Florian Bodoky
Produkttest

Apple AirPods 5 im Test: näher bei den Pros

Apples AirPods 5 klingen fetter und detaillierter. Dazu bekommen sie einige Features vom Pro-Modell. Beim Akku und den Health-Features bleibt Luft nach oben. Für Fans offener Bauformen sind sie ein Schnäppchen.

Apple lanciert die AirPods 5 und löst damit die vierte Generation der In-Ear-Kopfhörer mit offener Architektur ab. Die beiden Varianten der AirPods 5 wurden in Sachen Funktionen aufgerüstet und sollen die Lücke zwischen der Modellreihe AirPods und AirPods Pro kleiner machen. Beide Varianten bringen Geräuschunterdrückung mit, übersetzen live und vertragen deutlich mehr Wasser. Ausserdem wurde die Architektur der Akustik im Inneren ausgebaut. In diesem Test zeige ich dir, wo sich die Upgrades tatsächlich bewähren und wo Apple weiterhin bremst.

Bauform: Never change a running system

Optisch bleibt auch bei den neuen AirPods alles beim Alten. Du bekommst weisse Kunststoffkopfhörer mit kurzem Stiel und ovaler Spitze, die ohne Silikonaufsätze im Ohr auskommen. Diese offene Form ist nach wie vor sehr beliebt, eignet sie sich doch auch für sehr kleine Ohren und verhindert den Druck, der viele Nutzerinnen und Nutzer beim Tragen von Silikonstöpseln nervt. Ausserdem hat Apple die Buds wieder schmaler gebaut als noch etwa bei den AirPods 3, die zugunsten besseren Klangs breiter gebaut waren – sehr zum Missfallen der AirPods-Community. Auch das Case hat sich verändert. Es ist jetzt noch kleiner als zuvor und misst gerade mal noch 4,6 x 5,1 x 2,0 Zentimeter. So verschwindet es problemlos in der Hosentasche.

Das Case ist schmal und klein – praktisch.
Das Case ist schmal und klein – praktisch.

Unten hat Apple einen USB-C-Port zum Laden verbaut. Die teurere Variante lässt sich zudem kabellos laden. Du legst die Schale einfach auf ein Qi-Ladegerät oder auf eine MagSafe-Unterlage – auch der Ladepuck der Apple Watch funktioniert dafür. Ausserdem gibt es im Case wiederum einen kleinen Speaker, falls du mal die «Wo ist?»-Funktion brauchst. Allerdings: Weder Kabel noch Ladegerät legt Apple dem Lieferumfang bei. Auch nicht bei der teureren Variante.

Bei der Verarbeitung hat Apple auch an die äusseren Bedingungen gedacht: Die AirPods 5 sind nach IP57 gegen das Eindringen von Staub und das Eindringen von Wasser ins Gehäuse geschützt. Letzteres allerdings nur, wenn die AirPods nicht tiefer sinken als ein Meter und sich nicht länger als 30 Minuten unter Wasser befinden. Bis dahin war lediglich das Ladecase vor Spritzwasser geschützt. Bei einem plötzlichen Regenguss oder beim hitzigen Sporttreiben musst du dir also keine Sorgen mehr machen. Auch ein Sturz ins Waschbecken ist nicht das Ende.

Bedienung im Alltag: Adieu, nervige Apps

Die Steuerung der AirPods läuft generell über die Stiele. Du «pinchst», um Musik zu pausieren, ein Lied zu überspringen oder einen Anruf anzunehmen (wobei du eingehende Anrufe auch per Kopfschütteln oder -nicken annehmen oder ablehnen kannst). Hier gibt es ebenfalls einen grossen Unterschied zwischen den beiden Varianten. Bei der teureren Version gibt es Wischgesten für die Kontrolle der Lautstärke. Fährst du mit dem Finger nach oben, wird es lauter. Fährst du nach unten, wird es leiser. Dafür musst du bei der preiswerteren Variante das iPhone hervorholen. Diese Geste ist für ehemalige Pro-Nutzer (aber – nach einer Eingewöhnungsphase – auch für alle anderen Hörerinnen und Hörer) Gold wert.

Bei der Einkerbung kannst du die Lautstärke verstellen.
Bei der Einkerbung kannst du die Lautstärke verstellen.

Eine eigene App bietet Apple wie immer keine an. Alle Einstellungen laufen direkt auf iOS. Du wählst den ANC- respektive Transparenzmodus aus, steuerst die Druckgesten und passt das Spatial Audio an. Natürlich kannst du die AirPods 5 auch mit Android-Geräten verbinden, doch die ganzen Apple-Extras gibt es nur beim iPhone – für die Live-Übersetzung muss es sogar ein Modell mit Apple Intelligence sein (iPhone 15 Pro oder neuer).

