Review Logitech G935 und G635: Durchschnittlich im Preis, aber auch in der Qualität

Review Logitech G935 und G635: Durchschnittlich im Preis, aber auch in der Qualität

Philipp Rüegg
Zürich, am 19.03.2019
Das G635 respektive das kabellose G935 sind Logitechs neue Premium-Headsets. Trotz 7.1-Surround-Sound, verbesserter 50mm-Treiber und schicker RGB-Beleuchtung sind sie aber eher im Mittelklasse-Segment einzuordnen.

Durch mein Bestreben den besten Surround Sound zu finden, probiere ich immer wieder neue Headsets aus. Vollends überzeugt hat mich noch keines. Logitechs G933 zählt bei den digitec-Usern zu den populärsten Gaming-Headsets. Darum bin ich gespannt, ob dessen Nachfolger, das G935 respektive das günstigere G635-Modell meinen Ohren schmeicheln werden. Ich erwarte zwar nicht, dass sie mein deutlich teureres Astro A50 übertrumpfen, aber man weiss ja nie. Schliesslich gehört der niederländische Headset-Bauer, der für das Astro A50 verantwortlich ist, mittlerweile zu Logitech. Vielleicht ist bereits etwas vom Know-how in die neue G-Reihe geflossen.

Spezifikationen * Kabelgebunden (3.5 mm oder USB) oder als Wifi-Version * Frequenzbereich 20 - 20 000 Hz, Impedanz 39 Ω * 50 mm-Treiber * DTS Headphone X 2.0 * RGB-Beleuchtung * Einklappbares Mikrofon * Bis zu 12 h Akku (G935)

Plastik-Look und mässiger Komfort

Das Design ist naja.
Das Design ist naja.

Das G935 und G635 unterscheiden sich nur in der Wireless-Funktionalität. Ansonsten sind sie technisch identisch: 50-mm-Treiber, kompatibel zu PC, Switch, PS4, Xbox One, Smartphone, RGB-Beleuchtung und programmierbare Tasten etc.

Der erste Kontakt erfüllt mich mit wenig Zuversicht. Design ist zwar Geschmackssache und Gaming-Headsets sind selten optische Offenbarungen – aber Logitechs Kopfhörer stechen als schwarze Plastikmonster heraus. Die Ohrmuscheln zum Beispiel. Sie sind sieben Zentimeter dick. Da musst du aufpassen, dass du noch durch den Türrahmen passt. Das Kopfband ist kantig und drückt störend. Die Headsets fühlen sich billig und klapprig an. Das bestätigt mir auch so ziemlich jeder in der Redaktion, dem ich die Dinger in die Hand drücke. Das Gefühl wird noch verstärkt, wenn du die magnetische Seitenklappe abnimmst; dort verbirgt sich beim G935 der USB-Wifi-Adapter.

Hinter der Abdeckung kannst du den Wifi-Adapter verstauen.
Hinter der Abdeckung kannst du den Wifi-Adapter verstauen.

Die G935/G635 passen durch das verstellbare Kopfband auf die meisten Köpfe. Trotzdem empfinde ich sie als etwas zu eng und zu schwer, und das liegt nicht allein an meiner Lockenpracht. Wenn ich sie um den Hals trage, drückt mir bereits nach wenigen Minuten das Gewicht von 344 g respektive 379 g auf den Nacken. Die Ohrpolster dürften noch etwas weicher sein. Bei der Wireless-Version sind sie aus Leder und eine Spur angenehmer. Bei der kabelbegundenen Variante musst du dich mit Stoff zufrieden geben. Sie sind abnehmbar, allerdings etwas mühsam wieder aufzuziehen.

Die Ohrmuscheln sind grosszügig dimensioniert, so dass die Ohren nirgends unangenehm anstehen.

Umständliche Bedienung

Die Bedienung ist alles andere als intuitiv.
Die Bedienung ist alles andere als intuitiv.

Beide Kopfhörer sind sowohl per Micro-USB (leider kein USB-C) als auch per Klinkenkabel nutzbar. Letztere ist für die Verbindung zum Smartphone gedacht. Beim G935 musst du lediglich den Wifi-Adapter am PC einstecken, um loszulegen.

Mit der neuen Logitech-G-Hub-Software lassen sich alle angeschlossenen Logitech-Produkte steuern. Für die Headsets stehen dir verschiedene RGB-Farbmodi zur Auswahl. Du kannst sie sogar mit deinen anderen leuchtenden Logitech-Produkten synchronisieren. Ausserdem kannst du Audio-Profile für verschiedene Spiele abspeichern. Die G-Hub-Software ist viel übersichtlicher als beim Vorgänger.

microUSB für die Verbindung mit dem PC und 3.5 mm für das Smartphone.
microUSB für die Verbindung mit dem PC und 3.5 mm für das Smartphone.

