Vorschau «Sniper Elite 5»: Eine mörderische Spielwiese
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Vorschau «Sniper Elite 5»: Eine mörderische Spielwiese

Philipp Rüegg
Zürich, am 27.04.2022

Auch beim fünften «Sniper Elite» werden massenhaft Nazis in Zeitlupe und Röntgensicht von Kugeln durchlöchert. Etwas Besonderes ist das nicht mehr, im Gegensatz zum Rest des Spiels.

Scharfschütze Karl Fairburne kann sich einfach nicht vom Zweiten Weltkrieg losreissen. Zum fünften Mal schleicht und meuchelt er sich durch von Nazis beherrschte Schlachtfelder. In «Sniper Elite 5» verschlägt es Karl nach Frankreich. In einer rund zweistündigen Vorschau-Session konnte ich den Level «Château de Berengar» ausgiebig antesten.

Wie schon in früheren Teilen bestehen die Missionen aus weitläufigen Levels, die frei erkundet werden können. So auch dieses malerische französische Schloss. Mein Auftrag besteht darin, von Obergruppenführer Abelard Möller geheime Unterlagen über die Pläne der Nazis zu stehlen. So weit, so unoriginell. Interessant wird «Sniper Elite 5», wenn es darum geht, die richtige Vorgehensweise zu finden. Bei meinem ersten Versuch starte ich in einem kleinen Camp der französischen Widerstandsbewegung. Die Level laden dazu ein, sie mehrmals durchspielen, deshalb lassen sich auch zusätzliche Startpunkte freischalten.


Die Hauptstrasse ist selten der beste Weg – aber der direkteste.
Die Hauptstrasse ist selten der beste Weg – aber der direkteste.

Ein bisschen wie «Hitman» nur ohne Verkleidung

So weit bin ich aber noch nicht. Ich pirsche mich erst einmal über einen kleinen Hügel, von dem aus ich das Château de Berengar erblicke. Meine Karte sagt mir, dass sich dort mein Auftragsziel befindet. Etwas weiter Links ragt ein Kirchturm über die Baumwipfel und deutet eine alternative Route an. Zielorientiert wie ich bin, schlage ich dennoch den direkten Weg ein.

Dass das selten die beste Idee ist, zeigt sich sogleich an der Strassensperre inklusive Camp, das die Nazis vor der Brücke zum Schloss errichtet haben. Davon lässt sich Karl, also ich, nicht beeindrucken. Ich schlüpfe in meine (fiktiven) Schleichfinken und nähere mich geduckt den nächsten Sandsäcken. Bereits dabei werde ich fast vom Späher im Wachturm erblickt. Das signalisiert mir die weisse Sichtkeule, die grösser wird, je länger ich sichtbar bin. Wird sie gelb, wurde ich entdeckt, aber die Gegner haben noch keinen Alarm geschlagen. So weit lasse ich es ohnehin nicht kommen. Zwar reize ich die erlaubte Visibilität bis zur letzten Sekunde aus, aber es reicht, um die Barrikade zu überwinden und mich hinter ein paar Kisten zu verstecken.


Schon beim ersten Camp fallen meine guten Schleichvorsätze.
Schon beim ersten Camp fallen meine guten Schleichvorsätze.

Womit ich nicht gerechnet habe: Die Wache nähert sich trotzdem, um zu schauen, ob sich da gerade etwas bewegt hat oder nicht. Mir solls recht sein. Ein kurzer Pikser mit meinem Brotmesser und es sind zwei Augen weniger, vor denen ich mich verstecken muss. Dummerweise hatte der Soldat nicht den Anstand, lautlos zu sterben. Sein Gurgeln lockt die Kollegen im Wachturm an. Ein gezielter Schuss aus der schallgedämpften Pistole löst auch dieses Problem. Leider habe ich dabei meine eigene Deckung vergessen. Aufmerksamer ist die Wache im Maschinengewehr-Nest, die sofort den Abzug durchzieht. Ein kurzes Brrrrt und ich sterbe den ersten Zeitlupen-Tod.

Zum Glück gibt es Quick Save. Wirklich weit bin noch nicht gekommen. Ich kauere wieder vor den Sandsäcken. Dabei entdecke ich einen Laster, der durch die Strassensperre fährt. Bestimmt könnte ich mich da reinschleichen. Weil der aber in die falsche Richtung fährt und ich es eilig habe, versuche ich noch einmal meine halblautlos-Methode. Und mit einmal meine ich, etwa zehnmal, bis im ganzen Camp für immer Ruhe einkehrt. Vorteil davon: Ich muss die Leichen nicht verstecken, denn es ist niemand mehr da, der sie finden könnte.

Die Killcam ist explizit wie eh und je.
Die Killcam ist explizit wie eh und je.

Nur nicht den Alarm auslösen

Beim Schloss angekommen, muss die nächste Entscheidung gefällt werden. Ich könnte den Haupteingang nehmen, was zweifellos im Kugelhagel enden würde. Besser, ich erkunde die Umgebung etwas. Der trockengelegte Burggraben scheint mir die vielversprechendste Option. Viel Zeit zum Überlegen bleibt mir nicht, denn ständig werde ich von irgendwo erblickt. Glücklicherweise wächst vom Graben eine Schlingpflanze direkt zu einem Fenster, zu dem ich raufklettern kann.

