Shure SE315: Zweckentfremdung am MWC

Shure SE315: Zweckentfremdung am MWC

Dominik Bärlocher
Zürich, am 28.02.2018
Am Mobile World Congress in Barcelona improvisiert Team digitec viel. Das hat sich mittlerweile so weit durchgezogen, dass wir bei der Wahl des Equipments ausserhalb der üblichen Bahnen denken. Darunter sind Kopfhörer, die eigentlich für Rockmusiker auf Bühnen gedacht sind.

Zweckentfremdung. Eines meiner liebsten Wörter. Einfach nur darum, weil das Konzept alleine mich dazu zwingt, Dinge ganz anders zu sehen als ein Hersteller oder dessen Marketingabteilung sie sehen will. Das ist auch der Grund, warum Videoproduzentin Stephanie Tresch und ich mit merkwürdigen Fragen auf unser Produktmanagement in Zürich zugehen. Wir erklären selten den Use Case, sondern fragen nach Features.

So geschehen vor einigen Wochen, als ich zufällig Produktmanager Fabio Endrich gefilmt habe und zufällig Stephanie vorbeigekommen ist, die zufällig einen Satz Kopfhörer will.

«Ich brauche Noise Cancelling», sagt sie. Denn sie geht mit mir mir an den Mobile World Congress in Barcelona und will dort vor dem Dreh ein glasklares Bild vom Ton des Mikrofons haben, bevor die Aufnahme beginnt. Denn der Ton ist beim hohen Umgebungslärm unheimlich wichtig.

Fabio Endrich hat zufällig – all diese Zufälle in Zürich – ein paar Shure SE315 zur Hand. Ohne von seiner Arbeit aufzusehen, drückt er ihr die Kopfhörer in die Hand. Also besser inszenieren hätten wir das nicht können.

Kopfhörer
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SE315 (Schwarz)
Shure SE315 (Schwarz)

High-Definition MicroDriver für volles Klangspektrum. Tuned BassPort für optimierte Wiedergabe tiefer Frequenzen

Stephanie geht in ihrem gewohnten, leicht hüpfenden Gang davon, ich sammle das Mikrofon ein, das zufällig auf Fabios Tisch gestanden ist.

Noise Cancelling ohne Active

Durch eine Verkettung von Umständen, die weder Stephanie noch ich genau nachvollziehen können, sind die Shures endlich bei mir gelandet. Stephanie verlässt sich derweil auf Marshall In-Ears, die sie mir im Austausch entwendet hat.

Kopfhörer
Mode EQ (Black and Brass)
69.–
Marshall Headphones Mode EQ (Black and Brass)

Stylisher In-Ear Kopfhörer mit grossem Sound

Ich will die Shure nicht wieder hergeben.

Nach einem ersten Test in Zürich frage ich Fabio, wieso er ohne wenn und aber – noch bevor wir den Zufalls-Shot gemacht haben – auf die Shures schwört.

«Ich benutze die auf der Bühne», sagt der Musiker, der mit seiner Band dann und wann wieder durch die Schweiz tourt. Das Album lasse aber auf sich warten, fügt er an.

Wer bei einem Konzert schon einmal ganz vorne gestanden hat, der hat gesehen, dass Musiker oft Kopfhörer tragen. Der Grund dafür liegt darin, dass sie die Musik nicht wie das Publikum aus den massiven Speaker Arrays am Bühnenrand hören wollen, sondern die Instrumente und Stimmen der Kollegen und ihrer selbst. Dazu kommt natürlich, dass jeder Musiker sich das Gehör permanent beschädigen würde, wenn er oder sie in jedem Konzert die Maximallautstärke der Bühnenboxen ertragen müsste.

Daher hat Shure ebenfalls Dinge zweckentfremdet. Namentlich Ohrstöpsel und Kopfhörer. Die beiden Dinge hat der Hersteller kombiniert.

Damit kriegt Shure etwas hin, in das andere Hersteller zehntausende Dollars investiert haben: Nahezu perfektes Noise Cancelling. Die Aussenwelt dringt in etwa so gut in meine Ohren, wie sie mit Oropax tun. Denn genau das sind die Buds eigentlich. Du drückst sie zusammen, steckst sie ins Ohr und sie füllen deinen Gehörgang aus. In der Mitte sind dann die kleinen Lautsprecher, aus denen die Musik klingt.

Etwas Brille noch dazu

Ein drittes Element, das Shure zweckentfremdet hat, ist die Brille. Denn auf der Bühne muss Fabio Endrich, genau wie andere Musiker, nicht nur Musik spielen, sondern auch eine gute Show abliefern. Dazu gehört es, den Kopf zu bewegen. Wenn du in der Mitte eines Songs bist und dir die Kopfhörer aus den Ohren fallen, ist das etwas ungünstig.

«Ein Musiker kann auf der Bühne nicht einfach das Lied unterbrechen und so "Hey, sorry, ich muss mal hier kurz so meine Kopfhörer…"», scherzt Fabio.

Daher hat Shure das Konzept des Brillenbügels adaptiert und die Kabel gehen, ungewohnterweise, nach oben weg und nicht nach unten. Dann gehen sie in frei verstellbare Bügel über, die du hinter deine Ohren klemmen kannst. So halten die Kopfhörer bombenfest.

Die Soundqualität gehört dann auch mitunter zu dem, was ich als Musiker auf der Bühne erwarten würde. Satte Bässe, schöne Höhen und das bei angenehmer Lautstärke. Denn um Störgeräusche der Aussenwelt muss ich mich nicht sorgen.

*Sony am MWC 2018**: Sony Xperia XZ2 und Xperia Ear DuoVideo
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Der Formfaktor mit den Brillenbügel-Kabeln ist aber die grösste Schwäche der Headphones. Es geht immer eine gefühlte Ewigkeit, bis ich die Stöpsel in mein Ohr gebracht habe. Zuerst Hörer ins Ohr, dann seltsame Verrenkungen, bis die Bügel sitzen. Das dauert etwas länger als mir lieb ist.

Da Stephanie und ich gleich wieder weitermachen müssen – die Nachtschicht wartet – mache ich noch schnell ein Fazit. Die Shure SE315 sind meine neuen Lieblingskopfhörer. Sie sind zwar weniger für den morgendlichen Pendlerverkehr gemacht, können aber easy auch dort eingesetzt werden. Denn wenn du himmlische Ruhe im Tram oder dem Bus willst, oder die Videoproduzentin vor der Kamera hören willst, dann bist du mit den Shures bestens bedient.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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