Withings Steel HR: Das Schulterzucken am Handgelenk

Withings Steel HR: Das Schulterzucken am Handgelenk

Vivenne Sommer
Calgary, am 29.03.2019

Die Withings Steel HR ist ein Hybrid aus Mechanik und Technik. Ist es Withings gelungen eine erfolgsbringende Erfindung auf den Markt zu bringen? Die Steel HR Sport verspricht genau das, aber konnte sie überzeugen? Die Antwort: Eigentlich nicht, nein.

Mein Leben in Kanada dreht sich hauptsächlich um zwei Aktivitäten, Schule und Sport, weshalb ich im Besitz von zwei Uhren bin. Eine gewöhnliche Uhr die ausser die Zeit angeben und gut aussehen nichts anderes tut und eine Sportuhr, die ich hauptsächlich für meine Trainings nutze.

Wahrscheinlich denkst du dir jetzt, dass zwei Uhren weder praktisch noch nötig sind. Den selben Gedanken brachte Withings wohl auf die Idee, die Steel HR Sport auf den Markt zu bringen. Die Uhr wird auf der Website von Withings als «Multi-Sport Hybrid Smartwatch» beschrieben. Was erwartet dich bei so einem Namen, wo du dich schon ohne das eigentliche Produkt überfordert fühlst?

Tatsächlich wird die Steel HR Sport ihrer komplizierten Beschreibung nicht ganz gerecht. Einfach gesagt ist sie eine gewöhnliche Alltagsuhr, die durch ihre zusätzlich eingebaute Elektronik für sportliche Aktivitäten genutzt werden kann.

Mit einer gewöhnlicher Uhr meine ich nichts anderes als ein Ziffernblatt mit einem Stunden- und Minuten-, allenfalls noch einem Sekundenzeiger. Da die Steel HR als gewöhnliche Uhr, mit Sport Tracker ausgestattet, bezeichnet werden kann, erhoffe ich mir eine einfache Bedienung mit einem vernünftigen Gemisch aus Gewöhnlich und Elektronik. Hybrid halt.

Weniger ist nicht Mehr

Die Multisport Hybrid Smartwatch in der Hand vermittelt dir einen simplen Ersteindruck. Das Design hat noch Verbesserungspotential. Anfangs empfand ich die Uhr als klobig und kahl. Retter der Designlücke ist die angenehme Tragweise durch das Silikonarmband. Die Uhr hat ein grosses Ziffernblatt mit zwei weiteren, kleineren darin verbaut. Das untere zeigt die täglich erreichte Aktivität an. Das obere OLED-Display ist das Herzstück der Elektronik. Das Display bedienst du mit dem einzigen Knopf am rechten Rand.

Die Withings Steel HR (Mitte) im Vergleich mit einer analogen Uhr (links) und einer Smartwatch
Die Withings Steel HR (Mitte) im Vergleich mit einer analogen Uhr (links) und einer Smartwatch
Vivienne Sommer

Auf der Rückseite ist der Herzfrequenzsensor. Die Messungen im Ruhezustand sind gut, für den Sport kannst du aber keinen externen Brustgurt verbinden. Finde ich immer noch schade: Der Brustgurt zur Sportuhr, für mich ein Muss.

Zu viel «Smart»

Heutzutage findet man bei vielen Produktbeschreibungen das englische Wort «smart». Mit diesem Wort habe ich nach wie vor so meine Probleme, bin aber nicht die einzige. Im Jahr 2016 verstand Nokia den Kauf des Unternehmen Withings für 191 Millionen Dollar als smart. Knappe zwei Jahre und Millionen Dollar Verluste später war die Idee doch nicht so schlau, Withings geht zurück an den ursprünglichen Gründer... für nicht ganz so viel Geld.

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Zwar wirst du wie ich eine vage Vorstellung davon haben, was eine Smartwatch oder ein Smart-TV ist, genau definieren können wir das aber beide nicht. In einem Punkt sind wir uns jedoch einig. Eine Smartwatch lässt sich meistens durch eine App mit deinem Smartphone verbinden. So ist das auch bei der Multisport Hybrid Smartwatch, wobei hier mein Hauptkritikpunkt liegt.

Zu smart? Die Withings Steel HR sieht zwar analog aus, hat aber keinerlei offensichtliche analoge Funktion
Zu smart? Die Withings Steel HR sieht zwar analog aus, hat aber keinerlei offensichtliche analoge Funktion
Vivienne Sommer

Ohne die App hast du deine 200 Franken aus dem Fenster geworfen. Keine Verbindung zur App bedeutet eine quasi funktionsunfähige Uhr. Grosse Probleme und Zeitaufwand gab es bei mir beim Koppeln der App mit der Uhr, obwohl mein Phone die Bluetooth-Signal der Steel HR Sport empfangen hat. Ohne die App konnte ich nicht mal die analog angezeigte Zeit einstellen. Ist die Steel HR Sport also gar kein hybrid aus normal und digital? Kann ich es ernsthaft nicht erwarten, dass ich zumindest die Zeit manuell richtig stellen kann? Der normale Alltagsuhr-Look scheint mir ein Fake der offensichtlich nur aus Elektronik bestehenden Uhr.

Solide langweilig

Obwohl das Koppeln der Uhr mit dem App nicht einwandfrei geklappt hat, ist der Rest erfrischend einfach. Nach der Installation gibt dir die App ein kurzes Briefing über die Nutzungsmöglichkeiten und Bedienung der Steel HR. Der digitale Bildschirm hat sechs Fenster:

  • Datum und Uhrzeit
  • aktuelle Herzfrequenz
  • zurückgelegte Schritte
  • zurückgelegte Meter
  • Wecker
  • Akku in Prozent

Hier kommt das Seitenknöfchen ins Spiel. Einmal drücken, einmal Seite wechseln. Bei längerem Drücken kannst du eine Sportart auswählen und die Zeitmessung starten.

Das einfache Handling der Uhr ist sehr angenehm, lange Bedienungsanleitungen brauchst du nicht zu lesen. Hier ist jedoch Schluss, denn interessanter wird die Steel HR nicht.

Die Multisport Hybrid Smartwatch kann nichts was andere Smartwatches nicht auch schon können. Für den ausgeglichenen Normal-Elektronik-Hybrid ist die Uhr zu sehr von der Elektronik abhängig – für eine Sportuhr kann sie zu wenig, weswegen sie wirklich nur für hobbymässige Hobbysportler geeignet ist.

Mein Fazit: Die Steel HR Sport ist robust und einfach zu bedienen, der Wow-Effekt bleibt jedoch aus, da das Hauptkonzept von Normal-und Sportuhr in diesem Fall nicht funktioniert.

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Vivenne Sommer
Schülerin

Schiessen und Langlauf sind meine Welt. Ich bin Biathletin im Auslandsjahr in Kanada und schreibe über dieses Erlebnis.


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