
Vmax VX4 1056 im Test: schwer, stark, fast unverwüstlich
Der Vmax VX4 1056 ist gross, schwer und hat viel Power. Doch wie bewährt sich der E-Scooter im Alltag? Ich habe ihn bei einem Angelausflug am Lauerzersee ausprobiert.
Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Ich öffne den Kofferraum und wuchte den Vmax VX4 1056 auf den Parkplatz am Lauerzersee. Das ist anstrengend, denn der E-Scooter wiegt rund 32 Kilogramm. Schon beim Einladen zu Hause habe ich mich gefragt: Lohnt sich dieser Aufwand? Klar: Ohne spezielle Träger ist so ein Elektrogefährt einfacher zu verladen als ein Velo und braucht auch weniger Platz. Aber das Gewicht ist schon grenzwertig. Ich schaffe es mit Ach und Krach, das Gefährt aus dem Auto zu lupfen, ohne irgendwo Kratzer zu hinterlassen.

Warum nehme ich diese Mühe überhaupt auf mich? Weil ich das Gewässer im Kanton Schwyz erkunden will und hoffentlich ein paar Fische fange. Ich könnte die rund vier Kilometer lange Uferstrecke auch zu Fuss marschieren. Doch beim Spot-Hopping ist es von Vorteil, vielversprechende Bereiche des Sees mehrmals zu verschiedenen Tageszeiten anzuangeln. Der Scooter ist dafür ideal.
Keine Steigung zu steil
Ich fahre los zum ersten Spot. Was mir sofort auffällt: Der Vmax VX4 1056 hat ganz schön Power. Die Nennleistung beträgt wie vorgeschrieben 500 Watt. Kurzzeitig kann der Motor aber bis zu 2800 Watt abrufen, beispielsweise um eine 40-prozentige Steigung hochzukraxeln. Rund um den See ist es flach, darum habe ich das bei unserer steilen Garageneinfahrt getestet, bei der ich 19 Prozent Steigung messe. Das ist wohl im Alltag das Steilste, was einem über den Weg kommt. Mit meinen 100 Kilogramm kann ich die Auffahrt hochdüsen, ohne dass ich verlangsame. Auch mitten in der Steigung stoppen und anfahren ist dank des starken Motors kein Problem.

Die Power hat aber auch einen Nachteil. Das Anfahren braucht etwas Eingewöhnung. Der Scooter zieht auch im Eco-Modus stark an, sobald ich nur ein wenig Gas gebe. Dazu kommt, dass ich beim Start weit «hochsteigen» muss, da das Trittbrett rund 28 Zentimeter über dem Boden liegt.
Nach ein paar Stopps habe ich es dann aber ohne Wackler drauf: anschieben, aufspringen, losfahren. Den Sport-Modus habe ich dabei gar nie gebraucht, er würde noch etwas schneller auf die maximal möglichen 20 km/h beschleunigen. Nötig ist das nicht, denn auch der Eco-Modus ist zügig genug.
Massiv, schwer, aber auch robust und stabil
Der erste Spot nahe des Dorfes Lauerz sieht vielversprechend aus – allerdings leidet der Lauerzersee wie die meisten anderen Gewässer in der Schweiz unter der Wasserknappheit. Ich stehe dort, wo sonst Wasser wäre. Der See ist sicher einen Meter tiefer als sonst. Ich werfe aus und spüre schon nach kurzer Zeit den Grund.

Immerhin ist es ein guter Test für meine neue Rute der Schweizer Marke Toppies. Ein feiner Stock, perfekt abgestimmt auf die heimischen Egli. Ich spüre jeden Stein, der mein Blei berührt. Ich fühle über die Rute, ob der Untergrund hart, schlammig oder mit Wasserpflanzen überwachsen ist.
Allerdings ist «Blei» nicht ganz richtig, denn Toppies setzt möglichst umweltfreundliche Materialien ein. Für die Gewichte kommen die Metalle Wolfram oder Bismut zum Einsatz, für Gummifische ein Kunststoff ohne Weichmacher und PVC. Da muss ich ein weniger schlechtes Gewissen haben, wenn ich mal einen Köder abreisse. So wie jetzt. Es hat einfach zu viele Wasserpflanzen am seichten Ufer.
Ich steige also wieder auf den Vmax und fahre ein paar Kilometer bis zu einer tiefen Kante. Auf dieser längeren Strecke kann ich die Qualitäten des Scooters richtig austesten. Das Fahrwerk ist robust konstruiert. Da wackelt nichts, da quietscht nichts. Das ergibt ein sicheres Fahrgefühl wie auf einem massiven Bike. Der Geradeauslauf ist so stabil und ruhig wie bei kaum einem anderen E-Scooter, den ich bisher getestet habe.

Dazu tragen auch der weite Lenker mit den gummierten Handgriffen und die ausgezeichnete Dämpfung bei. Hinten ist eine Elastomerfederung, vorne eine Öldruckfederung. Diese kann ich über zwei Drehknöpfe auf mein Gewicht und mein Komfortbedürfnis einstellen. Insgesamt ist die Federung komfortabel, aber nicht zu straff. Unebenheiten in der Fahrbahn bügelt der Scooter problemlos aus. Ich kann auch gut über kiesigen Untergrund fahren, ohne mich unsicher zu fühlen.
Endlich Fisch – auch auf dem Teller
Am dritten Spot, direkt vor der Insel Schwanau, bin ich dann endlich erfolgreich und fange die ersten Fische. Die Egli sind leider noch zu klein für die Pfanne. Hunger habe ich zur Mittagszeit trotzdem und gönne mir daher einen kleinen Ausflug auf die 200 Meter lange und 55 Meter breite Insel.

