Pro-Ausstattung, nicht ganz so gute Soundqualität: Das Logitech G Pro X im Test

Pro-Ausstattung, nicht ganz so gute Soundqualität: Das Logitech G Pro X im Test

Kevin Hofer
Zürich, am 14.12.2019

Das Logitech G Pro X ist ein solides Headset, das vor allem durch seine tolle Verarbeitung und Ausstattung überzeugt. Bei der Musikwiedergabe und der Surroundfunktion hat das Headset jedoch Schwächen.

Das Pro-X-Headset hat Logitech mit E-Sport-Profis entwickelt. Mal schauen, ob das Teil tatsächlich Pro ist.

Design, Lieferumfang und technische Daten

Mit den offen geführten Kabeln und dem Kunstleder erinnert das Pro X an Kopfhörer der 70er Jahre. Damit sticht das Headset aus der Masse der Gamer-Headsets mit meist futuristischem Design heraus. Eine gewagte Design-Entscheidung von Logitech, die mir sehr gut gefällt. Auffällig sind die runden Platten in gebürstetem Aluminium-Look auf den Seiten.

Das Pro X lässt sich in zwölf Stufen an verschiedene Kopfgrössen anpassen. Die Ohrmuscheln sind nicht schwenk-, sondern nur neigbar. Auf meinem sehr kleinen Kopf sitzen sie auf der kleinsten Einstellung wie angegossen. Sie drücken auch nach mehreren Stunden Tragen nicht.

Das Headset wirkt wegen dem Gabelstück aus Aluminium und dem Kopfbügel aus Stahl hochwertig verarbeitet. An der Verarbeitung und dem Lieferumfang gibt’s nichts zu meckern. Logitech liefert nebst den Ohrpolstern aus Kunstleder noch solche mit Velours mit. Ebenfalls im Lieferumfang sind:

  • Externe USB-Soundkarte (siehe Bild)
  • Abnehmbares Mikrofon
  • Kabel (2 m) mit integrierter Lautstärkeregelung und Stummschaltung
  • Kabel für unterwegs
  • Y-Splitter für separate Mikrofon- und Kopfhörer-Buchsen
  • Tragetasche

Das Headset wirkt äusserst kompakt, obwohl es mit 138 × 94 × 195 Millimetern nicht wirklich kleiner als andere Kopfhörer ist. Mit 320 Gramm ist es für so viel Stahl und Aluminium verhältnismässig leicht. Logitech kann beim Headset Gewicht einsparen, weil es weder über 2.4 GHz- noch Bluetooth-Verbindung verfügt. Die weiteren technischen Daten:

  • Impedanz: 35 Ohm
  • Frequenzbereich Kopfhörer: 20 Hz - 20 kHz
  • Frequenzbereich Mikrofon: 100 Hz - 10 kHz

Soundqualität und Bedienung

Bei den Bedienelementen spart Logitech und reduziert auf das Wesentliche: Am Headset selbst hat es nur die Anschlüsse für Kabel und Mikrofon. Am Kabel lässt sich die Lautstärke regulieren und stummschalten. Das Headset isoliert kaum gegen Aussen. Ich kann während dem Gamen auf mittlerer Lautstärke mit meinen Kollegen diskutieren.

Das Pro X ist allem voran fürs Gamen gedacht, weshalb ich es zuerst dabei teste. Dank DTS Headphones:X 2.0 soll 7.1-Kanal-Surround-Sound geliefert werden. Für mich hört sich das Ganze aber wie glorifiziertes Stereo an. Weder mit aktiviertem Surround in der G-Hub-Software noch mit aktiviertem Windows Sonic habe ich den Eindruck, dass der Klang über mehr als zwei Kanäle in mein Gehör dringt. Diesen Eindruck habe ich aber mit jedem Surround-Headset.

