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«Sea of Thieves»-Review: Lustig ist das Piratenleben, aber noch etwas limitiert

Gefechte auf Hoher See, Schätze ausbuddeln und sich mit Skeletten duellieren. «Sea of Thieves» bietet eine unterhaltsame Spielwiese für abenteuerlustige Piraten. Allerdings werden die einen Spieler das Meer als halbvoll und die anderen als halbleer bezeichnen.

Nicht nur den lebensspendenden Bananen merkt man Rares Händchen an. Die Entwickler von «Donkey Kong» und «Banjo-Kazooie» liefern mit «Sea of Thieves» ein stimmiges Openworld-Piraten-Spiel, das den unverkennbaren Charm des Studios beibehält. Alleine oder vorzugsweise mit Freunden erkundest du in diesem reinen Online-Game tropische Inseln und segelst über türkisblaues Wasser. Was du im Spiel machst, ist dir überlassen. Für den Spielspass bist du zu grossen Teilen selber verantwortlich und nicht jeder wird ihn finden.

Es gibt zu tun, aber nicht so viel

Die Galeone ist das grössere von zwei verfügbaren Schiffen.

«Sea of Thieves» besteht aus einem riesigen Inselreich in dem sich pro Instanz schätzungsweise bis zu sechs Schiffe befinden. Diese werden von Einzelspielern oder Teams von bis zu vier Spielern gesteuert. Gestartet wird von einem Aussenposten. Dort kannst du bei einer von drei Fraktionen Aufträge einholen. Die Goldhoarder schicken dich auf Schatzsuche, Order of Souls auf Skelettjagd und die Händler wollen, dass du für sie Hühner und Schweine einfängst. Je mehr Aufgaben du für eine Fraktion erledigst, desto komplexer werden die Aufgaben und desto besser die Beute. Im Kern bleiben sie allerdings immer gleich. Eine Schatzsuche besteht darin, die richtige Insel zu finden und dort ein rotes Kreuz, wo du graben musst. Manchmal gibt es kleinere Texträtsel, bei denen du bestimmte Stellen finden und von dort eine gewisse Anzahl Schritte gehen musst. Amüsant, aber doch sehr simpel. Deine Beute bringst du anschliessend zu einem Aussenposten zurück und kriegst dafür Gold.

Beute wird gegen Gold getauscht.

Alternativ kannst du auch frei die Meere besegeln und Inseln erkunden. Allerdings gibt es nicht sehr viel zu finden. Vielleicht stolperst du mal per Zufall über eine Kiste, eine Flaschenpost mit einer Quest oder du tauchst nach einem versunkenen Schiff. Ein unheimlicher Totenkopf am Himmel führt dich zu einem besonders gut bewachten Skelettlager, wo du als Belohnung ordentlich Gold abstauben kannst.

Ich habe alle möglichen Kombinationen von Solo, mit Freunden und mit Fremden ausprobiert und wenig überraschend macht es mit zwei, drei Freunden am meisten Spass. Aber auch alleine kann es Laune machen, ein paar Schätze auszugraben. Ausser man verliert nach einer Stunde Arbeit die Beute an andere Piraten. Dann vielleicht nicht mehr so fest.

Spannung durch andere Piraten

Seeschlachten enden meist im Chaos.

Am meisten Spannung bringen ganz klar Begegnungen mit anderen Spielern. Sei das zu Wasser oder zu Land. Da du Gold nur für erfolgreich abgelieferte Truhen, Schädel etc. kriegst, gilt es sie vor anderen Spielern zu schützen. Denn wie es sich als Pirat gehört, sind die besten Schätze die, die man gestohlen hat. Wenn du also am Horizont ein Segel siehst, dann heisst es meist: Angriff oder Flucht. Je nachdem wie voll dein eigener Laderaum ist. Seeschlachten gehören zu den Highlights. Hier kommt das Zusammenspiel der Mannschaft am stärksten zum Tragen. Nur wer sein Schiff und seine Mannschaft im Griff hat, kann triumphieren. Segel müssen ausgerichtet, Wasser abgeschöpft, Löcher geflickt, Kanonen geladen und abgefeuert werden – alles, während man auch noch geentert wird.

Gerade mit zufälligen Mitspielern verläuft das meist sehr chaotisch, was auch spassig sein kann. Geht dein Schiff unter, kann man sich bei der herbeieilenden Meerjungfrau wieder auf ein frisches Schiff teleportieren lassen. Die Beute wird bis dann allerdings vom gegnerischen Team abgestaubt worden sein.

Du kannst auch andere Schiffe kapern, indem du die Besatzung mit Säbel und Pistolen ins Jenseits schickst. Nach einem kurzen Timeout auf einem Geisterschiff werden sie allerdings wieder auf ihr Schiff zurückgeportet. Du kannst also nicht langfristig mehrere Schiffe kommandieren. Von ihrem Schiff entledigte Piraten können über das Menü ihr Schiff auch versenken lassen. Damit will Rare böswilligen Spielern vorbeugen.

Das Ziel ist der Spass, nicht der Fortschritt

Upgrades sind teuer.

In «Sea of Thieves» gibt es keine klassische Levelprogression. Du verbessersts weder deine Fähigkeiten noch dein Schiff. Alles, was sich verändert, sind kosmetische Dinge: dein Outfit, das Aussehen der Waffen, der Ausrüstung und natürlich das Design des Schiffs. Schneller oder besser wird damit nichts. So wird gewährleistet, dass alle Spieler die gleichen Voraussetzungen haben. Der Antrieb zum Spielen kommt also nicht vom Leveln. Zwar sind die zahlreichen optischen Upgrades wirklich sehenswert und ich freu mich über jeden neuen Federhut, jedes vergoldete Fernglas und jedes neue Segel, aber es ist nicht der Hauptgrund, warum ich weiterspiele.

