Peppe deine Beziehung auf mit einem selbstgebauten 3D-Drucker
Hintergrund

Peppe deine Beziehung auf mit einem selbstgebauten 3D-Drucker

Mariana Hurtado
Bern, am 31.01.2017
Manchmal ist es schwierig, die Beziehung mit seinem Partner interessant zu halten, besonders wenn der neugefundene Zauber der Zweisamkeit verblasst. Wieso also nicht den Reiz des Neuen mit einem 3D-Drucker auffrischen? Klingt komisch, ist aber vielleicht genau das, was deine Beziehung braucht.

Als ich meinen Freund kennenlernte, hat er mir erzählt, wie sehr ihn das Konzept des 3D-Druckens fasziniert und wie gut ihm die Idee gefiel, seine eigenen Lösungen und Ideen einfach umsetzen zu können, indem er Dinge selbst zu Hause druckt. Als verkappte Produktdesignerin (zumindest steht das auf meinem Bachelor-Diplom direkt nach Grafikdesign), habe ich eine Menge Prototypen designt und 3D-Drucke hinter mir, ich wusste es besser. Beim dreidimensionalen Drucken ist es einfach so, dass nichts auf Anhieb funktioniert und es eine Menge Aufwand benötigt, um ein brauchbares Resultat zu erhalten. Aber das trifft auch auf Beziehungen zu. Es wird nicht ohne Aufwand klappen und es ist viel einfacher, wenn man seine Kräfte für dieses Unternehmen vereint.

Acht Monate später: Wir sind immer noch zusammen. Alles ist super, aber halt einfach nicht mehr so aufregend wie als alles noch neu und frisch war… bis ich uns für einen Workshop einschreibe, um unseren eigenen 3D-Drucker zu bauen. Mein Typ war zuerst etwas zögerlich. Er liebte die Idee, aber sie in zwei Tagen non-stop Arbeit in die Tat umzusetzen war doch eine ganz neue Angelegenheit. Auch die faire Skepsis, ob das fertige Produkt tatsächlich brauchbar und nicht nur ein kleines Gadget sein wird war ein grosses Gegenargument. Und ich muss betonen, dass keiner von uns beiden besonders handwerklich begabt ist. Aber nach einigen Nachforschungen und etwas gut zureden war er an Bord.

Unser Programm:

  • Tag eins: Der Zusammenbau
  • Tag zwei: Verkabeln, kalibrieren und DRUCKEN!

Kniffeleien und Begegnung mit dem «Borad»

Einfach, oder? Nun, nicht wirklich. Ich muss zugeben, es war ziemlich anstrengend. So viele Schrauben, Kabel und knifflige Teile können dir wirklich den Kopf verdrehen, wenn du kein Naturtalent bist. Aber die Begeisterung auf seinem Gesicht während des ganzen Prozesses zu sehen hat mich bei der Stange gehalten.

Wir haben ganz ähnliche Drucker im Angebot

Nun das Modell: Vor uns verstreut lagen alle Teile, um einen FLSUN Metal Frame Prusa i3 zusammenzubauen. Du weisst schon, einer dieser RepRap selbstreplizierenden 3D-Drucker, für die du alle Schlüsselelemente selbst drucken kannst und die restlichen Teile dazukaufst. Glücklicherweise hatte die Druckersteuerung bereits ein integriertes Motherboard, auf der die Firmware vorinstalliert war, also mussten wir nur noch der schlecht übersetzten Anleitung folgen und die Teile wie einen chinesischen Lego-Abklatsch zusammensetzen, um dieses Baby auf die Füsse zu stellen. Nicht nur ist die Grammatik der Betriebsanleitung irgendwo zwischen fragwürdig und falsch, sondern sie hat auch noch Tippfehler drin. Unser Favorit: Borad statt Board.

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Du bist gut boraden, die Anleitung genau zu befolgen.

Grundsätzlich ist ein 3D-Drucker ein ziemlich simples Gerät. Eine Art Plastikfaden wird von einer Rolle in eine aufgeheizte Düse befördert, wo er schmilzt und dann Schicht für Schicht auf eine Platte aufgetragen wird, bis sich die Schichten zu einem physischen Objekt stapeln. Die Objekte können selbst designt werden, oder du lädst sie dir einfach druckfertig von einer der vielen Webseiten runter, die von der sehr aktiven Community erstellt werden.

