Sleepbuds II: Ist der zweite Versuch gelungen?

Sleepbuds II: Ist der zweite Versuch gelungen?

Livia Gamper
Zürich, am 11.01.2021
Bose versucht nochmals, den Schlaflosen zu helfen. Die zweite Generation der Sleepbuds ist da. Die ist zwar besser als die erste, aber Kritik gibt’s noch immer.

Die Sleepbuds sind Ohrhörer, die dir beim Einschlafen helfen sollen. Mit beruhigenden Klängen, die mit Boses App abgespielt werden, sollen Benutzer*innen in süsse Träume geleitet werden. Auch in der zweiten Generation, die fast gleich aussieht wie die erste, können die Sleepbuds immer noch keine Musik abspielen. Nur eben beruhigende Klänge aus der App. Obwohl sie Kopfhörer sind.

Nachdem die erste Version wegen Akkuproblemen vom Markt genommen werden musste, kommt jetzt die zweite. Ich habe ausprobiert, ob die neuen Buds mehr können, und ob ich mit den Dingern im Ohr besser schlafen kann. Bei mir herrschen perfekte Testbedingungen. Vor meiner Wohnung ist eine Baustelle, auf der auch nachts gearbeitet wird und eine Person schnarcht.

Die Lärmabdichtung: Masking statt Cancelling

Die Sleepbuds in die Ohren gesteckt, bin ich zuerst erstaunt, dass ich für jedes Ohr eine andere Grösse brauche. Bose liefert drei Aufsätze mit. Mit dem grössten Aufsatz im rechten Ohr dichten die Sleepbuds schon passiv recht gut ab. Im linken Ohr tut mir dieser Aufsatz weh, weshalb ich den mittleren nehme. Mit dem kleinen Aufsatz ist das passive Noise Cancelling geringer. Dafür schmerzt keiner der Ohrhörer.

Bose liefert drei verschiedene Aufsätzli mit.
Bose liefert drei verschiedene Aufsätzli mit.

Wie schon bei der ersten Generation verbaut der Audio-Spezialist bei den Sleepbuds kein Noise Cancelling, sondern die sogenannte Bose Noise-Masking-Technologie. Diese übertönt Störgeräusche, statt sie zu reduzieren.

Das übertönen funktioniert bei mir bei tiefen Geräuschen gut. Schnarchgeräusche höre ich mit den Sleepbuds auf halber Lautstärke nicht mehr. Jedoch ist die halbe Lautstärke für mich zu laut zum Einschlafen. Die Sleepbuds der ersten Generation habe ich deutlich leiser in Erinnerung. Bose schreibt dazu, dass die lärmunterdrückenden Töne mit einem leistungsstärkeren Treiber optimiert wurden. Dafür höre ich weniger Kissengeräusche. Bei der ersten Version war die Oberfläche der Buds so beschaffen, dass sie Kratz- beziehungsweise Rauschgeräusche erzeugte, wenn sie am Kopfkissen rieb. Das ist nun besser.

Stellst du die Buds leiser, was in der App stufenlos geht, hörst du natürlich mehr vom Lärm, der dich vom Schlafen abhält. Das Schnarchen neben mir höre ich auf einem Viertel der Lautstärke so stark, dass es mich stört. Auch die Baustelle können die Buds für mich so zu wenig ausblenden. Stören dich laute Klänge aus der App beim Schlafen nicht, dann überdecken sie über der mittleren Lautstärke ziemlich viele Störgeräusche. Nur hohe Töne wie etwa Feuerwehrsirenen oder der Presslufthammer, der bei mir vor der Wohnung auch in der Nacht bedient wird, kommen durch.

Das Case ist schick und kommt mit USB-C-Anschluss.
Das Case ist schick und kommt mit USB-C-Anschluss.

Für mich hat sich herausgestellt, dass die Sleepbuds auch angenehm sind, um zu arbeiten – nicht um dabei einzuschlafen, sondern weil ich nicht immer Musik hören mag, aber von Lärm schnell abgelenkt werde. Zum Arbeiten ist für mich auch eine höhere Lautstärke angenehm, die Soundqualität ist mir dann noch genügend gut. Wenn die Buds jetzt noch Musik abspielen könnten, dann bräuchte ich sie nie mehr aus dem Ohr zu nehmen.