Dennoch nehme ich Geräusche beim Gamen im Raum wahr. Ich höre aber nicht wirklich einen Unterschied, ob ein Geräusch von links vorne, von links oder links hinten kommt. Das erschliesst sich mir erst in Kombination mit dem Bild. Im Gegensatz zum Musikhören, dazu gleich mehr, nehme ich Stimmen beim Gamen klar wahr – die Mitten sind gut ausbalanciert. Explosionen tönen – im wahrsten Sinne des Wortes – bombastisch und wenn zu Beginn von «Star Wars Jedi: Fallen Order» der Soundtrack einsetzt, gehen meine Unterarmhaare steil und ich wähne mich wirklich in Star Wars.

Zur Beurteilung der Soundqualität höre ich zuerst Musik ab Smartphone. Nach einigen Sekunden «Run Boy Run» von Woodkid aktiviere ich meinen Equalizer: Das Pro X klingt sehr flach. Obwohl der Kopfhörer beinahe keinen Bass hat, gehen die Mitten komplett unter. Auch nach minutenlangem Experimentieren mit den Soundeinstellungen wird’s nicht besser.

Vielleicht kann es die externe USB-Soundkarte richten. Aber auch hier: Mir gefällt die Wiedergabe von Musik überhaupt nicht. Für meine Ohren ist das Pro X in Sachen Musik nichts. In der G-Hub-Software nehme ich diverse Einstellungen am Equalizer vor. Ich merke jeweils keinen grossen Unterschied. Enttäuschend finde ich auch, dass ich erst ab 80 Hz Anpassungen vornehmen kann. Und das, obwohl der Frequenzbereich des Pro X bei 20 Hz beginnt.

Das Mikrofon

Beim Mikrofon setzt Logitech auf Blue-Voice-Mikrofontechnologie. Damit lassen sich Echtzeit-Sprachfilter erzeugen, die Geräusche unterdrücken und die Lautstärke ausgleichen sollen. Das funktioniert echt gut. Meine Stimme kommt klar rüber und es ist für mich weniger befremdlich, mich selbst sprechen zu hören. Die Qualität des Mikrofons ist schlichtweg genial. Es ist die bei weitem besten Eigenschaft des Headsets.

In der G-Hub-Software hast du Zugang zu diversen Einstellungen wie Hochpassfilter, Rauschunterdrückung, Sprach-Equalizer, Limiter und weiteren. So viele Optionen habe ich noch nie bei einer Software gesehen. Da darf ich Logitech echt ein Kränzchen winden.

Fazit:

Das Pro X lässt mich etwas ratlos zurück. Ich finde das Headset Punkto Tragekomfort, Design und Konfigurationsmöglichkeiten super. Vor allem die unzähligen Optionen in G Hub suchen ihresgleichen. Auch die Soundqualität beim Gamen überzeugt, ausgenommen der Surround-Funktion.

Auf der anderen Seite ist das Headset schlecht gegen Aussen isoliert und dadurch in lauter Umgebung nicht zu gebrauchen. Ich konnte im lauten Grossraumbüro manchmal nicht mal den Ton hören und musste voll aufdrehen. Die angepriesene Surround-Funktion empfinde ich als besseres Stereo und für mein Gehör ist das Headset nicht zum Musikhören geeignet.

Falls dir Musik am PC wichtig ist und du kein Mikrofon zum Gamen benötigst, ist das Pro X nichts für dich. Dazu ist ist die Soundqualität beim Musikhören für mich zu schlecht. Bist du aber auf der Suche nach einem kabelgebundenen Headset mit exzellentem Mikrofon und guter Soundqualität beim Gamen, dann liegst mit dem neuen Wurf von Logitech G richtig. Knapp 140 Franken, beziehungsweise knapp 120 Euro (Stand: 11.12.2019) sind jedoch eher teuer für ein kabelgebundenes Headset.

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Technologie und Gesellschaft faszinieren mich. Die beiden zu kombinieren und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten, ist meine Leidenschaft.


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