Vorschau: Was taugt die Nintendo Switch und wie stehen die Chancen gegen PS4 und Co.
Review

Vorschau: Was taugt die Nintendo Switch und wie stehen die Chancen gegen PS4 und Co.

Philipp Rüegg
Zürich, am 01.02.2017
Bringt der Nintendo Switch für die japanische Kult-Spieleschmiede die erhoffte Wendung? Unter den ersten Auserwählten, die das Gerät in Aktion sehen und anfassen durften, gehen die Meinungen auseinander. Hier ist mein Eindruck nach meinem ersten Mal mit dem Switch.

In Städten rund um den Globus lud Nintendo in den vergangenen Wochen eine kleine Schar von Besuchern ein, den neuen Nintendo Switch anzutesten. Auch ich hatte das Glück, den Wii-U-Nachfolger bereits ausgiebig spielen zu können. Kann Nintendo den Erfolg des Wii noch einmal wiederholen oder ergeht es dem Switch gleich gleich wie dem Wii U?

Hier rockt der Nintendo Switch

Nach der ersten Berührung der neuen Konsole aus dem Hause Nintendo war mir klar: Ich habe mich ein Bisschen in den Nintendo Switch verliebt. An der Präsentation in Berlin durfte ich die Konsole für kurze Zeit ohne die klobigen Metallsicherungskäfige anfassen. Der Nintendo Switch hat genau das richtige Gewicht. Nicht zu schwer, damit auch längere Game-Sessions nicht ermüdend werden, aber auch nicht zu leicht, so dass ein wertiges Gefühl entsteht. Wie man es von Nintendo gewohnt ist, ist die Verarbeitung einwandfrei und die Tasten sind allesamt sehr angenehm erreichbar. Es fühlt sich einfach alles richtig gut an.

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Selbst mit kleinem Bildschirm lässt es sich wunderbar zu zweit zocken.

Klar, für die Hosentasche ist die Konsole zu gross, aber portabel ist sie allemal. Und trotz des kleinen Bildschirms kann man problemlos und unkompliziert mal eine Runde zu zweit «Mario Kart» zocken. Dieses Feature ist nicht zu unterschätzen. Zwar ist noch schwer abzuschätzen, ob wir unser aktuelles Gameverhalten entsprechend anpassen und plötzlich unterwegs oder bei Freunden den Switch auf den Tisch stellen und so eine Runde gemeinsam zocken werden. Das Potential und die Möglichkeit sind aber eindeutig vorhanden.

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Die Joy Cons sind verschieden einsetzbar und die Bewegungserkennung ist ausgezeichnet.

Die abnehmbaren Controller machen den Switch enorm flexibel: angedockt als klassische Heimkonsole am TV, unterwegs als Handheld, als Wii-Ersatz dank Motion-Controller oder für Spielspass zu zweit (oder zu viert oder zu acht), egal wo man ist. Keine andere Konsole bringt eine derartige Vielfalt. Und der Übergang zwischen gedockt und Handheld-Modus ist absolut fliessend.

Ausserdem verfügen die Joy Cons über HD Rumble, was wirklich ein beeindruckendes Feature ist. Dank einem ausgeklügelten Vibrationssystem können diverse Sachen simuliert werden wie beispielsweise Murmeln im Gerät – man kann sogar die Zahl der Kugel erfühlen. Könnte ein Gimmick bleiben, hat aber enormes Potential.

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Für grosse Hände eher etwas klein geraten.

Der rechte Controller besitzt zudem eine Infrarotkamera, die Distanzen und Bewegungen erkennt. Sie kann sogar sagen, wie viele Finger man aufhält. Ebenfalls etwas, das von Nintendo kreativ genutzt werden könnte.

