«WandaVision», Staffel 1: «Episode 3: Jetzt in Farbe»

«WandaVision», Staffel 1: «Episode 3: Jetzt in Farbe»

Luca Fontana
Zürich, am 25.01.2021
Folge drei ist da. Sie beantwortet Fragen, stellt aber auch ganz viele Neue. Vor allem aber tut sie eines: Versprechen, dass da Grosses aufs Marvel Cinematic Universe zukommt.

Eines vorweg: Das ist eine Folgenbesprechung. Mit Spoilern! Schau dir also zuerst die dritte Episode von «WandaVision» an, bevor du weiterliest.


Ich gebe zu: Das Konzept von «WandaVision» hat bei mir erst beim zweiten Schauen, ohne den Faktor Erwartungshaltung, so richtig gezündet. Sicher, die Trailer hatten sowas in der Richtung schon angedeutet. Ich wusste nur nie, was «sowas in der Richtung» genau sein soll. Eine Superhelden-Seifenoper? Etwas, das mit nichts vergleichbar ist, was das Marvel Cinematic Universe (MCU) je zu bieten hatte?

Ja, gut. Tönt ja super. Aber was heisst das jetzt?

Erste Antworten gab die Serien-Premiere, eine tatsächlich unfassbar naive 1950er/1960er-Sitcom, Konserven-Lacher und unschuldiger Humor, der tatsächlich öfters lustig ist als nicht, inbegriffen. Mittendrin Wanda und Vision. Ungewöhnlich. Und dann diese Szenen, wie aus dem Nichts kommend, die das Sitcom-Konzept komplett durchbrechen; ich höre die arme Mrs. Hart jetzt noch, wie sie mit gequälter Fratze «Stop it! Stop it! Stop it!» ruft – und drei Sekunden später ist alles wieder super und niemand redet mehr darüber, was zur Hölle da gerade vorgefallen ist.

Gänsehaut.

Okay, genug darüber. Wenden wir uns der neuen Folge zu. Ist sie noch genauso konfus, irrwitzig und spannend? Klären wir das anhand der besten WTF-Momente und Easter Eggs von Folge 3.

Die 1970er Sitcoms – und endlich etwas Plot

Farbe kommt ins Spiel. Und ein neues Serien-Intro. Das düdelt irgendwas von wegen wie toll sich Wanda und Vision lieben, obwohl die Zukunft total unsicher ist, und Schwierigkeiten und so, aber tüdelü wir lieben uns ach wie herzig, toll und Kitsch.

Dann der erste Shot: Eine Aussenaufnahme des Hauses, dem Ort des Geschehens, die abgespeckte Intro-Musik im Hintergrund. «WandaVision» und ihr Sitcom-Konzept at it’s finest.

Schöne Welt, diese da.
Schöne Welt, diese da.
Disney+

Ich liebe dieses Spiel mit dem Konzept. Aber in Episode 3, «Now in Color», kommt nun endlich etwas Plot dazu: Die Sitcom-Realität droht, auseinander zu brechen – brechen, nicht bloss bröckeln. Das fängt mit Visions zunächst harmlosem Shakespeare-Zitat an, als noch alles super zu sein scheint:

«All the world’s a stage. All the men and women merely players». Zu deutsch: Die ganze Welt ist eine Bühne, und alle Männer und Frauen blosse Spieler. Er will das Kind nämlich Billy nennen, nach William Shakespeare. Wanda hingegen ist für Tommy. Ein «schöner, klassischer amerikanischer Name». Wichtige Namen, übrigens. Merk sie dir.

Apropos.

Wandas Schwangerschaft: Ein Fingerzeig in Richtung Mephisto?

Wanda ist schwanger. Geworden. Über Nacht. Und ihre Schwangerschaft schreitet im Minutentakt von Trimester zu Trimester. Wortwörtlich. Bis zur Geburt von Zwillingen. Normale Sache, für sie zumindest. Nicht für Vision. Der ist aus dem Häuschen. Ungewöhnlich für den ansonst eher gefühlskalten Androiden. Der verhält sich schon seit Episode 1 überhaupt nicht wie derjenige Vision, den wir aus den «Avengers»-Filmen kennen.

