Wolken fotografieren: Zur rechten Zeit am rechten Ort
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Wolken fotografieren: Zur rechten Zeit am rechten Ort

David Lee
Zürich, am 19.08.2019
Wolken können nicht nur nettes Beigemüse auf einem Foto sein, sondern auch das Hauptmotiv. Ein paar Tipps und Ideen, wie du zu spannenden Wolkenbildern kommst.

Wolken sind einfach zu fotografieren. Du brauchst keine spezielle Ausrüstung und keine speziellen Einstellungen. Mit dem Smartphone abdrücken reicht oft. Dieses Bild zum Beispiel habe ich mit einem alten, billigen Smartphone – dem Samsung Galaxy A3 – geknipst.

Gute Wolkenfotos gibt es, wenn die Gelegenheit passt. Die erwischst du häufiger, wenn du weisst, was eine gute Gelegenheit ist.

Je mehr Struktur, desto besser

Der Himmel braucht möglichst viel Struktur. Ein wolkenloser oder ein ebenmässig bedeckter Himmel gibt kein interessantes Motiv ab. Gewisse Wolken haben mehr Struktur als andere, wie an diesem Wolkenatlas schön zu erkennen ist. Hier etwas grösser, falls du die Beschriftungen nicht lesen kannst.

Vor dem Gewitter

Wolken mit viel Struktur entstehen oft, wenn das Wetter recht schön ist, aber zu Gewittern neigt. Das ist eine Gewitterwolke vom Typ Cumolonimbus.

Quelle: wikimedia.org/Yukon 1
Quelle: wikimedia.org/Yukon 1

Wie du Gewitter findest, ohne vom Blitz getroffen zu werden, liest du in diesem Beitrag.

Wenn es einschlägt – eine Anleitung zur *Gewitterfotografie**
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Wenn es einschlägt – eine Anleitung zur Gewitterfotografie

Dämmerung, Morgen- und Abendlicht

Auch bei Wolken ist frühmorgens oder abends das Licht besser zum Fotografieren geeignet als über Mittag. Wolkenstrukturen treten deutlicher zutage, wenn das Licht von der Seite kommt. Auf diesem Foto ist der Himmel fast vollständig bedeckt, aber durch das Abendlicht wirkt er trotzdem dramatisch.

Während der Abenddämmerung verwandeln die Wolken ihre Farbe von weiss zu rötlich und dann zu dunkelgrau – dunkler als die wolkenlosen Stellen am Himmel. Da kannst du innert recht kurzer Zeit sehr verschiedene Stimmungen festhalten. Was die Sache aber erst richtig interessant macht: Die tief liegenden Wolken werden früher dunkel als die Wolken der höheren Sphären. Darum siehst du in der Dämmerung bei idealen Verhältnissen das ganze Farbspektrum gleichzeitig.

Geeignete Orte

Natürlich soll möglichst viel Himmel zu sehen sein, daher musst du raus aus der Stadt oder dem Dorf. Weite Ebenen, Seen und Aussichtspunkte sind gut. Berggipfel natürlich auch, solange sie nicht selbst wolkenverhangen sind.

Keine Regel ohne Ausnahme: Glas-Hochhäuser können Wolken schön spiegeln. Aber auch an Pfützen solltest du nicht achtlos vorbei gehen.

Bearbeitung: RAW wirkt Wunder

Fotografiere wenn möglich immer im RAW-Format. Du holst damit in der Nachbearbeitung sehr viel mehr heraus. Selbst ein eintöniges Grau in Grau erwacht mit der RAW-Bearbeitung zu neuem Leben. In Lightroom ist der Regler «Dunst entfernen» ein guter Anfang, er zeigt das Potenzial eines Fotos auf.

Mit den einzelnen Farbkanälen und dem Weissabgleich kannst du aus ein- und demselben Foto sehr unterschiedliche Stimmungen erzeugen.

Hier ein RAW-Foto von Milano mit neutralen Grundeinstellungen.

Stelle ich den Weissabgleich auf kühle Farben und dunkle die Blautöne ab, kommt so etwas heraus.

Ich kann aber auch die warmen Farben betonen, die in den RAW-Informationen ebenfalls vorhanden sind. Dazu erhöhe ich die Sättigung der entsprechenden Farbkanäle.

Schon unterfordert? Dann probier diese Ideen aus

Du kannst Wolken sehr einfach fotografieren, aber mit fortgeschrittenen Techniken noch mehr erreichen. Nach den ersten Gehversuchen kannst du es zum Beispiel mit Langzeitaufnahmen versuchen. Bei starkem Wind und schnell vorbeiziehenden Wolken bieten sich auch Zeitraffer-Videos an. Dabei werden in kurzen Intervallen Fotos gemacht und diese anschliessend automatisch zu einem Video zusammengesetzt. Fortgeschrittene Landschaftsfotografen arbeiten oft mit Grauverlaufsfiltern, um die hohen Kontraste auszugleichen. Belichtungsreihen erfüllen den gleichen Zweck. So schnell wird es dir auch nur mit Wolken nicht langweilig.

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David Lee
David Lee
Senior Editor, Zürich
Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.

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