Die Spiele

Schon immer war die einzigartige Spieleauswahl das Aushängeschild von Nintendo-Konsolen. Es wird auch dieses Mal wieder ein Trumpf sein. Zwar ist das aktuelle Angebot noch etwas dünn, aber mit «Zelda: Breath of the Wild» und «Super Mario Odyssey» stehen zwei der grössten Spielemarken überhaupt bereit. Nicht zu unterschätzen sind «Splatoon 2» und «Arms» hat ebenfalls erstaunlich viel Spass gemacht, wenn ich auch für letzteres einen tieferen Preis erwartet habe. «Arms» wirkt mehr wie ein Mini-Game als dass es den Eindruck eines vollwertigen Spiels macht. Fakt ist: Nirgends kriegt man die unvergleichlichen Nintendo-Spiele und wenn genug Resonanz da ist, werden auch die Third-Party-Entwickler auf den Zug aufspringen und ein vielfältiges Spieleangebot garantieren.

Sobald Nintendo zudem den 3DS einstellt oder wenigstens die Entwickler-Kapazitäten mehr und mehr auf den Switch fokussiert, wird der Output an grossartigen Titeln deutlich wachsen. Aktuell spalten sich die Ressourcen nämlich noch auf zwei Konsolen, die Wii U und den 3DS:

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Das Spiel «Arms» macht ordentlich Laune und spielt sich auch sehr gut dank Bewegungssteuerung.

Hier stinkt der Switch ab

Trotz all den tollen Sachen, die die Joy-Con-Controller beherrschen, könnten sie auch für viel Unmut sorgen. Zum einen sind sie extrem klein – für meine normal grossen Hände zwar kein Problem, aber wer grössere Pranken hat, kriegt schon Krämpfe vom Zusehen. Zum anderen sind extrem viele Knöpfe auf der kleinen Fläche verbaut. Zehn Stück pro Controller! Abhängig davon, wie man sie hält, sind gewisse Knöpfe recht mühsam zu drücken. Auch hat mir das Druckgefühl der oberen beiden Tasten (mit der angebrachten Schlaufe) nicht so recht gepasst. Zu wacklig. Und wenn ihr beide Joy Con mit dem mitgelieferten Grip Kit Controller benutzt, liegt dieser zwar wirklich genial in der Hand, aber wenn ihr wie bei dem Race-Game «Fast RMX» kurz hintereinander verschiedene Tasten drücken müsst, verdrückt ihr euch schnell einmal. Die Knöpfe sind eher etwas klein. Hinzu kommt, dass beim rechten Joy Con der Analog-Stick in der Mitte liegt. Das kann man schon so machen, aber dann ist es halt Kacke. Nein, so schlimm ist es nicht, aber ihr werdet euch definitiv immer um den rechten Joy Con streiten.

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Der beiliegenden Grip Controller, an den sich die beiden Joy Cons stecken lassen, liegt zwar gut in der Hand, aber die Knöpfe sind etwas fummelig.

Die Spieleauswahl

Auch wenn ich persönlich finde, dass kein Mensch 20 Spiele zum Launch braucht, dürfte die geringe Auswahl einige Spieler abschrecken. Darüber hinaus war die Qualität der Minispielsammlung «1-2-Switch» ernüchternd. Kaum mehr als Tech-Demos. Mag sein, dass Spiele wie «Draw», bei der ihr im Wild-West-Stil eure Joy Cons schneller als der Mitspieler ziehen müsst, gute Trinkspiele abgeben, das scheint mir aber nicht unbedingt ein Qualitätskriterium zu sein. Keines der sechs angespielten Minispiele würde ich mehr als einmal zocken. Besonders niemals alleine und höchstens mal, um Neulingen die Konsole zu präsentieren und auch da würde ich viel eher zu «Arms» greifen. Wenn die restlichen Titel von «1-2-Switch» nicht erheblich besser sind, ist der Preis eindeutig zu hoch. Nintendo hätte sie beilegen sollen, wie früher «Nintendoland» oder «Wii Sports», aber ich lass mich gerne eines Besseren belehren.