Comic-Kennern ist die Speed-Schwangerschaft nicht neu – auch dort hat Wanda Zwillinge mit Vision, die Kraft ihrer Gedanken erschaffen wurden: Tommy und Billy. Da, schon wieder die Namen. Aber: Wanda hat bei der Erschaffung der Zwillinge versehentlich Fragmente von Mephistos Seele verwendet.

Wait. Wer zum Teufel ist Mephisto?

Mephisto in all seiner Glorie.
Mephisto in all seiner Glorie.
Marvel

In den Marvel-Comics ist Mephisto eines der gefährlichsten, unsterblichen dämonischen Wesen überhaupt. Vielleicht gar der Teufel selbst. Schliesslich herrscht er über eine Dimension, die manch einer als die biblische Hölle selbst bezeichnen würde. Und: Mephisto ist ein hervorragender Lügner, ständig um Seelen schachernd – so schuf er etwa den Ghost Rider – und mächtig genug, die Vergangenheit und Gegenwart nach seinem Willen zu formen.

Haben wir da den Bösewicht der Serie?

Überraschend wäre das nicht. In den Comics ist es auch Mephisto, der später die fragmentierten Teile seiner Seele wieder absorbiert und damit die Existenz Tommys und Billys komplett auslöscht. Ein tragischer Vorfall, der Wanda in den Wahnsinn treibt. Mephisto, der gerissene Dämon, nutzt die Situation aus: Er ermutigt Wanda, eine neue Realität zu erschaffen, in der die Zwillinge noch leben.

Was, wenn wir in «WandaVision» genau diese Realität erleben? Andeutungen gab’s schon in der allerersten Episode. Weisst du noch, die Weinflasche mit dem «Maison du Mépris»-Etikett? Auf englisch übersetzt könnte man das lose mit «House of M» abkürzen.

Die Flasche des Verderbens?
Die Flasche des Verderbens?
Disney+

Für das Marvel Cinematic Universe hätte das kolossale Folgen: «House of M» beschreibt in den Comics jenes Event, das folgt, nachdem Mephisto Wanda erfolgreich manipuliert hat. Kurz: Eine vor Kummer verrückt gewordene Wanda verändert das gesamte Gefüge der Realität so, dass ihre Kinder wieder zum Leben erweckt werden – mit verheerenden Auswirkungen auf die Realität aller Lebewesen auf der Erde.

Das Event dezimierte die Mutanten-Population von Tausenden auf 198.

Ob die Serie tatsächlich so weit gehen wird?
Ob die Serie tatsächlich so weit gehen wird?
Disney+

Erwartet uns in «WandaVision» die gleiche Story? Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie Serie zumindest eine ähnliche Richtung einschlagen wird. Vor allem, da wir wissen, dass Disney neuerdings die Rechte an den X-Men besitzt, der nächste «Doctor Strange»-Film «Doctor Strange and the Multiverse of Madness» heissen wird und Wanda eine wichtige Rolle darin spielen soll.

Géraldine – oder besser: Monica Rambeau

Dass wir uns in einer alternativen Realitäts-Blase befinden, wird spätestens zum Ende der dritten Episode klar. Die Ereignisse: Géraldine, gespielt von Teyonah Parris, hilft Wanda, die Zwillinge Tommy und Billy zur Welt zu bringen. Dann erzählt Wanda, sie sei selbst ein Zwilling, und erwähnt dabei ihren Bruder Pietro.

Ein denkwürdiger Moment: Es ist das erste Mal seit «Avengers: Age of Ultron», dass Pietro wieder Erwähnung findet.

Pietro. Der Name. Er scheint bei Géraldine was auszulösen. Sie erinnert sich daran, dass Pietro von Ultron getötet worden ist. Das bringt Wanda aus dem Konzept. Vermutlich, weil kaum jemand ausserhalb der Avengers davon wissen dürfte. Oder zumindest niemand in Westville, Wandas Sitcom-Realität.