Dort finde ich nicht nur eine Burgruine der Kyburger aus dem 12. Jahrhundert und eine Kapelle aus dem 19. Jahrhundert, sondern auch ein Restaurant. Die kurze Überfahrt im kleinen Elektroboot und die Aussicht von der Restaurantterrasse entschädigen für die happigen Preise. Das Essen sieht optisch hervorragend aus, die Safransuppe hätte aber etwas mehr Pep vertragen und der Salat zu den Egli-Knusperli ist etwas mager. Der Fisch selbst ist ausgezeichnet – und motiviert fürs Angeln am Nachmittag.






Bremsen: einfach, aber gut
Die grösseren Raubfische wollen aber auch dann nicht fressen – zumindest nicht meine Gummiköder. Ab und zu packt ein kleiner Egli zu, aber sonst habe ich genug Zeit, von Spot zu Spot zu fahren und den E-Scooter ausgiebig zu testen.
Die Bremsen beispielsweise packen richtig gut zu, was bei einem grossen und schweren Gefährt wichtig ist. Auf dem Datenblatt sehe ich, dass der Schweizer Hersteller «nur» mechanische Scheibenbremsen verbaut hat. Zu einem Preis von 1600 Franken hätte ich ehrlich gesagt hydraulische Bremsen erwartet. Auch auf elektronische Systeme wie Traktionskontrolle oder ABS verzichtet Vmax. Immerhin liefert die mechanische Bremsanlage genug Leistung und ist einfach reparierbar.

Gut gefällt mir der neue Kippschalter für den Blinker, der wie bei einem Motorrad oder Roller funktioniert. Ich klicke nach links oder rechts, um in die entsprechende Richtung zu blinken. Ich spüre dabei, ohne hinzuschauen, ob der Blinker noch aktiviert ist und in welche Richtung er zeigt.

Ein weiterer Pluspunkt ist der grosse und gut ablesbare Screen, auf dem ich alle möglichen Informationen abrufen kann. Eine App mit noch mehr Daten und einer Navigationsfunktion gibt es ebenfalls. Letztere ist praktisch, weil die Routenhinweise während der Fahrt direkt auf dem Bildschirm angezeigt werden. So kann ich das Handy in der Hosentasche lassen.

100 Kilometer Reichweite realistisch
Fangtechnisch bleibt der Tag mittelmässig. Aber der Vmax VX4 1056 hat seine Alltagsqualitäten an diesem wunderschönen Spätsommertag bewiesen. Ich komme damit schnell und unkompliziert von Ort zu Ort. Fahrten über mehrere Kilometer bewältige ich komfortabel. Grösse und Gewicht stören nicht, solange ich nur fahren und rangieren muss. Im Gegenteil: Beides trägt zum sicheren Fahrgefühl bei.
Müsste ich den Scooter regelmässig irgendwo hochtragen, wäre er nicht meine erste Wahl. Dafür brilliert er bei längeren Strecken: Ich habe rund 25 Kilometer an diesem Tag zurückgelegt, trotzdem ist der Akku noch zu drei Vierteln gefüllt. Der Test zeigt, dass rund 100 Kilometer Reichweite im Eco-Modus realistisch sind. Auch wenn der Hersteller 110 Kilometer angibt, ist das ein ausgezeichneter Wert. Im Winter oder bei vielen Bergfahrten liegt die Reichweite erfahrungsgemäss tiefer.
Auch bei vielen Details kann Vmax punkten: Es gibt einen USB-C-Anschluss, um das Handy zu laden. Der Scooter ist gemäss IPX6 wasserfest und bis 150 Kilogramm Zuladung ausgelegt. Ein neues System ermöglicht schnelles Aufladen und schützt vor Überhitzung. Das bedeutet auch, dass der Motor bei starker Beanspruchung in Steigungen kaum Kraft verliert.

Egli kann ich nicht mit nach Hause nehmen. Dafür mache ich zum Schluss noch einen Stopp bei Z’graggen. Die Destillerie brennt direkt neben dem See in Lauerz seit Generationen Schnäpse und hat einen schönen Fabrikladen. Das Probiererli mit vier kleinen Fläschchen ist ein schönes Mitbringsel aus dem Kanton Schwyz.
Fazit
Stabil, stark und schwer
Der Vmax VX4 1056 ist ein massiv gebauter und robuster E-Scooter, der mit starkem Motor und grossem Akku ideal zu Vielfahrern und langen Strecken passt. Die Fahrstabilität überzeugt genauso wie die Beschleunigung am Berg oder die kleinen Details wie etwa der praktische Kippschalter für den Blinker.
Der Scooter ist gross und wiegt mehr als 30 Kilogramm. Das schränkt die Mobilität ein, wenn er nicht auf eigenen Rädern hin- oder hochfahren kann. Auf der Strasse wirkt der VX4 trotzdem agil. Kritik gibt es auch dafür, dass der E-Scooter aus dem Premiumsegment beim Bremssystem spart – auch wenn das zum Glück im Alltag keinen grossen Einfluss hat. Die Bremsen packen kräftig zu.
Pro
- robuste Bauweise
- Motor mit viel Power
- ideal für Steigungen und viel Beladung
- grosse Reichweite
- stabiles Fahrgefühl
Contra
- teuer
- hohes Gewicht
- unhandlich
Gadgets sind meine Passion – egal ob man sie für Homeoffice, Haushalt, Smart Home, Sport oder Vergnügen braucht. Oder natürlich auch fürs grosse Hobby neben der Familie, nämlich fürs Angeln.
Unsere Expertinnen und Experten testen Produkte und deren Anwendungen. Unabhängig und neutral.
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