Test: Mit drei digitalen Radios und einem alten Bus in die Ferien

Test: Mit drei digitalen Radios und einem alten Bus in die Ferien

Andrin Egger
Zürich, am 22.09.2017
In meinen Ferien hatte ich Gelegenheit, drei Radios für DAB+ ausgiebig zu testen. Mitten im Motorenlärm eines alten Feuerwehrautos mussten die Geräte zeigen, was sie wirklich können.

Ich habe mir einen 25-jährigen Mannschaftsbus der Feuerwehr gekauft und zum Wohnmobil umgebaut. Nun war es mal Zeit, damit länger in die Ferien zu fahren und dies bitte mit Musik. Bei dem lauten Motor, ich sitze sozusagen drauf, braucht man einfach gute Audioqualität. Störgeräusche hat man schon genug. Da ich kein Autoradio eingebaut habe und meine Roamingdaten begrenzt sind, fiel die Wahl auf ein DAB-Radio fürs Auto. Oder besser gesagt: auf drei.

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Hinweis: Im Folgenden ist mit DAB immer der aktuelle Standard DAB+ gemeint. Das ursprüngliche DAB ohne Plus kannst du vergessen, das ist bereits wieder veraltet.

Wie es funktioniert

Diese kleinen Geräte empfangen Radio in Form von DAB+ und senden es als UKW an das schon eingebaute Autoradio weiter. Die Sendeleistung ist auf einen sehr kleinen Radius beschränkt, damit die anderen Verkehrsteilnehmer nicht mit dem eigenen Radiosender gestört werden. Die Empfänger haben jeweils auch einen Kopfhörerausgang, mit welchem er sich via Kabel mit dem Autoradio verbinden lässt, falls ein AUX-Eingang vorhanden ist. Diese Verbindung ist weniger störungsanfällig als die UKW-Variante und qualitativ hochwertiger, da das Signal nicht in UKW ein analoges Funk-Signal umgewandelt wird.

Da ich wie gesagt gar kein Radio eingebaut habe, dient eine UE Megaboom als Soundsystem in meinem Bus. Somit habe ich die Empfänger mittels Kabel angeschlossen.

Ich habe folgende drei DAB-Empfänger getestet:

Die Geräte verfügen teilweise über Zusatzfunktionen wie Freisprecheinrichtung, UKW Radio oder SD-Karten-Slot für MP3s. Massgebend für diesen Test war jedoch nur, wie gut DAB+ im Auto funktionierte.

Empfang

Ich habe die Empfänger gleichzeitig bei einer Reisegeschwindigkeit von 95 km/h getestet – mehr geht, aber ist laut. In Italien hatte ich mit allen Geräten Schwierigkeiten, da DAB+ noch nicht sehr weit verbreitet ist. In der Schweiz sieht dies schon viel besser aus und wird in Zukunft sicher noch besser.

Die Geräte von Albrecht und Technaxx haben beide eine Antenne, die an die Frontscheibe geklebt wird. Bei Imperial ist es eine Wurfantenne.

Der Imperial und Albrecht waren vom Empfang her etwa gleich gut, das Signal beim Technaxx war meist schon früher weg. Nach dem Gotthardtunnel zurück in die Deutschschweiz hat nur der Imperial automatisch die Sender wieder gefunden. In Tunnels und unter Brücken war für Empfang meist noch nicht gesorgt.

Display

Wenn die Sonne scheint, zeigt sich, ob ein Display wirklich etwas taugt. Hier überzeugte nur Albrecht. Dieses Radio war das einzige, bei dem sich die Displayfarbe verändern liess, was kontrastmässig sehr viel bringt. Der Imperial ist eher als MP3-Player-Ersatz gedacht. Daher hat er auch als einziger noch einen UKW-Empfänger eingebaut und kann das Audiosignal zusätzlich via Bluetooth zu meiner UE Megaboom senden. Sein Display ist so klein wie bei einem MP3-Player. In der Hand betrachtet ist das okay, aber nicht aus der Distanz am Armaturenbrett.

Das Display vom Technaxx ist bei Sonne nur schwer lesbar und auch wenn man seitlich darauf schaut, erkennt man nicht mehr viel. Durch den starren Schwanenhals konnte ich das Gerät auch nicht optimal auf mich ausrichten.

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Das Display von Albrecht ist auch bei Sonne gut lesbar

Befestigungsmöglichkeiten

Albrecht liefert eine Saugnapfhalterung, worauf dann das Gerät magnetisch befestigt wird. Sehr flexibel und gut durchdacht. Die Schwanenhalshalterung von Technaxx steckst du direkt in den Zigarettenanzünder. Abhängig davon, wo sich die Steckdose befindet, ist diese Befestigung sehr unpraktikabel. Denn der Schwanenhals ist überhaupt nicht flexibel. Der Imperial besitzt keine Halterung, obwohl auf der Schachtel ein Befestigungsbeispiel abgebildet ist. Aber auf Distanz ist dann der Text auf dem Display eh nicht mehr entzifferbar.

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Technaxx mit spiegelndem Display und Schwanenhalshalterung

Bedienerfreundlichkeit

Für mich massgebend war die Bedienung während des gleichzeitigen Autolenkens. Das Radio von Albrecht ist ganz klar das übersichtlichste und hat eine aufgeräumte Darstellung. Der Albrecht und der Imperial verfügen beide über Favoritenspeicher, der Technaxx jedoch nicht. Für mich ist das ein wichtiges Kriterium. Beim Albrecht können Favoritentasten belegt werden, beim Imperial muss man via Menü darauf zugreifen.

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Für mich wichtig: Das Mini-Gerät von Imperial hat einen Favoritenspeicher

UKW-Sender

Von der Sendeleistung her war Technaxx am schwächsten, die anderen beiden Geräte waren einwandfrei. Diese Leistung ist wichtig, da sich auf der ausgewählten UKW Frequenz auch noch andere Sender befinden können. Bei zu schwacher Leistung kann dann die Übertragung des eigenen UKW-Senders gestört werden. Um bei Störungen sofort reagieren zu können, besitzen Technaxx und Albrecht einen separaten Knopf (TX), um die eigene Sendefrequenz zu ändern. Beim Imperial musste ich das via Menü machen.

Fazit

Albrecht: Gute Verarbeitung und Empfang, einfache und übersichtliche Bedienung. Für alle, die einen guten und einfachen digitalen Empfänger ohne Schnickschnack wollen. Kann genau das, was er soll und dies erst noch gut.

Imperial: Guter Empfänger mit nützlichen Zusatzfunktionen wie dem UKW-Empfänger und der Möglichkeit, via Bluetooth Musik zu übertragen. Kann also auch mal zum Joggen mitgenommen werden – ein Akku ist eingebaut. Er ist baulich eher als tragbares Gerät gedacht und nicht speziell für den Gebrauch im Auto konzipiert. Dann müsste das Display grösser und die Bedienung direkter sein.

Technaxx: Hat ganz viele Spielereien wie Freisprechfunktion, Kopplung mit dem Smartphone zum Musikabspielen und einen MP3- Player integriert. Kann vieles, jedoch nichts wirklich gut.

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Andrin Egger
Als gelernter Multimedia-Elektroniker liebe ich es, Probleme zu lösen. Technik soll jedoch Spass machen und keine Krücke sein. Ich besitze eine Beratungsfirma im Bereich audiovisuelle Produktionsumgebungen.

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