Während es ausser dem fehlenden USB-C-Anschluss an der Technik nichts zu bemängeln gibt, konnte ich mich mit den Tasten am Headset überhaupt nicht anfreunden. Das Lautstärke-Rädchen geht in Ordnung, ist allerdings etwas empfindlich. Aber was Logitech bei den vier Tasten sowie dem Ein-Aus-Schalter überlegt hat, geht mir nicht in den Kopf. Die Knöpfe müssten blind ertastbar sein, da ich keine Lust habe, ständig das Headset abnehmen zu müssen. Allerdings fühlen sich alle gleich an. Also fängst du zuoberst beim Power-Schalter an und tastest dich langsam herunter. Intuitiv ist anders. Viel schlimmer ist allerdings, dass es kein Audiofeedback gibt. Hab ich jetzt grad den Surround ein- oder ausgeschaltet, oder doch nur den Equalizer verstellt? Unverständlich, wie man daran nicht gedacht hat. So muss ich regelmässig zurück zu Windows wechseln, um in der Logitech-Software nachzuschauen, welche Einstellungen gerade aktiv sind.

Die Tasten G1-G3 lassen sich mit unterschiedlichen Funktionen und Makros belegen. Standardmässig steuern sie Surround, Equalizer und RGB-Beleuchtung. Die letzte Taste schaltet das Mikrofon ein und aus. Da das Mikrofon aber einklappbar ist, habe ich die Taste nie benötigt.

Es geht ja doch: Soundqualität und Surround-Funktion

Die 50-mm-Treiber produzieren ordentlichen Sound.
Die 50-mm-Treiber produzieren ordentlichen Sound.

Das Logitech G935 und das G635 unterstützen das virtuelle Surround-Format DTS X 2.0. Es lässt sich per Taste am Headset ein- oder ausschalten. Damit simuliert das Stereo-Headset 7.1-Surround-Sound. Der Unterschied ist deutlich feststellbar. Anfangs klingt DTS X 2.0 sehr dumpf und basslastig. Da ich es mir schon von den Astro A50 gewohnt bin, hat mich das nicht sonderlich gestört. Ohne DTS X 2.0 klingen die Kopfhörer eher zurückhaltend.

Bei meinem Test hat die Surround-Taste in Spielen oft nicht reagiert. Erst, als ich mit Alt+Enter zum Fenstermodus gewechselt habe und bei geöffneter Logitech-Software die Taste betätigte, funktionierte das Umschalten auch im Game.

Der Surround-Effekt funktioniert relativ gut und die Übergänge von einem Ohr zum anderen sind fliessend. Dafür kann es je nach Spiel vorkommen, dass sich der Sound überlagert und einzelne Tonquellen schlechter auszumachen sind, als wenn du im Stereomodus zockst. Am besten probierst du in jedem Spiel kurz beide Varianten aus. In allen Fällen empfand ich den Ton meiner Astro A50 als ausgeglichener und Details waren damit besser auszumachen.

Surround lässt sich ein- oder ausschalten.
Surround lässt sich ein- oder ausschalten.

«Soma» ist ein Horrorgame mit hervorragendem Surround Sound, das sich perfekt für solche Tests eignet. Mit DTS X 2.0 konnte ich klar Geräusche hinter mir ausmachen. Das Rauschen von Wasser oder das Rumoren von Maschinen umhüllt dich regelrecht.

In «Overwatch» macht das G935 und das G635 ebenfalls eine gute Figur. Als der fette Roadhog angestampft kam, konnte ich hören, wie weit er noch entfernt war und dass er aus einem Gang hinter mir kam.

In «Rainbow Six Siege» war der Unterschied zu Stereo bezüglich räumlicher Wahrnehmung weniger deutlich. Auch ohne Surround konnte ich Gegner relativ gut orten. Hier waren mir zudem die Bässe mit DTS X 2.0 zu stark.

Zum Schluss habe ich noch «Apex Legends» ausprobiert, wo die genaue Ortung von Gegnern entscheidend ist. Der dominante Bass fällt als Erstes auf. Sobald du dich aber daran gewöhnt hast, freust du dich über das Krachen, wenn du mit der Peacekeeper Gegner aufs Korn nimmst. Der Surround Sound hilft, Geräusche besser einer Richtung zuordnen zu können. Dafür stechen sie nicht mehr ganz so klar heraus wie im Stereo-Modus.