Du brauchst zwar kein Raketenwissenschaftler zu sein, um das hinzukriegen, aber ich war froh dass wir ein fertiges Modell als Referenz und die Unterstützung des Workshop-Leiters zur Verfügung hatten. Immerhin ist es ein Gerät mit elektrischen Motoren und beweglichen Teilen, die auf einer millimetergenauen Ebene arbeiten und nicht irgendein Billy-Regal. Besonders tricky war das Anbringen der Zahnriemen, welche die Druckplatte auf der Y-Achse und den Druckkopf auf der X-Achse bewegen - natürlich überliess ich das meinem Freund während ich bemüht war, mit der Elektronik beschäftigt zu wirken.

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Der Metallrahmen war nicht wirklich anspruchsvoll, aber er hat definitiv seine Zeit beansprucht

Nach dem Kabeln kommt das Drucken

Nach dem Zusammenbauen der ganzen Hardware folgte abschliessend die Verkabelung zwischen der Logikplatine, den Motoren der Achsen und der Druckersteuerung. Dieser Teil forderte ebenfalls einige kreative Interpretation der Anleitung, war aber einfacher, als wir zuerst befürchtet hatten. Glücklicherweise sind wir beide etwas besessen davon, alles schön und ordentlich zu machen, also hat keiner den anderen in seinen ausschweifenden Bestrebungen aufgehalten, die Kabel zu bündeln und arrangieren, auch wenn es überhaupt nichts zur Funktionalität beigetragen hat.

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Verkabeln mit akribischer Präzision

Wenn der Drucker erst mal zusammengebaut ist, könnte man meinen, man habe es geschafft. Das ist aber erst der Anfang. Jeder weiss, dass Drucker sehr launisch und unkooperativ sein können (wie Freunde oder Freundinnen manchmal), jetzt gibst du noch eine zusätzliche Dimension dazu, und du hast eine richtige Herausforderung in den Händen.

Wie für jeden anderen Drucker müssen die Treiber auf dem Computer installiert werden und dazu eine Software, welche die Dateien für den Drucker aufbereitet. In unserem Fall war das Repetier Host, eine Gratissoftware. Mein Freund installierte alles auf seinem Windows-10-Laptop und konnte den PC im Handumdrehen mit dem Drucker verbinden. Währenddessen schlug ich mich mit Treibern rum, die entweder nicht funktionierten oder meinen Mac sofort abstürzen liessen. Soviel zu launisch und unkooperativ. Da war ich also und kämpfte mich für fast eine Stunde mit dem Fluch ab, den der Entwickler mir auferlegt hatte. Endlich konnten zuletzt sowohl PC als auch Mac mit dem Drucker kommunizieren. Das Ganze war aber genug für mich, um die technischen Einzelheiten von da an meiner talentierten besseren Hälfte zu überlassen.

Da dies ein gemeinsames Projekt war, haben wir beschlossen, dass ich mich ans 3D-Modelling halte (was ich schon seit Jahren mache), und er verantwortlich für die Kalibrierung und den Druck ist. Ich denke, dass ich die bessere Hälfte des Deals abbekommen habe. Frauen, investiert zuvor ein paar Stunden, lernt 3D-Design und ihr könnt euren Partner dazu bringen, sich um die Kalibration zu kümmern, was sie für den Rest ihres Lebens heimsuchen wird. Aber hey, ihr seid für das digitale Reissbrett verantwortlich, und das ist auch sehr mühsam und zeitaufwändig (nicht wirklich wenn ihr wisst, was ihr tut, aber spielt einfach mit).

