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Wie «The Legend of Zelda» mein Leben verändert hat

«The Legend of Zelda» wird 40. Zum Jubiläum blicke ich zurück auf vier Games, die mich ganz besonders geprägt haben.

Das erste «The Legend of Zelda» erschien am 21. Februar 1986 in Japan. Mit dem Release des ikonischen Action-Adventures hat Nintendo Geschichte geschrieben und die Gaming-Landschaft geprägt.

In diesem Beitrag soll es aber nicht um den Einfluss der Spielreihe auf die Industrie als Ganzes gehen. Stattdessen nehme ich dich mit auf eine nostalgische Reise zu vier Games, mit denen der tapfere Link mein Leben für immer verändert hat.

1) Ich gehe fremd mit «Wind Waker»

Meine Gaming-Karriere startet mit dem Game Boy meiner Schwester. Irgendwann kommt eine eigene Playstation als stationäre Konsole hinzu. Ich bin viele Jahre zufrieden mit dieser Sony-Nintendo-Kombination.

Mein Neunziger-Jahre-Dream-Team.
Mein Neunziger-Jahre-Dream-Team.

Als es darum geht, den Sprung in die nächste Konsolengeneration zu wagen, habe ich die Qual der Wahl. Bleibe ich weiterhin der Playstation treu und greife zur PS2? Oder gebe ich Nintendo auch im stationären Konsolenbereich eine Chance und entscheide mich für den Gamecube? Beide Konsolen zu kaufen, kommt nicht infrage, meinen meine Eltern.

Ich hadere mit der Entscheidung. Doch dann entdecke ich in einem Spielzeugladen eine Spezialedition von Nintendos Würfel-Konsole. Ein Bundle mit «The Legend of Zelda: The Wind Waker». Es ist Liebe auf den ersten Blick. Ich habe zuvor zwar noch nie ein «Zelda»-Spiel gezockt, die Verpackung zieht mich trotzdem magisch an.

Könntest du hier widerstehen?
Könntest du hier widerstehen?

Ich schaue mir die Screenshots auf der Rückseite an. Das sieht fantastisch aus. So bunt, süss und gleichzeitig episch. Ich lese die Beschreibung zum Spiel und mein Puls schiesst vor Aufregung in die Höhe:

«Ein Ozean voller Träume, Hoffnungen und versunkener Schätze... ein Junge, der das grösste Abenteuer seines Lebens bestreitet... eine geheimnisvolle Piratenkapitänin und eine Welt erfüllt mit Magie und Wundern.»

Ich habe noch nie eine so epische Spielbeschreibung gelesen. Meine Kinderhände (ich bin damals zwölf Jahre alt) zittern vor Aufregung. Ich lese weiter und entdecke, dass eine Bonus-Disc im Paket enthalten ist. Auf dieser befinden sich der N64-Klassiker «Ocarina of Time» sowie eine bisher unveröffentlichte, schwierigere «Master Quest»-Version des Spiels. Wie aufregend!

Bisher gar nicht aufgefallen ist mir, dass der Gamecube in diesem Bundle silbern und nicht wie sonst lila ist. Mein kleines Kinderhirn kann das Ausmass der Coolness dieses Bundles nicht prozessieren. Mir wird klar: Scheiss auf Playstation, ich muss den limitierten «Zelda»-Gamecube haben.

Mein Lieblingsbundle aller Zeiten. Ich liebe dich.
Mein Lieblingsbundle aller Zeiten. Ich liebe dich.

Meine Erwartungen an «Wind Waker» werden erfüllt. Es ist zu diesem Zeitpunkt das beste Game, das ich je gespielt habe. Nichts, was ich in der vorangegangenen Playstation-Generation gesehen habe, kommt auch nur annähernd an das neue «Zelda» ran.

Die Erinnerungen aus diesem epischen Abenteuer brennen sich für immer in mein Gamer-Hirn ein und der Gamecube legt den Grundstein für meine Nintendo-Nerd-Karriere.

Besonders das Erkunden des Ozeans faszinierte mich.
Besonders das Erkunden des Ozeans faszinierte mich.
Quelle: Nintendo

2) Fuchteln mit «Twilight Princess»

Seitdem ich den Gamecube habe, bin ich viel tiefer in der Gaming-Welt als zuvor. Ich lese Zeitschriften (Shoutout an «N-Zone»), diskutiere in Gaming-Foren und informiere mich über Events wie die E3. Damals noch etwas umständlicher ohne Youtube und Livestreams.

Einen besonders grossen Eindruck hinterlässt Nintendos E3-Auftritt 2004. An der Pressekonferenz überlässt Nintendo dem legendären Reggie Fils-Aime die Bühne («Kicking Ass and taking Names»), präsentiert erstmals den Nintendo DS und stellt haufenweise geile Games vor. Darunter auch «The Legend of Zelda: Twilight Princess».