Die Bewohner Westvilles scheinen tatsächlich längst zu wissen, dass sie da, wo sie sind, nicht hingehören. Sätze wie «du weisst ja, wie schwierig es ist, aus dieser Stadt zu kommen» oder «es geschehen merkwürdige Dinge» fallen. Und: Die Bewohner verraten dem immer noch etwas verwirrten Vision, dass Géraldine da sei, um zu helfen.

Aber gerade, als Vision ins Haus eilt, um nach Géraldine und Wanda zu sehen, erfahren wir, dass Géraldine «dringend nach Hause» musste, so Wanda.

Géraldines Kette und da, schon wieder, das Schwert-Logo aus den ersten beiden Episoden.
Géraldines Kette und da, schon wieder, das Schwert-Logo aus den ersten beiden Episoden.
Disney+

«Nach Hause» ist untertrieben: Géraldine wird von Wanda rücklings aus der Sitcom-Realität geschleudert. Das Bildformat ändert von 4:3 auf 21:9. Wir sind wieder in der echten Welt. Da, wo Wandas Realitätskonstrukt von S.W.O.R.D. belagert wird, offenbar einer militärischen Organisation. Die Abkürzung steht für Sentient World Observation and Response Department. In den Comics ist S.W.O.R.D. eine Unterabteilung von S.H.I.E.L.D., die weitestgehend autonom agiert und sich mit ausserirdischen Bedrohungen befasst.

Ausserirdischen Bedrohungen. Géraldine hatte schon mit ihnen zu tun. Als Kind. In «Captain Marvel». Géraldine ist nämlich niemand anderes als Monica Rambeau. Das wissen wir, weil Schauspielrin Teyonah Parris schon vor Monaten offiziell als Rambeau gecastet worden ist und niemand ein Geheimnis daraus macht.

Monica Rambeau, rechts im Bild, gespielt von Akira Akbar
Monica Rambeau, rechts im Bild, gespielt von Akira Akbar
Disney+

In den Comics verfügt Rambeau über ähnliche Fähigkeiten wie Carol Danvers aka Captain Marvel. Im Film hingegen nicht. Zumindest nicht als Kind. Wie’s in «WandaVision» aussieht, ist noch unklar.

Die Realitätsblase jedenfalls scheint S.W.O.R.D. Sorgen zu bereiten. Ähnlich wie in «House of M» droht Wandas Realitätskonstrukt Auswirkungen ungeahnten Ausmasses auf den Rest der Menschheit zu haben. Das muss verhindert werden.

Wohl mit Hilfe Monica Rambeaus.

Fazit

Wir kommen dem Kern der Serie schon etwas näher. Das Konzept der Sitcom-Serie vergangener Jahrzehnte wird mehr und mehr aufgebrochen. Nicht nur inhaltlich. Auch visuell. Gut so. Das Konzept an sich ist ja super, kann aber nicht ewig herhalten. Es wird Zeit, rauszufinden, warum wir uns «WandaVision» überhaupt angucken.

Eins ist sicher: Das Warum wird gross. Nichts anderes versprechen die ganzen «House of M»-Andeutungen.


Wie hat euch die Folge gefallen? Gibt’s noch Easter Eggs, die mir entgangen sind? Schreibt’s in die Kommentare. Nächsten Freitag machen wir mit der Folgenbesprechung weiter.

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Luca Fontana
Luca Fontana
Editor, Zürich
Abenteuer in der Natur zu erleben und mit Sport an meine Grenzen zu gehen, bis der eigene Puls zum Beat wird — das ist meine Komfortzone. Zum Ausgleich geniesse ich auch die ruhigen Momente mit einem guten Buch über gefährliche Intrigen und finstere Königsmörder. Manchmal schwärme ich für Filmmusik, minutenlang. Hängt wohl mit meiner ausgeprägten Leidenschaft fürs Kino zusammen. Was ich immer schon sagen wollte: «Ich bin Groot.»

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