Die Übersetzung ist für die AirPods mit offener Bauform ebenfalls cool und etwas unerwartet. Du startest sie per Sprachbefehl an Siri, mit einem langen Druck auf die Stiele oder über die Aktionstaste deines iPhones, sofern du diese entsprechend konfiguriert hast. Auch die Übersetzungs-App braucht es nach wie vor. Die Hörer nehmen auf, was dein Gegenüber sagt, und übersetzen es dir mündlich ins Ohr. Aber das iPhone transkribiert es auch mit, falls du es nachlesen willst. Für diese Funktion braucht es ANC, was der Grund dafür sein dürfte, dass alle Kopfhörer-Modelle nun damit ausgerüstet werden.

Auch wenn du keine Aufsätze hast, erkennt das iPhone im Passtest, ob der Bud gut im Ohr sitzt.
Auch wenn du keine Aufsätze hast, erkennt das iPhone im Passtest, ob der Bud gut im Ohr sitzt.

Auch Spatial Audio, Gesprächserkennung und die «Wo ist?»-Funktion sind mit von der Partie. Dein iPhone meldet es sogar, wenn du die Hörer ausserhalb der Bluetooth-Reichweite liegen lässt. Wo Apple noch nicht so recht will: Pulsmessung und die ganzen Hörgesundheitsfunktionen bleiben den Pro-Kopfhörern vorbehalten.

Ebenfalls geheimnisumwoben ist die Codecunterstützung. Apple setzt auch bei den AirPods 5 auf den H2-Chip und Bluetooth 5.3, aber ausser SBC und AAC gibt es keine Audiocodecs à la aptX oder LDAC. Ob sich das ändert, gibt Apple nicht bekannt. Somit bleibt Apple-Enthusiasten nur der Griff zu den AirPods Max mit USB-C-Kabel für verlustfreien Soundgenuss.

Wie klingen die AirPods 5?

Klanglich machen die AirPods 5 einen grossen Sprung gegenüber dem Vorgänger. Apple baut eine neue Akustikarchitektur und überarbeitet den adaptiven Equalizer. Hast du die AirPods 4 zur Hand, lohnt sich ein Direktvergleich. Wenn du den nicht machst, wirst du aber dennoch zufrieden sein. Denn AirPods liefern, was sie immer geliefert haben – nur eine bis zwei Stufen besser als zuvor.

Wo du das am meisten merken wirst, ist beim Bass. Offene Hörer haben hier normalerweise das Nachsehen, denn ohne Abdichtung im Gehörgang verpufft der Tieftonbereich. Die AirPods 5 haben dieses Problem schon deutlich weniger als ihre Vorgänger oder andere offene Modelle. In meinem Test zeigt sich dies insbesondere bei elektronischer Musik mit tiefem Sub-Bass-Fundament. Da bleibt der Ton stabil. Aber ja: Wirklich druckvoll wie bei einem abgedichteten Hörer oder gar einem Over-Ear sind sie natürlich nicht.

Die offene Bauform passt auch in kleine Ohren – dafür machst du beim Sound Kompromisse.
Die offene Bauform passt auch in kleine Ohren – dafür machst du beim Sound Kompromisse.

In den Mitten überzeugen vor allem Stimmen. Der Gesang klingt natürlich, die Gitarren behalten ihren Charakter auch dann, wenn sie mit Verzerrer arbeiten. Soll heissen: Ohne schrill zu werden. Auch matschig wird das Ganze nicht. Gesang und Instrumente lassen sich sauber trennen. Wenn in der Musik deiner Wahl Synthesizer eine grosse Rolle spielen, wirst du die feinen Details vielleicht etwas vermissen. Diese gehen etwas verloren. Auch bei den Höhen gibt es einen Sprung. Diese sind feiner und in den oberen Frequenzen besser zu hören als noch bei den AirPods 4. Sie klingen nuancierter. Auch ohne Spatial Audio tut sich ein gewisser räumlicher Effekt auf, der mich irgendwie mitgerissen hat.

Unter dem Strich muss ich dir aber klar sagen: Im direkten Vergleich mit den AirPods Pro 3 ziehen auch die AirPods 5 den Kürzeren, was den Klang anbelangt. Die Details und der Bass sind deutlich stärker. Wenn du also kein Stöpselhasser oder keine Stöpselhasserin bist, lohnt es sich, den Kauf nochmals zu überdenken. Aber: Für die 139 bzw. 119 Franken gehören die AirPods auf jeden Fall zur Spitze der offenen Kopfhörer, egal ob von Apple oder nicht. Bemerkenswert ist vor allem, wie nahe Apple die offene Bauform an die Pro-Linie heranrückt. Die Gründe, trotzdem zum Silikon zu greifen, sind weniger geworden.

