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Strategiewechsel bei Panasonic: Mehr China, weniger Eigenfertigung

Luca Fontana
24.2.2026

Baut Skyworth bald Panasonic-Fernseher? Der japanische Traditionshersteller geht eine weitreichende Partnerschaft mit dem chinesischen TV-Giganten ein.

Panasonic geht eine «umfassende strategische Partnerschaft» mit dem chinesischen Hersteller Skyworth ein.

Skyworth übernimmt in Europa künftig Vertrieb, Marketing und Logistik für Panasonic-Fernseher. Der japanische Hersteller will allerdings weiterhin für Qualitätssicherung, Audio-Video-Expertise und die Einhaltung der bekannten Bild- und Tonstandards zuständig bleiben. Bei High-End-OLED-Modellen ist sogar von einer gemeinsamen Entwicklung die Rede.

Die Umsetzung erfolgt regional. Europa wird dabei explizit als strategischer Schlüsselmarkt genannt. Ab April 2026 wird zudem die Entertainment-Division wieder stärker in den Panasonic-Konzern integriert. Panasonic bleibt weiterhin für den Kundendienst zuständig – auch für Geräte, die ab April 2026 verkauft werden.

Gibt Panasonic die TV-Produktion komplett ab?

Hier beginnt die Interpretation. In der offiziellen Mitteilung steht nicht explizit, dass Panasonic die Produktion komplett einstellt. Gleichzeitig ist von «globalen Entwicklungs-, Fertigungs- und Skalierungsfähigkeiten» die Rede, die Skyworth einbringt. Zudem heisst es, Panasonic setze künftig stärker auf die industrielle Skalierungskraft des Partners.

Man kann das auf zwei Arten lesen:

  • Variante 1: Panasonic hört faktisch auf, selbst Fernseher zu bauen, und reduziert sich zur Marken- und Qualitätsinstanz. An diese Version glaubt beispielsweise das Branchenportal Ars Technica.
  • Variante 2: Panasonic produziert zwar nicht mehr primär selbst, behält aber zumindest ausserhalb Europas Fertigungsstätten und bleibt sowohl technisch als auch in der Entwicklungsphase stark involviert – besonders im Premium-Segment. So interpretiert es beispielsweise Heise.

Die Wahrheit liegt vermutlich dazwischen. Klar ist: Die operative Verantwortung verschiebt sich deutlich Richtung Skyworth. Von einem reinen Lizenzmodell – also «Skyworth baut den Fernseher, knallt das Panasonic-Logo drauf und verkauft ihn als solcher in Europa» – ist in der Mitteilung allerdings klar nicht die Rede. Panasonic betont weiterhin seine Rolle bei der Entwicklung und Qualitätssicherung.

Warum macht Panasonic diesen Schritt?

Panasonic war einst der Plasma-König, hat sich aber in den letzten Jahren stark auf das Premium-Segment fokussiert. Das Problem: Mit hochwertigen OLED- und Mini-LED-Geräten lässt sich Image pflegen, aber auf dem Massenmarkt zu wenig Geld verdienen. Gerüchte, dass sich bei den Japanern etwas grundlegend ändern muss, gibt es deswegen schon seit Monaten.

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Skyworth bringt jetzt genau das mit, was Panasonic in den letzten Jahren zunehmend gefehlt hat: die Fähigkeit, Fernseher in grossen Stückzahlen zu produzieren und weltweit effizient zu vertreiben. Denn Skyworth betreibt eigene Fabriken, stellt viele zentrale Komponenten selbst her und kann dadurch günstiger einkaufen und schneller produzieren. Und wenn man sehr viele Geräte baut, dann sinken die Kosten pro Stück. Eben: Skalierung.

Panasonic hingegen steht traditionell eher für Bildqualität, Bildverarbeitung und technische Feinabstimmung. Vereinfacht gesagt wissen die Japaner, wie ein Fernseher aussehen und klingen soll. Skyworth hingegen weiss, wie man ihn in grosser Menge effizient baut und in die Läden bringt.

Machen Panasonic und Skyworth dasselbe wie Sony und TCL?

Nein. Bei Sony und TCL ist ein neues, gemeinsames Unternehmen geplant – ein sogenanntes Joint Venture. Beide bringen zwar ihr TV-Geschäft in eine neue Firma ein, an der TCL 51 Prozent und Sony 49 Prozent halten sollen. TCL und Sony wollen aber weiterhin als eigenständige TV-Marken auftreten, ihre Fernseher eigenständig entwickeln und vielleicht sogar miteinander konkurrieren.

Solange das stimmt, bleibt ein Sony-TV technisch stark von Sony geprägt, auch wenn künftig mehr Hardware von TCL kommt und TCL vom Know-How Sonys profitieren will.

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Bei Panasonic und Skyworth sieht es anders aus. Zwar entsteht keine neue Firma, aber Panasonic delegiert deutlich mehr Kompetenzen nach China als Sony, wenn Skyworth Vertrieb, Marketing, Logistik sowie einen grossen Teil der Produktion in Europa übernimmt. Besonders in günstigeren Segmenten dürfte der Einfluss von Skyworth grösser sein.

Beide Fälle zeigen dennoch einen klaren Trend: Immer mehr japanische Traditionsmarken suchen die industrielle Stärke chinesischer Hersteller. Während Südkorea (Samsung und LG) und China (TCL, Hisense und Skyworth) den TV-Markt über Skalierung und Preis dominieren, setzen japanische Marken zunehmend auf Kooperation statt Eigenfertigung.

Titelbild: Shutterstock

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Ich schreibe über Technik, als wäre sie Kino, und über Filme, als wären sie Realität. Zwischen Bits und Blockbustern suche ich die Geschichten, die Emotionen wecken, nicht nur Klicks. Und ja – manchmal höre ich Filmmusik lauter, als mir guttut.


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