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Das fertige Produkt, Minuten vor dem mühseligen Prozess der Kalibration

Es gibt so viele Variablen zu konfigurieren, um einen Druck einigermassen anständig hinzukriegen, dass ich gar nicht mehr versuche, zu verstehen, was was macht. Motorenschritte, Filament-Förderraten, Temperaturen, millimetergenaues Nivellieren... eine ganze Unmenge an Einstellungen sind zu beherrschen. Mein Freund andererseits hat sich durch Anleitungen, Handbücher, Videos und Problembehandlungs-Guides gegraben, als würde das Schicksal der freien Welt davon abhängen. Glücklicherweise gibt es haufenweise Antworten für sämtliche Fragestellungen im Internet. Inzwischen hat er den Dreh einigermassen raus und hat sogar schon etwas 3D-Design an meiner Seite gelernt. Ich fürchte den Tag, an dem er den ganzen Prozess völlig alleine hinkriegt, aber bis jetzt holt er noch immer mich zu Hilfe, wenns um die komplizierten Teile geht.

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Bei falscher Kalibrierung druckst du dir sinkende Schiffe

Kürzlich haben wir (sprich: Er. Aber er hat mir versichert, dass das alles absolut notwendig ist) einen Haufen Filament in verschiedenen Farben, Klebbänder, Haftsprays, Mess- und Bastelwerkzeuge angeschafft und angefangen, wie wild zu drucken. Das Bild, wie er den Druckprozess kontrolliert und grösstenteils mit Kalibrationsdrucken beschäftigt ist, um verschiedene Druckeinstellungen zu probieren und prüfen ist jüngst einer der häufigsten Anblicke von ihm. Er ist aber in der Zwischenzeit auch dazu übergegangen, Dinge zu drucken, die den Drucker selbst verbessern - Er löst also Probleme, die wir zuvor gar nicht gehabt hätten.

Schlussendlich haben wir aber auch angefangen Dinge zu machen, die tatsächlich nützlich sind. Hauptsächlich Home-Fixes und kleine Dinge, um unser Leben zu vereinfachen. Einer der Plastikaufhänger für seinen Vorhang ist gebrochen, also haben wir einfach einen neuen und verbesserten gedruckt. Und letztens haben wir einen Handy-Halter entwickelt, der passgenau für sein iPhone mit der Hülle und die Rücklehne eines RBS Zug-Sitzes angepasst ist, so dass er sein iPhone an der Rücklehne aufhängen und auf seinem Weg zur Arbeit Videos schauen kann. So viel zu universellen Lösungen. Nach fünf Prototypen hatten wir ein funktionierendes Teil, das komplett von ihm designt, von mir modelliert und von ihm gedruckt wurde. Dieses Teil repräsentiert für meinen Freund die Essenz, die er sich vom 3D Drucken erhofft hat: Eine individuelle Lösung für ein alltägliches Problem, die du nirgendwo kaufen kannst.

Alles in allem ist es ein sehr cooles Projekt, das uns noch näher zusammengebracht hat. Er lernt ständig neues über den Drucker, Materialien und den gesamten Prozess, während ich meine 3D-Modelling-Fähigkeiten abstauben konnte. Teamwork! Es macht Spass und ist sehr befriedigend, eigene Dinge herstellen zu können, aber es ist ziemlich anspruchsvoll mit den gelegentlichen Problemen. Sei dir aber bewusst, dass du auch in ziemlich hitzige Diskussionen über die kleinsten Dinge geraten kannst, besonders wenn sein Hirn wie das eines Ingenieurs geschaltet ist und deines wie das eines Designers.

Kommunikation, Kooperation, Geduld, Vertrauen. All das sind Qualitäten, von denen nicht nur jede Beziehung profitiert, sondern die auch für dieses Projekt essentiell waren - und für jeden Drucker da draussen, weil sie knifflige Biester sind. Wenn du einen 3D-Drucker selbst bauen und zum Laufen bringen kannst, ohne dem Verlangen zu erliegen, ihn mit einem Schraubenschlüssel zu zertrümmern, kannst du das selbe mit deinem Partner, ohne einander in Stücke zu reissen. Wieso probierst du es also nicht einfach aus? Stell einfach sicher, dass der Schraubenschlüssel ausser Reichweite ist.

Zum Schluss noch die Früchte unserer Arbeit: Unser 3D-Drucker druckt zum ersten Mal etwas aus.

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Mariana Hurtado
Mariana Hurtado
Grafik-Designerin, Bern
Grafik-Designerin, Pokémon-Trainerin, tech-savvy und keine Schriftstellerin. Seit 2014 bin ich in der Schweiz. Ich führe einen steten Kampf gegen schlechtes Design.

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