Mein Ziel ist ganz in der Nähe. Nur das Stockwerk scheint noch das falsche zu sein. Der Durchgang zum Treppenhaus wird leider von zwei Soldaten bewacht. Mit etwas Treffer-Geschick lassen sich solche Probleme in «Sniper Elite» relativ unkompliziert lösen. Zwar könnte ich auch eine Flasche als Ablenkung werfen, aber für irgendwas habe ich die ganzen schallgedämpften Waffen schliesslich mitgeschleppt. Dumm nur, dass ich in der Eile die zuvor erbeutete MP40 wähle. Die ist ganz und gar nicht leise und weil ich das Spiel übers Internet streame, kommt noch etwas Lag hinzu. Nach zwei Magazinen liegen die Soldaten zwar durchsiebt am Boden, dafür ist nun das ganze Schloss auf den Beinen. Nun gut, die Mission soll daran nicht scheitern.

    
Wenn der Alarm erstmal losgeht, steigt die Party.
Wenn der Alarm erstmal losgeht, steigt die Party.

Ich kämpfe mich in klassischer Rambo-Manier und grosszügigen Gebrauch von Quick Save/Quick Load bis zum Büro des Obergruppenführers vor. Aus Munitionsmangel kommt sogar mein bisher vernachlässigtes Scharfschützengewehr zum Einsatz. Nicht die erste Wahl für enge Häuserkämpfe, dafür werde ich meistens mit der ikonischen Killcam belohnt, wenn ich doch mal etwas treffe. Die Killcam zeigt in Zeitlupe, wie die Kugel gegnerische Körper durchdringt. Immer noch blutig wie eh und je.

Um mir etwas Luft zu verschaffen, hinterlasse ich bei den Leichen ein paar explosive Geschenke in der Form von Granaten-Fallen. Danach nehme ich mir das Büro vor. Zum Glück habe ich zuvor bei einem anderen Offizier die Schlüssel dazu gefunden. Sonst müsste ich das C4 auspacken und das würde wieder das ganze Schloss aufwecken. Und die haben schliesslich auch mal etwas Ruhe verdient – genau wie mein Abzugsfinger.

Obwohl Möller einen deutlich aufgeräumteren Schreibtisch hat als ich, finde ich nichts von Interesse. Offenbar gibt es hier noch einen zweiten Raum. Der Schalter dazu ist eine bewegliche Wandlampe, die eine verborgene Türe öffnet. Dahinter finde ich endlich die Hinweise auf Projekt Kraken. Mit den Unterlagen im Gepäck beende ich meine Sightseeing-Tour im Château de Berengar. Ich muss dazu nicht mal die Treppe nehmen. Der freundliche Gastgeber hat ein Seil gespannt, das direkt in den Garten führt. Ich verkneif mir das huiiii beim Abseilen und schleiche mich zum Levelausgang. Das Wort Schleichen nutze ich sehr freizügig. Fünf weitere Soldaten erliegen meinem Scharfschützengewehr und einer Granate, die neben einer Munitionskiste explodiert. Im Schutze des daraus folgenden Infernos mache ich den französischen Abgang. Mission erfüllt.


Huiiiii.
Huiiiii.

Die Freiheit trügt

Die Mission hätte auch anders ablaufen können und zwar so: Statt direkt zum Schloss wähle ich den Umweg über die Kirche. Davor steht ein kleiner Laster. Den Motor kann ich sabotieren, damit er so viel Krach macht, dass man selbst Schüsse nicht mehr hört. Mit diesem Ablenkungsmanöver schleiche ich mich weiter den Feldweg entlang. Bei einer Abzweigung lässt sich ein neuer Startpunkt freischalten. Von da geht es weiter über ein Weinreben-Feld, wo patrouillierende Soldaten sowieso Freiwild sind. Auf der nächsten kleinen Brücke überquere ich unbemerkt den Fluss. Auf der anderen Seite angekommen, kann ich direkt ins Wachhäuschen klettern und die nichtsahnende Wache abmurksen. Danach ist es ein Katzensprung zum Schloss, wo mein Weg zwar erneut mit Leichen gepflastert wird, aber immerhin löse ich keinen Alarm aus.

    
So ungefähr sahen meine Routen aus.
So ungefähr sahen meine Routen aus.

«Sniper Elite» zeigt Ansätze eines «Hitman»-Spiels. Zumindest auf der Karte, die ich anspielen konnte, gibt es viele Wege zum Ziel. Spielerisch scheint es dennoch auf meist drei Vorgehensweisen hinauszulaufen: pazifistisch, lautlos und tödlich oder schreiend und schiessend. Ein Verkleidungskünstler wie Agent 47 ist Karl nicht. Zwar gab es das meines Wissens in früheren Teilen, aber nur sporadisch. Karl verlässt sich lieber auf sein Gewehr als auf seinen Charme. Er ist der typisch toughe Ami-Holzkopf vom Schlage eines B.J. Blazkowicz, bevor dieser mit den neuen «Wolfenstein»-Teilen eine Persönlichkeit erhielt.

Aber das spielt keine Rolle. Wenn auch der Rest des Spiels genug interessante Schauplätze bietet, dürfte es wieder ein unterhaltsames Scharfschützenfest werden. Das Waffenarsenal ist umfangreich, Skillbäume motivieren zum Aufleveln und Absolvieren von Nebenquests und die Anatomie-Lektionen in Zeitlupe entlocken mir immer wieder ein morbides Schmunzeln. Und habe ich schon erwähnt, dass «Sniper Elite 5» im Game Pass erscheinen wird? Diese Kombination ist definitiv ein Volltreffer.

«Sniper Elite 5» erscheint am 26. Mai für PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series S/X.

Sniper Elite 5 (PS5, DE)
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Sold Out Sniper Elite 5 (PS5, DE)
Sniper Elite 5 (Xbox Series X, DE)
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Sold Out Sniper Elite 5 (Xbox Series X, DE)

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Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem privaten Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur. 


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