Das G935 sowie das G635 lassen in Games nichts anbrennen. Mit den 50-mm-Treibern knallt und rummst es auf den Ohren und DTS X 2.0 ist eine sinnvolle Ergänzung. Ein ganz so ausgewogenes Klangbild wie die Astro A50 oder die Steelseries Arctis Pro Wireless bieten sie aber nicht.

Auch zum Musikhören sind Logitechs neue Kopfhörer bestens geeignet. Egal ob Full Clip von Gang Starr oder Bulls on Parade von Rage Against the Machine: Die Bässe wummern und die Gitarre rockt. Wenn du dir dagegen ordentliche Hifi-Kopfhörer gewohnt bist, sind die Mitten zu wenig ausgeprägt, und der Sound klingt etwas flach im Vergleich.

Das Mikrofon erfüllt seinen Zweck

Das Mikro kann ein- und ausgeklappt werden.
Das Mikro kann ein- und ausgeklappt werden.

Das Mikrofon verbirgt sich hinter der rechten Ohrmuschel. Es ist anfangs etwas frickelig zum Herausnehmen, da es fast zu gut verstaut ist. Du musst dich langsam herantasten, bist du das obere Ende zu fassen kriegst.

Die Tonqualität ist nicht viel besser. Für eine Runde «Apex» wechselte ich im Chat-Client Discord vom Astro A50 auf das Logitech G935. Kaum betrat ich den Voice Chat, dröhnt es mir von Kollege Balissat entgegen: «Läck tönsch du scheisse. Häsch es neus Mic?». Klarer hätte das Urteil nicht ausfallen können. Über Discord habe ich anschliessend eigene Mikrofontests gemacht. Der Klang ist nicht wirklich berauschend. Es sind leichte Zischgeräusche wahrnehmbar und die Stimme wirkt komprimiert. Die Option «Hintergrundgeräusche unterdrücken» im Logitech Hub hat keinen Unterschied gemacht. Aus Neugier habe ich noch das günstigere G432 hinzugezogen. Das klingt zwar etwas heller, aber insgesamt angenehmer.

Das Mikrofon klingt nicht berauschend.
Das Mikrofon klingt nicht berauschend.

Beim Zocken, wo gleichzeitig der Gamesound zu hören ist, fällt die mässige Mikrofonqualität kaum auf. Du wirst problemlos von jedem verstanden, aber Komplimente für deine schöne Stimme solltest du nicht erwarten.

Fazit: Nicht berauschend

Von der ersten Berührung bin ich mit dem Logitech G935 respektive G635 nicht wirklich warm geworden. Die Pseudometall-Beschichtung der Gelenke wertet die Headsets nicht auf, sondern verstärkt den minderen Plastikeindruck. Auch der Tragekomfort hat mich nicht begeistert. Zwar haben mir die Ohren auch nach mehreren Stunden nicht geschmerzt, dafür drücken die Headsets unangenehm auf den Kopf. Beim Abnehmen entfuhr mir regelmässig ein tiefer Seufzer. Wie nach dem Ausziehen der Skischuhe nach einem Tag in den Bergen.

Die RGB-Beleuchtung lässt sich individuell einstellen.
Die RGB-Beleuchtung lässt sich individuell einstellen.

Die rechte Ohrmuschel ist zugepflastert mit Knöpfen und Rädchen. Wegen fehlendem Audiofeedback hast du aber keine Ahnung, was du gerade gedrückt hast und ob du es ein- oder ausgeschaltet hast. Ein No-Go. Immerhin können die Headsets in der entscheidenden Disziplin überzeugen: dem Sound. Für ihre Preisklasse produzieren sie einen ordentlichen Klang und auch die Surround-Funktion hat in den meisten Spielen einwandfrei funktioniert. Dafür ist das Mikrofon klanglich nur genügend.

Die G935/G635 haben mich nicht vom Hocker gehauen. Am Sound gibt’s nichts zu meckern, aber der Rest ist vom Design bis zur Bedienung schmerzhaft mittelmässig. Ich würde entweder zum günstigeren G432 greifen oder warten, was die Übernahme von Astro für Produkte mit sich bringt.

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Philipp Rüegg
Philipp Rüegg
Senior Editor, Zürich
Als Game- und Gadget-Verrückter fühl ich mich bei digitec und Galaxus wie im Schlaraffenland – nur leider ist nichts umsonst. Wenn ich nicht gerade à la Tim Taylor an meinem PC rumschraube, oder in meinem Podcast über Games quatsche, schwinge ich mich gerne auf meinen vollgefederten Drahtesel und such mir ein paar schöne Trails. Mein kulturelles Bedürfnis stille ich mit Gerstensaft und tiefsinnigen Unterhaltungen beim Besuch der meist frustrierenden Spiele des FC Winterthur.

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