Die Ankündigung am Ende der Veranstaltung gilt bis heute als einer der besten Momente in der Geschichte der E3. Sie startet mit den Worten:

«But before you leave, I'd like you to step inside one more world for Nintendo Gamecube.»

Epische Musik, schnelle Schnitte, lauter Jubel aus dem Publikum. Und dann kommt auch noch der Schöpfer der Reihe, Shigeru Miyamoto, mit Schwert und Schild auf die Bühne. Es ist das erste Mal, dass ich so richtig krass für ein Spiel gehyped bin.

Ja, auch früher habe ich mich auf neue Games gefreut. Aber dieser prägende Moment ist etwas Besonderes.

Zur Enthüllung hat das Game noch keinen Namen.
Zur Enthüllung hat das Game noch keinen Namen.
Quelle: Nintendo

Als wäre das nicht genug, schürt Nintendo meine Vorfreude parallel mit Teasern zu neuer Hardware. Der Gamecube-Nachfolger soll nichts Geringeres als eine «Revolution» (so der offizielle Projektname) für die Gaming-Welt werden. Wie sich später herausstellt, besteht diese Revolution aus einer innovativen Bewegungssteuerung, einem ungewöhnlichen Controller und dem merkwürdigen Namen «Wii».

An der E3 2006 kommen meine beiden meistgehypten Gaming-Themen schliesslich zusammen. Nintendo kündigt an, dass das neue «Zelda» nicht nur auf dem Gamecube, sondern auch auf der Wii erscheint. Mit Bewegungssteuerung!

Mein Teenager-Herz explodiert vor Vorfreude.

Ich habe schlaflose Nächte, weil ich mich so auf das neue «Zelda» freue.
Ich habe schlaflose Nächte, weil ich mich so auf das neue «Zelda» freue.
Quelle: Nintendo

Ich kann mich noch genau erinnern, als ich das erste Mal «The Legend of Zelda: Twilight Princess» in einer kalten Dezembernacht auf der Wii startete. Nach all den Jahren voller Vorfreude endlich die Wii-Fernbedienung in die zittrige Hand nehmen und das Schwert schwingen, als wäre ich selbst Link, ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Aus heutiger Sicht ist die Fuchtelsteuerung unspektakulär. Damals war es pure Magie, die mich abends nicht schlafen und morgens früher aufwachen liess. Ein weiterer prägender Moment in meinem Gamer-Leben.

3) Ein Blick in die Zukunft mit «Breath of the Wild»

Während andere Menschen mit zunehmendem Alter immer weniger zocken, ist bei mir das Gegenteil der Fall. Ich entdecke immer mehr spannende Genres und Spielreihen, die mich begeistern. Je älter ich werde, desto mehr wächst der Wunsch, vielleicht auch beruflich in diesem Themengebiet tätig zu sein. Mit Betonung auf «vielleicht». Denn ich habe keine Ahnung, wie ich das anstellen soll.

Also denke ich mir: «Einfach mal machen» und starte 2016 einen Youtube-Kanal, auf dem ich Games teste – damals noch auf Englisch. Ich spiele mich kreuz und quer durch die Gaming-Landschaft. «Watch Dogs 2» muss daran glauben, ebenso wie das obskure VR-Game «Robinson: The Journey» und «The Last Guardian».

So richtig zufrieden bin ich nicht. Mit meinen Videos bin ich immer viel zu spät dran, weil ich als Nobody natürlich keinen Pre-Release-Zugang erhalte. Views sind kaum vorhanden. Auch qualitativ machen mich die Reviews noch nicht glücklich.

«The Legend of Zelda: Breath of the Wild» motiviert mich, alles zu geben.
«The Legend of Zelda: Breath of the Wild» motiviert mich, alles zu geben.

Und dann kommt der Launch der Switch im März 2017. Nintendos neue Konsole startet mit einem frischen «Zelda»-Teil: «Breath of the Wild». Das motiviert mich, weil mir die Reihe so viel bedeutet. Ich will alles geben. Mein Ziel: So schnell wie möglich mit der besten Review zum Spiel rausgehen. Ich möchte mir beweisen, dass ich das kann.

Das Game wirft alles auf den Kopf, was ich über Open-World-Games wusste. Durch seine komplett offene Spielstruktur überrascht und begeistert mich «Breath of the Wild» wie kein anderes zuvor. Es ist einer dieser Momente, in denen ich mich neu in das Medium Games verliebe. Ich will der Wichtigkeit dieses Games gerecht werden und ein Hammer-Video veröffentlichen.

«Breath of the Wild» hat mich extrem begeistert.
«Breath of the Wild» hat mich extrem begeistert.

