwischen den Hörern ist nicht gross genug für meine Finger. Mein Kollege Phil hat aber nur wenig kleinere Hände und schmalere Finger als ich und hat damit kein Problem.

Dieses jetzt breitgetretene Problem kann so zusammengefasst werden: Wenn du grosse und breite Hände hast, dann kann es sein, dass du Mühe hast, die AirPods aus dem Case zu nehmen. Dafür ist die Paarung mit dem iPhone wie auch mit Android-Geräten problemlos, schnell und angenehm.

Die Qualität unter der Haube

Die AirPods sind ein Understatement. Das heisst, dass sie visuell gar nicht beeindrucken sollen. Denn die Qualität der kleinen Hörerlein liegt klar im Ton. Und der ist eine Wucht.

So klein und popelig die eigentlichen Headphones wirken, so toll tönen sie. Ich als Liebhaber von starken, dumpfen Bässen komme hier voll auf meine Kosten.

Nicht nur ist Method Mans Stimme warm und etwas kratzig, sondern der Beat pocht herrlich, auch bei einer Lautstärke, die eigentlich vertretbar ist. Genau so sollen Kopfhörer klingen. Klar, andere Produkte warten auch mit schönem Klang auf, aber der Effekt, der das Understatement im Design mit der Wucht im Klang erzeugt, ist doch recht überraschend.

Die Aussenwelt bleibt nur bei hoher Lautstärke draussen, also ist die Schallisolation gegen aussen je nach Form deines Gehörgangs recht mangelhaft. Doch die AirPods können wirklich laut sein. Wo ich bei anderen Kopfhörern die Lautstärke voll aufdrehen kann, tun mir bei den AirPods die Ohren weh, wenn ich auf etwa 75 Prozent der Maximallautstärke drehe. Zudem: Der Sound wird einfach nicht schlechter. Die Bässe sind immer unter Kontrolle, die Höhen sind immer glasklar. Der Grund, warum die Welt nicht so leicht ausgeblendet werden kann, ist der, dass die Verarbeitung der Kopfhörer mit dem glatten Material gar nicht darauf abzielt, den Gehörgang abzudichten. Dafür setzen die AirPods darauf, die Aussenwelt schlicht zu übertönen, wenn der Benutzer das so will.

Die berechtigte Sorge der Kritiker

Eines der Hauptargumente gegen die AirPods wird immer wieder ins Feld geführt, dass sie ja total einfach aus den Ohren fallen und verloren gehen können. Warum also soll sich ein Kunde für die Kopfhörer entscheiden, wenn er sie dann innerhalb weniger Sekunden wieder verloren hat?

Ich habe in jüngster Zeit eine Vielzahl Kopfhörer getestet und diese Sorge habe nie nachvollziehen können. Alle kabellosen Kopfhörer von unterwältigenden wie den Bragi Dash bis hin zu meinen bisherigen Favoriten, den Jabra Elite Sport wenn wir ganz ohne Kabel wollen, haben bisher super im Ohr gehalten. Auch wenn ich meinen Kopf in bester Death-Metal-Manier geschüttelt habe oder beim Training geschwitzt habe. Alles kein Problem.

Dennoch, Statements wie das Folgende lassen nicht nach.

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Ein Mitarbeiter der Site AndroidPolice schreibt über AirPods

An der diesjährigen CES adoptiere ich alle AirPods, die ich am Boden finde, als meine eigenen.

David Ruddock, Autor des Techblogs AndroidPolice, ist nicht der einzige, der sich über verlorene AirPods Gedanken macht. Denn der Gedanke «Die sitzen aber recht locker» war einer der ersten, die mir beim Test durch den Kopf geschossen sind. Das war das erste Mal, dass ich mir in der Praxis habe Gedanken über den Sitz der Kopfhörer machen müssen.

Für noch mehr Geld, als dass die Kopfhörer kosten, kannst du den AirPod Strap des Herstellers Spigen kaufen. Das dünne Band verbindet deine AirPods und wickeln sich bei Nichtbedarf um dein Charging Case.

Wer seine AirPods dann doch verliert, kann diese mit der «Find my iPhone»-App Apples suchen. Aber nur, wenn die kleinen Geräte in unmittelbarer Nähe sind.

Das ist auch gut so, denn die AirPods fallen wirklich leicht aus dem Ohr. Das liegt daran, dass Apple wohl aus Designgründen beschlossen hat, die Ohrhörer so nahtlos und monoton zu machen, wie nur möglich. Das Resultat ist aalglatt. Ein bisschen Rutschfestigkeit hätte den AirPods nicht geschadet.

Unter dem Strich

Die Apple AirPods klingen gut, sehr gut sogar. Sie klingen in etwa so, wie anständige Kopfhörer klingen sollen: Reicher, satter Klang überall, egal, was du magst. Doch die Verarbeitung lässt zu wünschen übrig. Sie sind wohl für einen gewissen Durchschnitt in Sachen Ohrgrösse gemacht, was natürlich nicht allen passen wird. Wenn du grosse Hände hast, dann hast du vielleicht auch Mühe mit den Dingern, denn das Case ist etwas klein ausgefallen.

Den AirPods kommt der zweifelhafte Ruhm zu, dass sie die ersten kabellosen Kopfhörer sind, bei denen ich mir Sorgen mache, dass ich sie verliere. Etwas Kopfschütteln und schon fliegt mein linker Hörer durch die Luft.

Doch eines ist klar: Mit den AirPods setzt Apple neue Standards, wenn auch nicht in Punkto Formfaktor. Der Sound spricht aber klar für den Kauf. Ferner setzt die Bedienung auf Apples altes Motto: «It just works», sogar mit Android.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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