Wie schädlich ist blaues Licht?
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Wie schädlich ist blaues Licht?

Kevin Hofer
Zürich, am 08.11.2021

Blaulichtfilter sind heute bei vielen Monitoren Standard. Hersteller werben damit, dass die Filter vor dem schädlichen Licht schützen. Dabei scheint blaues Licht von Displays gar nicht schädlich zu sein.

Blaues Licht hat einen schlechten Ruf. Das machen sich Hersteller zunutze und sprechen negative Effekte des blauen Lichtes an. So ist in der Produktebeschreibung des Dell P2422H zu lesen:

Nicht nur unangenehm, sondern sogar schädlich ist kurzwelliges, blaues Licht, welches einen ähnlichen Effekt auf die Netzhaut hat wie UV-Strahlung.

Selbstverständlich verfügt der Monitor über eine entsprechende Technologie, die den Anteil an blauem Licht herausfiltern soll. Wieso blaues Licht schädlich sein soll, schreiben die Hersteller jedoch nicht.

Natürlich

Unter Wissenschaftlern herrscht Uneinigkeit, wie und ob blaues Licht schädlich sein soll. So machen manche es für Schäden auf zellularer Ebene an der Retina verantwortlich. Es gibt auch Wissenschaftler, die der Überzeugung sind, dass sie einen Beitrag zur Entstehung der altersbedingten Makuladegeneration beisteuern, eine Form der Netzhautdegeneration.

Der Clou an der Sache: Blaues Licht nehmen wir nicht in erster Linie vor dem Bildschirm auf. Es gehört zum sichtbaren Teil des elektromagnetischen Spektrums. Es kommt also auch unter freiem Himmel oder bei künstlichem Licht vor.

Professor em. Dr. rer. nat. Michael Bach vom Universitätsklinikum Freiburg meint: «Die Lichtstärke bei der Nutzung elektronischer Geräte ist viel zu gering, um Netzhautschäden an den Augen hervorzurufen.» Zum Vergleich: Bei bedecktem Winterhimmel beträgt die Beleuchtungsstärke in Mitteleuropa etwa 5000 Lux, im Sommer bis zu 100 000 Lux. Ein heller Bildschirm bleibt auf 50 Zentimeter Sitzabstand unter 500 Lux. Bach sagt denn auch, dass Blaulicht-Augenschäden durch stundenlanges vor dem Bildschirm sitzen nicht zu befürchten sind.

Gibt es Positives an blauem Licht?

Blaues Licht steuert unsere innere Uhr. Es vitalisiert, hält wach und unterdrückt die Ausschüttung von Melatonin – ein Schlafhormon. Das ist einerseits positiv, kann zu später Abendstunde aber auch negativ sein: Wenn wir am Abend viel blauem Licht ausgesetzt sind, kann das die innere Uhr stören und zu Schlafstörungen führen. Die wiederum sind schädlich für unsere Gesundheit. Denn Erholung ist wichtig. Ist die innere Uhr erst aus dem Gleichgewicht, kann das also gesundheitliche Folgen haben. Hier können Blaulichtfilter tatsächlich helfen, dass wir uns am Abend nicht unabsichtlich aufputschen.

Fazit: Blaues Licht ist nicht «böse»

Während die allgemeine Forschung zum blauen Licht von draussen noch uneins ist, ist sie sich zumindest in Bezug aufs künstliche blaue Licht von Displays und Lampen sicher: Nach aktuellem Forschungsstand sollte es für die Augen nicht schädlich sein. Die Filter bei Bildschirmen helfen also nicht dabei, deine Augen zu schützen.

Blaulichtfilter können aber unserer inneren Uhr helfen. Denn blaues Licht putscht auf. Am Abend sind sie deshalb durchaus sinnvoll, damit wir zur Ruhe kommen und einen gesunden Schlaf haben.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer

Editor, Zürich

Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.

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