Während der ersten vier Wochen verbringe ich mehr als hundert Stunden in Hyrule. Meine geschriebene Analyse ist so ausführlich, dass die Video-Review über 13 Minuten lang wird. Dementsprechend aufwendig gestalten sich das Aufnehmen des Voiceovers und der Schnitt. Es ist frustrierend. Schlaflose Nächte, Premiere-Pro-Abstürze und Selbstzweifel plagen mich. Aber ich gebe nicht auf.

Die Tränen und der Aufwand lohnen sich. Mit dem Endprodukt bin ich erstmals zufrieden... fast schon stolz. Ich schicke es sogar an Freunde und Familie und erhalte wundervolles Feedback.

Dass auch dieses Video kaum geklickt wird, stört mich nicht mehr. Die Review weckt in mir die Entschlossenheit, dass ich mein Lieblingshobby Gaming zum Beruf machen will. Koste es, was es wolle.

Für diese Erkenntnis werde ich «Breath of the Wild» ewig dankbar sein.

4) Mit «Tears of the Kingdom» bin ich angekommen

In der Zeit nach «Breath of the Wild» fasse ich schrittweise immer mehr Fuss in der Gaming-Welt. Ich produziere Content für die E-Sports-Veranstaltung «Hero League» und schreibe erste Artikel und Tests, die tatsächlich auf einem echten News-Portal veröffentlicht werden. Wahnsinn! Nebenbei arbeite ich fleissig an meinem eigenen Video-Content weiter.

2022 schreibt Digitec Galaxus meinen Traumjob aus. Gesucht wird ein Games-Redaktor. Ich werde vor Aufregung fast ohnmächtig und bewerbe mich. Spoiler: Ich bekomme den Job. Logisch, denn sonst würde ich diese Zeilen jetzt nicht tippen und du würdest sie hier nicht lesen.

Und wieder spielt Link eine wichtige Rolle in meiner Laufbahn.
Und wieder spielt Link eine wichtige Rolle in meiner Laufbahn.
Quelle: Nintendo

Ein entscheidender Moment in meinen Anfangstagen ist die Veröffentlichung von «The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom» (2023). Nicht nur, weil ich wieder einmal unfassbar gehypt auf den Release bin. Sondern auch, weil wir als Redaktion zum ersten Mal die Möglichkeit bekommen, ein Nintendo-Spiel vorab zu testen. Ein wichtiger Meilenstein, um der Gaming-Welt zu beweisen, dass wir ein ernstzunehmendes Medium sind. Eine Chance, zu zeigen, dass wir dazugehören. Dass ich dazugehöre. Also gebe ich wieder alles.

Ich denke zurück an die Veröffentlichung von «Breath of the Wild» und an die Energie, die mich damals angetrieben hat. Und noch weiter zurück: an den Moment, als ich das «Zelda»-Gamecube-Bundle im Laden entdeckte. Wie würde der kleine Domagoj reagieren, wenn ich ihm erzählte, dass ich das neue «Zelda» vor Release testen darf? Und was würde mein 2004-Ich sagen, das nach dem E3-«Zelda»-Trailer so gehyped war wie nie zuvor?

Ich denke mit Freude zurück an die intensive Review-Zeit.
Ich denke mit Freude zurück an die intensive Review-Zeit.

Ich nehme mir wieder vor, meine ganze Energie in diesen Test zu stecken und diese einmalige Chance zu nutzen. Auch bei «Tears of the Kingdom» investiere ich über hundert Stunden in das Game – jedoch in einem Zeitraum von weniger als zwei Wochen. Schliesslich will ich rechtzeitig zum Embargo-Ende mit dem Test fertig sein. So intensiv habe ich noch nie ein Game gezockt. Ich lebe «Tears of the Kingdom» in jeder freien Minute, sogar im Schlaf.

Irgendwo zwischen Euphorie und Wahnsinn schreibe ich einen Test, dessen Länge mindestens so episch ist wie die des Spiels. Und dann ist da noch eine Video-Review, in die ich mein gesamtes Herzblut stecke. Beim Schnitt denke ich an meine ersten Review-Gehversuche und daran, wie weit ich gekommen bin.

«Breath of the Wild» hat mir klargemacht, was ich will: Gaming zum Beruf machen. Der intensive Review-Prozess zu «Tears of the Kingdom» hat mir bestätigt, dass ich endlich angekommen bin.

Danke, «The Legend of Zelda», für die vielen Jahre voller Abenteuer. Und dafür, dass du in mir die Leidenschaft für dieses wundervolle Medium immer wieder neu entfacht hast. Ohne dich wäre ich heute nicht da, wo ich bin.

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Meine Liebe zu Videospielen wurde im zarten Alter von fünf Jahren mit dem ersten Gameboy geweckt und ist im Laufe der Jahre sprunghaft gewachsen.


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