Diese Klänge kriegst du

In der Bose App hast du in der Rubrik «Meine Töne» eine Auswahl von zwölf Klängen. Sie werden Windrascheln, Meereswogen, sanftes Rauschen, Fensterplatz, Promenade, Regenschauer, Fabelwesen, Bootsfahrt, goldene Träume, Unterwegs, Ode und Wanderlust genannt. Etwas nervig finde ich, dass im Menüpunkt keine Liste der Klänge zu finden ist, sondern nur mit Vor- und Zurückspulen zur nächsten Melodie gewechselt werden kann. Auch klingen für mich mit der Zeit alle Töne sehr ähnlich. Auf dieser Seite, kannst du im grossen Fenster einige Töne probehören, wenn du etwa bis zur Hälfte herunterscrollst.

Im Gegensatz zur ersten Version der Sleepbuds kannst du aber neu mit der in der App integrierten Bibliothek weitere Klänge auf die Sleepbuds laden. In der Tonbibliothek hast du auch eine bessere Übersicht über die Töne, denn sie sind in die Kategorien Geräuschmaskierung, Naturlandschaften und Gelassenheit unterteilt. Hast du in der Bibliothek einen Klang gewählt, musst du ihn auf die Sleepbuds laden. Das dauert nur ein paar Sekunden und ist mit zwei Klicks gemacht.

So sieht die Ansicht in der App aus.
So sieht die Ansicht in der App aus.

Per Update sollen laut Bose später noch weitere Töne in die Auswahl eingefügt werden. Von der momentanen Auswahl hat mich der «Stille-Klang» am meisten überzeugt, da er sehr angenehm und repetitiv ist. Auch das Meeresrauschen als Ferien-Alternative gefällt mir. Gewisse Klänge nerven mich aber auch, da sie mir zu blechern klingen.

Etwas schade finde ich hingegen, dass es keine Möglichkeit gibt, die Lautstärke oder den Klang an den Sleepbuds selbst zu wechseln. Möchtest du etwas ändern, musst du das Handy hervornehmen. Dann scheint mir das grelle Display ins Gesicht und ich bin wieder hellwach.

Der Handylose-Modus

Um dem entgegenzuwirken, hat Bose den telefonunabhängigen Modus entwickelt. In dem Modus kannst du die Sleepbuds auch benutzen, wenn dein Phone ausgeschaltet ist, oder sich ausserhalb der Bluetooth-Reichweite befindet. Den Modus kannst du in den Einstellungen aktivieren. Einmal eingeschaltet, sollten sich die Sleepbuds dann selbst aktivieren, sobald du sie aus dem Case nimmst. Das hat bei mir aber nicht immer zuverlässig funktioniert, manchmal haben die Buds bei mir keinen Wank gemacht, obwohl der Modus eingeschaltet war. Ansonsten ist der Modus praktisch, du kannst einfach einen Ton, die Lautstärke und die Zeitdauer, in der die Buds Klänge wiedergeben sollen, vorab in der App bestimmen. Willst du dann den Klang wechseln oder die Lautstärke ändern, musst du den Modus erst wieder deaktivieren. Das geht aber schnell auf der ersten Seite der App.

Die Ansicht des telefonunabhängigen Modus in der App.
Die Ansicht des telefonunabhängigen Modus in der App.

Dass die Buds selbst Klänge speichern können, aber doch keine Musik abspielen, nervt mich hingegen erneut. Laut Bose können die Sleepbuds keine Musik abspielen, weil die Akkus bewusst klein sind. Vielleicht ist das aber auch so, weil der amerikanische Hersteller die Dinger nicht als Musikabspielgerät auf dem Markt platzieren möchte – dafür ist die Soundqualität wahrscheinlich zu schlecht und für Bose als etablierter Kopfhörerhersteller für den Ruf unvorteilhaft.

Wenn dein Handy klingelt, klingelt’s auch in den Sleepbuds, jedoch kann der Anruf mit den Buds nicht entgegen genommen werden. Es ist auch nicht möglich, die Sleepbuds ohne App direkt am Handy im Bluetooth-Menü zu verbinden – ausser vielleicht, du bist ein Hacker. Das Smartphone findet die Buds ohne App nicht.