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Kühe melken in «1-2-Switch» unterhält nicht lange.

Die Akkulaufzeit

Mag sein, dass sich bisher kein Spiel von der Qualität eines «Zelda: Breath of the Wild», so einfach und bequem unterwegs zocken liess, aber wenn der Saft schon nach drei Stunden alle ist, wird das ein kurzes Vergnügen. Natürlich gibt es Powerbanks und Steckdosen, dennoch wird man nie lange sorgenfrei zocken können, ohne dass man panisch die Akkuanzeige im Auge behält. Gamescom? Fantasy Basel? Besorgt euch schon mal eine fette Powerbank.

Console War

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Liegt extrem gut in der Hand.

Meiner Meinung nach überwiegen die Vorteile eindeutig. Nach dem Wii-U-Debakel kommt mit dem Nintendo Switch endlich ein waschechter Nachfolger. Ohne Namensverwirrung, der viele im Glauben liess, der Wii U sein bloss ein zusätzliches Gamepad für den Wii. Der unerreichte Reiz einer Nintendo-Konsole mit ihrem einzigartigen Spielesortiment bleibt ungebrochen. Während PC, Xbox One und PS4 im grossen und ganzen vom Angebot sehr austauschbar sind, besticht Nintendo einmal mehr mit einem ganz eigenen Konzept. Die Kombination aus Konsole und Handheld, den vielen Verwendungsmöglichkeiten der Joy Cons, sei es als normaler Controller, als Bewegungssensor oder aufgeteilt für zwei Spieler, hat mich überzeugt.

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Die Joy Cons sind sicherlich ein Highlight des Nintendo Switch.

Was die magere Spieleauswahl zum Launch betrifft, denke ich, könnte Nintendos Plan aufgehen. Fans werden dafür sorgen, dass am 3. März so oder so alle Regale leergefegt sind. Und mit «Zelda» kriegen sie im Vergleich zur PS4 oder Xbox One auch gleich von Anfang an ein wirklich heissersehntes Game. Mit «Mario Kart» im April, «Splatoon 2» im Sommer und besonders im Herbst mit «Super Mario Odyssey» folgen im gleichen Jahr noch mehr Schwergewichte. Gelegenheitsspieler auf der anderen Seite kaufen sich ohnehin nie so viele Spiele im Jahr und die langsame aber konstante Veröffentlichung neuer Spiele sollte für langsamen aber stetigen Nachschub sorgen, so dass insgesamt genug Spiele vorhanden sein dürften.

Wer Gamer ist und einen PC besitzt, für den ist der Nintendo Switch sicher die sinnvollere Ergänzung als eine PS4 oder Xbox One. Wer bereits eine der letzteren gekauft hat und nebst den üblichen Action- und Rollenspielen etwas Abwechslung sucht, ist mit dem Switch ebenfalls gut bedient. Und wer noch gar keine Konsole hat, muss sich wie immer überlegen, ob «Super Mario», «Zelda» und Co. wichtiger sind als «GTA», «Battlefield» und «Halo». Diese werden erfahrungsgemäss nicht auf Nintendos Konsole erscheinen.

Wahrscheinlich wird der Erfolg des Wii nicht mehr erreicht. Das dürfte ein einzigartige Kombination aus Originalität, Zugänglichkeit und Timing gewesen sein, die sich nicht so leicht reproduzieren lässt. Trotzdem denke ich, dass die Chancen für den Nintendo Switch gut stehen, wieder auf Augenhöhe mit der Playstation und der Xbox genannt zu werden oder diese gar hinter sich zu lassen.

Hier könnt ihr vorbestellen, wenn ihr Bock auf «Zelda» und Co. habt

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Switch - Neon-Rot/Neon-Blau V1 (DE, FR, IT, EN)
Nintendo Switch - Neon-Rot/Neon-Blau V1 (DE, FR, IT, EN)

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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