Die ersten Abschnitte in diesem Review erwecken vielleicht nicht den Anschein, aber ich finde «Sea of Thieves» hat eine traumhafte Spielwiese geschaffen, in der ich mich stundenlang tummeln kann. Das Gameplay besitzt zwar nicht allzu viel Spieltiefe, aber doch genug Abwechslung, dass ich mich nicht langweile. Das Ausrichten der Segel, das Kartenlesen und die Zusammenarbeit als Mannschaft machen einfach Spass. Mal graben wir einen Schatz aus, dann füllen wir die Ressourcen für unser Schiff auf, dann liefern wir uns Gefechte mit Skeletten oder lauern am Hafen anderen Piraten auf und klauen ihr Schiff.

Auf Inseln suchst du nach Schätzen und jagst Skelette.

Das Verweilen in «Sea of Thieves» fühlt sich an wie tropischer Strandurlaub. Von der Stimmung und vom Aussehen her erinnert es mich stark an «Monkey Island». Wenn das Schiff in den Wellen schaukelt, die Sonne übers Meer scheint und du mit deinen Kameraden am Musizieren bist, dann stimmt einfach alles.

Unerwartetes

Am besten sind die unvorhersehbaren Momente. Wie als wir die Spitze eines versunkenen Schiffs aus dem Meer ragen sahen und beim hinabtauchen auf eine Schatzkiste stiessen. Die Truhe waren offenbar verflucht, denn sie setzte unser Schiff ständig unter Wasser und wollte bei jeder Gelegenheit davon schwimmen. Oder als wir uns in einer Seeschlacht mit drei anderen Galeonen wiederfanden und bei unserem regelmässigen Ableben im Jenseits mit anderen Spielern tanzten, während wir auf den Respawn warteten. Oder als wir den kompletten Laderaum eines feindlichen Schiffes entleerten und auf unser Schiff zurückbrachten, nur um zu merken, dass die anderen Spieler gerade das gleiche mit uns gemacht haben – immerhin erbeuteten wir die besseren Truhen. Yaarrrrrr.

Noch viel Luft nach oben

Das Wasser lädt zum Bädele ein.

Am meisten stört mich an «Sea of Thieves» der mangelnde Inhalt und die Inkonsequenz am Piratsein. Denn ausser Schätze suchen und Skelette töten, macht man nicht viel. Das Gerüst ist vorhanden, aber wieso kann ich nicht fischen, selber Schatzkisten öffnen, Handelsschiffe überfallen, Papageien als Haustiere halten, mehr als vier Lieder spielen, mich ins Koma trinken, mehr als fünf Patronen herumtragen, Schiffe in Brand setzen etc. etc. Es würde auch schon helfen, wenn die Aufträge etwas abwechslungsreicher wären und es mehr Gegner als Skelette und die eine Krake gäbe. Letztere gibt nicht mal eine Belohnung. Und trotzdem macht Rares Piratenabenteuer schon jetzt sehr viel Spass. Es bietet eine traumhaft schöne und stimmungsvolle Spielwelt, beeindruckende Wettereffekte, eine Segelmechanik, die besonders bei der Galeone genau den richtigen Grad an Tiefgang und Zugänglichkeit bietet und viele Möglichkeiten, Schabernack zu treiben. Auch die Crossbuy/Crossplay-Möglichkeit zwischen Xbox One und PC ist löblich. Wenn Rare jetzt noch fleissig Updates nachliefert, dann ist «Sea of Thieves» auch eine langfristig Reise wert.

«Sea of Thieves» ist verfügbar für PC und Xbox One. Beim Kauf sind beide Versionen enthalten.

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Freu dich auf das wilde Piratenleben
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Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

7 Kommentare

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User Binärsprachler

Am besten ist ja immer noch die Kiste, die dich sturzbetrunken macht, wenn du sie trägst.

26.03.2018
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User Pkey

Nah, am besten ist es einem gegnerischen Team, das schon an der letzten Wave dran ist (~20-40min), das Piraten-Fort zu klauen.

27.03.2018
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User GarminAsus

Wie verwirrt ich war, als ich auf einmal angefangen habe zu schwanken. :) Ich glaube ich hab bis jetzt in keinem Spiel so viel und so lange gelacht wie in Sea of Thieves. Einfach alles passt und es sieht grandios aus. Hoffentlich hält das an und wir werden mit mehr Content gefüttert :)

27.03.2018
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User Urbanian

die kiste der tausend grog ist allemal ein lacher wert xD

27.03.2018
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User graad085

Ich liebe Games mit Piratensetting (bspw. AC4). Aber ich (wie auch wahrscheinlich viele andere) haben nicht immer 4 Kumpel an der Leine um eben mal spontan ne Stunde zu zocken. Ist das Game als Solospieler zu gebrauchen oder kann man's gleich sein lassen?

27.03.2018
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User GarminAsus

Es macht - zumindest mir - auch solo Spass. Jedoch muss man sagen im Team einiges mehr. Man kann sich absprechen wer was macht auf dem Schiff. Bei Schatzsuchen etc. ist dann das Schiff auch nie unbeaufsichtigt. Musst du für dich selbst entscheiden.

27.03.2018
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