So baust du dir deine eigene Tastatur

So baust du dir deine eigene Tastatur

Kevin Hofer
Zürich, am 15.01.2019
Mechanische Tastaturen sind toll. Finde zumindest ich. Noch besser sind sie, weil du sie selbst zusammenbauen kannst. Ich verrate dir, was du für deine eigene Tastatur brauchst.

Ich habe mir einen Gamer-PC gebaut. Nach Jahren auf Mac wollte ich endlich wieder etwas Selbstgemachtes. Jetzt brauche ich selbstverständlich auch für mein neues lieblings Gadget eine Tastatur. Die gammlige Apple-Tastatur will ich möglichst schnell ersetzen. Statt Design-Massenware will ich auch hier etwas Individuelles. Wenn ich schon einen PC baue, wieso nicht gleich auch eine Tastatur?

Nach einer kurzen Recherche ist klar: Das sollte ohne weiteres machbar sein. Und die Möglichkeiten sind überwältigend. Ein Blick auf die Reddit-Seite zu mechanischen Keyboards zeigt, was alles möglich ist. Jetzt bin ich definitiv angefixt. Was brauche ich alles, damit bald auch auf meinem Pult eine so tolle Tastatur liegt?

Das brauchst du für eine Tastatur Marke Eigenbau

Bevor ich mir die einzelnen Komponenten bestelle, muss ich mir genau überlegen, was ich will und brauche. Klar ist, dass eine selbstgebaute Tastatur aus sechs Komponenten besteht: Gehäuse, PCB, Switches, Deckplatte, Stabilisatoren und Keycaps.

Gehäuse

Das Gehäuse ist offensichtlich wichtig für das Design. Das ist aber nicht alles. Es gibt nämlich unterschiedliche Keyboard-Grössen. Im Jargon wird von den Grössen in Prozent gesprochen. So gibt es aufs Elementarste reduzierte 40 Prozent Keyboards oder auch solche mit voller Grösse und die zwischendrin. Hier findest du eine Erklärung zu den Grössen.

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Bei Tastaturen Marke Eigenbau ist das aber nicht ganz so einfach. Sie erlauben vielfältige Konfigurationen und so ist es beispielsweise auch möglich, einen Zahlenblock auf einer 75-Prozent-Tastatur unterzubringen. Falls du dich für ein solch spezielles Layout entscheidest, musst du bei der Suche nach Keycaps besonders aufpassen. Bei komplett Sets passen dann nicht alle Keycaps von der Grösse her.

Gehäuse findest du aus Aluminium, Plastik, transparentem Acryl oder auch Holz. Zunächst ist es wichtig, was für einen Look du deiner Tastatur geben willst. Zum Tragen kommen aber auch die Eigenschaften der Materialien. Gehäuse aus Aluminium und Holz sind schwer und verrutschen deshalb nicht so schnell. Dafür sind sie eher ungeeignet, wenn du sie häufig mitnimmst. Aluminium ist zudem anfällig für Kratzer. Plastik oder transparentes Acryl wären in diesem Fall besser geeignet. Beim transparenten Acryl kannst du deine Tastatur zusätzlich mit RGB in Szene setzen.

PCB

Das PCB ist das Herzstück des Keyboards. Je nach PCB kannst du das Layout deiner Tastatur individualisieren. Deshalb ist es auch möglich, auf einem 75-Prozent-Keyboard einen Zahlenblock unterzubringen.

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Die meisten PCBs ermöglichen es, jede Taste einzeln zu konfigurieren. So kannst du das Tastaturlayout voll auf dich abstimmen. Auch auf LED musst du nicht verzichten. Einige PCBs bieten bereits vormontierte RGBs oder zumindest die Möglichkeit, solche aufzulöten. Die sorgen dann für die Unterbeleuchtung. Falls du dich nicht getraust zu löten, gibt es übrigens auch PCBs, auf die du die Switches nur zu stecken brauchst.

Switches

Nach der Optik und dem Layout geht’s zur Haptik. Die Switches spielen hier für die meisten wohl die grösste Rolle. Ein angenehmes Gefühl beim Schreiben und Gamen ist für mich das Wichtigste an einer Tastatur. Switches unterscheiden sich durch Auslösepunkt, Auslösekraft, Tastenhub und ob die Switches linear, taktil oder clicky sind.

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Die Auslösekraft beschreibt, wie stark du drücken musst, damit deine Eingabe registriert wird. Das wird üblicherweise in Zentinewton (cN) angegeben. Als Auslösepunkt wird die Distanz, die ein Switch bewegt werden muss, bis ein Signal ausgelöst wird, bezeichnet. Mit dem Tastenhub ist der gesamte Druckweg eines Switches gemeint. Linear, taktil und clicky wiederum beschreiben die Art von Feedback. Lineare-Switches geben kein Feedback, wann ausgelöst wird, du spürst nur den Tastenhub. Bei Taktilen-Switches kannst du den Auslösepunkt spüren. Bei den Clicky-Switches kommt ein Klick-Geräusch beim Auslösepunkt hinzu.

Switches sind sehr individuell. Nebst den haptischen Eigenschaften kannst du auch noch entscheiden, ob du RGB-Switches oder solche ohne Beleuchtung willst.

Deckplatte

Die Deckplatte hält deine Switches in Position und schützt das PCB vor Umwelteinflüssen wie deinen «Gipfeli-Brösmeli». Wie das Gehäuse auch, gibt es Deckplatten aus unterschiedlichen Materialien. Du musst beim Kauf darauf achten, dass die Deckplatte zu deinem Gehäuse und PCB-Layout passt.

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Stabilisatoren

Stabilisatoren brauchst du, damit deine breiteren Keycaps sicheren Halt haben. Bei den Stabilisatoren ist es wichtig, dass du solche kaufst, die sich auf dem PCB festschrauben lassen. So halten sie garantiert, im Gegensatz zu solchen, die du lediglich aufsteckst.

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Keycaps

Mit den Keycaps gibst du deiner Tastatur definitiv einen eigenen Look. Keycaps findest du in verschiedenen Formen, Farben und Materialien. Je nach gewähltem Layout bist du aber etwas beschränkt. Eine 7-Leertaste findest du nicht so häufig wie eine 6.25 grosse. Beim Kauf solltest du also darauf achten, dass die Caps auch auf dein Tastatur-Layout passen. Oder du druckst sie dir einfach selbst. Die Grösse von Keycaps wird übrigens folgendermassen angegeben: Die Grösse 1 entspricht der schmalsten Taste, also beispielsweise der Taste mit dem Buchstaben «A». Die weiteren Grössen werden dann im Verhältnis zu dieser in der Breite angegeben. Eine 6.25 Leerstaste ist demnach 6.25 mal breiter als die Taste A. Die möglichen Keycap-Grössen findest du im Normalfall bei den Angaben des PCBs.

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Zu guter Letzt brauchst du noch ein USB-Kabel, um die Tastatur anzuschliessen. Das wär’s auch schon. Ich habe mir alle nötigen Teile besorgt. Sobald ich mit dem Zusammenbau fertig bin, verrate ich dir, für was ich mich entschieden habe, wie’s mir beim Zusammenbau ergangen ist und welche Learnings du für dein eigenes Projekt daraus ziehen kannst.

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Kevin Hofer
Kevin Hofer
Editor, Zürich
Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten ist meine Leidenschaft.

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