Samsung Galaxy Z Flip: Faltbar, Flaggschiff, Frauen-Phone?
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Samsung Galaxy Z Flip: Faltbar, Flaggschiff, Frauen-Phone?

Dominik Bärlocher
Zürich, am 12.02.2020
Am Samsung Unpacked Event hat der südkoreanische Konzern das Samsung Galaxy Z Flip vorgestellt. Das Flip soll dem konzept des faltbaren Flaggschiffs vollends zum Durchbruch verhelfen.

«Zuerst haben wir das faltbare Smartphone erfunden. Jetzt haben wir es neu interpretiert», sagt die britische Stimme aus dem Off im offiziellen Intro-Video des Samsung Galaxy Z Flip. Das ungeachtet der Tatsache, dass das Royole Flexpai zuerst war, sonst aber schlecht.

Im Hintergrund tönt Billie Eilishs «Bad Guy». Es breche mit den Gesetzen der Physik, heisst es weiter, denn das Z Flip falte Glas. Danach eine Parfümflasche zum Grössenvergleich, ein Portemonnaie, eine Scheibe Avocado-Toast, Youtube-Kommentare und Yoga.

Mein erster Eindruck: Zu viel Marketing-Geschwurbel und Gender-Marketing für etwas, das sich hardware-technologisch nicht verstecken muss. Und sich auch nicht verstecken soll.

Hinter dem gefalteten Glas

Samsung hat klar aus dem Debakel mit dem Samsung Galaxy Fold gelernt. Dessen erste Version ist schnell kaputt gegangen, da sich Dreck via Scharnier hinter den Bildschirm hat schleichen können. Dieser hat das Display beschädigt und das 2000-Franken-Phone war dahin. Die zweite Version, die es in der Schweiz zu kaufen gibt, hat dies behoben. Das Samsung Galaxy Z Flip geht einen Schritt weiter. Es wird ab dem 14. Februar 2020 in der Schweiz erhältlich sein.

Ein Bürstensystem im Innern des Phones verhindert das Eindringen von Staub und Dreck
Ein Bürstensystem im Innern des Phones verhindert das Eindringen von Staub und Dreck
Samsung

Die kleinen Bürsten im Innern des Scharnier-Mechanismus’ sollen verhindern, dass das faltbare Glas durch Staub beschädigt wird. Samsung nennt den Scharnier-Mechanimus übrigens «the smallest ever». Mangels allzu viel Vergleichsmaterial auf dem globalen Markt glaube ich das dem südkoreanischen Hersteller jetzt mal.

Das Z Flip hat einen Qualcomm Snapdragon 855+ verbaut, sprich eine Prozessorleistung von bis zu 2.95 GHz mit acht Prozessorkernen und 5G unter 6GHz. Dazu 8GB RAM und 256 GB interner Speicher.

Das Kamerasystem auf der Aussenseite:

  • 12 Megapixel Weitwinkellinse, f/1.8, optischer Bildstabilisator
  • 12 Megapixel Ultraweitwinkellinse, f/2.2

Da hat Samsung etwas gespart, wohl aus Platzgründen. Denn zusammengefaltet misst das Flip 87.4 x 73.6 x 17.3 Millimeter. Es wiegt 183 Gramm und hat einen 3300 mAh Akku verbaut.

Auf der Aussenseite ist ein 1.1 Zoll grosses Display für Notifications verbaut. Das ist wie der Hauptscreen Amoled.

Der Platzhirsch auf dem neuen Markt?

Mit den Specs ist das Flip dem Motorola Razr massiv überlegen. Im Preis auch: Das Razr kostet in den USA ohne Mehrwertsteuer, die von Staat zu Staat variiert, 1499.99 Dollar. Das technologisch weit überlegene Flip 1380 Dollar. Wo das Razr spec-mässig im Mittelfeld rumdümpelt, zeigt Samsung die Agressivität auf dem Markt, der noch keiner ist. Denn faltbare Smartphones sind noch nicht da angekommen, wo sie dereinst sein werden.

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Nach wie vor scheint das Konzept faltbar etwas zu sein, das Hersteller als Spielplatz für neue Ideen und Formen verwenden. Das ist gut so. Das macht Spass. Klar, da gibt es depperte Maschinen wie das Royole Flexpai, auch bekannt als das Escobar 1. Oder Tech-Demos wie das Samsung Galaxy Fold, das zwar zeigt, was die neue Technologie kann, sich aber alles in allem nicht besonders massentauglich anfühlt.

So langsam kristallisiert sich eine gewisse Serienreife heraus. Das Galaxy Flip hat laut Samsung erstmals Massen-Appeal, was sich im hippen Werbespot mit Zielgruppeneinschlag zeigt.

Interessant ist die Aussage mit dem «faltbaren Glas». Was ist das für ein Material? Glas ist allgemein dafür bekannt, spröde, hart und steif zu sein. Es kann also gut sein, dass das Material kein Glas im traditionellen Sinne ist, sondern ein Material, das sich wie Glas anfühlt. Das ist schon mal sehr vielversprechend, denn bisher hat sich das Display auf allen Foldables, die ich in den Händen gehalten habe, billig und heikel angefühlt. Samsung spricht nur von einem«revolutionary flexible glass».

Zum Schluss bleibt noch eines: das Review. Ich bin gespannt.

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Dominik Bärlocher
Dominik Bärlocher
Senior Editor, Zürich
Journalist. Autor. Hacker. Ich bin Geschichtenerzähler und suche Grenzen, Geheimnisse und Tabus. Ich dokumentiere die Welt, schwarz auf weiss. Nicht, weil ich kann, sondern weil ich nicht anders kann.

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