ANC bei offener Bauform: vom Marketingmärchen bis zur Umsetzung

Apple verspricht bis zu anderthalbmal mehr Rauschunterdrückung als bei den AirPods 4. Also 50 Prozent mehr blockierter Lärm. Beides wunderbar nichtssagende Angaben. Zumindest, wenn du kein Akustiklabor hast, welches Schalldruckpegelmessungen machen kann. Im Alltag ist es hier wie bei vielen anderen ANC-Kopfhörern auch, unabhängig von der Bauform: Am meisten Lärm schirmen die AirPods bei gleichmässigen Geräuschen ab. Brummt im Büro eine Klimaanlage oder gibt’s gleichmässigen Verkehrslärm auf der Strasse, geben dir die AirPods 5 spürbar Ruhe. Wenn auch nicht auf dem Pro-Niveau.

Eine Schwachstelle bleiben plötzlich auftretende Geräusche. Da hast du einen Delay, der dich die Geräusche hören lässt und erst reagiert, wenn das Geräusch schon wieder vorbei ist. Oder dann Geräusche, die besonders hochfrequent sind. Grundsätzlich machen sie aber auch hier einen Schritt nach vorne. Weiter hörst du in besonders lauter Umgebung auch Stimmen. Dumpfer zwar, aber sie sind noch da. Gerade im öffentlichen Verkehr, wo menschliche Stimmen Nervfaktor Nummer 1 sind, ist das schade.

Das Ganze bringt aber auch Vorteile: So eignen sich die AirPods etwa beim Joggen, damit du weiterhin auf den Verkehr achten oder Geräusche hinter dir wahrnehmen kannst. Das Gleiche gilt fürs Fahrradfahren. Ebenfalls top, fast besser als die Pro-Version, schlagen sich die AirPods 5 beim Telefonieren: Die Mikrofone dämpfen Umgebungslärm gut, dein Gegenüber versteht dich gut. Das ist ein absoluter Selling Point.

Weiterhin etwas knauserig ist Apple beim Akku. Bei eingeschaltetem ANC halten die Buds der günstigeren Version nur gerade vier Stunden durch, fünf Stunden sind es beim teureren Modell. 20 beziehungsweise 22 Stunden sind es mit dem Case. Beim Pro-Modell sind es acht Stunden. Und auch die Konkurrenz bewegt sich da in ganz anderen Sphären.

Das Case brauchst du – denn die Akkuleistung der Buds ist mau.
Das Case brauchst du – denn die Akkuleistung der Buds ist mau.

Fazit

Alles, was du an den AirPods 4 mochtest, aber besser

Die AirPods 5 sind die klare Wahl für Fans offener Bauform, die ein iPhone ihr Eigen nennen. Gegenüber dem Vorgänger verbessern sich Bass, Detailreichtum, Bedienung und ANC. Dazu kommt die Live-Übersetzung. Ich würde dir zur teureren Variante raten. Alleine die Wischgesten für die Lautstärkekontrolle, der etwas bessere Akku und das kabellose Laden machen den Preisunterschied wett. Zumal dieser nur 20 Franken beträgt. Nur wenn dir dein Budget wirklich keinen Spielraum lässt, solltest du den Kauf der günstigeren Hörer erwägen. In Sachen Sound sind die beiden Modelle gleichauf.

Die AirPods Pro 3 bleiben erste Wahl, wenn Klang und ANC deine Prio Nummer 1 sind. Oder, wenn du die Gesundheitsfunktionen wie die Hörhilfe etc. möchtest. Und natürlich, wenn dir die Silikonaufsätze nichts ausmachen.

Ansonsten bekommst du ordentlich was fürs Geld. Insbesondere die «Aufholjagd» bei den Features hat mich angenehm überrascht. Für iPhone-Nutzer mit einer Aversion gegen Silikon ein No-Brainer. Das gilt sogar, wenn du bereits das Vorgängermodell besitzt. Bist du Android-User, verzichtest du hier auf Vieles.

Pro

  • verbesserter Sound
  • verbessertes ANC
  • Live-Übersetzung

Contra

  • Akkulaufzeit noch immer schwach
  • ANC bei Stimmen schwach
Produktbild Apple AirPods 5 - kabelloses Ladecase (ANC, 5 h, Kabellos)
Kopfhörer
Neu
CHF139.–

Apple AirPods 5 - kabelloses Ladecase

ANC, 5 h, Kabellos

Titelbild: Florian Bodoky

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Seit ich herausgefunden habe, wie man bei der ISDN-Card beide Telefonkanäle für eine grössere Bandbreite aktivieren kann, bastle ich an digitalen Netzwerken herum. Seit ich sprechen kann, an analogen. Wahl-Winterthurer mit rotblauem Herzen.


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