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Withings Body Scan 2: viel Messung, lange Wartezeit
von Kim Muntinga

Eli Health stellt auf der CES 2026 als Erweiterung ihres Cortisol-Hormometers einen Speicheltest vor, der aktives Testosteron und Progesteron misst. Der Test ist gut fürs Tracking, allerdings nicht als Diagnosetool.
Bisher war es nur über einen Urin- oder Bluttest möglich, den Testosteronspiegel selbst zuhause zu bestimmen. Jetzt gibt es eine einfachere und vor allem aussagekräftigere Möglichkeit. Eli Health erweitert sein Cortisol-Hormometer um zwei weitere Hormone: Nutzerinnen und Nutzer können künftig auch Testosteron und Progesteron messen – jeweils mittels eines Speicheltests.
Ein dünner Teststreifen wird eine Minute lang in den Mund genommen, um eine Speichelprobe zu sammeln. Die Eli-App scannt das Testkit anschließend mit der Smartphone-Kamera. Innerhalb von etwa 20 Minuten liegt das Ergebnis vor. Der entscheidende Unterschied zu anderen Testmethoden liegt darin, was gemessen wird: Speicheltests erfassen das freie, biologisch aktive Testosteron – die Hormonform, die unmittelbar im Körper wirksam ist und an Zellrezeptoren andockt. Bluttests hingegen messen das Gesamt-Testosteron, einschließlich des an Proteine gebundenen Testosterons, das der Körper nicht unmittelbar nutzen kann. Urintests wiederum erfassen nur Hormon-Abbauprodukte und Metaboliten, nicht das aktive Hormon selbst – sie zeigen also, wie der Körper Testosteron abbaut und ausscheidet, nicht aber die tatsächlich zirkulierenden Spiegel.
Aus wissenschaftlicher Sicht korreliert das freie Testosteron stärker mit körperlichen Symptomen als Gesamttestosteron, weshalb die Speichelmessung für ein persönliches Tracking potenziell aussagekräftiger sein kann.

Der Test erfasst auch Progesteron, ein Hormon, das nicht nur Frauen betrifft: Progesteron ist lipophil (fettlöslich) und wird über Speichel gut gemessen, was den Test für beide Geschlechter relevant macht.
Testosteron beeinflusst tatsächlich Energie, Stimmung, Knochendichte und Muskelkraft – bei Männern und Frauen gleichermaßen. Ein regelmäßiges Tracking könnte zeigen, wie Faktoren wie Schlaf, Stress oder Training den Hormonspiegel verändern. Allerdings sollten solche Ergebnisse nicht als Selbstdiagnose verstanden werden, sondern – wie der Hormonexperte Dr. Andreas Walther im Interview mit Galaxus empfiehlt – als Ausgangspunkt für ein ärztliches Gespräch mit einer Fachperson dienen.
Selbsttest-Kits sind unter Fachpersonen aufgrund ihrer Fehleranfälligkeit umstritten. Der Eli-Test ist als Tracking-Werkzeug zur persönlichen Beobachtung von Hormontrends über eine gewisse Zeit hinweg konzipiert, nicht zur medizinischen Diagnose.
Psychotherapeut und Hormonexperte Walther warnt vor vorschnellen Selbstdiagnosen. Er betont, dass nicht nur der absolute Testwert zählt, sondern auch die individuelle Empfindlichkeit der Androgen-Rezeptoren – die Bindungsstellen für männliche Hormone. «Solange man über 20 Nanomol pro Liter liegt, muss man gar nicht darüber reden, ob das niedrig ist», erklärt Walther. Ein einzelner niedriger Testwert sei noch lange keine Diagnose für einen medizinischen Mangel.
Besonders wichtig: Testosteron-Präparate können ernsthafte Nebenwirkungen hervorrufen – von erhöhtem Herzinfarkt-Risiko bis zu Fertilitätsproblemen. Gerade deshalb sollten Selbstexperimente vermieden werden. Walther warnt im Interview weiter davor, dass viele Symptome, die dem Testosteronmangel zugeschrieben werden – Müdigkeit, sinkende Energie – oft andere Ursachen haben wie etwa Schlafmangel, Stress oder Bewegungsmangel, und nicht automatisch durch höhere Testosteronwerte verschwinden.
In den USA und Kanada sind Vorbestellungen des neuen Testkits bereits möglich; der Versand soll im ersten Quartal 2026 stattfinden. Ein einzelner Test kostet 8,25 US-Dollar, alternativ gibt es Pakete zu 8 Tests für 99 Dollar. Für Deutschland und die Schweiz ist eine Verfügbarkeit bislang nicht angekündigt. Unabhängig getestet, erreicht das Gerät eine Genauigkeit von über 90 Prozent im Vergleich zu Labortests.
Wissenschaftsredakteurin und Biologin. Ich liebe Tiere und bin fasziniert von Pflanzen, ihren Fähigkeiten und allem, was man daraus und damit machen kann. Deswegen ist mein liebster Ort immer draußen – irgendwo in der Natur, gerne in meinem wilden Garten.
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