Akku schlechter, dafür weniger Probleme

Im Gegensatz zur Vorgänger-Version haben die Sleepbuds nun weniger Akkulaufzeit. Eine Ladung der Buds selbst hält etwa zehn Stunden – Langschläfern geht also der Saft aus. Das Case liefert aber drei weitere Ladungen. Bose begründet die kürzere Akkudauer damit, dass die Buds so klein sind. Die Vorgänger liessen sich bei vielen Usern nicht komplett laden oder schalteten sich einfach von selbst ab. Durch das Verbauen einer anderen Akku-Technologie hat Bose dieses Problem gelöst. Bei mir lassen sich die Buds immer vollständig laden und haben sich nie verselbstständigt.

Links die Version 2.0, rechts die erste Version der Sleepbuds. Dank den drei Pins, statt nur zwei, lassen sich die Neuen besser ins Case legen.
Links die Version 2.0, rechts die erste Version der Sleepbuds. Dank den drei Pins, statt nur zwei, lassen sich die Neuen besser ins Case legen.
Oben die Neuen, unten die Alten. Die Sleepbuds 2.0 sind etwas grösser.
Oben die Neuen, unten die Alten. Die Sleepbuds 2.0 sind etwas grösser.

Dafür funktioniert die Akkuanzeige nicht immer zuverlässig. Teilweise bescheinigen mir die Buds, dass ich nochzwei von fünf Akkupunkten habe, lassen sich aber nicht mehr einschalten, weil der Akku leer war. Mit der Reset-Option, die Bose in der App verbaut, konnte ich dieses Problem aber beheben und die Akkuanzeige funktioniert danach korrekt.

Mit den Vorgängern hatte ich oft das Problem, dass die App die Buds nicht finden konnte. Vor allem wenn noch andere Bluetooth-Kopfhörer gekoppelt waren, liessen sich die Buds nur sehr schwer verbinden. Dieses Problem scheint Bose gelöst zu haben, ich habe keine Probleme damit, die Buds zu verbinden und die Verbindung dann auch zu halten.

Zum Schluss noch etwas Positives für alle die im Schlaf stark schwitzen oder sonst irgendwie nass werden. Die Buds sind IPX4-zertifiziert, also geschützt gegen allseitiges Spritzwasser.

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Fazit: Lohnen sich nur für wenige

«Die nächste Generation – unsere Bose Sleepbuds™ II – ist weit mehr als nur ein Upgrade, denn sie bietet ein völlig neues Schlaferlebnis» das schreibt Bose auf der Unternehmenswebseite. Bose hat einige Dinge verbessert, das stimmt, ein völlig neues Schlaferlebnis bieten die Buds aber noch immer nicht.

Die Buds sind eine Investition für Leute, die aufgrund von Lärm Einschlafprobleme haben. Jedoch kann das Problem bei kurzzeitig auftretenden Geräuschen einfach und für einen Bruchteil des Geldes mit Ohropax gelöst werden. Deshalb eignen sich die Buds nur für diejenigen, die ständig Lärm ausgesetzt sind. Auch für Menschen, die unter einem Tinnitus leiden, können sich die Buds lohnen. Aussengeräusche werden gut übertönt, im Gegensatz zu Ohropax hast du aber nicht diese komplette Abschirmung, die dich noch empfindlicher auf Geräusche reagieren lässt.

Ich jedoch bleibe bei meinem Fazit, dass ich schon bei der ersten Version der Sleepbuds zog: Die Buds wären ein nettes Feature, wenn sie nicht so teuer wären. Oder wenn sie mehr Funktionen hätten.

Hast du Fragen zu den Sleepbuds 2.0, schreibe einfach einen Kommentar. Ich werde sie gerne beantworten.

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Livia Gamper
Livia Gamper
Junior Editor, Zürich
Experimentieren und Neues entdecken gehört zu meinen Leidenschaften. Manchmal läuft dabei etwas nicht wie es soll und im schlimmsten Fall geht etwas kaputt. Ansonsten bin ich seriensüchtig und kann deshalb nicht mehr auf Netflix verzichten. Im Sommer findet man mich aber draussen an der Sonne – am See oder an einem Musikfestival.

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